wo die Drachen hausen

Es gibt da eine Stadt auf der östlichen Rheinseite, zu Füßen des Siebengebirges gelegen.

Auf der anderen Rheinseite liegt Bad Godesberg, einst als Diplomatenstadt bekannt, denn als Bonn noch bundesdeutsche Hauptstadt war, war Godesberg Sitz vieler Botschaften. Das ist längst Schnee von gestern und auch nicht der Grund, warum meine Drachen dieses Wochenende unbedingt nach Königswinter müssen. Auch der Petersberg mit seinem Hotel, der sich hinter der Stadt erhebt und wo einst Staatsoberhäupter fremder Länder ihr müdes Haupt betteten, ist nicht Ziel der Reise.

Lässt man den Blick aber noch ein wenig weiter den Berg hinauf schweifen, bleibt er an einer Burg hängen, der Drachenburg. Die ist so schon imposant genug, doch die nächsten Wochenenden erstrahlt sie in buntem Licht. Motto in diesem Jahr: Drachen.

Na, wenn das jetzt mal kein Grund ist mit meinen Jungs einen Wochenendausflug zu planen. Es sollen sich in der Stadt noch ein paar mehr Drachen verstecken. Na, denn man los.

Königswinter

Andernach


Drachen überall

25.02.2017

6°C
6°C
7.2 km
7.2 km

Der Weg ist heute nicht gar so lang und die Burg wird ja erst nach Sonnenuntergang erstrahlen. Da reicht es, wenn wir uns gegen 09:00 Uhr auf den Weg machen.


Der Intercity bringt uns bis Koblenz und von dort geht es mit der Regionalbahn bis Königswinter, den Rhein immer zu unserer Linken.

 

 

Vom Bahnhof aus wäre es jetzt nicht allzu weit zum Hotel. Check-in ist aber nicht vor 15:00 Uhr und so werden wir erst mal die Stadt erkunden (und nach Drachen suchen)

Unser Weg führt uns in Schlangenlinien (oder einem Drachenschwanz folgend) durch den Ort.

Kurz hinter dem Bahnhof stoßen wir auf den alten jüdischen Friedhof. Den gab es hier bereits im Mittelalter. Irgendwann war er zu klein und sollte 1874 entlang des Rheins erweitert werden. Das fand die Stadt Königswinter nicht wirklich toll, denn diese Grundstücke am Rhein waren inzwischen zu attraktivem Wohngebiet geworden. Da hätte man mit der Errichtung von schicken Häusern sicher mehr Geld raus holen können. Dumm gelaufen.

 


 

 

 

Hugo interessiert es nicht die Bohne wer hier mal gelebt hat. Die ersten Anzeichen des Frühlings sind da doch viel aufregender.

Gegenüber residierte einst der pakistanische Botschafter. Man erinnere sich: Bad Godesberg mit seinen Botschaften lag genau gegenüber. Keine schlechte Wohnlage mit Garten bis fast an den Rhein. Doch wie es so ist in der Geschichte: Bundeshauptstadt jetzt Berlin > Abzug der Botschaften aus Bad Godesberg > und schon braucht der Herr Botschafter ein neues Häuschen. Täglich pendeln wäre da sicher keine Option. So wurde das Haus zu einem Restaurant umgebaut.


Wer Fachwerkhäuser liebt, der ist bei uns in Deutschland ja genau richtig. Es gibt genügend alte Städte und Dörfer in unserem Land, um sich daran zu erfreuen. Königswinter ist da keine Ausnahme. Zu finden sind sie in den engen Gassen der Altstadt:

 

und das alte Fährhaus gehören dazu.

