Tempel, Tiger, Teeplantagen

Wer sich überhaupt nach Indien traut, fährt erst Mal in den Norden, nach Rajasthan mit seinen Palästen und Forts.

Südindien, sagt der Reiseführer, ist anders (und er hat Recht). Hier überwiegen Tempel und Natur. Nordindien hat mich vor einigen Jahren nicht schocken können; ich fand es weniger schlimm, als man mir hat weismachen wollen. Mal schauen, ob ich nach drei Wochen genauso vom Süden denke. Jedenfalls freue ich mich schon wieder riesig auf Chai und Naan.

Südindien StepMap Südindien

streikgeplagt

10.11.2015

15°C
15°C
6564 km
6564 km

Wenn einer eine Reise plant, kommt es oft anders als man denkt.

Da unsere gute alte Lufthansa mal wieder auf Streik aus ist, muss dringend ein Ersatz her, denn von denen lass ich mir meinen Urlaub nicht kaputt machen. So kurzfristig, eine Woche vor Abflug bleiben nicht viele bezahlbare Alternativen. Schließlich entscheide ich mich für Emirates, da sie ebenfalls Mumbai und Bangalore anfliegt. Das bedeutet zwar einen Zwischenaufenthalt am Airport Dubai, aber zum Trost sind wenigstens die Ankunfts- und Abflugzeiten besser.

Die Abreise verschiebt sich dadurch auf Dienstagabend. Eigentlich kein Problem, wenn ich pünktlich im Büro wegkomme. Um 14:00 Uhr dann die nächste Streikankündigung. Jetzt heißt es handeln und die Flatter machen, bevor die Info bei den Kunden ankommt und mir dadurch der pünktliche Feierabend versaut wird. Ach ja, mein LH-Flug für morgen ist jetzt auch gecancelled. Prima, so bekomme ich wenigstens mein Geld wieder.

Die Bahn zeigt sich von ihrer besten Seite und so bin ich vier Stunden vor Abflug am Flughafen. Schon komisch, wenn vor den LH-Schaltern keine Schlangen sind und die Check-in Schalter zu Umbuchungsschaltern werden.






Abflug für mich ist in Terminal 2 (nicht unbedingt mein Lieblingsterminal in Frankfurt) und da ist ein Besuch bei Mac Donalds Tradition.

 

 

Pünktlich um 19:45 Uhr wird geboarded und dann ist erst mal Warten angesagt. Frag mich ja echt, wieso man an einem solchen Tag Verspätung haben kann, wo doch so viele Slots gar nicht genutzt werden. Mit 60 Minuten Verspätung heben wir dann endlich ab.

 

Der Flug ist unspektakulär, das Essen ok und der Service auch nicht besser als bei den anderen Airlines. Eco ist halt Eco. Immerhin findet sich im Bordprogramm ein Film, denn ich noch nicht kenne und danach versuche ich ein paar Minuten zu schlafen bevor der Flieger zum Landeanflug ansetzt und es vorbei ist mit der Ruhe.

Die Jungs im Cockpit müssen übrigens ordentlich Gas gegeben haben, denn wir landen fast pünktlich um 6:05 Uhr in Dubai.

auf nach Bollywood

11.11.2015

35°C
35°C

Da sag mir noch mal jemand was von wegen langer Wege in Frankfurt. Fußlahm darf man in Dubai auch nicht unbedingt sein. Zumal man gefühlte 10 Kilometer in die eine Richtung läuft, nur um die nach Security wieder zurückzulaufen. Apropos Security, die ist in Dubai echt ein Witz. Nix Handy und Laptop und Kamera raus; da bleibt alles in der Tasche und der Junge am Bildschirm zeigt so viel Begeisterung, wie mein Sohn, wenn es um den Abwasch geht. Die scheinen sich hier echt sicher zu fühlen. Auch bin ich vom Airport Dubai etwas enttäuscht. Hatte mehr erwartet, nachdem er ja immer so gelobt wird von bestimmten Airline-Repräsentanten. Hat eigentlich schon mal jemand Frankfurt gelobt? 






Wenigstens habe ich die Möglichkeit die Zeit in der Marhaba Lounge zu verbringen. Ist zwar keine Hosh-Posh-Lounge aber bietet alles, was ich benötige: Wlan, Getränke und einen Snack. Da vergeht die Zeit rasch und von Dubai ist es dann nur noch ein Katzensprung nach Mumbai.


Bis hierher hat jetzt alles super geklappt. Mal schauen,wie das so weitergeht. Kilometer-mäßig steht Mumbai Dubai in nichts nach. Auch hier gefühlte zehn Kilometer bis zur Immigration. Warum kann man eigentlich die Einreisekarten nicht im Flieger verteilen? Würde das ganze sehr vereinfachen. Schließlich haut der nette Officer dann seinen Stempel in den Pass.

Nur der Koffer kommt und kommt nicht und ich sehe mich schon die nächsten Tage in den selben Klamotten herumlaufen. Zeit zum Einkaufen oder Koffer vom Airport holen ist im straffen Zeitplan eigentlich nicht vorgesehen. Meine Verzweiflung erreicht langsam den Höhepunkt, da taucht er zum Glück aus den Tiefen des Airports auf. Geldtausch und Customs sind dagegen ein Klacks und wenn jetzt noch mein Chauffeur vor der Tür steht, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Tut er aber nicht und ich will schon wieder Panik schieben, als ich entdecke, dass die hier vor der Tür warten müssen.

