Hafen mal anders

Der heutige Ausflug führt mich in den Mannheimer Hafen. 

Abfahrt ist am Hauptbahnhof.

Hauptbahnhof?

Seit wann fahren denn von dort Schiffe? 

Hat ja auch keiner was von Schiff gesagt, oder? 

Der Verein Historische Eisenbahn Mannheim bieten mehrmals jährlich Fahrten mit dem Zug durch das Mannheimer Hafengebiet. 

Leider fährt kein historischer Schienenbus ein, sondern ein moderner Nahverkehrszug.

Schade, aber tut dem Abenteuer Hafen keinen Abbruch.

Bis zum Bahnhof Käfertal sind wir auf den normalen Gleisen der DB unterwegs. Erst dort öffnet sich uns im wahrsten Sinne des Wortes das Tor zum Hafen. 

Es ist Sonntag und nicht alle Wege geöffnet. So gelingt es uns nicht, zum ersten Punkt, dem Kaiser-Wilhelm-Becken zu gelangen. Nur von weitem können wir einen Blick erhaschen.


Die Fahrbahnen für Auto- und Zugverkehr sind getrennt. 

Da wollen wir die Autofahrer doch mal ein wenig verwirren und lassen durch das Stellwerk den Schienenbereich anheben. Was die wohl so gedacht haben, als sich neben ihnen die Brücke hob? Der eine oder andere ist mal kurz stehen geblieben. Ob die wohl der Ampel misstraut haben, die ja immer noch grün zeigt?

 

Dann also weiter zum nächsten Punkt.

An der Diffenébrücke sind wir erfolgreicher. Hier verlassen wir den Zug für einen Moment. Es handelt sich bei der Diffenébrücke um eine Klappbrücke, die die nördliche Schiffseinfahrt zum Industriehafen überspannt.

Vor der Brücke, im Altrhein, liegt der ehemalige Rheinraddampfer “Dordrecht”. Sein Rad hat er schon lange nicht mehr, aber immerhin wurde er vom Segelsportverein vor der Verschrottung gerettet. Vor 60 Jahren war hier noch das Winterquartier der schwimmenden Rheinbadeanstalten. Die gibt es längst nicht mehr. Wer will denn noch im Rhein baden, wenn es in der Umgebung genug Spaßbäder gibt. 


So, genug Autofahrer geärgert. Wir begeben uns wieder an Bord und weiter geht die Fahrt zu den Mühlen.

1907 entstand hier die erste von fünf Großmühlen. Der Standort war ideal. Der Rhein verband die Stadt mit Rotterdam und Eisenbahnverbindungen waren auch da. Kein Wunder, dass Mannheim zum Mühlenzentrum in Süddeutschland wurde.


Wie schön, dass bei der Hildebrandmühle nicht alles moderner Technik gewichen ist.

Dabei kommen wir an einer Säule mit Kanonenkugeln vorbei. So ein Denkmal deutet in der Regel immer auf einen Kampf hin. Viel Kampf war aber nicht. Im Rahmen der Befreiungskriege gegen Napoleon griffen die Russen zu einer List und nutzten die Neujahrsnacht 1813/14, um sich die französiche Schanze am linksrheinischen Ufer unter den Nagel zu reißen.

Damit hatten die Franzosen wohl nicht gerechnet. Da kamen in der Neujahrsnacht doch glatt Besucher, die nicht feiern wollten.

Jetzt ist mir auch klar, warum das linke Ufer hier Franzosenkai und das rechte Russenkai genannt werden.

Was aber hat jetzt Napoleon mit dem Mannheimer Hafen am Hut? Das erfahren wir beim nächsten Stop in der Friesenheimer Straße. Hier verlassen wir wieder die Bahn für einem kurzen Spaziergang zum Neckar.


Ein kurzer Spaziergang durchs Hafengelände bringt uns dann zur Kammerschleuse. 

Bevor wir uns die aber genauer betrachten, spazieren wir ein kleines Stück den Neckar entlang, der hier in den Rhein mündet. 

 

Am gegenüberliegenden Ufer sieht man viele großer Tanklager. Der ideale Ort, denn diese Landspitze ist von Rhein und Necker umgeben. Wenn da was in die Luft fliegt, ist genug Wasser zum Löschen da.

Doch zurück zur Schleuse. Wenn man nicht weiß, dass hier eine ist, würde man sie beim Überfahren der Brücke wohl nicht mal bemerken. Dabei ist sie groß genug, um auch modernen Binnenschiffen den Weg in den Bonadieshafen zu ermöglichen. Die Fallhöhe beträgt aber gerade mal 30 Zentimeter und da frag ich mich, wozu der Aufwand.

 


Kommt davon, wenn man Flüße begradigt und dadurch Teile des Altrheins vom Neckar abtrennt.

Erst mal ja nicht so schlimm, aber baut man dann einen Industriehafen, muss eine Verbindung her und die liegt dummerweise 30 cm unter der Mündung des Altrheins in den Rhein.

Die Schifffahrt würde die 30 cm wahrscheinlich nicht mal bemerken, aber der Industriehafen würde schnell versanden und verschlammen und da ist so eine Schleuse auf Dauer wohl günstiger, als ständig den Hafen auszubaggern. 

In der Zwischenzeit ist auch unsere Bahn an der Schleuse angekommen und wir können die Fahrt fortsetzten. 

Ein letztes Mal stoppen wir am Prellbock am Ende der Friesenheimer Insel. 

Ein eigentlich idylisches Fleckchen, wenn man bedenkt, dass man sich in einem Hafengebiet befindet. 

Vor uns pendelt gerade die Fähre “Emma”. Seit 1897 verbindet sie von März bis September die Friesenheimer Insel mit Sandhofen. Wohl in erster Linie für Radfahrer und Landwirte.

Für uns heißt es jetzt Abschied nehmen vom Mannheimer Hafen.

Nach einer interessanten und lehrreichen Tour geht es zu Kaffee und Kuchen auf das Vereinsgelände in Mannheim Friedrichsfeld.

 

 

 

 

 

Dort kann man dann noch die eine oder andere historische Lok bewundern.

Fazit: es war ein schöner Tag, auch wenn sich die Abfahrt zurück zum Bahnhof um 45 Minuten verzögert hat. Güterzüge und der normale Personenverkehr gehen halt vor.