Kamele, Kasbahs und Kalifen

Kamele, Kasbahs und Kalifen
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StepMap Kamele, Kasbahs und Kalifen


Die Anreise

22.10.2013

 

Dienstag früh um 09.30, Mannheim Hbf, Gleis 3 und die Bahn ist..? Auf die Jungs ist echt kein Verlass. Da fährt man extra eine Stunde früher, nur um sicher zu gehen und die sind einfach pünktlich. Gibt's dafür eigentlich auch Geld zurück?

Condor war etwas zurückhaltend und hat das Gate erst eine Stunde vor Abflug bekannt gegeben. Find ich ziemlich nervig, wenn man dumm vor der großen Abflugstafel steht und darauf wartet, wo man sich denn hin begeben soll. Flug war ein Codeshare mit einer unbekannten litauischen Airline. Würde ich wahrscheinlich nie buchen, wenn ich die Wahl hätte; hatte ich aber nicht. Zu deren Verteidigung muss ich jedoch sagen, der Flug war ok - für die Turbulenzen können die ja nichts. Wäre da nicht die Stimme in gebrochenem Englisch aus dem Cockpit gewesen, hätte man nicht gemerkt, dass es sich nicht um ein deutsches Flugzeug handelt. Crew und Essen waren Condor, nur gab es keine Filmchen, dafür aber Zeitschriften im Überfluss. Die Schlange bei der Einreise war lang und die Beamten nicht wirklich bemüht diese zu verkürzen. Hat aber auch sein Gutes, meine Reisetasche drehte schon munter ihre Kreise auf dem Kofferband. Die Fahrt zum Hotel Tildi in Agadir war unspektakulär. Nach den Bewertungen in diversen Hotelprogrammen, hatte ich nicht viel erwartet. Ok, ich würde hier keine zwei Wochen Urlaub verbringen wollen, aber als Rundreisehotel finde ich es akzeptabel: Zimmer zwar klein, aber genau wie das Bad sauber. Ich weiß ja nicht, was manche Leute erwarten, wenn sie in Ländern wie Marokko 3 Sterne Hotels buchen. Nur schade, dass es nicht am Strand liegt, aber den Atlantik bekommen wir ja morgen zu sehen. 

Am Atlantik entlang

23.10.2004

 

Ein gewisser temporärer Schwund ist auf Gruppenreisen ja normal. Man verliert immer mal den einen oder anderen beim Gang durch die Altstadt oder Ausgrabungen, aber zu viele das war neu. Zum Glück fiel es den Betroffenen rasch auf, dass sie im falschen Bus saßen. Also Rückwärtsgang rein, zurück zum Hotel, Koffer und blinde Passagiere raus. Hoffentlich ist deren Bus noch nicht weg. Soll nicht unser Problem sein, wir können uns endlich auf den Weg nach Essaouira machen. Es geht ein Stück die Küste entlang und dann ins Landesinnere, wo viele der Argan-Bäume wachsen. Aus den Kernen der Früchte wird ein teures Öl gewonnen. Ziegen und Kamele lieben die Blätter und Früchte auch. Um sie zu erreichen klettern die Ziegen bis in die Kronen. Kamele eher weniger, aber die sind ja auch groß genug. Heute zeigt sich wieder der Nachteil von Gruppenreisen mit mehr als 6 Personen. Der Bus ist einfach zu groß, um auf den kurvigen Straßen halten zu können. So huschen einige gute Fotomotive an uns vorbei. Der Fotogott ist mir aber gnädig und wir können doch noch eine große Herde auf SM-Karte bannen.
Kurze Zeit später erreichen wir das Fischerstädtchen Essaouira mit seinem malerischen Fischereihafen. Heute sind nur Sardinen im Angebot. Ein Bummel durch die Souks schließt sich an. Im Gegensatz zu anderen marokkanischen Städten ist dieser mit parallelen Gassen angelegt, ein Verlaufen fast unmöglich. Sehr angenehm finde ich, dass man von den Händlern nicht belästigt wird. Am Ende der Souks liegt die kleine Festung von der man einen schönen Blick aufs Meer hat. Mittagszeit ist Gruppenzeit und damit Abfütterung. Darauf habe ich keine Lust und setzte mich für eine Stunde ab. Hier muss es doch auch irgendwo gegrillte Sardinen geben. Dafür ist die Stadt doch bekannt. Zwei Restaurants weiter werde ich fündig und schlage mir für 9 Euro den Bauch mit leckeren Sardinen voll. Den Rest des Tages verbringen wir im Bus, um gegen Abend Casablanca zu erreichen. Wenn die Hotels auf der ganzen Fahrt so bleiben, bin ich positiv überrascht. Das Hotel Le Zenith liegt zwar weit außerhalb des Stadtzentrums, aber nach nächtlichem Stadtbummel steht mir um 22:00 Uhr nicht mehr der Sinn und den Sehenswürdigkeiten Casablancas ist der ganze morgige Vormittag gewidmet.

