Klöster und Kirschtorte

Wer mich kennt, der weiß, dass ich bekennender Deutschlandfan bin. Ja, die große weite Welt ist auch interessant und bietet viel aufregendes, aber dabei vergisst man oft, wie wunderschön unser eigenes Land ist. Darum ist es mal wieder an der Zeit, sich einen Teil von Deutschland genauer zu betrachten.

Schwarzwald, das ist Kirschtorte und Kuckucksuhr, Schinken und Bauernhäuser, Trachten und Kirschwasser, Panoramastraßen und und und....

Folgt mir einfach und lasst euch von den Schönheiten in Deutschlands höchstem und größtem Mittelgebirge überzeugen.

Schwarzwald StepMap Schwarzwald

Herrgottsb‘scheißerle

03.06.2016

22°C
22°C
144 km
144 km

Deutschland ist ja bekannt für seine vielen Panoramastraßen. Einigen davon werde ich auf meiner Tour durch den Schwarzwald folgen.

 

Beginnen werden wir heute mit der Klosterroute Nordschwarzwald, auch wenn das erste Ziel nicht unbedingt in die Kategorie Kloster fällt. (oder vielleicht doch?)


Ein Schloss und vier Fürstbischöfe, die es bewohnten. Aber was ist ein Fürstbischof überhaupt?

Sagt ja eigentlich schon der Name. Ein Fürstbischof war gleichzeitig geistliches Oberhaupt (und damit hätten wir unsern Bezug zum Kloster) und regierender Landesherr. Damit hatte er doppelte Macht. Ob das immer so eine gute Idee war?

Der erste Herr von Schloss Bruchsal war Damian Hugo von Schönborn. Er war Fürstbischof von Speyer und wollte eigentlich den zerstörten Palast von Speyer wieder aufbauen. Die protestantischen Speyerer waren aber auf den Fürstbischof nicht gut zu sprechen und stellten sich quer. Pech, so bekam Bruchsal stattdessen ein Schloss.

Schönborn war der Sparsame. Er lieh sich Architekten von seinen Verwandten aus und überließ die Detailplanung vor Ort heimischen Handwerken. Gewusst wie!

 

Hat aber nicht immer so geklappt, denn bei der Ausmalung der Hofkirche gab es Ärger. Begonnen hatte sie ein Italiener, der aber nach einem Jahr unerwartet verstarb. Nun musste Ersatz her und das war Cosmas Damian Asam; berühmt, gefragt und deshalb teuer. Kaum hatte er begonnen, wollte er den Winter in seiner Heimat verbringen. "Geht ja mal gar nicht", dachte der Fürstbischof, musste aber feststellen, dass der Maler ein gutes Stück vorangekommen war, aber eigenmächtig den Entwurf verändert hatte. Letztendlich ging die Geschichte gut aus. Scheinbar konnte man sich zur Zufriedenheit des Hausherrn einigen und dieser bedankte sich mit einem Rehbock.

Aber auch das berühmte Treppenhaus geht irgendwie auf des Hausherrn Kosten. Durch eigenmächtiges Handeln, indem er mal eben ein Zwischengeschoss einfügen ließ, verursachte Schönborn eine verzwickte Situation. Plötzlich war die Treppe zu kurz und niemand konnte das Problem lösen. Niemand außer dem berühmten Baumeister Balthasar Neumann. Der übernahm dann mal kurzer Hand die Bauleitung, veränderte den leicht ovalen Grundriss und damit die Länge der beiden Treppenläufe. Voilà und schon passte alles wieder.


 

 

 

743 zog Franz Christoph von Hutten ein. Er war ein gütiger Mann, aber er lebte zu Zeiten des Rokoko. Da wurde nicht gespart, sondern man schwelgte in Prunk und Vergnügen. Huttens Ausgaben waren enorm, denn ein größerer Hofstaat musste her, neue Möbel und Gemälde kamen ins Schloss und Wandvertäfelungen mit Schnitzereien entstanden.

