Großstadtdschungel

Meine große Liebe Hamburg steht mal wieder auf der Agenda. Städte am Meer faszinieren mich immer wieder und Hamburg ist da keine Ausnahme. Wenn ich an den Landungsbrücken stehe, bekomme ich Fernweh. Schlimmer ist es nur am Frankfurter Airport.

Na, dann man tau, wie der Hamburger sagen würde.

Speicherstadt StepMap Speicherstadt

im größten Lagerhaus der Welt

10.10.2015

9°C
9°C
5 km
5 km

Diesmal ist die Abfahrt am Samstag. Hat den Vorteil, man kann das Ganze entspannt angehen, denn nichts und niemand hindert mich an einer pünktlichen Abreise.

Mein Ziel Hamburg; mein Ticket einer der wenigen echten Sparpreise zu € 49.00. Da wäre nur zu Fuß gehen günstiger (und vielleicht auch schneller)

Jedenfalls ist um 8:00 Uhr meine Bahnwelt noch in Ordnung. Ein ICE, der in Mannheim eingesetzt wird und pünktlich am Gleis einläuft. Wenn ich da schon gewusst hätte, was noch so auf mich zukommt.

Jedenfalls läuft alles glatt bis kurz vorm Ziel. Wir haben bereits Celle erreicht, da meint doch wieder einer, er könnte sich mal vor den Zug schmeißen. Da so ein Notarzteinsatz bekannter Weise eine Weile dauert, setzten wir zurück und fahren wieder nach Hannover, um von dort auf anderen Wegen Hamburg zu erreichen. Führen ja bekanntlich selbst bei der DB mehrere Wege ans Ziel. Denkste! Dumm, wenn auf halber Strecke der Strom ausgeht. Das wäre der guten alten Dampflok nicht passiert. Nicht, dass wir bereits über eine Stunde Verspätung haben, jetzt müssen wir wohl auf den Abschleppdienst warten. Oder hat da etwa der Lehrling am Stromschalter gespielt? Jedenfalls ist der Strom nach kurzer Zeit wieder da und es geht weiter.

In Bremen legen wir dann doch glatt ne Raucherpause ein. Ich fasse es ja nicht. Vielleicht aber besser so, sonst fackeln die uns noch die Klos ab und dann kommen wir heute nicht mehr in der Hansestadt.an.

Mit sage und schreibe drei Stunden Verspätung läuf der Zug dann endlich am Hauptbahnhof ein. Den Zusatz  "thank you for travelling Deutsche Bahn" hätte der Schaffner sich echt sparen können.  


Für den heutigen Nachmittag wollte ich mir die Speicherstadt vornehmen. Dafür bleibt jetzt leider nicht mehr so viel Zeit wie geplant, aber ich mache mich trotzdem auf den Weg.

Seit neustem gehört sie sogar zum UNESCO Weltkulturerbe. Entstanden ist sie 1880. Damals hat man  20 000 Menschen einfach so auf die Straße gesetzt, bzw. zwangsumgesiedelt, was ja fast das gleiche ist.

Mit der Reichsgründung 1871 wurde Hamburg quasi gezwungen dem deutschen Reich und somit dem Zollverein beizutreten. Das gefiel den Handel treibenden Hamburgern aber so gar nicht und so ließ man sich ein Hintertürchen offen. Beitritt ja, aber der Hafen musste zollfrei bleiben, damit weiterhin Importgüter zollfrei gelagert, veredelt und verarbeitet werden konnten.

Die Hamburger müssen sehr überzeugend gewesen sein, denn Bismarck und der Kaiser stimmten zu.

Damit war der Grundstein für die Speicherstadt, dem größten zusammenhängenden Lagerhauskomplex der Welt gelegt. Auf 1.5 Kilometer Länge entstanden Lagerhäuser, die auf mächtigen Baumstämmen ruhen. Noch heute lagern hier Kaffee, Tee, Kakao und Orientteppiche. Die bis zu einem Meter dicken Wände sorgen übrigens dafür, dass es selbst in heißen Sommern nicht wärmer als 24°C in den Lagerhäusern wird.

Wer jetzt aber glaubt, er könnte hier Taxfree an Kaffee oder Tee kommen. Weit gefehlt und nicht zu empfehlen, denn in dieser Zone muss man auch als harmloser Fußgänger jederzeit mit einer Zollkontrolle rechnen.

 

 

 

Hamburg hat ja bekanntlich mehr Brücken als Venedig und Amsterdam zusammen. Davon befinden sich alleine 19 im Bereich der Speicherstadt. Viele davon stehen unter Denkmalschutz. Mein Zick-Zack-Weg durch das Gebiet führt mich über einige davon.

Überall trifft man aber auch auf fotogene Durchblicke,

allerlei verschiedene Giebel

 

 

 

 

 

und die „Flusi“, die Flussschifferkirche, die hier vor Anker liegt.