Casablanca und Rabat

 24.10.2013 

 

Der Vormittag ist der weißen Stadt am Meer, Casablanca gewidmet. Ein Pflichtbesuch gilt der Hassanmoschee mit ihren Superlativen: siebt größte Moschee mit dem höchstes Minarett, erbaut halb über Land und halb über dem Meer auf einer 26m dicken Betonplatte. Bis zu 25000 Personen finden in der 20000 m² großen Gebetshalle Platz. Ganz schön eng wird es dann, denn das sind ja nicht mal 1 m² pro Person. Vom Turm aus macht sich nachts ein Laserstrahl 30km gen Mekka auf den Weg. Die Reinigungsräumlichkeiten im unteren Bereich der Moschee haben mich dann aber doch beeindruckt. Um sie zu sehen, muss man allerdings an einer Tour teilnehmen. (Kostenpunkt: 120 DH)
Weiter geht es vorbei an Rick's Cafe aus dem Film Casablanca und dem Königspalast (nachdem wir höflich gefragt hatten, durften wir sogar bis zum Eingangstor vordringen. Für eine Audienz hat die Beziehung des Reiseleiters dann aber doch nicht gereicht). Ziel ist Makhama, Gerichtsgebäude und als Alhambra Casablancas bezeichnet. Die Innenhöfe und Verzierungen sind wirklich schön, aber ein Vergleich mit der Alhambra ist doch weit hergeholt. Ein Besuch der neuen Medina und eines Marktes beendet unseren Aufenthalt in der Stadt. Auf dem Markt decken wir uns mit Brot, Obst und Käse für ein Picknick ein. Unser Reiseleiter, ganz Kavalier spendiert jeder Dame eine Rose. Könnten sich die Herren zuhause mal eine Scheibe von abschneiden.
Zeit für ein ausführliches Mittagessen bleibt heute nicht; das Picknick muss reichen. Es steht ja noch die Besichtigung der Hauptstadt Rabat auf dem Tagesprogramm. Erster Stopp der Königspalast, ein riesiges Gelände, aber er haut mich nicht wirklich vom Hocker. Weiter geht es zum Hassanturm. Warum stehen hier bloß so viele halbhohe Säulen rum? Ach so, das sollte mal eine Moschee werden und zwar die größte der Welt und der Hassanturm ist nichts weiter als das Minarett. Als der Erbauer starb, wurde der Bau eingestellt. Übrig blieben 200 mehr oder weniger fertige Säulen und ein 44 m hoher Turm, der 86 m hoch werden sollte. Gegenüber liegt das Mausoleum von Mohammed V, welches gerne in einem Atemzug mit dem Taj Mahal erwähnt wird. Zugegeben, der Marmorbau ist nicht schlecht und die Kuppel im Inneren prachtvoll, aber ihm fehlt doch der Wow-Effekt, den das Taj hervorruft. Mir tun ja die armen Palastwachen leid, die den ganzen Tag für Fotos posieren müssen. Eigentlich ist das fotografieren von Polizei und Militär ja verboten, aber hier wird eine Ausnahme gemacht. Anders würden sie wahrscheinlich sowieso heimlich abgelichtet werden. Da kann man es auch gleich erlauben.
Zum Abschluss des Tages schlendern wir noch durch die engen Gassen der Kasbah. Die weißen Mauern mit blauen Türen und Fensterläden sind einfach nur fotogen und die Abendsonne tut ihr übriges. Hier hätte ich mich gerne noch länger verweilt, aber wir haben noch ein paar Kilometer vor uns, bis wir unser Tagesziel Meknès, Königsstadt Nummer 2 erreichen. Unser Hotel Rif , Durchgangsstation für deutsche Reisegruppen (am Fahrstuhl der Hinweis auf Deutsch, dass für Wertsachen auf dem Zimmer nicht gehaftet wird. Soll mich das jetzt beunruhigen?) liegt in der Neustadt. Zimmer sind größer als bisher und auch hier wieder sauber. Das Abendessen schmeckt sogar richtig gut. Hoffentlich bleibt das so, denn wir nächtigen hier dreimal.  