Zu seiner Zeit entstand auch der festlichste Raum im Schloss. Prächtige Säulen, feingliedriger Stuck, Marmor und Gold, das alles ist im prachtvollen Marmorsaal zu finden. Lenkt man den Blick nach oben, so tummeln sich dort zahllose Götter und andere Figuren.

 

August von Limburg-Stirum war dann wieder der eher sparsame, aber auch soziale Fürstbischof, denn ihm hat die Stadt Bruchsal ein Waisen-, ein Zucht- und ein Armenhaus sowie Spital und Lateinschule zu verdanken.

 

Wilderich von Walderdorf schließlich war der letzte Fürstbischof von Speyer und regierte nur ganze fünf Jahre.

 

Dann zog eine Frau ein: Amalie von Baden, bekannt auch als "Schwiegermutter Europas", da fünf ihrer Töchter bedeutende Fürsten heirateten. Ihr zu Ehren steht vor dem Schloss ein Brunnen. Wären da jetzt nur die Wappen ihrer Schwiegersöhne, fände ich ihn nicht unbedingt erwähnenswert. Mir gefallen aber die vielen Schnecken am Brunnenrand. Hat hoffentlich nichts zu bedeuten hinsichtlich der Schnelligkeit im gegenüber liegenden Amtsgericht. Übrigens war die Schnecke bei Hofe auch als "Schwäbische Auster" bekannt und beliebt.

Weiter geht es nun zum ersten echten Kloster und dort beginnt dann auch die Klosterroute Nordschwarzwald, eine von vier touristischen Straßen, denen ich auf meiner Rundreise folgen werde. Seit 1999 verbindet die rund 100 Kilometer lange Strecke drei Kleinode für Klosterfreunde, nämlich das Weltkulturerbe Maulbronn, Kloster Hirsau und die Benediktinerabtei Alpirsbach. Zwei Tage werde ich auf dieser Strecke unterwegs sein und wer bei so viel geistlichem durchhält, wird am Ende belohnt. Womit? Abwarten!

 

Schon nach kurzer Fahrt sind wir am Kloster Maulbronn. Das hat es immerhin in die Liste der Weltkulturerben geschafft. Wohl auch, weil es die am vollständigsten erhaltene Klosteranlage des Mittelalters ist, zu mindestens in unseren Breitengraden.

 

Gegründet wurde die Abtei "Mulenbrunnen" 1138. Wasser war eine wirtschaftliche Voraussetzung für die Gründung eines Klosters. Doch wie findet man den richtigen Ort? Na, da schlagen wir doch einfach mal in der Gründungslegende nach und die besagt, dass Ritter Walter von Lomersheim einst einen Esel mit einem Geldsack belud und ihn los schickte. Dort, wo der seine Last abwerfen würde, wolle er ein Kloster bauen. Das arme Tier war wohl irgendwann durstig und brachte durch Hufschläge eine Wasserquelle hervor. Genau an jener Stelle wurde das Kloster errichtet.

Na dann mal rein in die gute Stube. Wir betreten die Anlage durch fast 900 Jahre alte Portaltüren und stehen im Paradies (wie passend für ein Kloster). Bevor wir jetzt aber nach Adam und Eva suchen, noch ein Wort zu den Türen. Diese zählen zu den ältesten in Deutschand. Tannenbretter aus dem Schwarzwald wurden mit Tierhäuten bespannt und mit eisernen Ornamenten beschlagen.

 

Bereits das Paradies zählt zu den schönsten Räumen in Maulbronn und wir sind erst am Anfang. Schade, dass der Baumeister dieser weiträumigen Vorhalle unbekannt ist. 

 

und die Mönche konnten sogar über eine Treppe direkt vom Schlafsaal zu ihren nächtlichen Gebeten und Gesängen gelangen. Ob die das immer so toll fanden?