 

Letztes Mal war Tee angesagt, da gönne ich mir dieses Mal doch einen Kaffee. Schließlich war und ist Hamburg Drehscheibe des Kaffeehandels.Wo Kaffee gelagert wird, sollten Kaffeeröstereien ja wohl nicht weit sein. Jene, welche ich jetzt ansteuere, ist noch ganz im Stil der alten Zeiten und man braucht eigentlich nur seiner Nase zu folgen.

Viele alte Kaffeemühlen schmücken den ehemaligen Kaffeespeicher und in der Mitte thront eine Kaffeeröstmaschine. Gibt es einen besseren Geruch, als frisch gemahlenen Kaffee?





 

 

 

 

Langsam geht die Sonne unter und taucht nicht nur die Hafenkräne in ein besonderes Licht.

 

Das schönste und am meisten fotografierte Haus der Speicherstadt ist übrigens das Wasserschloss.

Es liegt aber auch gar zu malerisch auf einer Halbinsel zwischen zwei Fleeten.

Genau dort werde ich jetzt mein Abendessen einnehmen und zwar Labskaus, eine Hamburger Spezialität. Ursprünglich war es ein Gericht für Seefahrer, bestehend aus püriertem Pökelfleisch. Püriert hatte zwei Gründe: erstens konnten die Seeleute wegen ihrer durch Skorbut schmerzenden Zähne oft keine feste Nahrung zu sich nehmen und zweitens konnte man so allerlei minderwertiges Material untermischen.

Das ist aber heute und hier hoffe ich nicht der Fall.


Wasserschlösschen


Wenn es Nacht wird (nein, nicht auf St Pauli, sondern in der Speicherstadt) Denn auch dort kann man Nightseeing machen und darauf habe ich mich gefreut. Seit 2001 wird die Gegend mit Einsetzen der Dämmerung illuminiert. 800 Scheinwerder lassen die roten Backsteingebäude in einem ganz neuen Licht erscheinen und die Brücken und Reflektionen in den Fleeten tun ihr übriges.

Und zum Abschluss des Tages dann noch mal richtig kitschig im Hamburger Hafen.

Das Lindner Park Hotel Hagenbeck ist eines meiner Lieblingshotels in Hamburg. Es liegt zwar nicht ganz zentrumsnah, ist aber mit der U2 schnell zu erreichen.

Mir gefällt der koloniale Stil im Erdgeschoss und mein Zimmer im Afrika-Look.    


Lindner Park Hotel Hagenbeck


auf alten Schifffahrtswegen

11.10.2015

9°C
9°C
2.6 km
2.6 km

Eigentlich war ja für heute eine Fleetfahrt angesagt. Die fällt leider aus.

Das Wetter ist aber so genial, da muss man einfach aufs Wasser und was bietet sich da noch so an?

Klar die Alster mit ihren Kanälen.


 

 

 

Ausgangspunkt ist der Jungfernstieg mit Blick auf die Innenalster. Hier, im Alsterpavillion, pflegte schon der gute Heinrich Heine zu sitzen und sich die Zeit zu verweilen. Ob er wohl auch nach einer Braut gesucht hat? Früher gingen hier nämlich sonntags die Familien spazieren und führten ihre unverheirateten Töchter vor (äh, aus). Daher auch der Name Jungfernstieg.

 

 

 

Hier trifft sich aber auch zum Shoppen, wer eine goldene Amex hat oder auch sonst nicht aufs Geld schauen muss. Nicht zu übersehen das Alsterhaus, wo schon Lady Diana ihre Geldbörse zückte. Nebenan die exquisiten Einkaufspassagen Hamburger Hof und Mellin-Passage mit ihren Deckenmalereien.

 

 

 

 

Wir schauen uns das jetzt aber mal von der Wasserseite aus an. Zuerst schippern wir über die Binnenalster mit der großen Fontäne. Am Ufer liegen einige alte Gebäude, aber auch renomierte Hotels, wie das "Vier Jahreszeiten".

Wer übrigens genau hinschaut, wird erkennen, dass es hier keinerlei Leuchtreklame gibt und das soll auch so bleiben.

Zwei Brücken müssen wir passieren, bzw unterfahren, dann sind wir auf der Außenalster. Die ist übrigens so groß wie Monaco, nur die sind einen Tick reicher. Wobei, es heißt das Wasser der Alster (nicht zu verwechseln mit Alsterwasser) sei ein Jungbrunnen. Wenn man davon trinkt, wird man nicht alt. Mich wundert, dass das noch keiner vermarktet hat.

Heute herrscht hier eine steife Briese und es wimmelt nur so von Segelbooten.   