 

 

Auch die ursprüngliche Posthalterei

 

Zu guter Letzt reiht sich auch das Haus des Statthalters der Burggrafen vom Drachenfels in die Reihe der erhaltenen Fachwerkbauten. Zumindest trägt letzteres dessen Wappen (mit Drachen, wie sich das gehört)

 

 

 

Auf Drachen trifft man in Königswinter sowieso überall, sei es wie erwähnt im Wappen, als Schild


oder gar in Lebensgröße an der Hauswand. Stolze 8 Meter ist er lang und besteht aus wie viel Einzelteilen? Na, was schätzt ihr? Ganze 400 Puzzleteilchen an die Wand geklatscht und schon haben wir einen freundlichen Drachen vor uns.

Der stiehlt dem Straßenbelag doch glatt die Show. Hier sind nämlich Keramikplatten mit den Symbolen und Spitznamen der Stadtbewohner eingelassen.

 

Es gibt aber auch Ausnahmen von der Dracheneuphorie. Gibt es denn tatsächlich Menschen, die nicht auf Drachen stehen, oder wieso heißt die Apotheke in der Hauptstraße nicht nach dem Fabeltier? 


Errichtet wurde sie 1799 als Apotheke "Im Pelikan“. Hat ja jetzt überhaupt nichts mit einem stolzen Drachen zu tun. Seit den 30igern heißt sie immerhin "Adlerapotheke“. Kommt dem Drachen doch schon ein Stückchen näher und wer weiß, vielleicht wird sie ja eines Tages doch noch zur "Drachenapotheke“

 

Fachwerkhäuser hatte wir ja bereits als Bestandteil dieser Stadt, aber auch Barockbauten sind hier zu finden. Auch wenn von außen renoviert wurde, im Inneren soll das Hotel Loreley noch fast im Originalzustand erhalten sein.

 

darunter auch das heutige Siebengebirgsmuseum – einst Weinhof und Gastwirtschaft.

Wer dann nach durchzechter Nacht nicht mehr ganz sicher zu Fuß ist, kann mit einem letzten Blick aufs Rathaus

Doch wandern wir weiter durch die Gassen und kommen vorbei am Tomberger Hof. Sieht aus wie ein barockes Fachwerkhaus, stammt aber aus dem Mittelalter. Naja, so mancher Hausbesitzer will halt mit der neusten Mode gehen und modernisiert ganz im Stil der Zeit. Übrigens war hier auch mal das erste Krankenhaus der Stadt untergebracht.

Ob wir da mal einen Blick riskieren? Was wir entdecken ist wirklich nicht von schlechten Eltern: Stuckverzierungen und Ausmalungen im Treppenhaus und auch der alte Kaisersaal ist noch vorhanden. Sieht man dem Teil von außen gar nicht an.

 

 

 

Noch mehr Barockhäuser finden sich überall in der Altstadt,

 

Apropos Wein. Wäre es nicht eine geniale Idee, wenn aus einem Brunnen Wein statt Wasser fließen würde? Vor allem, wenn er schon Weinbrunnen heißt. Zur Zeit fließt hier nicht mal Wasser, wer aber im Herbst zum Winzerfest kommt, hat mehr Glück. Dann rauscht hier wirklich der Rebensaft durch die (Wasser)speier. Schlechtes Timing, würde ich sagen.

 

nach alter Tradition mit dem Esel heim reiten. Naja, eigentlich ritt man damit auf den Drachenfels und zur Drachenburg, aber anschließend auch ins Hotel und damit passt es ja wieder.


Das Denkmal steht an der Rheinpromenade. Von hier hat man einen schönen Blick aufs gegenüberliegende Bad Godesberg und im Sommer legen hier die Schiffe ab, um Touristen rheinauf und rheinab zu fahren.

 

Unser Hotel liegt hier gleich um die Ecke. Hoffen wir mal, dass sich Vater Rhein die nächsten zwei Tage benimmt und sein Wasser nicht über die Ufer spült.

Für uns wird es jetzt Zeit zum Einchecken, um uns dann in Richtung Burg zu begeben.

Bevor wir uns jedoch auf den Weg machen, lacht uns diese Bank an. Wie praktisch, dass gleich daneben eine Eisdiele ist. Und doch, Eis geht auch im Winter.