Alles gut und schon bald bin ich im Hotel.


Der erste Eindruck von Mumbai ist so gar nicht indisch. Klingt vielleicht blöd, aber alles ist sauber und es gibt keine Kühe auf den Straßen. Da war Delhi aber ganz anders

Oberoi ist hiermit offiziell in die Liste meiner

Lieblingshotelketten aufgenommen.

So umsorgt habe ich mich schon lange nicht mehr in einem Hotel gefühlt und man könnte fast glauben, die können Gedanken lesen. Kaum habe ich einen Wunsch geäußert, ist er auch schon erfüllt.

Schade, dass ich nach zwei Nächten schon wieder abreisen muss.





Ich bin zwar nach der schlaflosen Nacht im Flieger hundemüde und würde wahrscheinlich durchschlafen, wenn ich jetzt die Augen schließen würde, aber meinen ersten Sonnenuntergang will ich nicht verpassen.

Vor dem Hotel verläuft der sechsspurige Marina Drive und hier trifft sich abends halb Mumbai, um die Sonne im Meer versinken zu sehen. Leider ist es heute recht dunstig und so fällt das Schauspiel nicht ganz so spektakulär aus. Auch die Skyline von Mumbai's Manhatten verschwindet im Dunst. Alle diese Prachtbauten stehen auf einer Landmasse, die erst 1940 hier aufgeschüttet wurde.       

Höhlentempel & Kolonialflair

12.11.2015

35°C
35°C
30 km
30 km

Kaum bin ich in Mumbai angekommen, verlasse ich die Stadt gleich wieder für einen halben Tag.

Mein Ziel für heute ist die Insel Elephanta vor den Toren der Stadt. Nicht nur hat man auf der einstündigen Bootsfahrt einen schönen Blick auf Mumbai, nein die dortigen Höhlen gehören inzwischen auch zum Weltkulturerbe.

Pünktlich um 08:45 Uhr erwartet mich ein Guide in der Lobby und bringt mich zum Schiffsanleger. Dort treffe ich auf eine nette 72jährige Inderin, die mich heute begleiten wird.

Abfahrt ist gleich neben dem Gateway of India. Hier liegen viele, viele bunte Fährschiffe und warten auf Kundschaft. Besonders an Wochenenden ist die Insel ein beliebtes Naherholungsgebiet für Millionen von Menschen. Zum Glück ist heute erst Donnerstag. Trotzdem sollte man die Insel am Vormittag besuchen, denn dann halten sich die Menschenmassen noch in Grenzen. Die Challenge des Tages besteht darin über zwei Boote ins dritte zu steigen ohne ins Meer zu stürzen. Über das Vorhandensein und/oder die Anzahl der Schwimmwesten sollte man besser nicht zu lange nachdenken. Schließlich fahren die Boote täglich mehrmals mit zig Passagieren, da wird nicht ausgerechnet heute das meinige absaufen.







Nach einer Stunde Fahrt sind wir da. Vom vorgelagerten Pier fährt eine kleine Bimmelbahn zum Fuß des Berges. 





Von hier führen 126 steile Stufen hinauf zu den Höhlen. Der Weg ist gespickt mit Händlern, die lauthals ihre Waren anpreisen und Affen, die sie einem gleich wieder abnehmen wollen. Zweiter sind mir mit ihren messerscharfen Zähnen auch hier nicht geheuer und ich versuche sie in großem Bogen zu umgehen.






Muss ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben, weil ich mich bei 36°C lieber die Stufen hinauf tragen lasse? Oder kann ich beruhigt sein, da ich damit immerhin zum Einkommen der Männer beitrage. Schließlich ist hier nur vom Oktober bis März Saison.


Am Ziel angekommen, stehe ich vor dem großen Mahesha-Felstempel. Ich fand ja schon den Felsentempel in Petra überwältigend, aber dieser steht dem eigentlich in nichts nach, auch wenn er von außen eher unscheinbar wirkt. Bis zu 40 Meter tief sind die Höhlen in den harten Basalt getrieben und das bei einer Höhe von fünf Metern.

Gewidmet ist der Tempel Shiva, was man unschwer an den überlebensgroßen, reich verzierten Friesen erkennen kann. Ganze Geschichten erzählen sie, vom tanzenden Shiva, vom meditierenden Shiva und von seiner Hochzeit mit Parvati. Woran man das Hochzeitsbild erkennt? Da steht Parvati links von ihm und zwar warum? Offizielle Begründung: damit der Mann die rechte Hand für das Schwert frei hat um sich zu verteidigen. Romantische Begründung: weil links das Herz ist. Und die praktische Begründung: weil links der Geldbeutel steckt. Wer meinen Bericht über Nepal gelesen hat, weiß, dass in jedem Shiva-Tempel auch ein Lingam zu finden ist. Hier steht im Allerheiligsten ein fast meterhoher Phallus, bewacht von acht Türwächtern. Drumherum Räucherstäbchen und Blumengirlanden. Wer sich übrigens über die diversen Hindugötter schlau machen möchte, kann das im Bericht über Nepal tun. Da habe ich die wichtigsten zu Beginn erwähnt.

