das Rathaus von Michelstadt

(Nibelungenweg 7)

Michelstadt im Odenwald ist ein beschauliches und überschaubares Städtchen. Auf den ersten Blick scheint sich ein Besuch nicht unbedingt zu lohnen, gibt es doch interessantere Fachwerkstädtchen in der Umgebung. 

Und doch wurde es weltweit bekannt durch eine Briefmarke, die das etwas außergewöhnliche Rathaus zeigt. Doch dazu später. 

 

Wir folgen vom Bahnhof erst mal nicht dem Wegweiser Richtung Altstadt, sondern wenden uns in die andere Richtung. Wir wollen zuerst in den Stadtteil Steinbach.

 

Hier steht Schloss Fürstenau. Einst war es eine romanische Wasserburg. Doch wie das so ist mit Schlössern; es wurde immer wieder umgebaut. Kein Wunder, dass man heute einen reizvollen Mix verschiedener Baustile hat. Leider kann man das Schloss nur von außen besichtigen, da die Grafenfamilie von Erbach-Fürstenau hier noch immer lebt.

 

Mir gefällt ja am besten der riesige Schmuckbogen am alten Schloss. Früher konnte man von hier auf den Renaissancegarten blicken. Wäre sicher ein tolleres Foto geworden. Heute gibt er nur noch den eher unspektakulären Blick auf den Schlosshof frei. 

Außerhalb der heutigen Mauern liegt am Fluss noch das alte Kavaliershaus und die Schlossmühle.

 

  

 

 

 

Inzwischen ist es 12:00 Uhr und wir können uns noch einer anderen Attraktion im Stadtteil zuwenden, der Einhardsbasilika, einem Relikt der Karolingerzeit.

Darauf kann die Stadt stolz sein, denn es gibt in Deutschland nur noch wenige Bauten aus dieser Zeit. Erbaut wurde sie 815 von Einhard. Daher auch ihr Name. Dieser hochbegabte und clevere junge Mann gehörte zum Gelehrtenzirkel Karls der Großen und wusste schon früh, um seinen Einfluss bei Hof. 

Sockel oder Nischen gibt es hier nicht, aber das ist typisch für den Baustil und auch im Inneren ist die dreischiffige Basilika recht schlicht. 

Nachdem wir den Stadtteil Steinbach erkundet haben, können wir uns jetzt der Altstadt von Michelstadt zuwenden. 

In den vielen engen, gewundenen Gassen sind noch einige schmucke Fachwerkhäuser zu finden 

und natürlich auch, die von uns so geliebten alten Schilder. 

Doch nicht nur Fachwerkhäuser gibt es, sondern auch Brunnen. Diese sind jetzt zur Osterzeit wunderschön  mit Osterkronen geschmückt. Auf dem Weg zum Marktplatz treffen wir auf den Schwiegermütterbrunnen. Graf Georg I zu Erbach stiftete ihn und ich möchte nicht wissen, was das für ein Theater zuhause war. Der Brunnen trägt sein Wappen und das Pfälzer Wappen seiner Ehefrau Elisabeth. Mutti, Schwiegermutter von Elisabeth, ist mit dem Wertheimischen Wappen auch vertreten. Wie gut, dass so ein Brunnen vier Seiten hat, so war auch noch Platz für das Wappen seiner Schwiegermutter, Beatrix von Baden. Was hätte der Arme nur bei einer Zweitheirat gemacht? 

 

Jetzt glaubt aber nicht Michelstadt hat seinen Namen vom Erzengel. Das wäre ja jetzt ein bisschen einfach. Nein, es leitet sich vom althochdeutschen Wort michel für groß ab.

Wappen auf Brunnen waren wohl Mode, denn auch der prachtvolle Marktbrunnen trägt das städtische und das gräfliche Wappen. Hoch oben steht der Erzengel Michael und kämpft gegen das Böse.  


 

 

Marktplätze waren ja schon immer Zentrum der Stadt. Hier fanden Märkte statt, hier standen Gasthäuser und hier hielten die Postkutschen. So auch in Michelstadt. Im Innnenhof eines Gebäudes, dem Löwenhof, kann man noch die Lage der Stallungen erkennen und an der Aussenfassade hängt ein wunderschöner blauer Briefkasten.

 

Doch deswegen kommt hier kein Mensch her. Touristen zieht es ans andere Ende des Marktplatzes, zum Rathaus. Dafür ist Michelstadt in der ganzen Welt bekannt, wurde es doch als Briefmarke in die Ferne verschickt und zugegeben, der Baustil ist schon sehr eigen.

 

Heute spielt hier die Hasenband zum Tanz auf. 


Wir sind aber noch nicht im ältesten Teil der Stadt angelangt. 

Wie so oft, waren die Römer zuerst da und erbauten hier eine kleine Siedlung. Später kamen die Franken und bauten erst einen Gutshof, der dann im Mittelalter zur Burg wurde. Selbst davon ist nichts mehr erhalten, denn die Zehntscheune ist viel jünger. 


 

 

 

 

Dass Michelstadt noch eine Stadtmauer hat, hat es den klugen Menschen zu verdanken, die sich im 19.Jhdt dazu entschlossen, diese nicht komplett abzureißen, um die Stadt vergrößern zu können. Ein paar zusätzliche Durchgänge tun es schließlich auch und schon bleibt das mittelalterliche Ambiente erhalten. Sehr zur Freude der Touristen.

 

 

Der Diebesturm dient aber schon lange nicht mehr als Gefängnis. Das wäre dann wohl doch zuviel des Guten. Aber er ist der größte noch erhaltene Turm der Stadtmauer. 

 

Für uns ist mal wieder Zeit den Heimweg anzutreten. Vielleicht kommen wir zur Weihnachtszeit noch mal zurück. Dann bläst der Engelschor vor dem Rathaus in die Posaune 

Nächster Stopp an der Nibelungenstraße ist die Drachenstadt Lindenfels.