Wir könnten es jetzt handhaben wie zu alten Zeiten, wo man auf Esels Rücken hinauf zur Burg ritt.

 

Wären meine Jungs bereits ausgewachsen, könnte ich auch auf ihnen hinauf fliegen. Könnte, könnte. Angesichts der Tatsache, dass der Tag noch lang ist, ist laufen auch nicht mein Ding. Was bleibt da noch? Na klar, die gute alte Drachenbahn. Und wenn ich alt sage, dann meine ich das diesmal wörtlich.

Seit 1883 schnauft die Bahn bereits die 222 Höhenmeter von der Altstadt zum Schloss hinauf. Ok, seit 58 Jahren schnauft sie etwas weniger, denn da wurde die Strecke über 3 Brücken und ein Viadukt elektrifiziert.

 

Mir stellt sich jetzt nur die Frage, in welcher Reihenfolge fahren wir die Sehenswürdigkeiten an?

Die Entscheidung fällt auf von oben nach unten. Also bleiben wir bis Endstation in der Bahn sitzen.

Der Drachenfels, auf dem wir uns jetzt befinden, ist 321 Meter hoch und angeblich soll hier der Drache gehaust haben, den Siegfried erschlug um Unverwundbarkeit zu erhalten. Leider ist der arme Drache umsonst gestorben, denn eine verwundbare Stelle blieb und die kostete dem armen Siegfried letztendlich doch das Leben.

 

Fragt man jedoch den Drachen, der hier immer noch lebt, hat sich die Geschichte ganz anders abgespielt. Siegfried war nämlich keinesfalls der furchtlose Held, der sich einem Drachen stellt.

Oh nein, eine Fallgrube hat er gegraben und mit Ästen getarnt. Verschlafen, wie er am Morgen war, ist der Drache hinein geplumpst, hat sich den Kopf gestoßen und ist ohnmächtig geworden. So genau hat unser Drachentöter nicht nachschauen wollen. Nach dem Motto: Drache regt sich nicht, also muss er tot sein, war der Fall für ihn erledigt. Unser Drache ist nach einer Weile aber mit einem Brummschädel aus der Ohnmacht erwacht und lebt noch immer gesund und munter auf dem Drachenfels.

 

Einst stand hier oben auf dem Fels eine stolze Festung. Die Lage war ideal, denn man konnte den Feind schon von weitem erblicken. Kein Wunder, dass sie auch als Sitz der Burggrafen von Drachenfels diente. Doch nach dem Dreißigjährigen Krieg war es vorbei mit der schönen Burg. Sie wurde zerstört. Der Steinabbau unterhalb der Burg tat sein übriges und wer weiß, wie lange sich die Überreste noch auf dem maroden Felsen halten können.

Genau aus diesem Grund ist auch der Eselspfad, der von hier hinab zum Schloss führt zur Zeit gesperrt. Bleibt alternativ nur der längere Ersatzweg oder die Rückfahrt mit der Bahn. Da es bis zur Dämmerung noch ein Weilchen dauert, fällt die Entscheidung zu Gunsten Fußweg.

Durch die Vorburg geht es auf das Schlossgelände.

Vor uns liegt die Burg. Erbaut wurde sie 1882 und ist damit die jüngste an den Hängen des Rheins. Eigentlich ist sie auch gar kein Schloss, sondern nur eine Villa. Ganz schön große Villa, würde ich sagen.

 

 

 

 

Langsam wird es dunkel und schon erstrahlt das Schloss in den buntesten Farben und wirkt wie aus einem Disneyfilm entsprungen. Normalerweise stünde ich auf dem Standpunkt: weniger ist mehr. Dieses Märchenschloss darf aber in den kitschigsten Farben erleuchten. Das passt einfach. Fehlt nur noch ein pinkes Einhorn, das um die Ecke biegt und Feenzauber versprüht.