Zurück am Pier beginnt der zweite Teil der Stadtbesichtigung. Was fällt wohl den meisten spontan zu Mumbai ein? Und das nicht nur, weil es Hauptziel der Terroranschläge von 2008 war?

Die Antwort lautet natürlich Taj Mahal Palace Hotel. Ist schon ein imposanter Bau und wenn die nicht so teuer wären, hätte ich dort auch gerne übernachtet. Gehört es doch zu der Liste von Hotels, in denen ich gerne mal eine Nacht verbringen würde.

Zu verdanken haben wir dieses Prachtstück dem Industrie-Mogul Tata. Dem wurde der Zugang zu einem Hotel mit dem Hinweis "for Europeans only" verwehrt. "Dann baue ich mir eben mein eigenes Hotel", wird er sich gedacht haben. Wenn schon, denn schon und so entstand dann auch gleich das beste in Mumbai. Es ist ihm wahrlich gelungen und zum Glück war der Mann nicht nachtragend, sonst könnte und dürfte man als Europäer dort heute nicht übernachten.

Gleich daneben das Gateway of India. Hier war es, wo im Jahre 1911 zum ersten Mal ein britischer Monarch den Boden des indischen Kaiserreichs betrat. Damals noch durch einen, in aller Eile errichteten Pavillon aus Gips.

Erst 13 Jahre später wurde das heutige Wahrzeichen Mumbais, der 26 Meter hohe Triumphbogen eingeweiht. Ironie des Schicksals: durch eben diesen Bogen verließen nur 23 Jahre später die letzten britischen Truppen das Land.

Bevor wir uns den weiteren kolonialen Überresten der Briten widmen, ist erst mal essen angesagt.

Gut, dass ich alleine on Tour bin, so müssen wir nicht in eines der Touristenlokale. Das "Khyber" wirkt im Inneren ein wenig wie eine Höhle und passt daher zum heutigen Tag. Für mich gibt es Lamm-Tandoori, in Joghurt und Gewürzen mariniert und im Lehmofen zubereitet. Dazu mein geliebtes Naan, ein Fladenbrot, dass ebenfalls im Tonofen gebacken wird.

 


Khyber





Vor dem Restaurant kann man anschließend beim Straßenhändler etwas für die Verdauung kaufen. Wobei ich mir nicht so sicher bin, ob man als Touri nicht besser die Finger davon lässt. In Betelblätter werden verschiedene Gewürze eingewickelt, die man dann zusammen mit den Blättern kaut.


 

 

 

 

 

Gestärkt kann es weiter gehen mit der britischen Herrlichkeit. Die haben hier für die Ewigkeit gebaut. 

 

 

 

 

 

Ein Stück weiter passieren wir die Universität mit dem markanten, 80 Meter hohen Rajabul Turm. Von hier wurde zu Zeiten der britischen Kolonialherren viermal am Tag "God save the Queen" gespielt. Leider wird auch hier Touristen seit den Anschlägen der Zutritt verwehrt.

 

Eines der Prunkstücke ist sicher der Victoria Terminus (oder Chhatrapati Shivaji Terminus, wie er heute heißt). Wenn man es nicht vom Reiseführer wüsste, würde man das über und über verzierte Gebäude nicht für einen der meistbenutzten Bahnhöfe der Welt halten.


Für einen Apfel und ein Ei, oder besser lumpige zehn Pfund im Jahr, konnte die East India Company 1668 die Gegend pachten, auf der heute Mumbai steht. Mehr waren der britischen Regierung die paar moskitoverseuchten Inseln nicht wert. Hätten die mal damals ne Kristallkugel gehabt. Heute bekommt man für den Betrag nicht mal mehr ein paar Quadratzentimeter der Straßen, von denen behauptet wird, sie seinen mit Gold gepflastert. Einst ein unbedeutendes Fischerdorf, ähnelt die Silhouette der Stadt mit ihren Hochhäusern heute mehr der von Singapur oder Hongkong.

Einen ersten Eindruck davon erhält man vom Marine Drive.

"The Queens Necklace" wird er auch genannt, denn wenn am Abend die Häuser beleuchtet sind soll er aussehen wie eine Juwelenkette. Eine Vorstellung davon bekommt man aber auch am Tag, wenn es nur nicht so diesig wäre in Mumbai. 

Diese sechsspurige Küstenstraße fahren wir jetzt entlang zu einigen weiteren Sehenswürdigkeiten der Stadt. Eigentlich bin ich ja ein Fan von Städten am Meer, aber Mumbai gelingt es irgendwie nicht, mich in Begeisterung zu versetzten.

Warum kreisen wohl über der Stadt die Geier? In Afrika wäre das ein Indiz für eine erfolgreiche Jagd, aber in Indien? Geier sind Aasfresser und genau deshalb kreisen sie über den Türmen des Schweigens. Es handelt sich dabei aber nicht wirklich um Türme, sondern um im Kreis angeordnete Steinblöcke.