Volubilis und Königsstadt Nr 2 ( Meknes )

25.10.2014

 

Heute dürfen wir eine Stunde länger schlafen, denn wir fahren nur ins nahe gelegene Volubilis. Die alten Römer waren wirklich fast überall. Der Besuch lohnt sich aber alleine wegen der vielen Mosaiken. Von den einstigen Gebäuden steht nicht mehr viel und einiges ist noch gar nicht ausgebuddelt. Die Stadt hatte ihre Blütezeit unter Kaiser Septimus Severus (193 -211) und erreichte Wohlstand mit dem Verkauf von Olivenöl an Rom, aber auch mit dem Handel von Wildtieren für die Arenen. Ja, zu der Zeit gab es hier noch Elefanten, Löwen und Leoparden.
Der Weg zurück nach Meknès führt uns über Moulay Idriss, einer heiligen Stadt. Früher glaubte man drei Pilgerreisen hierher würden die Hadj nach Mekka ersetzen. Gut für Gläubige mit wenig Geld. Netter Versuch, doch der Handel gilt nicht. Aus diesem Grund hat der Pilgertourismus nachgelassen. Das Heiligtum dürfen wir als Nichtmuslims nicht betreten. Die meisten Moscheen im Land sind für Andersgläubige tabu. Das hat aber nichts mit dem Glauben zu tun, sondern dass einst Flüchtige, die in einer Moschee Schutz suchten, dort von französischen Soldaten erschossen wurden. Damit so etwas nicht nochmal passiert, wurde diese Regel erlassen. Fragt sich nur, ob die nächsten Soldaten sich daran halten.
Der Ort hat einen sehr interessanten Markt, wenn man nicht zu empfindlich ist, denn es gibt hier auch Kuhköpfe und ähnliches. Auffällig sind die vielen Eseltreiber. Ihnen kann man gegen ein Entgelt guten Gewissens seine Einkäufe überlassen und bekommt sie nach Hause transportiert. Die Stadt liegt am Hang und wer weit oben wohnt, möchte sein Obst und Gemüse (oder auch den Kuhkopf) sicher nicht die steilen Gassen hinauf schleppen.
Zurück in Meknès haben wir eine verlängerte Mittagspause bevor es in die Altstadt geht. Was hat Meknès zu bieten? Erstmals sind da 3 Stadtmauern mit 25, 15 und 5 km Länge. Die innere umgibt den Palast. Dieser wird zwar noch bewacht, ist aber verfallen. Wozu dann eigentlich Wachen? Der König wohnt in einer Villa in der Neustadt, wenn er zu Besuch ist. Bei so viel Kilometer Mauer braucht es auch ein paar Tore und davon hat Meknès ein paar sehr prachtvolle, wie das Bab el Jedna oder das bekannte Bab el Mansour. Vor zweiterem ist ein Platz, der versucht dem Ruhm von Marrakesch nachzueifern. Ich hoffe doch sehr Marrakesch hat mehr zu bieten als eine lahme Schlange, drei herausgeputzte Pferde, zwei Musikanten und ein paar Straßenhändler. Sehenswert ist aber der riesige Getreidespeicher, erbaut von Moulay Ismail, mit den Ausmaßen von 319 x 149 m. Schon damals wusste man, dass das Getreide eine bestimmte Temperatur und Luftfeuchtigkeit für die Lagerung benötigt. Dieses wurde durch große Wasserräder und Begrünung des Daches erreicht. Morgen folgt dann Königsstadt Nummer 3, Fes.