Und es geht noch mehr. Diese Villa ist nicht nur von außen verzaubert, sondern auch im Inneren. Wollen wir doch mal schauen, wie es da so aussieht.

 

Natürlich betritt man so ein Gebäude durch das Haupttreppenhaus. Da wurde normalerweise geklotzt und nicht gekleckert. Man wollte ja zeigen, wer man ist und was man hat. Hier kamen die Gäste an, wurden begrüßt und in den Festsaal geleitet. Geschmückt waren diese Treppenhäuser oft mit monumentalen Bildern, die den Gast innehalten ließen. Auf der Drachenburg gab es einst 24 davon, aber nur 13 sind erhalten geblieben. Beleuchtet werden sie durch die einzigen erhaltenen Buntglasfenster. Den Bediensteten war es übrigens nicht erlaubt, dieses Treppenhaus zu nutzen. Die hatten ihr eigenes (weniger prunkvolles) und durften im Haupttreppenhaus nur putzen.

Nachdem die Gäste die Gemälde genügend bewundert hatten (ob die die wohl von Zeit zu Zeit ausgewechselt haben?), betraten sie die Gesellschaftsräume, allen voran den Speisesaal. Der steht hier ganz im Zeichen der Jagd: mit einst fünf Gemälden über den Verlauf einer Jagd und bemalten Glasfenstern. Letztere sind seit dem zweiten Weltkrieg verschollen. Wer weiß, bei wem die jetzt die Wohnung schmücken.

Nebenan das Nibelungenzimmer. Ein Blick auf die Wandgemälde und man weiß, warum der Raum so heißt. Hier war das Herrenzimmer, wo man sich nach dem Dinner auf eine Zigarre zurückzog und Männergespräche führte. Dass es dabei nicht immer nur um Politik ging, mag wohl kaum verwundern.

Das galt wohl auch größtenteils für die Bibliothek. Sie war zwar mit Schreibtisch und Bücherregal bestückt, befand sich aber im öffentlichen Bereich des Hauses und diente daher in erster Linie repräsentativen Aufgaben.

Der Musiksaal befindet sich in der zweiten Etage und damit eigentlich schon im Privatbereich.

Er beherbergt eine riesige Orgel, wie man sie sonst nur in Kirchen findet. Der letzte Besitzer des Schlosses veranstaltete hier Orgelkonzerte für seine Gäste. War aber alles nur Lug und Trug. Die Orgel ist eine Attrappe und die Musik kam vom Tonbandgerät. Hat aber scheinbar funktioniert.

Wie bereits erwähnt, befinden wir uns hier auf der Privatebene mit zwei in sich geschlossenen Appartements. Eines für den Hausherrn mit Schlafgemach, Arbeitsraum und Frühstückszimmer und das andere für Gäste mit Bad, zwei Schlafräumen und einem Wohnzimmer. Dazwischen lag der bereits erwähnte Musiksaal. Ich frage mich jetzt nur, war das hier ne reine Männergesellschaft? Für Frauen scheint mir irgendwie kein Platz zu sein.

Doch zurück zur Beleuchtung. Die Villa wäre ja keine Villa ohne einen herrschaftlichen Garten und der eignet sich natürlich hervorragend für weitere Lichtinszenierungen.


Drachen dürfen da nätürlich nicht fehlen.

Irgendwann wird einem dann doch kalt.

Bevor wir aber den Weg ins Hotel antreten, muss ein letzter Besuch beim Drachen noch sein. Wo war der doch gleich zu finden? Na, in der Nibelungenhalle, wo denn sonst.

Die Halle wurde 1913 eröffnet. Grund: Wagners 100. Geburtstag und weil der Schuld ist an den vier Opern um den Drachentöter Siegfried, kann man hier eine Gemäldesammlung zu diesem Thema bewundern. Bezeichnet mich jetzt als Kunstbanausen, aber die interessieren mich weniger.

