von Burg zu Burg nach Schriesheim

Weiberge bei Schriesheim

 

Heute machen wir uns mal wieder auf den Weg in den Odenwald.

Burgen gucken ist angesagt.

 

Mit der Linie 5 geht es nach Dossenheim.

 

Hier erwartet uns hoch über der Stadt bereits die erste Burgruine.

 

Hört sich jetzt easy an, aber da müssen wir erst mal hinkommen, denn bekanntlich liegen die wenigsten Burgen gut erreichbar im Tal.

Es ist Spätsommer und so wählen wir den Weg durch die Weinberge.

Reife Trauben hängen an den Rebstöcken und warten nur darauf geerntet zu werden. Keine Sorge, wir vergreifen uns nicht. Erstens wäre das Diebstahl und zweitens mag ich sowieso nur kernlose Trauben.

 

In der Ferne ist bereits eine Burg zu erkennen, doch das ist die falsche oder besser, die steht erst später auf dem Programm.

Strahlenburg Schriesheim

 

Von unserem ersten Ziel ist weit und breit noch nichts zu entdecken. Wie auch. Erst geht es noch gemächlich bergauf durch die Weinberge, bis wir den Wald und bald darauf Burg Schauenburg erreichen.

Bzw was von ihr noch erhalten ist. Die wurde nämlich von Kurfürst Friedrich 1460 belagert und als er sie schließlich erobert hatte, platt gemacht.

Wie bekloppt kann man eigentlich sein? Oder hat sie ihm doch nicht gefallen?

 

Eigentlich verwunderlich, denn man fand Reste von Bodenfliesen und einen Abortturm. Für die damalige Zeit war das schon Luxus und für eine Burg war sie mit 330 Jahren noch nicht  mal alt.

 

Über eine Holzbrücke erreichen wir die Ruine. Frag mich jetzt aber doch, wozu diese Burg einen Burggraben braucht. Den haben doch normalerweise nur Burgen im Flachland, um sich vor Angreifern zu schützen.

Auch gab es auf Schauenburg keinen Brunnen, Man musste eine Quelle anzapfen und das Wasser über einen Leitung in die Burg bringen. Da wäre es ja schön blöd gewesen, wenn man mit dem kostbaren Nass einen Burggraben gefüllt hätte. So blieb der Graben trocken, diente aber trotzdem zur Verteidigung, da man die Burg eben nur über eine einzige Holzbrücke betreten konnte.

 

Das wenige, das erhalten geblieben ist, ist schnell erkundet und so geht es bald weiter Richtung Strahlenburg. Der Wegweiser zeigt die Richtung an und unser Drache findet mit seiner Spürnase auch versteckte Wegzeichen.

 

 

Ein Stück geht es durch den Wald und dann sind wir schon wieder in den Weinbergen, das Ziel bereits im Visier.


 

Die Herren von Strahlenberg waren irgendwie ein wenig größenwahnsinnig. Zugegeben, als Verwalter des Schriesheimer Klostergutes waren sie sehr mächtig geworden. Aber errichtet man dann gleich widerrechtlich eine Burg auf fremden Grund? Die Eigentümer fanden das nicht so lustig und so kam es zum Konflikt, bei dem die Strahlenberger ihren gesamten Besitz verloren. Blöd gelaufen oder vielleicht auch nicht? Jedenfalls bekamen sie es als Lehen zurück und so entstand zu Füßen der Burg eine Stadt. Auch die Burg wurde 1330 nochmal kräftig umgebaut.

 

Einiges ist heute noch erhalten, wie der Bergfried und der Palas mit seiner Fensterfront. 

 

Von hier oben hat man auch einen schönen Blick auf die Stadt Schriesheim, die wir uns zum Abschluss noch ein wenig näher betrachten wollen. Lohnt sich auf jeden Fall, denn es gibt einiges zu entdecken auf dem ausgeschilderten Rundgang. 