Die Mönche hatten aber nicht nur direkten Zugang von den Schlafgemächern, sondern auch vom Kreuzgang. Macht schließlich auch Sinn, verbindet er doch die wichtigsten Funktionsräume eines Klosters.

Nur ein Schritt von hier und wir stehen in der Klosterkirche. Durch eine Chorschranke ist sie in Mönchschor und Laienkirche getrennt. Musste ja alles seine Ordnung haben


Hier befand sich auch das Kalefaktorium, der einzige beheizbare Raum im Kloster. So verfroren, wie ich bin, wäre so ein Kloster definitiv kein geeigneter Aufenthaltsort für mich gewesen und dann noch nachts bei Kälte raus zum Beten.


Wandert man einmal durch den gesamten Kreuzgang, werden einem nicht nur die unterschiedlichen Fenster, sondern auch verschiedene Baustile auffallen. Hat wohl ein wenig länger gedauert, bis die Anlage fertig war und umgebaut wurde über die Jahrhunderte auch immer wieder.

 

 

 

 

Im Nordflügel befindet sich das Brunnenhaus. Hier fanden unter anderem rituelle Waschungen statt.

 

 

 

 

Ebenfalls vom Kreuzgang aus zu erreichen waren Herren- und Laienrefektorium (oder Speisesäle auf gut deutsch). Im Herrenrefektorium speisten die Mönche schweigsam, während ihnen aus der Bibel vorgelesen wurde. 27,20 x 11,50 Meter ist dieser doch recht repräsentative Raum mit Malereien im Deckengewölbe und hochwertigen Steinmetzarbeiten. Hier speiste definitiv die höhere Klasse, aber widerspricht das nicht ein wenig dem Klostergedanken?

Weniger feudal ging es im Laienrefektorium zu, aber hier sollen die bekannten Maultaschen ihren Ursprung haben.  Doch davon später mehr.

Kommen wir zum letzten Saal des Klosters, dem Kapitelsaal. Er galt als repräsentativer Versammlungsort, wo man Angelegenheiten des Ordens und persönliche Dinge besprach.

Dementsprechend schön gestaltet war der Raum mit Sternengewölbe, großen Fenstern und Malereien. Besonders ins Auge fällt das Vogelkapitell mit acht verschiedenen Arten.

 

Na, wer erinnert sich an die Gründungslegende des Klosters? Müsste da das Wasser nicht aus Eselsköpfen kommen? Macht sich wahrscheinlich nicht so gut, aber ein Blick nach oben ins Gewölbe und da ist es wieder unser Esel.

 

Verweilen wir noch einen Augenblick im Herrenrefektorium.

Die mittlere Säule im Raum weist eine Einkerbung auf und wie das bei solch außergewöhnlichen Dingen der Fall ist, rankt sich eine Legende darum. Angeblich durften die Mönche nur ganz wenig Wein trinken. Dieser floss aus einem Schlauch in eine Rinne. In diese tauchten sie ihre Finger, um sie dann genüsslich abzuschlecken. Einer der Mönche soll sich angesichts des guten Weines elf Finger gewünscht haben und seither trägt der Elfinger Wein seinen Namen. Schöne Geschichte, aber leider nicht wahr.

 

 

 

 

 


Ein letzter Rundgang über den Klosterhof und ihr seit erlöst. Ratet mal, woher der Faustturm seinen Namen hat? Genau, von Doktor Faustus, dem Wunderheiler und Alchimisten, der 1516 hier gewohnt haben soll. Zu jener Zeit war Johann Entenfuß Abt im hiesigen Kloster und was haben die zwei wohl ausgeheckt? Richtig, die Herstellung von Gold. Ja, wenn das immer so einfach wäre. Dem Abt hat es scheinbar nichts genutzt, denn er wurde wegen Misswirtschaft abgesetzt.