Um die Halle herum führt ein dämmriger Gang, die Drachenhöhle und jetzt wird es wieder interessant. Denn am Ende der Höhle stehen wir an einem Weiher und wer liegt da und schläft? Fafnir, der Drache und noch immer lässt er keinen an das "„Rheingold“ . Wie kann man so ein freundliches und friedliches Wesen nur töten wollen?

Wo sonst, wenn nicht im Baynunah Hotel Drachenfels muss man hier übernachten. Klingt aber toller, als es ist. Den Stubentiger aus der Hotelhalle hätte ich aber gerne mit aufs Zimmer genommen.


Baynunah Hotel Drachenfels


Rheinkilometer 613

26.02.2017

13°C
13°C
4.6 km
4.6 km

 

Ausgeschlafen, aufgewärmt und gesättigt geht es heute am Morgen mit der Regionalbahn Richtung Heimat. Der Tag ist aber noch jung, der Weg nicht weit und so bietet sich ein Stopp am Rheinkilometer 613 an. Das es dort schön ist, wussten schon die alten Römer, als sie sich vor über 2000 Jahren dort niederließen und die Stadt Andernach gründeten

 


 

Was macht man jetzt aber, wenn das Ziel auf der anderen Rheinseite liegt? Wie wäre es mit Brücke nutzen? Leichter gesagt, als getan, wenn die nächste Brücke 12 Kilometer in der falschen Richtung liegt? Schwimmen kommt der Lösung schon recht nahe. Zum Glück gibt es ja in regelmäßigen Abständen kleine Fähren, die den Transfer übernehmen. Für € 1.20 kommen wir trockenen Fußes über den Rhein. (Drachen fahren übrigens umsonst)

 

Ein Stück geht es dann mit der Bahn weiter.

Vom Bahnhof geht es schnurstracks über die Bahnhofsstraße (wie könnte es auch anders sein) Richtung Stadtgraben. Wo sonst, wenn nicht dort würde man die Überreste einer Burg vermuten.

Einst war die stolze Wasserburg als Eckbastion mit der Stadtmauer verbunden. Nur über die Brücke hatte man Zugang und der wurde vom Bergfried aus bestens bewacht.

 

Gleich nebenan die Überreste eines Stadttores. Die Burgpforte sicherte einst die Burganlage, wurde aber auch 1689 durch die Franzosen platt gemacht. Wie schön, dass man es heute wieder bewundern kann. Sanierung sei Dank.

 

 

Hat wohl aber nicht immer geholfen, denn das gute Stück wurde mehrfach zerstört. Im Pfälzer Erbfolgekrieg 1689 waren es die Franzosen und im Dreißigjährigen Krieg stand sie ebenfalls unter Kanonenkugelbeschuss. Die kann man heute noch im Schlossgarten bewundern.

 

 

 


Die Römer hatten sich sicher was dabei gedacht, ihre Stadt am Fluss zu errichten. Sicher nicht nur, weil es da so schön ist. Nein, ein Fluss bietet auch immer die Möglichkeit für Handel oder noch besser zum Steuer kassieren. Wer nicht zahlt, kommt nicht weiter – ganz einfach.

 

Aus diesem Grund stehen am Rheinufer auch noch die Überreste der einstigen Zollbastion. Die ist jetzt aber nicht wirklich von den Römern, sondern stammt aus dem Jahr 1659.

Das Wetter ist so schön, da bietet sich ein Spaziergang am Rhein doch geradezu an. Kein Wunder, dass die alten Römer sich hier niederließen.

 

 

 

 

 

 

Deutschland ist doch gar nicht so schlecht, oder? (Besonders, wenn die Sonne scheint)

 

Wo Handel ist, muss auch ein Hafen sein, damit die Güter umgeschlagen werden können. Natürlich hatte auch die Stadt Andernach einen solchen. Umgeschlagen wurden hier Mühlsteine, Tuff und (wenn wundert es) Wein. Von einer der größten Verladestationen an Deutschlands Flüssen ist nur der Alte Krahnen geblieben.