durch das Labyrinth von Fes

26.10.2013

 

Erster Stopp, wie immer am Königspalast. Die haben zwar alle ein tolles Eingangstor zum Angeben (oder für repräsentative Zwecke, wie es so schön heißt) ansonsten kann man sich die aber schenken. Da finde ich die in Indien tausendmal interessanter. Danach wird es aber spannend. Die Medina von Fes hat 9400 Gassen, alle ohne Straßennamen und willkürlich angeordnet. Unser Reiseleiter macht uns Mut. Bis zu 5% Schwund bei Führungen gelten noch als akzeptabel. Na dann mal rein ins Getümmel. Autos und Esel sind verboten. Erstere könnten sich hier auch gar nicht fortbewegen und zweitere können nicht lesen. Schlussfolgerung: Esel und Pferde können einem sehr wohl entgegenkommen und dann wird es richtig eng. Beim Eingang zum Gerberviertel bekommen wir ein Minzsträußchen. Oh je, wird es so schlimm? Ich finde, zu dieser Jahreszeit kann man es auch ganz gut ohne aushalten, möchte aber nicht wissen, wie das im Hochsommer ist. Es ist interessant den Jungs von der Terrasse aus zuzusehen, aber tauschen wollte ich mit den armen Kerlen für kein Geld der Welt. Nach gefühlten 20 km sind wir aus dem Gassengewirr wieder glücklich draußen (und ganz ohne Verluste) Gut, dass unser Guide hier zu Hause ist und sich in dem Labyrinth auskennt. Welche Ausmaße die 9400 Gassen haben, sieht man erst so richtig vom Aussichtspunkt über der Stadt. Am Abend sind wir für eine letzte Nacht zurück in Meknès, von wo aus es morgen nach Marrakesch, dem Höhepunkt der Reise geht.

Schneckensuppe auf dem Djemaa el Fna

27.10.2013

 

In Marokko gehen die Uhren anders oder marokkanische Reiseleiter lesen keine Zeitungen. „In Marokko werden die Uhren nicht umgestellt.“ Originalzitat des Reiseleiters am ersten Abend. Na, hat da etwas die Regierung heute Nacht um drei klammheimlich beschlossen es Deutschland gleichzutun und die Uhren umzustellen? Die ganze Truppe war eine Stunde zu früh am Frühstückstisch and not very amused. Heute steht uns eine lange Busfahrt ohne nennenswerte Orte bevor. 465 km sind es bis Marrakesch. Die Strecke führt uns über die Pässe des Anti Atlas vorbei an Marokkos größtem Staudamm nach Beni Mellal am Rande der fruchtbaren Tadla Ebene. Hier legen wir die Mittagspause im Jardin de Ain Asserdoun ein. Eine den Bergen entspringende Quelle wird hier in breiten Kaskaden und Wasserläufen durch einen Garten geleitet. Weiter geht es dann direkt nach Marrakesch, wo wir am späten Nachmittag ankommen. Dass 4 Sterne nicht immer besser sein müssen als 3, zeigt sich ganz deutlich beim Hotel Meriam in Marrakesch. Die Zimmer sind zwar recht groß (und auch sauber) aber das Bad hätte mal eine Renovierung nötig. Der kleine Balkon mit Blick auf Innenhof und Pool ist wiederum ganz nett. Das Abendessen ist jedoch Touristenabfütterung hoch drei. Da hätte man auf dem Djemaa el Fna wahrscheinlich tausendmal besser gegessen. Den haben wir vor dem Abendessen noch besucht. Da der Platz je nach Tageszeit ein anderes Gesicht hat, sollte man hier öfter vorbeikommen und einmal auch nach Einbruch der Dunkelheit, wenn alle Essstände aufgebaut sind. Wem nicht der Sinn nach Schneckensuppe oder Hammelköpfen steht, bekommt auch Fleischspieße oder Hähnchen. Zum Nachtisch kann man dann ein Glas frisch gepressten Orangensaft trinken oder aus dem Angebot der Dattelverkäufer wählen.