Hier legen die Parsen den Vögeln ihre Toten im wahrsten Sinne des Wortes zum Fraß vor. Luft, Wasser, Erde und Feuer sind den Parsen heilig und eine Verunreinigung derselben wird automatisch mit Hölle bestraft. Daher sind Feuer- und Erdbestattungen keine Option.

 

 

 

 

Es heißt übrigens die hängenden Gärten seien über den drei Wasserreservoirs der Stadt errichtet worden, um sie vor Verunreinigungen durch die Geier zu schützen. Auch von hier hat man einen Blick auf die Skyline dieser Megametropole. 

 

 

 


Slumdog Millionaire

13.11.15

35°C
35°C
62 km
62 km

Heute ist Mumbai hardcore angesagt. Schließlich besteht die Stadt nicht nur aus Bollywood und Taj Mahal Palace. Ich bin auch neugierig wie die Menschen hier leben. Dazu muss ich allerdings verdammt früh aufstehen. Um 5:10 Uhr steht mein Guide bereit um mir zu zeigen, was um diese Zeit in der Stadt bereits los ist.

 

 


Erster Stopp ist an den Sassoon Docks. Leider herrscht seit den Anschlägen auch hier Fotografierverbot, aber es wäre sowieso noch zu dunkel gewesen. Der Ort kann einen echt erschlagen, aber das liegt nicht am Geruch. Es riecht zwar logischerweise nach Fisch, aber nicht unangenehm. Schließlich ist ja alles frisch und erst am Morgen von den Fischer hierher gebracht. Hunderte von Lastwagen stehen bereit, um die ersteigerten Fische weiter zu transportieren. Und was es hier nicht alles zu kaufen gibt: Shrimps, Stachelrochen, große Fische, kleine Fische, Aale und die Dugfish. Es herrscht ein ungewöhnliches Gewimmel heute morgen. Frauen drängen sich durch die Menge mit Körben voll Fisch auf dem Kopf, Männer mit riesigen Schubkarren sind ebenfalls unterwegs. Nebenan wird heftig und lautstark ersteigert. Das kann man fast nicht in Worte fassen, sondern muss es erlebt haben. Wir bahnen uns einen Weg durch die Menge und ich warte nur darauf, dass mich jemand anrempelt und ich ins schmutzige Hafenwasser stürze. Absperrung oder Geländer ist nämlich Fehlanzeige und der Weg so schmal, dass kaum zwei Leute aneinander vorbei kommen und auf neugierige Touristen wird nicht unbedingt Rücksicht genommen. Wie gut, dass ich einen Kavalier dabei habe, der mir die Hand reicht und mich durch die größte Menge hindurch lotst. Und nein, ich bin nicht im Hafenbecken gelandet.


Ähnlich geht es weiter auf unserer Morgentour. Nicht weit entfernt ist der Ort, wo lebende Hühner in Lastwagen angeliefert werden. Im Inneren der Halle werden sie geschlachtet. Ich habe noch nie jemanden so schnell und sorgfältig ein Huhn rupfen sehen, wie hier.

Da gestern Feiertag war, werden heute leider keine Zeitungen ausgeliefert, so dass wir diesen Teil der morgendlichen Aktivitäten nicht beobachten können.

Kühe und Ziegen gibt es ja genug in der Stadt, auch wenn sie einem hier nicht auf Schritt und Tritt begegnen. Die heiligen Kühe müssen natürlich auch gefüttert werden und auch dafür gibt es in dieser Stadt eine Verkaufsstelle. Wer seiner Kuh was Gutes tun will oder muss, kommt hier vorbei und nimmt ein Bündel Grünzeug mit.

Es ist der Wahnsinn, wie in dieser Stadt die Verteilung der täglichen Nahrungsmittel organisiert ist.

Auf dem Weg zum Obstmarkt begegnen wir den Milchjungs, die auf ihren Fahrrädern die Milchbeutel (Tetrapacks gibt es hier nicht) zustellen.

 

 

 

 

Der Obst- und Gemüsemarkt ist dann endlich mal was, was ich von anderen Ländern kenne. Doch viele Sorte sind neu für mich und man staune, auch in Indien gibt es importierte Früchte, wenn auch nicht viele Sorten. Übrigens, die Erdbeeren gehören nicht dazu, die wachsen im Norden tatsächlich.

 

 

Korruption ist kein Fremdwort in Indien und so ist es kein Wunder, dass der Kräutermarkt sich entlang der Straße halten kann, obwohl er illegal ist. Die Händler verlassen den Platz sauber und gekehrt, wenn sie gegen 10:00 Uhr alles verkauft haben. Trotzdem düfen sie hier eigentlich nicht sein, da die Straße Staatseigentum ist. Denke aber, die Polizisten werden hier auch einkaufen und um den Schein zu wahren, wird auch hin und wieder eine Razzia durchgeführt.

 

 

Bleibt noch was, um das Ganze abzurunden? Richtig, der Blumenmarkt. Viele kunstvolle Gestecke und Girlanden gibt es hier, um in den Tempeln der diversen Götter zu huldigen, aber man kann auch einen Strauß Rosen für die Liebste kaufen oder Lotusblumen, die Buddha geweiht sind. Sie wachsen in schlammigen Gewässern und bringen doch so prachtvolle Blüten hervor. Eine solche Blüte bekomme ich von meinem Guide überreicht. (Ist er jetzt mein Lotuskavalier?)

