Römer, Reben und ein Schloss

Auch die Pfalz ist schön; manche machen hier sogar Urlaub. Eigentlich schaut man sich viel zu selten vor der Haustür um.

Da kommt eine Einladung nach Deidesheim doch gerade recht, um ein wenig die Gegend zu erforschen.


Römer und Reben

11.07.2015

29°C
29°C
32 km
32 km

Ich muss erst gegen 15:00 Uhr vor Ort sein. Da bietet sich ein Stopp an der Villa Rustica an, liegt sie doch auf dem Weg. (an der B 271 kurz vor Wachenheim - kein Eintritt - jederzeit frei zugänglich)


Ja, die alten Römer haben es sich auch in der Pfalz gutgehen lassen. Wein gab es ja auch damals schon.

Es muss aber mal ein großes Herrenhaus mit großzügigen Badeanlagen gewesen sein.

Die Toiletten kann man noch erkennen. Zwar ohne Zwischenwände, aber auch damals schon mit Wasserspülung.



Eine Villa Rustica war ein römisches Landgut. Leider sind

hier bei Wachenheim nur noch Grundmauern und ein erhaltener Keller mit Nischen zu sehen.

Den vielen Eidechsen scheint es hier aber zu gefallen.


Nur wenige Kilometer später bin ich schon in Deidesheim. Seit 770 wird hier nachweislich Weinbau betrieben und die Stadt ist eine der größten Weinbaugemeinden der Pfalz. Dazu aber später mehr.

 

In Deidesheim fällt einem gleich der Geißbockbrunnen ins Auge. Die Geschichte dazu geht aufs Jahr 1404 zurück. Damals erhielt die Nachbargemeinde Lambrecht die Erlaubnis im Deidesheimer Wald Rinder weiden zulassen. Als Gegenleistung mussten sie am Pfingstdienstag einen Ziegenbock liefern, der zu Gunsten des Stadtsäckels versteigert wurde.

Die Deidesheimer gaben sich aber nicht mit irgendeinem Bock zufrieden. Nein, "gut gehörnt und gebeutelt“ musste er sein.

Da blieb es natürlich nicht aus, dass man sich über die Qualitäten des gelieferten Bockes des Öfteren nicht einig war.

1808 wurde gar der große Napoleon gebeten den Streit zu schlichten. Deidesheim aber blieb mäkelig, sodass Lambrecht im Jahre 1852 die Lieferung einstellte, weil der Geißbock mal wieder nicht akzeptiert worden war. Das war den Deidesheimern natürlich auch nicht recht und so kam der Streit 1857 vor Gericht mit dem Ergebnis, dass Lambrecht weiter liefern musste und Deidesheim die Gerichtskosten zu tragen hatte. Irgendwie dumm gelaufen und so wird noch heute am Pfingstdienstag vom jüngsten Lambrechter Brautpaar ein Bock nach Deidesheim gebracht.

Bekannt ist Deidesheim aber nicht nur wegen der Geißböcke.

Im Deidesheimer Hof am Marktplatz lernte so mancher Staatsgast auf Einladung von Helmut Kohl das traditionelle Pfälzer Gericht Saumagen kennen und vielleicht auch lieben.


 

Erwähnenswert sind sicher auch das historische Rathaus                                                                              >>

 

Das Gasthaus „Zur Kanne“ wiederum gilt als das älteste Gasthaus der Pfalz. Lückenlos und urkundlich seit 1374 nachgewiesen sind alle jene Pächter und Wirte, die für das Wohl der Durchreisenden gesorgt haben.

 

 

 

 

 

 

 

<< und die Pfarrkirche St Ulrich

 


Genug Geschichte für heute. Bevor es im Steigenberger Hotel weitergeht, bleibt mir noch Zeit für ein leckeres Eis und die zwei Drachen vergnügen sich im Brunnen. (Auf mein Eis waren die zwei aber auch scharf)

Wer jetzt aber glaubt mit der Ankunft im Steigenberger Hotel würde der gemütliche Teil des Tages beginnen, hat sich gewaltig geirrt.

Begrüßt werden wir mit Sekt und frischen Erdbeeren (Yummy!!!) So lässt es sich leben! 

Aber dann! Bei hochsommerlichen Temperaturen werden wir durch die Weinberge zum Waldrand gescheucht. Spaß beiseite, so schlimm war der Aufstieg gar nicht. 

Zur Belohnung gibt es dann Saumagen und Wein. Ich bin ja eigentlich kein so großer Fan von unserem Pfälzer Nationalgericht (liegt wohl daran, dass ich kein Pfälzer bin), aber dieser hier war echt lecker.  

Zu unseren Füßen liegt der Paradiesgarten, einer von elf  Deidesheimer Weinlagen. Eva gibt es als Statue auch, aber wo steckt Adam?

Übrigens gibt es hier auch den sogenannte Prominenten-Weinberg. Bis du berühmt, kannst du einen Ehrenweinstock pachten. Margaret Thatcher hat einen und Gorbatschow ebenfalls.

Mir reicht der Blick von hier oben, der ist nämlich auch nicht zu verachten. Über die ganze Pfalz kann man schauen und im Hintergrund sogar Ludwigshafen erahnen.

Und jetzt wollen wir uns einfach nur noch von unseren Gastgebern verwöhnen und den Tag gemütlich ausklingen lassen.

Dazu müssen wir zwar noch den Weg zurück ins Hotel bewältigen, aber runter geht ja bekanntlich schneller als rauf und wenn ein leckeres Barbecue in Aussicht ist, geht es nochmal so schnell.

Bei Ankunft ist der Grill auch schon angeworfen und kurze Zeit später werden wir von Koch und Barkeeper verwöhnt, was das Zeug hält:  

(in die Garnelen hätte ich mich reinsetzten können)



Nach dem üppigen Mahl steht mir nicht mehr der Sinn nach einer Autofahrt im Dunkeln. Deshalb habe ich wohlweislich mein Bett für die Nacht bereits gebucht.



ein geschichtsträchtiges Schloss

12.07.2015

28°C
28°C
58 km
58 km

Gerne hätte ich mein Frühstück draußen auf der Terrasse eingenommen. Leider hatten gefühlte 30 Frühaufsteher die gleiche Idee und so muss ich mit einem Plätzchen im Innenraum vorlieb nehmen. Geschmeckt hat es trotzdem.

Gestärkt mache ich mich auf den Heimweg.

Wo wir aber schon mal in der Gegend sind und sozusagen gleich um die Ecke deutsche Geschichte geschrieben wurde, nehmen wir den Schlenker in Kauf.

 

 


Um 1801 war die Pfalz französisch und die Bevölkerung vertraut mit der Idee der Revolution:

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Doch dann ging Napoleons Ära zu Ende und ab 1816 stand die Pfalz unter bayrischer Verwaltung. Theoretisch blieben die Freiheitsrechte erhalten, praktisch sah das aber anders aus und es kam immer wieder zu Konflikten.

1832 hatte das Volk dann genug und es kam zu einer viertägigen Protestveranstaltung auf der Schossruine. Da politische Kundgebungen verboten waren, tarnte man das Geschehen als Volksfest. Unterstützt von zahlreichen anderen Volksgruppen, zogen etwa 30.000 Menschen zum Schauplatz.

Seit jenen Tagen gilt das Hambacher Schloss als Wiege der deutschen Demokratie.