Marrakesch einmal kreuz und quer

28.10.2013

 

Heute große Stadtbesichtigung von Marrakesch. Wir beginnen mit den Menara Gärten aus dem 12.Jhdt. Sie bestehen aus einem Pavillon vor einem großen Wasserbecken, in dem sich bei guter Sicht der Atlas spiegelt. Bewohnt wir das Becken von einer Schar hungrigen Karpfen, die sich über mitgebrachtes Brot hermachen. Drumherum erstrecken sich riesige Olivenhaine.
Weiter geht es zu den Sadiergräbern, auch als Totenstadt Marrakeschs bezeichnet. Erbaut wurden sie von El Mansour als letzte Ruhestätte für sich und seine Nachkommen. Bevor wir wieder den Djemaa el Fna erreichen, besichtigen wir noch den Bahia Palast. Er ist ein Meisterwerk marokkanischer Architektur mit schönen Innenhöfen und reich verzierten Räumen. Dann kurze Freizeit auf dem Platz. Jetzt ist hier noch nicht viel los, nur die Saftverkäufer sind schon da und ein paar Schlangenbeschwörer. Weiter geht es durch die Souks der Altstadt. Im Gegensatz zu Fes sind hier die Wohngebiete getrennt von den Werkstätten und Läden. Das Gewirr von Gassen ist auch hier einschüchternd, aber man trifft doch immer wieder auf Schilder die Richtung Gauklermarkt weisen. Was mich hier nervt, sind die Mopedfahrer, die durch die engen Gassen brausen. Auch finde ich die Souks von Fes abwechslungsreicher und origineller. Posititiv aufgefallen ist mir, dass man in Marokko nicht wie in anderen Ländern belästigt wird. Man kann in Ruhe schauen und muss sich nicht dauernd gegen Verkaufsversuche wehren. Zum Abschluss des Tages erreichen wir dann nochmal den Gauklerplatz. Jetzt wird es geschäftig. Die fliegenden Restaurants bauen ihre Stände auf (würde mich ja ganz schön nerven, wenn ich jeden Abend abbauen muss, nur um am nächsten Tag alles wieder aufzubauen) Akrobaten, Henna-Künstlerinnen und die Schlangenbeschwörer sind jetzt auch zahlreicher vorhanden. Letztere sind etwas lästig und mir auch nicht ganz geheuer, wenn sie mit ihren Schlangen ankommen und sie einem um den Hals legen wollen. So schnell kann man gar nicht reagieren, wie man so ein Vieh auf der Schulter hat. Wehe man fotografiert ohne vorher den Preis auszuhandeln. Für die dann geforderte Summe könnte ich mir eine Schlange kaufen und die Jungs können ganz schön aggressiv werden. Da halte ich doch lieber gebührend Abstand und nutze mein Tele, aber so, dass es keiner merkt.
Der größte Teil unserer Gruppe reist morgen nach Agadir zurück. Vier bleiben in Marrakesch und am Abend werden 20 neue zu uns stoßen, die nur den zweiten Teil der Tour gebucht haben. Unsere armen Mitreisenden müssen schon um 6:30 los, da für morgen Streik im Verkehrswesen angesagt ist. Ich hatte eigentlich geplant mit dem HoHo-Bus durch die Palmoase zu fahren und einen Stopp an den Majorelle Gärten zu machen. Bin mal gespannt, ob der fährt, gehört er doch zum städtischen Nahverkehrssystem.

grünes Marrakesch

29.10.2013

 

