von der Kropsburg zum Hilschweiher


Das Wetter draußen schreit förmlich nach einer Wanderung und vier Monate Lockdown sind echt genug. Nachdem wir unser Frauchen überzeugen konnten, dass sich unter der Woche im Pfälzerwald kaum Viren herumtreiben, sitzen wir nun voller Vorfreude im Zug nach Neustadt. Von dort geht es mit dem Bus weiter entlang der Weinstraße bis nach St Martin, wo wir heute unsere Tour beginnen wollen.

Noch benötigen wir weder Karte noch Wander-App, denn unser erstes Ziel ist die Kropsburg und die liegt (wie für Burgen üblich) hoch über der Stadt. Außerdem ist sie bereits vom Zentrum aus ausgeschildert.

Für uns bedeutet das erst mal, wir lassen das Dorf hinter uns und quälen uns durch die Weinberge hinauf. Diese Stufen sind echt nicht für kurze Drachenbeinchen gemacht.

Schon bald liegt die Burg vor uns.

Doch groß ist die Enttäuschung, als Frauchen uns mitteilt, dass man sie nicht besichtigen könne.

 

Die ursprüngliche Burg wurde bereits im Jahr 1200 (oder so) erbaut. Sie war eine von vielen Burgen, um die nahegelegene Reichsburg auf dem Trifels zu schützen. Deshalb liegt sie auch hoch über dem Ort, damit man weit in die Rheinebene schauen und den Feind rechtzeitig erkennen konnte. 1441 ließen sich die Ritter von Dalberg hier nieder und konnten ihre Burg heil durch Bauern- und Dreißigjährigen Krieg bringen. Doch dann kamen 1689 die Franzosen und machten alles platt. Das hat die von Dalbergs aber wenig beeindruckt, denn sie bauten ihre Burg kurzer Hand wieder auf und lebten dort noch bis zum Anfang des 19. Jhdts. Wer weiß, warum sie sie dann verkaufen wollten oder vielleicht auch mussten. Jedenfalls ist sie heute noch in Privatbesitz und deswegen dürfen wir da nicht rein. Nicht mal kurz überfliegen hat Frauchen uns erlaubt.

Bevor es durch die Berge weitergeht, genehmigt Fridolin sich noch einen ordentlichen Schluck aus dem Burgbrunnen. Hoffen wir mal, dass da wirklich Wasser und vielleicht nicht doch Wein fließt.

Also, wir müssen schon sagen, dass unsere App total bescheuert ist. Sieht doch jeder Drache, dass hier vor der Burg ein Parkplatz ist und es dahinter in den Wald geht. Die blöde App glaubt aber scheinbar, dass Personen (incl Drachen) diesen Parkplatz nicht überqueren dürfen und schickt uns den ganzen Weg bergab zurück nach St Martin, nur um uns dann wieder bergauf zu lotsen. So ein Blödsinn. Wir überqueren jetzt einfach ganz mutig diesen Parkplatz und folgen dem roten Punkt zu unserem nächsten Ziel.

Apropos bescheuerte App, auch die Wegweiser an den Bäumen sind nicht immer so ganz verständlich oder wie seht ihr dieses Wirrwarr an Wegzeichen?

Unser Frauchen navigiert uns jetzt mit Hilfe der App und dem roten Punkt Richtung Triefenbach und wir dackeln brav hinterher. Wenn die wüsste, dass wir Drachen weder App noch Wegzeichen brauchen, um uns zu orientieren. Ein Blick auf die Karte und wir wissen Bescheid.

Natürlich lassen wir uns auch nicht von breiten Wegen in die Irre führen, denn nicht immer ist der gut sichtbare Weg auch der richtige.

Schließlich müssen wir noch einmal die Straße queren und dann hören wir schon das Plätschern des Triefenbachs. Ab hier könnten wir dem roten Kreuz bis Edenkoben folgen, aber wir wollen erst noch ein Stück bachauf bis zu einem Wasserfall.

An der ersten Brücke ist Fridolin noch etwas zaghaft. Ob die ihn wohl trägt? "Na, komm schon und trau dich", versuchen wir ihn zu ermuntern. "Da sind schon ganz andere Kaliber rüber gelaufen."