Bevor es weiter geht, ist eine Stärkung angesagt und was läge da näher, als eine Portion Maultaschen. Da kann ich dann auch gleich die Geschichte erzählen, wie sie entstanden. Die Legende besagt nämlich, dass zu Ende der Fastenzeit ein Laienbruder unverhofft in den Besitz von einem Stück Fleisch kam. Nun war es den Mönchen während der Fastenzeit aber verboten Fleisch zu essen. Auf der anderen Seite, konnte man das gute Stück aber auch nicht verderben lassen. Schließlich kam ihm die Idee, das Fleisch kleingehackt und mit Gemüse vermischt in Nudelteigtaschen zu verstecken. So, verborgen vor den Augen Gottes und seiner Mitbrüder, servierte er es als herzhaftes Fastenmahl. Wen wundert es da noch, dass Maultaschen im Volksmund auch "Herrgottsb‘scheißerle" heißen. Wobei ich glaube, dass Gott wohl eher beide Augen zugedrückt hat.

Wie bekannt, befinden wir uns auf der Klosterroute und da bleiben Kloster nun mal nicht aus. Eines steht für heute noch auf der Liste. Kloster Hirsau war im Mittelalter ein berühmtes Benediktinerkloster mit großer geistiger und politischer Bedeutung.

 

Nimmt man es genau, handelt es sich sogar um drei Klöster. Begonnen hat alles um 830, als hier kurzzeitig die Reliquien des heiligen Aurelius verehrt wurden. 1059 entstand dann auf päpstlichen Wunsch das zweite Aureliuskloster. Mönch Wilhelm wurde zum Abt ernannt und mit ihm begann die Blütezeit des Klosters. Wie das so ist, wurde es bald zu klein und so entstand am gegenüberliegenden Ufer der Nagold das dritte Kloster, gewidmet den Aposteln Peter und Paul.

 

Heute stehen nur noch Ruinen. Was also ist geschehen? Schuld sind die Franzosen, die im Pfälzischen Erbfolgekrieg die Klosteranlage platt machten.

Weniger gut lief es für das Peter- und Paulskloster. Nach der ersten Blütezeit unter Abt Wilhelm ging es bereits im 12. Jhdt bergab. Mit der Reformbewegung 1458 kam es zum Glück zur neuen Blüte. Damit einher ging eine Modernisierung des Klosters und es entstanden neue Mönchszellen, ein Krankenhaus, die Marienkapelle und ein Brunnenhaus. Von letzterem kann man den Grundriss noch erahnen.

Wie gesagt, viel ist von den ehemaligen Klöstern nicht erhalten.

Die Aureliuskirche war einst das Herz der Anlage, wurde jedoch im 16. Jhdt teilweise abgerissen und so stehen heute nur noch das Langhaus und die Rümpfe der beiden Westtürme. Trotzdem wird sie seit 1954 wieder als katholisches Gotteshaus genutzt.


Doch von all der Pracht ist heute nur noch der Eulenturm mit seinem geheimnisvollen Figurenfries erhalten. Welche Geschichten uns wohl die zähnefletschenden Löwen, Ziegenböcke und bärtigen Männergestalten erzählen wollen?

Eine letzte Quizfrage für den heutigen Tag: was bitte macht ein Jagdschloss beim Kloster?

 

Nach der Reformation 1534 wurde der württembergische Landesherr, Herzog Ulrich, der neue Herr im Haus und die Mönche mussten gehen. Fürstliche Macht muss man zeigen und so entstand ein Jagdschloss. Hielt aber nur 100 Jahre und das nicht wegen Pfusch am Bau, sondern weil die Franzosen auch vor einem Jagdschloss nicht Halt machten.

 

Gleich um die Ecke liegt mein Hotel für diese Nacht. Schade, dass es wieder begonnen hat zu regnen, denn im Innenhof würde ich jetzt gerne mein Abendessen einnehmen.

Das Zimmer ist klein (ja, im Schwarzwald gibt es noch echte Einzelzimmer), aber ok und auch am Frühstück gibt es nichts auszusetzten..