Also von Streik ist in Marrakesch nicht viel zu spüren, Verkehrschaos wie gehabt und die Busse fahren auch. Ich kaufe mir gleich einen 48-Stundenticket. Das ist nur unwesentlich teurer.(145 DH für 24Std oder 190 DH für 48Std) Da das Hotel nicht allzu weit von einer Station entfernt ist und die Busse recht häufig fahren (alle 20 bis 30 Minuten), erspare ich mir so Diskussionen mit Taxifahrern ob der Taxameter nun wirklich defekt ist oder Touristen abgezoggt werden sollen. Allerdings sollte man sich für die Tour Zeit nehmen, da die Angabe der Frequenz recht marokkanisch ausgelegt ist. Also nichts für Deutsche mit Hang zur Pünktlichkeit. Die erste Oasentour startet erst am Nachmittag, sodass ich mit der historischen Tour Richtung Zentrum beginne. Vorbei geht es am neuen Bahnhof und dem Opernhaus zur Koutoubia Moschee. Hier verlasse ich den Bus, um nochmal die Umgebung des Djemaa el Fna zu erkunden. Gegen Mittag fahre ich zurück zum Startpunkt der Tour und habe Glück, dass dort bereits der Bus für die Oasentour wartet. Palmeraie ist heute einer der begehrtesten und teuersten Wohnorte der Stadt. Viele Luxushotels mit riesigen Golfplätzen haben sich hier ebenfalls angesiedelt. Wer will kann auf Kamelen durch Teile dieser 12000 ha großen Oase reiten. Sie ist die einzige nördlich des Hohen Atlas. Ich beende den heutigen Tag mit einem Besuch der Majorelle Gärten, benannt nach dem Künstler und Botanik-Liebhaber Jacques Majorelle. Es ist nur ein kleiner Garten, aber wunderschön mit Teichen und Springbrunnen, Palmen und Kakteen und mittendrin das blaue Atelier des Malers.

Marrakesch nochmal auf eigene Faust

30.10.2013

 

Letzter Tag in Marrakesch und nochmal Freizeit, da die dazu gestoßenen heute ihren Stadtrundgang haben. Mich zieht es nochmal in die Medina. Vom Hotel läuft man in gemütlichem Tempo etwa 40 Minuten dorthin. Mittendrin liegt die Medersa Ben Youssef, die größte Koranschule Marokkos. Ihr 40m hohes Minarett kann man schon von weitem erkennen. Südlich des Djemnaa el Fna liegen versteckt die Ruinen des Palais Badi. Er wurde Ende des 16. Jhdt erbaut zur Erinnerung an die Besiegung der portugiesischen Truppen im Jahre 1578. Hier ist es wunderschön. Es ist zwar nicht mehr viel erhalten, aber auf den alten Gemäuern nisten unzählige Störche. Wenn die gemeinsam losklappern wird es richtig laut. Zeit zum Mittagessen. Lokale gibt es auf dem Djemaa el Fna genug und da zieht es mich auch hin. Tajin heißt dieses leckere marokkanische Gericht, das überall verkauft wird. Es wird in speziellen Behältern aus glasiertem Ton auf Holzkohle geschmort und es gibt es in verschiedenen Varianten. Ich entscheide mich für eine Version mit Rindfleisch, Feigen und Walnüssen. Sehr lecker! Und zum Dessert: Orangen mit Datteln und Zimt und dazu einen Pfefferminztee. So gestärkt wage ich es den Kampf aufzunehmen mit den Kutschfahrern. Ich würde zum Abschluss des Tages gerne noch eine Fahrt durch die Medina machen. Von 150 DH für eine kurze Fahrt bis zu 400 DH für eine Stunde ist alles im Angebot. Wir einigen uns auf 200 DH die Stunde. Geht sicher auch noch billiger, wenn man hartnäckig genug ist. Die Fahrt geht durch den nördlichen Teil der Souks, vorbei am Königspalast (absolutes Fotografierverbot) und durch die engen Gassen bis wir wieder an den Gärten um die Koutoubia Moschee heraus kommen. Für heute reicht es mir dann erstmal und ich warte auf den Bus Touristik, der mich in die Nähe meines Hotels bringen wird.

Teil zwei der Reise

31.10.2013

 