Unsere App benötigen wir jetzt erst mal nicht mehr, denn der Bach bleibt unser Begleiter. Ein wenig matschig ist der Pfad an manchen Stellen, dabei hat es doch schon länger nicht mehr geregnet. Wie gut, dass wir Drachen diese Stellen einfach überfliegen können und uns nicht die Pfoten schmutzig machen müssen.

Den kleinen Umweg zum Wasserfall hätten wir uns sparen können. Das soll ein Wasserfall sein? Wo fällt der denn? Also wir würden das eher als Zufluß bezeichnen.

Nun denn, kehrt marsch und am Bach entlang, dem roten Kreuz folgend Richtung Hilschweiher.

Kennt ihr das Lied "über sieben Brücken musst du gehn"? So kommen wir uns gerade vor. Hätte man den Weg nicht auf einer Seite des Baches entlang führen können?

Mit jeder Brücke, die wir queren, wird Fridolin mutiger. Irgendwann möchte er sogar über den Baumstamm balancieren. Da hat er aber nicht mit unserem Frauchen gerechnet. Die findet sowas gar nicht toll und versteht dann auch keinen Spaß. Armer Fridolin!

Schon bald erreichen wir den Hilschweiher und die Hilschwasserquelle. Die wurde 1883 gefasst und kommt einem Wasserfall schon viel näher.

Gäbe es nicht das blöde Virus, könnten wir uns jetzt ein Boot mieten und ein wenig auf dem See paddeln. Wäre bestimmt lustig, Frauchen zu beobachten, wie sie versucht Kurs zu halten.

Es heißt übrigens, dass hier im Jahre 462 zwei Königskinder auf der Flucht aus dem Hunnenland Rast machten. Walther und Hildegunde hießen sie und kamen aus dem fernen Aquitanien.

Wir machen es ihnen gleich und stärken uns, bevor wir uns das letzte Stück der Tour vornehmen.

Nun ist auch die App wieder gefragt, denn wir verlassen den ausgeschilderten Weg und schlagen uns durchs Gebüsch. Nicht wirklich! Im Wald bleibt man schön auf den Wegen. Nein, wir folgen ein paar Seitenpfaden, bis wir auf den Pfad zum Friedensdenkmal stoßen. Der ist jetzt wirklich sehr schmal und zugewachsen. Zum Glück weist aber ein großes Schild in die richtige Richtung.

Ein ganzes Stück geht es jetzt bergauf, bis wir hoch oben auf dem Berg vor dem Friedensdenkmal stehen. 

Genau genommen ist das Friedensdenkmal ein Siegesdenkmal, denn es entstand 1899 zur Erinnerung an den Sieg im Krieg von 1870. Hoch oben auf dem Werderberg sollte es stehen, da man von hier bis Straßburg schauen konnte, wo die Signale des Sieges gegeben wurden. Sogar einen neuen Namen hat der Berg damals erhalten. Bis zu der Zeit hieß er nämlich Kiefernberg. Klingt aber viel toller, wenn so ein Platz nach einem preußischen General benannt wird.

In den 50iger Jahren war hier einiges los, denn das Denkmal war ein beliebtes Ausflugsziel. Doch irgendwann verlor es wohl seinen Reiz und fiel in einen Dornröschenschlaf. Ein Prinz war es sicher nicht, der Waldgaststätte und Denkmal 1989 zu neuem Leben erweckte. Nun, zur Zeit steppt hier auch nicht wirklich der Bär, aber das wird sich nach Corona hoffentlich wieder ändern.

Vom Denkmal geht es stetig bergab Richtung Edenkoben. Ein altes Schild zeigt uns den Weg. So wie das ausschaut, ist es bestimmt noch aus den 50igern, erfüllt aber noch immer seinen Zweck.

Ein kurzes Stück geht es steil hinab durch den Wald und dann liegt Edenkoben vor uns. Bevor wir mit dem Bus zurück nach Neustadt fahren, wollen wir noch einen Abstecher zur Mandelmeile machen. Mal schauen, wie weit die Mandelblüte ist.

In diesem Jahr sind wir definitiv noch zu früh. Nur ganz wenig Bäume stehen schon in voller Blüte.

Bei den meisten Bäumen zeigen sich aber schon Knospen und vereinzelt Blüten. In zwei Wochen werden wir wohl noch mal auf Tour gehen.


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