Am Ufer eine Villa schöner als die andere. Vielleicht sollte ich doch mal des öfteren am Jungfernstieg wandeln. Könnte ja sein, dass das heutzutage auch noch klappt mit der Brautschau und noch ein paar reiche Hamburger Kaufleute zu haben sind.   

Unschwer zu erkennen, dass in Deutschland der Herbst begonnen hat. Noch hat die Sonne genug Kraft zum Wärmen, aber die Bäume verfärben sich bereits und im Schatten ist es empfindlich kalt. Hält mich aber nicht davon ab, die Fahrt auf dem, zum Glück windgeschützten, Außendeck zu geniessen. 

Und dann biegen wir in die schmalen Kanäle ein. Da sag doch mal einer Deutschland sei nicht schön. An manchen Stellen ist der Uferwuchs so dicht, dass man meinen könnte, man wäre im Dschungel. Fehlt nur noch der Tiger im Gebüsch oder das Krokodil im Uferschlamm. Wasserschlangen soll es aber geben. Braungefärbt und wohlschmeckend. Der Hamburger nennt sie auch Aale.

Zurück an Land, geht es gleich wieder am Wasser entlang, den eigentlich wollte ich ja die Fleete erfahren. Nun, das geht auch zu Fuß.

Fleete sind für Hamburg, was Grachten für Holland. Teilweise sind es Mündungsarme der Alster, die man praktischer Weise zur Entwässerung und als Stadtgräben zur Verteidigung nutzte.

Als die Alster später aufgestaut wurde, kamen weitere Fleete als Überlaufgräben hinzu. Da sie mit der Elbe und somit auch mit dem Meer in Verbindung stehen, waren sie anfangs von Ebbe und Flut betroffen. Später wurde die durch Schleusen geregelt. Die Flut brachte regelmäsig Schlick mit sich und der Dreck musste beseitigt werden, wollte man die Fleete für den Warenverkehr nutzen. Damit war der Beruf des Fleetenkieker geboren.

Die Fleete dienten aber nicht nur der Schifffahrt, sondern auch der Wasserentnahme und zur Entsorgung von Unrat. (und dazu gehörte wohl auch der Inhalt der Nachttöpfe) Geruchsentwicklung und hygienische Probleme blieben folglich nicht aus und so wurden bereits im 19. Jhdt. weniger genutzte Fleete zugeschüttet.

 

 

 

Beginnen wir an den Alsterarkaden mit ihren schönen weißen Bogengängen. Ich kann mir das Angebot der kleinen, aber feinen Geschäfte nicht leisten. Wie gut, dass heute Sonntag ist, da komm ich gar nicht erst in Versuchung.

 



Gleich gegenüber liegt das Rathaus mit seinem 110 Meter hohen Turm. Auch sein Vorgänger fiel dem großen Brand zum Opfer, aber erst 55 Jahre später konnte der Rat in ein neues Rathaus einziehen. Dieses steht auf 4000 Eichenpfählen und kommt so gar nicht hanseatisch schlicht daher. Vielmehr glänzt es mit einer aufwendig verzierten Fassade und protzt mit 20 Kaiserstatuen.


Im Innenhof ein schöner Brunnen. Ich frage mich nur, warum der Teufel als einzige Figur im Sonnenlicht ist. Oder ist das gar das Fegefeuer?

 

 

 

 

 

Von hier aus geht es dann ein Stück weiter Richtung Nikolaifleet. Hier befindet sich auch Hamburgs erster Hafen. Der liegt heute ziemlich trocken. Muss wohl Ebbe sein.

 

 

 

 

 

Nicht weit vom Ufer steht als Mahnmal das, was von der mittelalterlichen Kirche St. Nikolai nach der Bombadierung 1943 übrig blieb. Schon erstaunlich, dass nur der Turm sich als standhaft erwies.

Da haben die wohl nicht genug Zielwasser getrunken (oder vielleicht zu viel?)

Jedenfalls wird der Turm zur Zeit renoviert und deshalb ist die Sicht von oben leider etwas sehr eingeschränkt.


 

 

 

 

Auf dem Weg zurück Richtung Speicherstadt passieren wir die Holzbrücke. Die ist aber doch aus Stein? Ist ja auch die Nachfolgerin. Die tatsächliche Holzbrücke wurden während des großen Brandes zerstört. Die neue baute man dann lieber gleich aus Stein.

Von hier blickt man übrigens je nach gewählter Richtung auf das neue oder alte Hamburg:

im Osten auf den Turm der Kirche St Katharinen aus dem 13. Jhdt. Sie wurde für die dort ansässigen Schiffsbauer, Kaufleute und Bierbrauer gegründet.




Im Westen dann eine malerische Reihe historischer Kaufmannshäuser entlang dem Fleet. Das ist dann auch das Hamburg, dass ich so liebe.