Jetzt beginnt der zweite Teil der Reise. 20 neue Mitreisende sind dazu gestoßen. Heute werden wir zwei Pässe überqueren, den Tizi-n-Tichka (2260m) im Hohen Atlas und den Tizi-n-Tinifif (1700m) im Anti Atlas. Die Straßen schlängeln sich in endlosen Kurven bergauf und bergab. Nichts für empfindliche Magennerven. Der Blick von oben auf die Serpentinen ist aber grandios. Vorbei geht es an vielen Lehmdörfern mit Ziel Ait Benhaddou, einem alten Ksar. Ksars sind typische Ansiedlungen am Rande der Sahara, bestehend aus aneinander gereihten Lehmbauten umgeben von einer Schutzmauer. Ait Benhaddou diente bereits als Kulisse für einige Filme. Es wurde aber von seinen Bewohnern verlassen zugunsten modernerer Wohnungen im neuen Teil der Stadt auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses. Seit es zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, ist es teilweise wieder bewohnt. Mich stören ein wenig die vielen Souveniergeschäfte in der Hauptgasse, aber von irgendwas müssen die Menschen ja leben.
Unser nächstes Ziel ist eine Kasbah. Eigentlich nicht auf dem Programm, aber unser Guide meint, wenn die Rundreise schon Straße der Kasbahs heißt, muss man wenigstens eine besichtigen und den Eintritt von 20DH wird wohl jeder aufbringen. Es ist die Kasbah Tifoultoute, welche früher der Familie Thamil El Glaoui, dem Pascha von Marrakesch gehörte. Der größte Teil ist zerfallen, aber das Wohnhaus steht noch und man bekommt eine Idee vom damaligen Wohnstil. Von der Dachterrasse hat man einen wunderschönen Blick auf die Oasen. Während wir den Anti Atlas überqueren, geht die Sonne unter und zwar so schnell, dass wir gerade noch für ein Foto halten können. Spät erreichen wir unser Hotel Ksar Tinsouline. Eigentlich schade, denn es liegt wunderschön in einem riesigen Garten. Vielleicht reicht morgen früh die Zeit für einen kurzen Überblick. Die Zimmer sind zwar wieder recht klein, aber hier schmeckt das Essen wenigstens.

Oasen und die höchsten Dünen Marokkos

01.11.2013

 

Gestern konnten wir wegen der späten Uhrzeit Die Drah- Oasen nicht mehr sehen, da alles schon im Dunklen lag. Macht aber nichts, da wir heute wieder ein Stück zurück fahren. Aber zuerst steht der obligatorische Fotostop am Ortsausgang vom Zagora an. Von hier waren es auf alten Kamelpfaden 52 Tage bis Timbuktu, was das Schild belegt.
Auf der weiteren Fahrt wechseln sich Oasen und Steinwüste ab. Kurz vor dem heutigen Etappenziel erreichen wir die Oasenstadt Rissani, wo wir das Mausoleum von Moulay Ali Sherif besichtigen.Um 14:30 sind wir im Hotel Palms. Das hat sicher auch schon bessere Tage erlebt. Die Zimmer sind im Vergleich zu den anderen recht gross, aber verwohnt. Für eine Nacht ist mir das aber ziemlich egal. Ich hätte keines der bisherigen Hotels für eine individuelle Tour gewählt, aber bei Gruppentouren muss man nehmen was kommt.
Wir haben 30 Minuten Zeit bis zur Abfahrt unserer Allradwagen, die uns zu den höchsten Sanddünen Marokkos bringen. Von hier sind es nur noch ca 80km bis zur algerischen Grenze. Die Dünen liegen wunderschön im goldenen Licht der Abendsonne. Da ich keine Lust auf Kamelreiten habe, wandere ich ein Stück in die Dünen hinein. Es ist erstaunlich, wie fest der Sand teilweise ist. Man kann an manchen Stellen laufen ohne zu versinken.Schade nur, das die Sonne nicht hinter den Sandbergen untergeht. Schön ist es aber trotzdem.

noch mehr Oasen und eine Schlucht

02.11.2013

 

Nächster Stopp an den Auswurftrichtern. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht, liegt hier ein Trichter hinter dem anderen. Sie sehen aus, wie Minivulkane. Früher dienten die zur Bewässerung, da sich unter der Erde entlang der Kegel Wasserkanäle befinden. Heute sind die meisten Kegel zerfallen.
Eine weitere Oase liegt auf unserem Weg. Sie ist Marokkos größte und liegt in einem Tal. Dieses endet in der gewaltigen Todraschlucht, wo wir unsere Mittagspause einlegen.
Nun sind wir wieder auf der Straße der Kasbahs. Die meisten dieser Wohnburgen sind heute leider unbewohnt und verfallen zunehmend. Da sie aus Lehm errichtet sind, müsste man sie nach jedem Regen überprüfen und gegebenenfalls renovieren, was viel zu zeitaufwendig und teuer ist. Die Nacht verbringen wir im Hotel Riad Salam in Quarzazate. Es ist ein bisschen wie eine alte Kasbah. Mein Zimmer liegt oben auf dem Dach in einem der Ecktürme. Etwas einsam, aber schön. Wird mich schon keiner heute Nacht überfallen. Wenn doch, habe ich ja heute die Zauberformel für solche Fälle gelernt, die da lautet: eibah. Soll angeblich Wunder wirken wenn dir als Frau in Marokko ein Mann zu nahe kommt.

