der Heiligenberg

Es ist ein schöner, sonniger, aber auch kalter Wintertag. Ideal für eine Wanderung. 

Die S-Bahn bringt uns bis Heidelberg. Von hier wollen wir hoch hinauf auf einen der Stadtberge, dem Heiligenberg. Mit seinen knapp 440 Höhenmetern ist er hinter dem Königsstuhl nur auf Platz zwei. Dafür hat er aber einiges zu bieten. 

Von der S-Bahn Station Altstadt geht es erst mal über die Schleuse auf die andere Neckarseite. Hier weht ein eisiger Wind über den Fluss, aber uns wird schon bald warm werden.

Auf der anderen Seite geht es recht steil durch die engen Gassen des Stadtteils Neuenheim, bis wir auf den Philosophenweg treffen und endlich im Wald sind.

Der Philosophenweg ist und war schon immer ein beliebter Wanderweg in Heidelberg. Seinen Namen verdankt er den Heidelberger Studenten. 

 

Die wussten nicht nur, wo man gut trinken, sondern auch, wo man seine Liebste zu romantischen Spaziergängen hin entführen konnte. Und warum heisst er dann nicht Studentenweg? Früher musste jeder Student zuerst Philosophie studieren, bevor er mit dem Fachstudium beginnen konnte. Der Begriff Philosoph bezeichnete damals auch einen Studenten.


Von ungestörter Zweisamkeit kann an diesem schönen Tag keine Rede sein. Jogger und Radfahrer kreuzen unseren Weg und so biegen wir dann rasch ab und wandern auf weniger frequentierten Wegen hinauf zum Heiligenberg. 

Oben auf dem Berg tobte schon immer das Leben, auch heute noch, denn man kann auch bequemer mit dem PKW hinauf. 

Doch zurück zur Geschichte. 450 v Chr waren die Kelten die ersten, die sich hier niederließen und eine der größten Befestigungsanlagen in Mitteleuropa bauten. Von den mächtigen Mauern und Ringwällen sind aber nur noch Konturen erhalten. Frag ich mich aber, was haben die hier oben getrieben? Ackerbau und Viehzucht ja wohl eher nicht. 

Es war das Eisenerz, was sie abbauen konnten und welches der Höhensiedlug ein Machtmonopol bescherte. 

Auch wir haben jetzt unser Ziel vor Augen. Zwischen all den Bäumen taucht ein Aussichtsturm auf. 

Der ist aber noch nicht so alt, sondern entstand erst 1885. Steine vom alten Stephanskloster lagen ja genug herum.

 


Das wurde 1090 vom Mönch Arnold gegründet und bestand erst mal nur aus einer Klause mit Kapelle. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es dann zum Kloster mit Klosterkirche und Klausur ausgebaut. Im 16.Jhdt war dann Schluss damit. Das Kloster wurde verlassen und zerfiel im Laufe der Jahre. Viel ist heute nicht mehr davon übrig. 

Ich frage mich ja, was an diesem Berg so besonders ist, dass hier im Laufe der Geschichte immer neue Bauten entstanden. Wie auch die riesige Thingstätte aus der weniger rühmlichen Zeit unserer deutschen Geschichte. 

Warum baut man eine solche Anlage mit 8000 Sitz- und 5000 Stehplätzen auf einen Berg. Es hätte doch bestimmt leichter zu erreichende Plätze gegeben für den Bau eines Versammlungsplatzes für Propagandazwecke. 


Zugegeben, der Blick vom oberen Rand, nachdem man die 200 Stufen erklommen hat, ist schon beeindruckend.


Aber das ist ja noch längst nicht alles. Der Heiligenberg hat ja noch ein Schätzchen zu bieten, die Michaelsbasilika.

 Das Kloster wurde 870 gegründet und bis 1033 entstand hier eine recht große Klosteranlage.

Von der ist auch noch weit mehr erhalten, als vom Stephanskloster und daher ist sie mein Favorit auf dem Heiligenberg.

Apropos Schätzchen, als die Mönche zu Kriegszeiten das Kloster verlassen mussten, vergruben sie 12 silberne Apostelfiguren an einem geheimen Ort. Bisher hat sie keiner gefunden. Vielleicht sollte ich mal in einer Vollmondnacht zurück kommen und danach graben.

 

Uns wird es langsam zu voll auf dem Heiligenberg und daher machen wir uns auf den Rückweg, aber nicht nach Heidelberg, sondern nach Handschuhsheim.

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie sich der Wald leert, je weiter man sich von den Wanderparkplätzen entfernt und so dauert es auch heute nicht lange, bis wir wieder alleine unterwegs sind. Was wir heute morgen hoch gekraxelt sind, müssen wir auch wieder runter. Auch hier ist der Weg recht steil, was den Abstieg nicht leichter macht.

Auf halber Strecke kommen wir am Bittersbrunnen vorbei. Der wirkt jetzt auf mich nicht sehr einladend und doch kann ich mir gut vorstellen, wie sich hier früher die Frauen trafen zum Wasser holen oder vielleicht auch Wäsche waschen. Es gibt ihn schon seit 400 v Chr. Und einst lag er innerhalb der befestigten Siedlung. Heute ist nur Wald um uns.

 

 

 

Kurz hinter dem Schneebergbrunnen treffen wir dann schon auf den Stadtrand von Handschuhsheim.

 

Durch enge Gassen geht es ins Dorf. Im Zentrum erwartet uns dann noch ein Höhepunkt der Tour, die Tiefburg.

 

Wer sie wann und warum erbaute, man weiß es nicht.

Sie erscheint erst im 13.Jhdt in Überlieferungen und fungierte damals als Wasserburg. Das Jahr 1689 bedeutete vorerst ihr Ende. Sie wurde im Orleanschen Krieg zerstört.

Wie das so ist nach Kriegen, es fehlte das Geld zum Aufbau und so entstand nur ein neues Herrenhaus mit Ställen. Graf Raban von Helmstatt haben wir es schließlich zu verdanken, dass die Burg heute wieder in ihrer ursprünglichen Form zu bewundern ist.

 

Da man sie leider nicht besichtigen kann, müssen wir uns mit einem Rundgang um das Gebäude begnügen, bevor wir den Heimweg antreten. 


Anreise
Anreise

mit der S-Bahn bis Heidelberg Altstadt, zurück dann mit der 5 nach Mannheim 

Einkehr
Einkehr

Waldschenke Heiligenberg


Strecke
Strecke

Start: S-Bahn Heidelberg Altstadt

Ziel    : Handschuhsheim

Km     : 5.9