Hockenheim Historic

Ich habe mal wieder Lust auf schnelle Autos, aber Karten für die Formel 1 sind mir zu teuer. Zum Glück liegt der Hockenheimring praktisch vor der Haustür und der ist an diesem Wochenende Austragungsort des Hockenheim Historic.

Diese Veranstaltung findet jedes Jahr statt und man ist quasi mittendrin und nicht nur dabei.

Jim Clarks war ein schottischer Formel 1-Weltmeister und in den 60iger Jahren sehr erfolgreich. Er verunglückte am 07.04.1968 im ersten Lauf um den Martini Gold Cup auf dem Hockenheimring tödlich.

Im zu Ehren findet diese Veranstaltung statt und man sieht Renn- und Tourenwagen aus unterschiedlichen Epochen des Rennsports. Das macht es für mich weit interessanter als die Formel 1, bei der stundenlang die selben Autos an einem vorbei rauschen.

Den Hockenheimring gibt es schon seit 1932. Damals war es eine 12km lange Dreieckskurve ohne Teerdecke. Erst 1938 wurde sie mit einem Belag versiegelt und dabei auf 7m verkürzt. Lange konnte dieser neue Kurpfalzring nicht genutzt werden, denn der 2. Weltkrieg brach aus und mit Ende desselben war der Streckenbelag komplett zerstört.

Aber 1947 wurde mit Hochdruck an der Wiederherstellung gearbeitet und das allererste Rundstreckenrennen Deutschlands fand bereits im Mai statt. Damals, im Gegensatz zu heute, wurden die Rennen noch gegen den Uhrzeigersinn gefahren.

Durch den Bau der Autobahn in den 60igern musste der Kurs erneut geändert werden. Es entstand das Motodrom mit engen Kurven und einer neuen Boxenanlage.

Die Formel 1 ist mit Unterbrechungen seit 1970 hier zuhause.

2002 wurde nochmals kostenintensiv umgebaut. Dieses Geld versuchte man mit Erhöhung der Formel 1-Tickets wieder herein zu bekommen. Die Rechnung ging leider nicht auf; viele Menschen konnten es sich einfach nicht mehr leisten.

Aus diesem Grund findet der Formel 1-Zirkus nur noch jedes zweite Jahr in Hockenheim statt.

Im Gegensatz zum großen Bruder Formel 1, darf man hier aber auch während der Rennen das Geschehen in der Boxengasse hautnah miterleben. Immer auf dem Sprung nicht überfahren zu werden. 

Als ich ankomme läuft gerade das Qualifying für den BOSS GP. BOSS bedeutet einfach nur Big Open Single Seater.

Zugelassen sind hier nur die wirklich PS-starken Formelrennfahrzeuge der legendären 80er und 90er Jahre. Die sehen den heutigen Formel 1-Rennern dann auch am ähnlichsten 



Das Rennen läuft noch, aber inzwischen haben sich bereits die ersten Teilnehmer der Scuderia Alfa Classico aufgestellt. Startberechtigt sind hier, ohne Einschränkung, alle Fiat-Modelle.

 

Mit dieser Rennserie setzt sich der italienischen Automobilbau mit seinen schönen Modellen ein Denkmal.

Kurz darauf sind sie auch schon auf der Rennstrecke.

Für einen der Fahrer endet die Fahrt dann aber vor Erreichen der Ziellinie im Kiesbett. Das passiert, wenn man sich in der Kurve verbremst.  


Was verbirgt sich jetzt aber hinter YTTC? Die sind mit ihrem ersten Rennen als nächstes dran.

Ganz einfach: YTTC bedeutet Young-Timer-Tourenwagen-Challenge.

Hier schlägt jedes Autofanherz höher, denn bekannte Marken, die vor 1990 Renngeschichte schrieben sind hier am Start. Darunter unter anderem aus den 70igern BDA Escort, SunbeamLotus, VW Käfer, Trabant und Renault Alpine A310, sowie aus den 80igern Lotus Esprit, BMW M1, Ferrari, Opel Ascona, Porsche911 und Renault 21 Turbo.

Mein absoluter Liebling in diesem Rennen ist der Trabbi. Frei nach dem Motto "dabei sein ist alles" müht er sich ohne sichtlichen Erfolg ab. Sportgeist hat er aber eindeutig!

Nach diesem Lauf ist erstmal Pause im Renngeschehen. Bevor die diversen Clubs ihre Oldies zur Präsentation auf die Strecke schicken, drehe ich eine Runde über die Anlage und bewundere ein paar der ausgestellten Wagen. Manche tauchen dann während der Präsentationsrunden wieder auf.

Auch die Rennmotoren haben sich im Laufe der Jahre geändert und weiter entwickelt:

Jetzt aber schnell zurück auf die Tribüne um sich einen guten Platz für die nun folgenden Präsentationsläufe zu suchen. Hier geht es nicht um Sieg oder Niederlage, sondern einfach darum, dem Publikum die diversen Modelle zu zeigen.

Den Anfang macht der Raceclub Germany mit seinen Formel-Fahrzeugen aller Kategorien.

Darunter befinden sich GP Fahrzeuge aus den 40igern und 50igern, wie der Maserati 250 F von Stirling Moss, aber auch  Lotus, March oder G.R.D. die von Legenden wie Jochen Rindt und Ronnie Petersen gefahren wurden.

Und mein Favorit hier: 

Während der nächsten zwei Präsentationsläufe sieht man dann wirklich Renn- und GT Fahrzeuge aller Marken.

Danach geht es aber wieder um die Wurst und jetzt sind die Britten dran mit ihren Marken Spitfire, Austin Healey, Jaguar, Marcos, MG, Morgan u.v.m. Auf der Rennstrecke sind Fahrzeuge bis zum Baujahr 1981.

Während noch die letzten Fahrzeuge der Gentle Drivers ihre Runde beenden, stehen sie schon in Reih und Glied und warten darauf auf die Rennstrecke zu dürfen.

Dann fällt auch schon der Startschuss!

Meine Nummer eins schafft es immerhin aus eigener Kraft bis zur Ziellinie,

was man von anderen nicht unbedingt behaupten kann.

Ein letztes Rennen gönne ich mir dann noch bevor ich mich auf den Heimweg mache.

Es handelt sich dabei um die Formel Vau Europe. Sie entstand als FormulaVee in den 60iger Jahren in den USA, weil man eine preisgünstige Motorsportvariante suchte. 1963 fand die erste US-Formula-Vee-Meisterschaft statt. Begeistert von der amerikanischen Idee nahmen Ferry Porsche und der damalige Porsche-Rennleiter 1965 die Vision einer europäischen Einsteigerrennserie mit nach Deutschland. Zehn FormelVau-Fahrzeugen waren ebenfalls im Gepäck.

Daraus entstand die größte Nachwuchsrennserie, die es weltweit jemals gegeben hat mit riesigen Starterfelder von bis zu 70 Fahrzeugen. Ganz so viele sind es aber dann heute doch nicht.

Auch hier endet für einen Fahrer das Rennen ganz anders, als er sich das vorgestellt hat. Dumm gelaufen!