Erschlagen von so vielen Eindrücken komme ich wieder am Hotel an. Jetzt muss ich mich erst bei einem leckeren Frühstück stärken, denn heute steht noch mehr indisches Leben auf dem Programm.

Pünktlich um 9:30 Uhr geht es wieder los mit Teil zwei des etwas anderen Mumbai.

Erstes Ziel ist Dobi Ghat oder auch das Ufer der Wäscher.

Hat es schon Mal jemanden interessiert, was denn so mit der eigenen Wäsche geschieht, nachdem man sie morgens im Hotel abgegeben hat? Na, vielleicht kann er sie hier wieder entdecken. Hier am Ufer liegen über 1000 kleine Parzellen, von niedrigen Betonmauern umgeben und von Wasser umflossen. Erinnert mich ein wenig an die Färber in Fez, nur das es weit weniger unangenehm riecht. Seit 150 Jahren werden hier unverändert mehrere Tonne Wäsche aus der Stadt geschrubbt, gewrungen und geprügelt.

Wer kennt nicht den Film "Slumdog Millionär"? In Dhavari, Asiens größtem Slum spielt er und wurde er auch gedreht.

1 Million Menschen leben und arbeiten hier auf 2 km². Ungewöhnlich für einen Slum liegt dieser inmitten der Stadt. Das war nicht immer so. Wie alle Slums dieser Welt lag er ursprünglich am Stadtrand, aber Mumbai ist um ihn herum gewachsen und wer weiß, wie lange es ihn noch geben wird. So eine Fläche im Stadtzentrum ist unbezahlbar.

Noch aber wird hier recycled was das Zeug hält. In riesigen Säcken wird Plastik jeder Art angeliefert, sortiert, geschreddert und an Fabriken geliefert. 

In anderen Ecken werden Ledertaschen hergestellt, Wäsche gefärbt und Holz verarbeitet.

 

Zimperlich darf man nicht sein, bei einer solchen Tour, denn überall steht oder fließt Wasser (gewaschen wird sich auf der Gasse), gepflastert sind die engen Wege und Gassen nicht wirklich und so mancher Gullideckel sieht nicht unbedingt vertrauenswürdig aus. Ziegen und Hunde machen auf den Wegen ihr Nickerchen und es kann auch schon mal eine Ratte vorbeihuschen.

 

 

 

 

 

 

Beim Blick auf die Stromzähler wundert es mich, dass es hier erstens überhaupt was zu zählen gibt und zweitens, wer denn wohl wieviel bezahlt.

 

Arbeit und Privatleben werden hier strikt getrennt und so   gibt es einen Wohnbereich und den Bereich mit den Werkstätten. Dazwischen fließt der Mahim und ich möchte wirklich nicht so genau wissen, wo er seine lila Farbe her hat.

Ein wagemutiger Sprint über die Straße bringt uns in den Wohnbereich. Bis zu drei Wohnungen liegen hier übereinander und mich faszinieren besonders die steilen Treppen nach oben. Betrunken darf man da nicht nach Hause kommen und auch für alte Leute finde ich sie ziemlich ungeeignet. Auch hier gibt es enge Gassen, aber auch weite Plätze und Einkaufsstraßen mit Bäckereien, Gemüsehändlern und sogar Arztpraxen. 

Wer jetzt glaubt, mehr geht nicht, der irrt. Nicht weit entfernt liegt Bandra, ein weiterer Slum, direkt an der Bahnlinie. Hier leben nur 500 000 Menschen, aber die Gassen sind noch enger und dunkler. Zwei Personen kommen fast nicht aneinander vorbei und die Gebäude aus Wellblech sind hier bis zu fünf Stockwerke hoch. Wusste gar nicht, das Wellblech so stabil ist. Also verglichen mit Mumbai sind die Townships in Kapstadt und Windhoek die reinsten Nobelviertel.

Gleich nebenan liegt ein ebenfalls aus britischer Kolonialzeit stammender Bahnhof. Unschwer zu erkennen, aber nicht annähernd so eindrucksvoll, wie Victoria Station.

Heute ist Feiertag, da sind die Züge nicht wirklich voll, fahren aber trotzdem mit offenen Türen. Da würde in Deutschland selbst ein Straßenbahnfahrer einen Zusammenbruch erleiden. Hier ist das gang und gäbe und zur Rushhouer hängen Trauben von Männern in den Eingängen.

Für mich endet hier eine äußerst eindrucksvolle Reise durch das andere Mumbai, das wohl viele Touristen scheuen zu entdecken und doch ist es ein Teil dieser Stadt und sogar ein recht interessanter.


Jetzt wird es aber Zeit zum Flughafen zu fahren, denn ich will heute noch nach Aurangabad.