Hotel Kloster Hirsau****


im Fachwerkwunderland

04.06.2016

18°C
18°C
84 km
84 km

Am heutigen Vormittag legen wir eine kleine Klosterpause ein. Die Stadt Calw liegt vor uns und die werden wir jetzt ein wenig genauer unter die Lupe nehmen. Wir befinden uns zwar immer noch auf der Klosterroute, aber heute auch parallel dazu auf der Deutschen Fachwerkstraße. Warum dem so ist, wird uns nach dem Besuch von Calw klar sein.

 

Ein Blick auf die Karte zeigt, dass die Stadt eingezwängt im engen Nagold-Tal liegt. Da ist nicht viel mit Landwirtschaft, aber wo ein Fluss, da meist auch Handel und das machten sich die Calwer zu Nutze. Mit großem Erfolg, denn durch den Holz- und Salzhandel, sowie Textilherstellung war die Stadt einst ein bedeutendes Wirtschaftszentrum. Die Zeiten sind zwar längst passé, aber über 200 Fachwerkhäuser zeugen noch heute vom einstigen Reichtum ihrer Besitzer. Und jetzt wisst ihr auch, warum wir uns auf der Fachwerkstraße befinden.


Ein Parkplatz ist zum Glück schnell gefunden und dann geht es über Kopfsteinpflaster hinein ins Fachwerkwunderland. Da muss doch jeder Japaner ausflippen (so viel kann der gar nicht knipsen bei 200 Fachwerkhäusern in kurzer Zeit). Auch Disney hätte sicher seiner Freude an so viel deutscher Romantik. Und versteht mich jetzt nicht falsch, denn auch ich liebe mein Land, wo es so richtig schön kitschig und klischeehaft wird.

 

Den Nichtromantikern unter uns sei gesagt, ich werde nicht alle 200 Fachwerkhäuser aufführen, nur die schönsten und bekanntesten.

 

 

Das angeblich schönste Haus der Stadt, Haus Schnaufer, liegt direkt am Anfang der Tour. Da werden es die anderen schwer haben, aber schaun wir mal. Erbaut wurde es 1694, zwei Jahre nach dem großen Stadtbrand.

 


Weiter geht es Richtung Marktplatz, vorbei am Kaffeehaus, das eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat. 1807 wurde das Postamt in Calw gegründet und man beschloss, dass es hier einziehen sollte. Wohldurchdacht war der Plan nicht, denn die Postkutschen konnten nicht einfach vorfahren, sondern mussten vom Marktplatz her rückwärts durch die enge Gasse geschoben werden. Trotzdem zog das Postamt erst 43 Jahre später um. Da hat wohl einer seinen Fehler nicht zugeben wollen.

Frei nach dem Motto: das kriegen wir schon irgendwie gebacken.

 

Warum heißt es jetzt aber Kaffeehaus und nicht Posthaus? 1903 kaufte der Evangelische Verein das Gebäude und richtete eine Speiseanstalt fürs Volk ein. Lange konnte man die Einrichtung aber nicht halten und so ging das Haus 1920 an die Stadt.

Bevor wir den Marktplatz erreichen, machen wir ein paar Schritte in die Biergasse. Die verdankt ihrem Namen wirklich dem Gerstensaft, denn hier befand sich einst eine Brauerei. Im 17. Jhdt wurde in Württemberg das Bierbrauen verboten; man wollte den Weinbau fördern. Bierbrauen hatte in Calw aber Tradition und so erhielt die Stadt neben nur drei weiteren das Recht, den beliebten Gerstensaft weiterhin herzustellen.

 

 

Klar, dass sich in der Nähe einer Brauerei auch viele Wirtshäuser ansiedeln, heute noch zu erkennen an den wunderschönen Schildern.


Inzwischen sind wir am Marktplatz angekommen und was fällt uns da an Nr. 8 und Nr. 11 auf? Genau, die vorspringenden Fassaden. Wollte man da etwa  zusätzlichen Wohnraum schaffen? Eher nicht! Zwischen diesen beiden Häusern stand einst das Äußere Tor und an der rechteckigen Aussparung verliefen die Treppen zum Torturm.