Kanzelbach in Schriesheim

 

 

Wir folgen dem idyllischen Kanzelbach, der am Rand der Altstadt vorbei Richtung Neckar fließt. 12 Mühlen hat dieser kleine Flusslauf einst im Tal angetrieben.

Übrig geblieben ist nur die Ölmühle in Schriesheim. Eigentlich schade. Ich finde alte Wassermühlen mit ihren großen Holzrädern richtig toll.

 

 

 

Schriesheim war Markt- und Gerichtsort.

Klar, dass da mehr als ein Gasthaus nötig war. “Der goldene Hirsch” gehört zu den schönsten Fachwerkhäusern der Stadt. Ein Küfer aus Heppenheim richtete sich hier eine Brauerei ein und baute sich gleich gegenüber noch einen Gasthof “Zu den zwei Schwertern”

 

Nachdem 1674 die französischen Truppen da waren, war von den Gasthäusern nicht mehr viel übrig und der Küfer entschwand nach Heidelberg. Doch ganz so einfach wurde es ihm nicht gemacht und man zwang ihn dazu, die Gebäude wieder aufzubauen. Glück für Schriesheim, denn so kann es noch heute mit zwei stattlichen Fachwerkhäusern protzen.

Ach übrigens wurde nach dem Krieg von 1870 aus den "zwei gekreuzten Schwertern" der "deutsche Kaiser".

 

 

 

 

Streift man durch die engen Gassen der Stadt, trifft man auf ein weiteres Fachwerkhaus, das noch viel älter ist. Es stand versteckt und entging dadurch der Zerstörung von 1674. 

 

 

 

Fachwerk in Schriesheim

 

 

Zum Glück, denn es ist etwas besonderes. Der Pfarrer von Schriesheim lebte hier und schmückte sein Haus mit Bibelsprüchen.

in den Gassen von Schriesheim
Bibelsprüche

Pranger am Schriesheimer Rathaus

 

Doch kommen wir zum Marktgeschehen zurück. Den Mathaisemarkt gibt es ja noch heute, doch im 18. Jhdt fanden hier am Marktplatz bis zu vier Jahrmärkte im Jahr statt. Da war sicher ordentlich was los.

 

Von weit früheren Zeiten zeugt der Pranger am Rathaus. Wobei ich ja zu bezweifeln wage, dass das hier der Originalpranger ist.

Ja, Schriesheim war einst auch Sitz des Zentgerichts und sorgte dafür, dass die bösen Buben aus 29 Dörfern ihre gerechte Strafe erhielten und wenn es sein musste, kamen sie auch an den Pranger.

 

 

 

 

Wir erinnern uns an die Herrn von Strahlenburg? Die, die zu Füßen ihrer Burg eine Stadt errichten ließen. Die hatten dort natürlich auch ein Stadthaus. Vornehm war es, aus Stein gebaut und mit Bodenfliesen. Bis heute hat es viele Besitzer gehabt und der eine oder andere hat sich mit seinen Initialien im Mauerwerk verewigt.

 

Herrenhof in Schriesheim

 

Vorbei an der eher schlichten Kirche machen wir uns dann auf den Weg zum Bahnhof, um die Heimreise anzutreten.

Die Originalkirche aus dem Jahr 1250 steht hier schon lange nicht mehr. Einst ein Kloster, wurde sie später zur reformierten Pfarrkirche. Diverse Kriege taten ihr übriges und so musste sie 1748 abgebaut werden. Eine weitere Reparatur wäre wohl zu teuer geworden und so entstand ein schlichter Neubau. 

 

 

Doch es gab einst noch einen zweite Adelssitz, den Herrenhof. Oder sollte ich sagen, das Finanzamt, denn hier mussten die Steuern bezahlt werden, von denen sich die Strahlenberger und Kurfürsten bedienten.

 


Anreise
Anreise

mit der Linie 5 von Mannheim nach Dossenheim

Einkehr
Einkehr

Strahlenburg

Schriesheim


Strecke
Strecke

Start: Bahnhof Dossenheim

Ziel    : Bahnhof Schriesheim

Km     : 6.5 km