Abgesehen von Kleinigkeiten, hat bisher alles super geklappt. Nachdem aber 30 Minuten nach der bestellten Zeit noch immer kein Fahrer aufgetaucht ist, fange ich langsam an mir Sorgen zu machen. Der Abendflug ist der letzte für heute und morgen ist bereits Programm gebucht. Dummerweise habe ich zwar den Kontakt von Sixt, aber nicht den vom Fahrer. Wie schön, dass es die rettenden Engel vom Oberoi gibt. Der Typ kennt doch tatsächlich noch meinen Namen und hat in seinem schlauen Buch sogar die Nummer vom Fahrer. Kann ja auch von Vorteil sein, wenn man vor lauter Terrorangst die Autokennzeichen und Nummern der Fahrer in Listen einträgt. Ein Anruf und er kann mich beruhigen, dass der Fahrer so gut wie da ist. Dadurch wird er zu meinem Held des Tages und Oberoi zu meiner neuen Lieblingshotelkette.

 

Aber noch sind wir nicht am Flughafen und den ersten Teil der Strecke geht es nur im Schritttempo voran. Ich habe zwar genügend Zeit eingeplant, aber eine halbe Stunde ist ja bereits verloren.

Durch die vielen Touren der letzten zwei Tage kenne ich Mumbai inzwischen ganz gut und weiß, dass der Stau sich noch ein wenig hinziehen wird, bevor wir wieder freie Fahrt haben werden.

Ende gut, alles gut – ich bin schließlich doch 2.5 Stunden vor Abflug am Flughafen. Der nationale Teil ist nicht wirklich prickelnd und es graut mir schon vor Sonntag, wenn ich hier vier Stunden auf meinen Anschlussflug nach Chennai warten muss. 

Nach Aurangabad fliegen um diese Zeit wohl nicht mehr so viele Leute und so steht nur eine ATR für uns bereit. Zum Glück wird in Indien nicht gestreikt und Jet Airways gehört auch nicht zu den Wackelkanditaten, was die Liquidität angeht. Auch hier scheint gerade Rushhour zu sein und so starten wir mit etwa 20 Minuten Verspätung. Aurangabad ist aber nur eine knappe Flugstunde entfernt und das Hotel gleich um die Ecke.

Die Stadt an sich ist nicht besonders schön und bietet auch kaum sehenswertes. Warum es mich hierher verschlagen hat, werdet ihr morgen feststellen. Jetzt ist erst Mal schlafen angesagt.

Hier zeigt sich aber überdeutlich das Sterne nicht gleich Sterne sind. Das WelcomHotel Rama International hat zwar auch 5 Sterne, aber im Vergleich dazu hätte das Oberoi mindesten zehn verdient. Der Empfang ist höflich, aber nicht zuvorkommend oder hilfsbereit.

Zimmer und Bad sind geräumig, das Zimmer mit Holzboden. Internet kostet 600 INR für einen Tag. Das ist nicht all zu viel, wenn es denn funktionieren würde, aber bei der Geschwindigkeit bin ich schneller zu Hause als meine Facebook-Nachricht.

Im kleinen Garten liegt ein Pool, den zu nutzen ich aber nicht die Zeit habe.

Das Frühstücksangebot ist eher übersichtlich und bei 50 Japanern/Chinesen im Raum, nehme ich nur das Nötigste zu mir und flüchte wieder. (Will damit aber nicht sagen, dass ich bei 50 Deutschen länger geblieben wäre. Gruppen und gemütlich frühstücken sind leider unvereinbar)


WelcomHotel Rama International (5*)


Höhlenforscher

14.11.2015

29°C
29°C
228 km
228 km

Früh um 7:30 Uhr geht es heute bereits los, denn wir haben einiges auf dem Programm.

Ajanta, welches wir heute zuerst ansteuern, lag einst in der Nähe wichtiger Handelsrouten. Reiche Kaufleute kamen vorbei und zeigten sich recht spendabel, wenn die ansässigen Mönche mal wieder Geld brauchten. Natürlich floss das Geld nicht ohne Hintergedanken, denn man erhoffte sich Wohlwollen von den Göttern und gute Geschäfte. Immerhin haben wir diesen Motiven (ob jetzt religiös oder doch eher materialistisch) eine ganze Kette von Höhlen zu verdanken, die zusammen ein buddhistisches Kloster bilden.


29 Höhlen sind es, die hier halbkreisförmig aus dem Fels oberhalb des Flusses geschlagen wurden. Es handelt sich demnach nicht um natürliche Höhlen, sondern jede Säule, jede Skulptur, alles wurde nur mit Hilfe von Hammer und Meißel aus dem Felsgestein gehauen.

Lange waren sie vergessen, bis ein britischer Offizier sie 1819 zufällig beim Jagen wiederentdeckte.

Sie alle zu besuchen ist fast unmöglich, zudem einige nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind.

Vom Parkplatz geht es mit dem Shuttelbus zu den Höhlen. Bevor man den aber erreicht, muss man sich durch eine Menge verkaufswütiger Händler arbeiten. Auf dem Rückweg kann mein Guide den Fahrer überreden, uns vorher raus zu lassen. So bleibt mir ein zweites Bad in der Verkäufermenge erspart. 

Bei den Höhlen ist treppensteigen angesagt. Ich könnte mich ja wieder ganz Maharadscha-mäßig hochtragen lassen, aber es gibt hier auch einen weniger steilen Pfad und nachdem ich später die schmalen und steilen Treppen gesehen habe, bin ich doch froh, mich hier nicht auf die Trittfestigkeit von vier Männern verlassen zu haben. 