Bergdörfer und Agadirs

03.11.2013

 

Viele Kilometer (480) liegen heute vor uns. Bevor wir die Stadt Quarzazate verlassen, schauen wir uns noch eine der Kasbahs von außen an. Diese ist recht gut erhalten und diente auch schon als Filmkulisse. Quarzazate ist das Zentrum der marokkanischen Filmindustrie. Die Drehbedingungen sind hier nahezu perfekt: fast immer gutes Wetter, unterschiedliche Landschaftsbilder in näherer Umgebung und viele billige Komparsen. Der Weg führt uns über einen weiteren Pass nach Taroudant. Nennt sich das kleine Marrakesch, aber da war wohl der Wunsch Vater des Gedanken. Zugegeben es ist Sonntag und einige Läden in den Souks geschlossen, aber der Rest löst keine Begeisterungsstürme aus. Am Rande der Stadt befindet sich ein nettes Gartenrestaurant, perfekt geeignet für die Mittagspause. Schade nur, dass der Himmel sich zuzieht und es windig wird.
Wir befinden uns jetzt im Tal der Ammeln, in dem wieder Argan- aber auch viele Mandelbäume wachsen. An den Hängen zu beiden Seiten finden sich immer wieder Agadirs. Sie sehen ähnlich aus wie Kasbahs, sind aber reine Speicherburgen. Da die Bauern heute ihre Vorräte nicht mehr verteidigen müssen, verfallen diese mehr und mehr. Kurz vor Sonnenuntergang, heute bedingt durch eine dicke Wolkendecke nicht Theaterreif, erreichen wir die Stadt Ida Ougnidif. Sie thront hoch oben auf einem Felsen mitten in der Ebene und hat nur einen einzigen Zugang.
Wieder mal erreichen wir unser Hotel im Dunkeln, nachdem wir einen weiteren Pass überquert haben. Ein Lob unserem Busfahrer. Das Hotel les Amandiers in Tafraoute liegt über der Stadt und ist aus der Kolonialzeit. Das Gebäude ist sehr schön, aber die Zimmer rufen nicht unbedingt einen Wow-Effekt hervor. Das Abendessen war aber vorzüglich. Es gab wieder mein marokkanisches Lieblingsessen, Tanjin. Heute mit Huhn, Gemüse, Pflaumen und Nüssen.

alles hat ein Ende

04.11.2013

 

Letzter Tag und es geht retour nach Agadir. Zuerst besuchen wir noch das Dörfchen Agard Oudad mit dem Napoleonhut, einem Felsen über der Stadt. Auf alten Ziegenwegen kann man bis auf den Gipfel hinauf. Die Aussicht ist aber auch von halber Höhe aus sehr schön.
Von hier geht es zurück durchs Tal der Ammeln mit seine vielen an den Hängen klebenden Dörfern nach Agadir. Nach dem Erdbeben 1960 ist von der Altstadt ja leider nichts übrig geblieben und das neue Agadir spricht mich so gar nicht an. Ein kurzer Bummel am Strand und der Promenade entlang reicht, mir aus. Urlaub möchte ich hier nicht machen, auch wenn es außerhalb des Hauptstrandes sicher ein paar nette Hotelanlagen geben mag. Morgen geht es wieder Richtung Heimat. Dank eines wirklichen guten Reiseleiters habe ich viel über das Land erfahren und viel gesehen. Marokko und seine Menschen haben mich positiv überrascht und auch als Frau ohne männliche Begleitung habe ich mich nie unsicher oder unwohl gefühlt. Das Land mit seinen Städten und Landschaften ist sehr abwechslungsreich und bis auf Tanger und die Mittelmeerküste haben wir in den zwei Wochen alles gesehen.