 

 

 

 

 

Tja, und dieser Marktplatz ist doch jetzt echt einem Disneyfilm entsprungen. So viel Fachwerkromantik auf einem Platz kann gar nicht echt sein, oder doch?

Aber natürlich war auch in Calw nicht alles heile Welt. Wir stehen vor dem "Langen". Woher er seinen Namen hat, ist wohl selbsterklärend. Er war der höchste aller Türme der Stadtbefestigung und noch dazu an hochgelegener Stelle errichtet. Ideale Lage zum Ausrufen der Stunden und um die Stadt im Blick zu behalten. Da ja genug Platz war, diente er auch als Gefängnisturm.

 

 

 

 

 

Vom "Langen" aus geht es durch die Salzgasse wieder Richtung Marktplatz. Wie wir zu Beginn gelernt haben, war der Salzhandel im 15. Jhdt ein einträchtiges Geschäft und  Amtsstädte, wie auch Calw, hatten das Monopol. Richtig reich konnte man damit werden.

In Calw übernahm 1770 eine private Handelsgesellschaft das Geschäft und erwarb nur durch den Salzhandel eines der größten Vermögen Württembergs zu jener Zeit. Da hat mal einer alles richtig gemacht.

 

 

Vom Salzhaus ist es dann nicht weit bis zur Nagold. Die Nikolausbrücke aus dem Mittelalter überspannt hier den Fluss.

 

 

 

 

Die winzige Kapelle ist St Nikolaus geweiht und der soll die Stadt gegen hohes und stürmisches Wasser schützen. Bei dem vielen Regen, der zur Zeit fällt, soll er mal besser ein achtsames Auge auf die Nagold haben.

 

Auf ihr ein Denkmal des berühmten Einwohners der Stadt. Er wurde hier geboren und gilt als weltweit meistgelesener deutschsprachige Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Mag ja sein, aber bei mir weckt er leider nur schreckliche Erinnerung an den Grundkurs Deutsch. Ich sage nur Hermann Hesse und "Steppenwolf"


Ein kurzer Bummel entlang derselben mit weiteren schönen Häusern bringt uns zurück zum Ausgangspunkt.

Wer hat aufgepasst und weiß noch auf welcher Straße wir uns befinden? Richtig, auf der Fachwerkstraße und die heißt sicher nicht so, weil es da einen Ort mit (zugegeben recht eindrucksvollen) Häusern gibt. Und so biegen wir keine 30 Kilometer später in den nächsten Ort ein.

Nagold kann mit nicht ganz so vielen Fachwerkhäusern aufwarten, aber entlang der Markstraße findet sich doch das eine oder andere gute Stück.

 

Keine Angst, ich werde sie nicht alle aufzählen und es sind ja zum Glück auch weit weniger als in Calw.

 

Ein paar fallen aber dann doch ins Auge: (und wir versuchen auch mal die Sache mit den Namen zu klären. Nicht immer ganz einfach, aber entscheidet selber)

Haus Sautter wurde einst von Nagolds bedeutenster Tuchmacherfamilie bewohnt. Da kann man sich so ein schickes Haus wohl auch leisten.                                                                          >>>

Dr Zeller galt als Wohltäter der Stadt und arbeitete unter anderem als Apotheker. So, und jetzt ratet mal, wie dieses Gebäude heißt? Ihr glaubt Zeller'sche Apotheke? Wie seit ihr nur so schnell darauf gekommen?                                  >>>

 

 

 

 

Ganz so einfach ist das mit der Namensgebung wohl doch nicht. Im Ludwig-Hofacker-Haus war bereits seit dem 16. Jhdt der Stadtschreiber daheim. Ein sehr wichtiger städtischer Beamter. Einer von denen war der Herr Hofacker, also passt das mit dem Namen. Verkauft hat er es 1773 dann an die Kirche und die richteten es als Pfarrhaus ein. Müsste dann dieses Haus nicht Diakonathaus heißen? Ein Jahrhundert später wurde es an den Kupferschmied Lehre weiterverkauft, heißt aber trotzdem nicht Lehrehaus.                                                                      >>>