 

 

 

 

 

 

 

Ein paar der Höhlen werde ich mir jetzt vornehmen und von innen betrachten. In den meisten sind die prächtigen Wandmalereien bereits verblasst. Nicht so in der quadratischen Höhle Nummer 1, wo Ereignisse aus dem Leben Buddhas dargestellt sind. 

 

 

 

 

 

 

Mit ähnlich farbenfrohen Gemälden kann Höhle Nummer 2 aufwarten. Man könnte hier Stunden verweilen, um alle Einzelheiten zu entdecken. Unter anderem ist hier Buddhas Geburt dargestellt und wie der Neugeborene seine ersten sieben Schritte macht.




Höhle 10 ist die älteste und stammt aus dem 2. Jhdt. v. Chr. Sie ist auch die größte Hinayana-Chaitya-Halle. Wahrscheinlich bedingt durch ihr Alter, sind die Fresken hier sehr schlecht erhalten. Ihrem Bogen haben wir die Entdeckung der Höhlen zu verdanken, denn das war, was dem britische Offizier ins Auge fiel.  





Fast in der Mitte des Bogens liegt Höhle 17 und hier haben wir Buddha pur. Schon den Haupteingang zieren die sieben früheren Buddhas und der Zukunftsbuddha. Viele der Malereien erzählen von den früheren Inkarnationen des Buddha.

Höhle hin, Höhle her! Mir gefällt dieser Treppenaufgang auch sehr gut. 

 

 

 

 

 

 

Das Beste zum Schluß. 22 Meter ist sie lang, 11 Meter breit und 10 Meter hoch, die Höhle 26. Auch sie hat im Inneren eine Stupa zu bieten. Durch die reich verzierten 26 Säulen und die Steinrippen der Decke, hat man ein wenig das Gefühl in einer Kathedrale zu stehen. Nur der liegende Buddha will da nicht so ganz ins Bild passen.

Wer jetzt glaubt, das kann man nicht mehr toppen, der irrt. Aus welchen Gründen auch immer, verliessen die Einwohner Ajantas ihre Höhlen Ende des 6.Jhdts und zogen 100 Kilometer südwestlich nach Ellora. Hier begannen sie abermals Tempel und Höhlen aus dem Fels zu hauen und zu verzieren. Zuerst kamen die Buddhisten und Hinduisten, später die Jains und so entstanden in einem Zeitraum von 500 Jahren insgesamt 34 Höhlen.

Auch wir fahren die 100 Kilometer, denn das Highlight des Tages wartet noch auf mich.

Betritt man die Höhlen, so fallen einem die Unterschiede der drei Religionen auf.

Auch hier gibt es die buddhistischen Höhlen mit ihrer Säulenhalle, die auf die Stupa zulaufen. Buddha, in welcher Form auch immer, ist in jeder dieser Höhlen zu finden.

Im Gegensatz zu Ajanta finden sich hier auch zwei- und sogar dreigeschossige Höhlen. Auf den ersten Blich wirken sie fast wie der Rohbau einer Appartementanlage, doch auch sie wurden von oben nach unten aus dem Stein gehauen.

Ganz anders bei den hinduistischen Höhlen. Hier ist Shiva an der Macht und vorbei ist es mit der Ruhe und Harmonie. Diese Kultstätten strotzen nur so von Reliefs mit Szenen aus dem Leben Shivas, aber auch Vishnus.

Kommen wir aber zum Höhepunkt dieser Anlage, die wohl nicht ohne Grund in der Mitte der 34 Höhlentempel plaziert ist.

Wer ist blos damals auf die Idee gekommen, einen Tempel aus Stein zu hauen? Hört sich erstmal nicht so spektakulär an, ist es aber. Zuerst wurde in jahrelanger, mühseliger Kleinarbeit 150.000 Tonnen Vulkangestein abgetragen und zwar so, dass in einem Hohlraum ein 30x60 Meter großer Felsbrocken stehen blieb.  

Nun kamen die Steinmetze und Bildhauer dran und meißelten daraus einen kompletten Tempel mit Vorhallen, Hof, Nandi-Schrein und Stufenturm. Und das alles aus dem Kopf! Da war höchste Konzentration angesagt, denn Fehler hätte man nicht korrigieren können.

Symbolisieren sollte dieses Felsenheiligtum den heiligen Berg Kailash, den Wohnsitz der hinduistischen Götterwelt. Deren Abenteuer und Geschichten kann man in den vielen Reliefs verfolgen.

Nach so vielen Felsheiligtümern in geballter Form bin ich erst Mal platt. Wie gut, dass ich mich ganz entspannt zurücklehnen kann, während mein Fahrer mich zum Hotel in Aurangabad zurück kutschiert.

ab in den Süden

15.11.2015

27°C
27°C

Es steht ein sehr langer Reisetag bevor. Ziel ist Chennai, wo ich dann auf die Gruppe treffen werde.

Um 4:30 Uhr ist die Nacht zu Ende. Mein Transfer ist für 5:30 Uhr geplant, aber vielleicht kann ich ja schon früher los. Ich bin nicht so hart gesotten, wie meine Kunden, die ohne mit der Wimper zu zucken 30 Minuten vor Abflug am Flughafen erscheinen. Geht bei mir gar nicht. Frühstück gibt es um diese Zeit noch nicht und so kann ich mich tatsächlich bereits um 5:00 Uhr auf den Weg zum Flughafen machen. Wäre nicht nötig gewesen, aber ich muss den Tag ja nicht gleich mit Stress beginnen..






