Loewenherz-Fest

Wir machen uns am Morgen mit dem Nahverkehr (Rhein-Neckar-Ticket sei Dank) auf den Weg nach Annweiler im Trifelsland.

 

Das Städtchen ist in erster Linie bekannt durch die Burg Trifels. Hoch oben thront sie über der Stadt, doch sie ist heute nicht unser Ziel. Dennoch hat der heutiger Besuch im Städtchen Annweiler mit eben dieser Burg zu tun. Der einstige englische König Richard Löwenherz beehrte sie im Jahre 1193 für drei Wochen. Allerdings nicht ganz freiwillig, sondern als Gefangener. Wie es dazu kam, erzähl ich euch ein anderes Mal. Jedenfalls muss er Eindruck hinterlassen haben, denn jedes Jahr feiert die Stadt am letzten Juli-Wochenende ein Mittelalterfest in seinem Namen.

Vom Bahnhof sind es nur wenige Schritte bis zum Messplatz, wo sich eines der Eintrittstore befindet. Die ganze Altstadt ist abgeriegelt, damit sich auch ja keiner einschleichen kann. (Ob der dann auch im Kerker des Trifels landen würde?) Nachdem ich meinen Obolus von 7.00 € bezahlt habe, darf ich mich ins Mittelalter stürzen. 

 

Wo ich mich jetzt befinde, hätte ich auch damals die Stadt betreten, denn hier verlief einst die Stadtmauer, von der aber nicht mehr viel erhalten ist. Hier verlässt auch die Queich den Ort. So ein Bächlein in der Stadt war schon eine feine Sache. Man konnte außerhalb der eigentlichen Stadtmauer Gräben anlegen, die man bei Bedarf (wenn der Feind im Anmarsch war) fluten konnte.

 

Mit dem Wasser im Bach ließen sich aber auch Mühlen antreiben und so finden sich noch heute einige Wasserräder entlang der Queich.

Annweiler war auch lange Stadt der Gerber. Das Wasser war da, ebenso Plätze zum Häuser bauen am Ufer und Handwerker waren sogar für eine bestimmte Zeit abgaben- und steuerfrei. Da wäre man ja blöd gewesen, hätte man sich nicht hier niedergelassen. Betrachtet man sich die alten Häuser, ging es denen sicher nicht schlecht. Bis der 30 jährige Krieg, die französische Revolution und die Belagerung der Stadt Landau dem ein Ende setzten. Auch die industrielle Entwicklung tat ihr übriges und so war im Jahre 1903 Schluss mit der Gerbertradition in Annweiler. Denen schwammen sprichwörtlich die Felle davon.

 

Bevor wir uns weiter durch die Gassen treiben lassen, blicken wir noch mal zurück zur Lohmühle.

 

Am gegenüberliegenden Ufer steht ein schmales Fachwerkhaus, welches nur einen engen Durchschlupf frei lässt. Eigentlich nicht so geschickt am Ortseingang. Oder vielleicht doch? Denn auch dadurch hätte man ja Angreifer aufhalten können.

Der Durchschlupf nennt sich übrigens Schipkapass, wobei ich mir unter einem Pass irgendwie etwas anderes vorstelle. Andere Menschen wahrscheinlich auch und so ist bis heute nicht geklärt, woher der Name kommt.

Für mich logisch ist die Erklärung, dass hier Pferdefuhrwerke nicht durch kamen (aber so was von nicht) und die Ware auf Schiebekarren umgeladen werden musste.

Annweiler ist ein Städtchen durch das man sich einfach treiben lassen kann. Man kommt dabei nicht nur an schönen Fachwerkhäusern vorbei,

sondern auch an manchem Kleinod, hält man die Augen offen. (Wobei mir die Katzen vor dem Fenster besonders gut gefallen haben)

Von der Ferne erblicken wir jetzt den Turm der protestantischen Kirche, die übrigens neben der Burg Trifels das Wahrzeichen der Stadt ist. Wie war das doch gleich noch mal mit weltlicher und kirchlicher Macht?

 

Ist ja auch egal, jedenfalls führt sie uns zum Marktplatz und langsam tut sich auch was in der Stadt bezüglich des Festes. 


Inzwischen sind alle Stände geöffnet und wir könnten einkaufen.

  

Wie wäre es denn mit einem neuen Schwert oder doch lieber einer Zwille?

Wenn das alles nichts mehr hilft, kaufen wir uns einen Blütenkranz und fahren eine Runde mit dem alten Karussell.

Angeblich wird es von kleinen Drachen angetrieben. Ob meiner deshalb wohl eine Runde umsonst fahren darf?

Dazu bräuchten wir dann aber noch einen Schluck Zielwasser.


Was aber wäre so ein Fest ohne Musik und Schauspiel?

 

Klar, dass bei mir die kleine Kunigunde von Klopfenstein das Rennen macht,  

aber auch die Violine spielende Ziege verdient Applaus. 


Und die Ausrede man habe keine Münzen, gilt beim fahrenden Volk schon lange nicht mehr.

Wusstet ihr schon, dass es auch Einhorn-Hunde gibt? Wohin so ein Hype führen kann? Fehlt nur noch der Glitzerstaub im Fell. 

Der Uhu nimmt es gelassen. Wir tun es ihm gleich und machen uns auf den Heimweg.


Dabei stolpern wir noch über diesen feschen Rittersmann. Ob der jetzt zu viel gekämpft oder zu tief in den Metkrug geschaut hat, haben wir nicht heraus bekommen können. 

 

 

mehr