Dafür passt bei der Schmid'schen Apotheke gar nichts mehr. Sie war über Generationen Bürgermeisterwohnung. Vielleicht hieß ja einer von denen Schmid, aber warum dann Apotheke? Vielleicht weil es 1859 wirklich zur Apotheke wurde und nein der Apotheker hieß nicht Schmid, sonder Oeffinger. Allerdings heißt die Nachfolgerfamilie Schmid und damit ist alles wieder gut.                                                                     >>>

 

So, Schluss mit Rätsel raten um die Namensgebung. Das Hotel „Alte Post“ war wirklich früher eine Poststelle auf der Postkutschenlinie Stuttgart – Freudenstadt.      >>>

 Die alte Schule war auch Schule. Da ist das mit der Namensgebung wieder einfach.                     >>>

Gegenüber dem Steinhaus steht das alte Badehaus. Seit dem 14.Jhdt wurde es als Badstube benutzt. Hier traf man sich zum geselligen Beieinander und natürlich auch zur Körperhygiene. Wenn ich euch jetzte verrate, dass es ab 1841 das Wohnhaus des Apothekers Zeller war, können wir wieder spekulieren, warum es dann nicht Haus Zeller heißt. Vielleicht weil es schon die Zeller'sche Apotheke gibt?              >>>      

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Gleich nebenan steht Haus Maisch, benannt wie viele der Fachwerkhäuser nach dem ehemaligen Besitzer.

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Beim Diakonathaus wird es jetzt schwieriger. Gebaut hat das nämlich 1716 der Stadt- und Amtschreiber Gottfried A. Meurer. Es heißt aber nicht Meurerhaus oder so ähnlich. Da es aber zwischen 1738 und 1961 Sitz des zweiten evangelischen Stadtpfarrers war, passt das mit dem Namen dann doch wieder.

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Wie gut, dass es beim Rathaus in der Beziehung keine Verwirrungen gibt. Rathaus ist halt Rathaus.

 

Was aber auffällt: die Barockfassade mit Dachreiter und Arkaden inmitten des Fachwerks.

 

Fachwerk hatte es einst auch, aber als das ursprünglich eingeschossige Gebäude zu klein wurde, entschied man sich beim Umbau für Barock.

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Steht man vor dem Haus Saur fragt man sich vielleicht, ob man denn am Morgen schon Kirschwasser getrunken hat. Irgendwie passt da nichts. Es gibt zwar einen Giebel, aber die zwei Gebäudehälften haben ungleiche Stockwerkhöhen. Vermutlich hat man 1680 die zwei schmale Häuser einfach mit einem Giebel vereint. Ob da wohl einer eine große Dachgeschosswohnung wollte?

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Das ehemalige Gasthaus "Mohren“ (dürfte heute wahrscheinlich eh nicht mehr so heißen) war neben Gasthaus auch Bäckerei und Branntweinbrennerei. Wie praktisch, da konnten man Schnaps und Brot gleich an den Mann (äh Gast) bringen.

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Und die alte Vogtei war einst Amts- und Wohnhaus des Untervogts, des höchsten Beamten.

 

Gehört hat es später zwar auch dem Bürgermeister Sautter, aber auf dessen Namen gibt es ja schon ein Haus.


Ich habe jetzt definitiv keine Lust mehr auf Fachwerkhäuser und ihre Namen. Eine Zwischenmahlzeit wäre jetzt perfekt und dann werfe ich noch einen Blick auf die Brunnen der Stadt. Besonders der Fabelbrunnen hat es mir angetan. Wie war das doch gleich mit dem Kamel und dem Nadelöhr? Unter den Einhörnern, Kamelen und Elefanten würden sich unsere Pfälzer Elwetritsche sicher auch wohl fühlen.