Aurangabad Airport ist sehr übersichtlich und um diese unchristliche Zeit geht auch nur ein Flieger raus, der uns in knapp 50 Minuten nach Mumbai bringt.


 

 

Wie schon erwähnt, ist das Domestic-Terminal von Mumbai nicht besonders einladend. Im Cafe gönne ich mir erst Mal ein anständiges Frühstück, denn das Sandwich an Bord war nicht so ansprechend.

 

Irgendwann sind dann auch fünf Stunden rum und es kann weiter gehen nach Chennai. Der Abflugsbereich mag ja etwas chaotisch wirken und Erstflieger verunsichern, aber eigentlich hat alles seine Ordnung und ist organisiert. Pünktlich 45 Minuten vor Abflug öffnet das Gate, wobei Gate weit hergeholt ist. Es handelt sich nur um eine Reihe von Schaltern, dahinter eine Tür (für 10 Schalter wohlgemerkt) und dann steht man vor einer langen Reihe von Bussen. Im Klartext heißt das: vor dem richtigen Schalter anstehen, danach munteres Mixen der Passagiere der verschiedenen Schalter, nur um sie draußen wieder fein säuberlich auf die richtigen Busse zu verteilen. Damit keiner den falschen Bus erwischt, steht jeweils ein Schild mit dem Zielort davor. Ein wenig Konzentration ist also angesagt, wenn man in Mumbai einen Inlandsflug boarden möchte. Übrigens, so pünktlich wie die Schalter öffnen, schließen sie auch 25 Minuten vor Abflug wieder, ohne wenn und aber.

Unser Flieger steht gegenüber am internationalen Terminal. Da ist eine kleine kostenlose Flughafenrundfahrt im Preis inklusive. Und was es da nicht alles zu sehen gibt: die Gepäcksortieranlage, bestehend aus vielen, vielen fleißigen Händen, die die ankommenden und abgehenden Koffer per Hand sortieren (nix scannen und so. Ob die wohl die ganzen Drei-Letter-Codes kennen?? Und ob mein Koffer den Weg von einem Flieger zum anderen gefunden hat?)  und große moderne Wartungshallen, die zumindestens von außen den Vergleich mit Frankfurt nicht scheuen müssen.Was mich dann aber doch etwas aus der Bahn wirft, ist der Slum direkt am Flughafen. Keinen Meter hinter der Absperrung stehen die ersten Wellblechhütten und die Wäsche flattert am Stacheldrahtzaun munter im Wind. Das stelle man sich mal in Frankfurt vor. (nicht das da einer wohnen wollte, aber wenn...)

 

Zwei Stunden später dann ein etwas stürmischer Anflug auf Chennai. Hier regnet es seit Tagen und ich hoffe das bleibt nicht so. Hatte zwischenzeitlich auch schon die Befürchtung, dass Ikarus die Reise wegen des Moonsoons abgesagt haben könnte und ich da ganz alleine stehe. Der Koffer kommt, wie immer auf dieser Reise, als einer der letzten. Immerhin kommt er, folglich scheint die "Sortieranlage" in Mumbai zu funktionieren.

Und dann ist für heute doch noch Panik angesagt. Zum ersten Mal steht nämlich keiner mit Schild am Ausgang und mein Handy verweigert die Mitarbeit und will kein Netz finden. Ist die Reise etwa doch abgesagt und man hat mich nur nicht erreicht? Um 16:00 Uhr beschließe ich ein Taxi ins Hotel zu nehmen. Heute ist Sonntag, da erreiche ich sowieso niemanden und um die Umorganisation kann ich mir dann morgen Gedanken machen.

Kaum habe ich mit einem Taxifahrer den Preis ausgehandelt, erscheint doch noch ein Mensch mit dem ersehnten Schild. Was ein Glück, denn 5 Minuten später wäre ich fort gewesen.

Es regnet hier schon den ganzen Tag und die Straßen sind teilweise leicht überflutet. Entsprechend stockend ist der Verkehr, aber zum Glück ist es nicht all zu weit zum Hotel. Die nächsten zwei Wochen muss ich mich jetzt zum Glück um nichts mehr kümmern.

Sterne sind nicht gleich Sterne, wie ich ja bereits erwähnt habe. Das Lemon Tree in Chennai hat nur vier davon, aber der Empfang und die Hilfsbereitschaft sind tausendmal besser als in Aurangabad.


Der Typ wollte nicht mal Trinkgeld nehmen. Das Zimmer ist sehr geräumig mit Holzfußboden und geräumigem Bad. Internet ist für eine Stunde frei und selbst meinen Masala Chai kann ich mir machen (wenn auch nur als Teebeutel)


Lemon Tree (4*)


Nachdem ich mich jetzt ein paar Tage mit Tempel in Höhlen beschäftigt habe, geht es weiter gen Süden, wo ich auf meine Gruppe stoßen werde. Dort erwarten uns noch mehr Tempel, aber auch Landschaften und die Backwaters. 

Tempel, Tiger, Teeplantagen (2)            (Tamil Nadu)