 

Viel Handel > viele Zolleinnahmen > Reichtum. Da bleiben die Neider sicher nicht aus und man muss seine Stadt gut schützen. Die mächtige Burg im Osten haben wir ja bereits gesehen, im Westen schützte einer der größten Wehrtürme des Landes die Stadt vor Eindringlingen. Selbst ein Sprengversuch der Franzosen konnte ihn nicht erschüttern. Nur ein ordentliches Loch blieb zurück.  Hat die Stadt aber auf Dauer nicht vor der Zerstörung bewahrt.

Was hat es aber mit den beiden Figuren im Innenhof auf sich? Lust auf eine Legende? Na dann hört mal zu. Einst hatte der Kaiser den Rheinzoll von Linz nach Andernach verlegt. Die Linzer waren darüber nicht sehr erfreut, war es doch ihre wichtigste Einnahmequelle. Sie waren sogar stinksauer und beschlossen sich zu rächen. Die Andernacher waren in der Gegend als Siebenschläfer bekannt, die gerne lange feierten und des morgens nicht aus den Federn kamen.

 

Begeben wir uns nun von der Rheinseite aus in die Altstadt. Klar musste die Stadt auch von hier geschützt werden, Feinde hätten sich ja sonst bei Nacht und Nebel anschleichen können.

 

Verhindert wurde das durch das Rheintor mit gleich zwei Toren.

 

 

 

Das musste man ausnutzen und so kamen die Linzer im frühen Morgengrauen. Wie erwartet schlief alles tief und fest, sogar der Nachtwächter. Der war tagsüber übrigens Imker und hatte sein Bienenvolk in Körben neben sich auf der Stadtmauer stehen.

Doch es schliefen nicht alle. Zwei Bäckerjungen, Fränzje und Döres, hatten gerade ihre Arbeit erledigt und waren noch auf einen Streich aus. Da kamen ihnen die Bienenkörbe gerade recht und sie beschlossen diese zu verschließen, damit die Bienen nicht ausfliegen und Honig sammeln konnten.


Doch halt, was waren das plötzlich für Geräusche. Vom Rhein her klang Waffengeklirr und Kommandos. Die waren aber schon so nah, dass es für eine Warnung zu spät war. Da stießen sie kurzerhand die Bienenkörbe über die Stadtmauer. Fanden die Bienen jetzt nicht so super und stachen wild um sich. In ihrer Wut schlugen die Linzer auf die Bienenkörbe ein. Schön dumm, denn jetzt wurden die Bienen noch böser und die Linzer schrien vor Schmerz. Wahrscheinlich so laut, dass man Tote hätte wecken können, denn der Nachtwächter schlug nun endlich Alarm. Wäre aber wohl nicht nötig gewesen, denn die Angreifer wollten nur noch weg (und kamen auch nie wieder)

Tja und zum Dank wurden den zwei Lausbuben im Stadttor ein Denkmal gesetzt.

 

Da wir heute in absolut friedlicher Absicht kommen, können wir das Tor ungehindert durchschreiten und uns noch ein wenig in den Gassen der Altstadt umsehen.

 

Dabei treffen wir auf das alte Rathaus. Der Bau war wohl mal eine Synagoge, denn unter dem Sitzungssaal befindet sich ein jüdisches Kultbad. Das wurde vom Rhein gespeist und ist auch immer noch mit ihm verbunden, denn der Wasserspiegel fällt und steigt mit dem Rheinpegel. Hoffen wir mal, dass der Bürgermeister bei Hochwasser keine nassen Füße bekommt.

 

Weiter geht es durch die Gassen der historischen Altstadt zum Marktplatz.

Da tobt heute nicht unbedingt der Bär, aber es ist ja auch noch keine Saison.

 

 

 

Am Helmwartsturm verlassen wir die Altstadt und begeben uns auf den Heimweg.