Im Gegensatz zum Münsterland, kann der Schwarzwald nicht mit tausenden von Wasserschlössern aufwarten. Eines der wenigen erhaltenen liegt heute auf meiner Strecke, Wasserschloss Glatt. Wie sich das für ein anständiges Wasserschloss gehört, steht es in einem Weiher. Fehlt jetzt eigentlich nur noch der Prinz, aber dem ist es wohl heute zu nass.

Da gerade mal die Sonne ein Einsehen hat und hinter den Regenwolken hervorlugt, nutze ich doch die Gelegenheit und gönne mir im Schlosscafé eine Schwarzwälder Kirschtorte. Die muss jetzt einfach sein.

Dass diese tatsächlich aus dem Schwarzwald stammt ist übrigens umstritten. Zumindest aber könnte der Name sich darauf beziehen, sind doch die Hauptzutaten mit Kirschwasser (aus dem Schwarzwald) getränkte Schokoladenböden, Sahne, Kirschen und Schokoraspeln (so dunkel wie der Wald).

Ist ja eigentlich auch egal, denn sie gilt weltweit als deutsche Torte schlechthin. Und lecker ist sie noch dazu.

Nach dieser leckeren Stärkung bin ich bereit für den letzten Besichtigungspunkt des Tages. Wer sich erinnert weiß, dass uns noch Kloster Nummer drei auf der Route fehlt. Biertrinkern wird Kloster Alpirsbach sicher ein Begriff sein und das steuern wir jetzt an.

 

Heute liegt das Kloster mitten in der Stadt und man kann sich nur schwer vorstelle, dass es einst abgeschieden im Tal der Kinzig lag.

Aufgebaut ist es im Prinzip wie Kloster Maulbronn. Nur leider kann man hier nur die Kirche und den Kreuzgang besichtigen. Dormitorium und all die anderen Räume bleiben einem verwehrt, es sei denn man nimmt an einer Führung teil.

 

Auffällig und schon von weitem zu sehen ist der Glockenturm der Klosterkirche. Geplant waren eigentlich zwei der Türme, aber an dem ersten hat man schon fast 450 Jahre gebaut. Ob dem Kloster dann das Geld ausging oder ob die einfach keine Lust auf noch mal 450 Jahre hatten?


Mit der Modernisierung des Kreuzgangs hat sich Abt Hieronymus Hulzing 1480 aber nicht so viel Zeit gelassen. Der Kreuzgang wurde mit einem zweiten Stockwerk versehen und alle Gänge mit einem Sternrippengewölbe überzogen. Sieht heute noch toll aus, aber wie muss das früher erst gewesen sein, als er noch farbig ausgemalt war.

 

Und nach so viel "Klosterei" die letzten zwei Tage, genehmigen wir uns zur Belohnung ein Bier.

Na dann: "Prost"

1877 fasst Johann Gottfried Glauner einen klugen Entschluss. Er dachte sich, wo eine Eisenbahnlinie entsteht und damit noch mehr Kurgäste kommen, könnte es sich rentieren, die stillgelegte Brauerei in Alpirsbach wieder in Betrieb zu nehmen. Richtig gedacht, denn noch heute ist die Alpirsbacher Klosterbrauerei erfolgreich in Privatbesitz. Hopfen, Malz und das berühmte Brauwasser aus dem Schwarzwald werden ihren Teil zum Erfolg beigetragen haben.


Die Zimmer sind recht goß, zweckmäßig eingerichtet und vor allem ohne Teppichboden. Eine überdachte Terrasse läd zum Verweilen ein und auch am Frühstück habe ich nichts auszusetzten.


Hotel Waldblick***


Die ersten beiden Tage waren schon ziemlich Klöster- und Fachwerk-lastig. Der Schwarzwald ist aber auch Wald und Natur und darauf legen wir die nächsten Tage vermehrt unser Augenmerk.

Klöster & Kirschtorte (2)