Mit der Rückfront zum Fleet und der Vorderfront zur Straße waren sie oft Wohn- und Lagerhaus zugleich. War ja irgendwie auch praktisch. So konnte man von der Wasserseite her anliefern und später über die Straße weitertransportieren.


Hamburg ist ja mit vier Produktionen unsere Musical-Hochburg in Deutschland und Grund für diese Reise war die Vorpremiere von „Liebe stirbt nie“. Zugegeben, ich habe den ersten Teil „Phantom der Oper“ nicht gesehen, bin aber trotzdem auf die Fortsetzung gespannt, die zehn Jahre später auf Coney Island spielt. Ob das Phantom seine große Liebe für sich gewinnen kann? Wird es ein Happy End geben? Ich werde es nicht verraten, dass müsst ihr schon selber herausfinden. Nur soviel, es sind ein paar Krokodilstränen (oder besser Drachentränen) geflossen und mir hat das Ende nicht gefallen.



Schokolade und Konsum

12.10.2015

9°C
9°C
2 km
2 km

Im Gegensatz zum letzten Hotel, wo der Frühstücksraum Kantinencharakter hatte (ob jetzt gewollt oder nicht), macht es im Lindner richtig Spaß gemütlich zu frühstücken. Er ist ganz im Kolonialstil gehalten, was bei mir gleich wieder Sehnsucht nach Afrika weckt. (dieser verdammte Afrikavirus ist schon sehr hartnäckig). Zeit kann ich mir auch lassen, denn mein Zug verlässt Hamburg erst gegen 16:00 Uhr.

Mal schauen, wie wir den Vormittag verbringen könnten.


Mit Schokolade kann man mich immer locken. Jetzt verbindet man Hamburg aber nicht unbedingt mit Schokolade – oder vielleicht doch? Haben wir nicht gelernt, dass hier auch heute noch Kakaobohnen umgeschlagen werden. Das reicht doch wohl aus, um mal herauszufinden, wie aus der Bohne denn die Schokolade wird. In Hamburg ist das bei einer Führung durchs Chocoversum möglich. Na, dann schaun wir doch mal.

90 Minuten lang gehen wir auf eine Genuss-Reise ins Reich der Schokolade. Naschkatzen sei gesagt, probieren ist ausdrücklich erwünscht. Das lassen sich meine Drachen doch nicht zweimal sagen, auch wenn die Kakaobohnen eher bitter schmecken. Am Ende der Tour sind wir bestens informiert über Anbau, Handel und Herstellung. Auch wissen meine Drachen jetzt, was sie in Kakaobohnen (84 Bohnen) wiegen und wie süß sie sind (Gegenwert von 0,85 Tafeln Schokolade)

Das Beste kommt ja bekanntlich immer zum Schluss: ich bin jetzt stolzer Besitzer einer selbst kreierten Tafel Schokolade. Was da rein kam? Vollmilchschokolade mit Rosinen, Zimt und bunten Streuseln ... Yummy, und jetzt komm mir keiner mit Kalorien und ungesund und so.

Mir bleiben noch gute zwei Stunden bis zur Abfahrt und es ist Montag. Soll was heißen? Na, die Geschäfte sind offen und Hamburg kann mit ein paar ganz passablen Einkaufsstraßen und -passagen aufwarten. Nicht, dass sich meine Kreditkarte über Nacht auf rätselhafte Weise geladen hätte. Wäre schon irgendwie cool, aber frei nach dem Motto "Gucken kostet nichts" schau ich mir jetzt mal Hamburgs größtes City-Einkaufszentrum, die Europa Passage an. Vier Etagen und 120 Geschäfte laden in einer Wandelhalle zum Shoppen ein. Na, wenn man da nichts findet und sei es nur das gute alte Souvenir. (das dann zu Hause im Schrank verstaubt)

Über die Mönckebergstraße geht es Richtung Bahnhof. Auf der 800 Meter langen Strecke ist einiges an Auswahl geboten. Alle die bekannten Kaufhäuser, Bekleidungs- und Elektronikgeschäfte sind hier zu finden.

Überhaupt steht in Hamburg selbst an einem regnerischen Tag einem gemütlichen Shoppingbummel nichts im Wege. Im Prinzip kann man sich vom Jungfernstieg bis zum Bahnhof über Passagen vorwärts Shoppen ohne wirklich allzu nass zu werden.


 

 

 

 

Schöner als die neuen Passagen finde ich aber die alten, wie das Levantehaus, das im schönsten Jugendstil-Design daher kommt.

Frei nach dem Motto der Tour (Großstadtdschungel) sind hier auch ein paar exotische Bewohner zu finden.

 

Und damit wäre dann leider wieder einmal ein Wochenende vorbei und die Heimat ruft. Aber nicht für lange, denn nächstes Wochenende geht es schon nach Berlin.