Garnisonsstadt Germersheim

Festung und Natur

Einmal im Jahr wird in Germersheim die Zeit zurückgedreht und ich meine jetzt nicht im Herbst, wenn in Deutschland wieder Winterzeit ist. Nein, im Juni findet abwechseld das Festungsfest und das Germares statt. Letzteres entführt uns ins Mittelalter und da wollen wir heute hin. 

Mit der Bahn von uns aus kein Problem. Nach nur 40 Minuten sind wir ohne Umstieg am Ziel.

Bevor wir uns aber ins mittelalterliche Markttreiben stürzen, wollen wir uns erst ein wenig mit der Geschichte der Stad beschäftigen und weil die Germersheimer stolz auf ihre Festungsstadt sind, haben sie es Besuchern mit dem ausgeschilderten Festungsweg einfach gemacht.

Dem folgen wir jetzt auch und stoßen schon kurz hinter dem Bahnhof auf ein mächtiges Tor, das Ludwigstor. Einer von zwei Eingängen in die Festungsstadt. Der Platz war vielleicht nicht ganz so gut gewählt, denn hier befanden sich Morastarme und so sorgen 850 Eichenpfähle dafür, dass es nicht eines Tages versunken ist. Wäre doch zu schade um das prächtig Tor mit seinen zwei ritterlichen Kriegern. 

Weiter geht es entlang der Carnot’sche Mauer, die Zeughaus und Proviantamt miteinander verband. Benannt ist sie nach dem Festungsingenieur gleichen Namens. Es handelt sich dabei um eine Mauer mit Schießscharten. Damit nur ja keiner so eben mal in die Stad eindringen konnte. 

Und wenn doch, war das Arrestgebäude nicht weit. Obwohl, ob die da wohl Feinde untergebracht haben oder wohl doch nur die eigenen bösen Buben?

 

ehemaliges Lazarett der Stadt Germersheim

Wo viel gekämpft wird, ist der Hunger groß. Kein Wunder, dass das Proviantlager nicht weniger klein ausfällt, als das Lazarett. Ob da wohl auch die Kantinen untergebracht waren?

 

Prunkvoller aßen die Offiziere. Die hatten selbstverständlich ihr eigenes Kasino mit Speisesaal.

altes Arrestgebäude in Germersheim

Dafür, dass die Stadt so gut gesichert war, finde ich das Lazarett aber ganz schön riesig. Wahrscheinlich wurden hier auch die Verletzten aus entfernteren Schlachten wieder zusammengeflickt. 


Inzwischen haben wir die Stadt einmal durchquert und nähern uns dem zweiten Eingangstor, dem Weißenburger Tor. Das nenn ich jetzt mal ein beeindruckendes Tor. Mit seiner Brücke und dem zinnenbewehrten Turm, wirkt es fast ein wenig wie eine Burg. Sollte dem Feind wohl suggerieren: lass es lieber. Du kommst hier sowieso nicht rein. 

Weißenburger Tor der Garnisonsstadt Germersheim

Hier verlassen wir die Stadt und laufen am Graben entlang. Von den ehemals sieben Fronten, die es zur Verteidigung der Stadt gab, ist nicht mehr viel erhalten. 

Sollte es dem Feind etwa gelingen, bis hierher vor die Tore der Stadt zu dringen, wurde er von den Soldaten in den Fronten gewaltig unter Beschuss genommen. Je nach Beschaffenheit des Geländes, waren diese mehr oder weniger stark ausgebaut. Ein schlauer Feind, sollte dann wohl eher den schwierigeren Weg nehmen, um eine Stadt zu erobern. 

Fronte Becker

Nach einem längeren Fußmarsch, vorbei an den Überresten der Fronten, erreichen wir schließlich die Fronte Becker. Die ist noch recht gut erhalten, sodass man sich ein Bild der damaligen Festungsanlage machen kann. Dieser Bau ist in hufeisenform angelegt. Zu beiden Seiten standen in bombensicheren Kasematten je sechs Geschütze, die unter den Feinden im Festungsgraben ordentlich aufräumen konnten.

 

Bis dahin musste der Feind es aber erst mal geschafft haben, denn vor dem Hauptwall lag ja noch der Deckwall mit der Minengalerie. Von hier führten Stollen und Nebenstollen ins Vorfeld. Sollte der Feind doch ruhig mal versuchen sich heranzugraben, ein Sprengsatz war ihm garantiert. Allein die Fronte Becker hatte 15 solcher Haupt- und weitere 90 Nebenstollen. Das ganze Umfeld der Stadt muss einem Maulwurfsbau geähnelt haben mit insgesamt 83 Haupt- und 479 Nebenstollen. Ob die wohl alle noch da sind? 

Das hört sich ja jetzt alles nach einem super Verteidigungsplan an, aber ich verrate euch jetzt mal ein Geheimnis. 1834 wurde damals mit dem Bau der Festung nach dem ausgeklügelten Plan von Ingenieur Friedrich Schmauß begonnen. 15 Millionen Franken sollte der Spaß kosten. Man glaubte, hier würde eine uneinnehmbare Festung entstehen. Doch wie das Leben so spielt. Bis zur Fertigstellung hatte sich die Militärtechnik weiterentwickelt und die tolle Festung war nur noch halb so viel wert.

 

Uns reicht es dann für heute erst mal mit Stollen, Fronten und sonstigen Kasernengebäuden. Wir zahlen unseren Obolus und tauchen ein ins Mittelalter. 

Hier kann man sich einfach zwischen den alten Mauern treiben lassen und entdeckt so manches für Laib und Seele. 

Wer schon immer auf der Suche nach der neusten Rüstung war, wird ebenfalls fündig. 

Auch treibt sich so manch seltsame Gestalt 

und Getier hier herum. 

 

Ach wir lieben Mittelaltermärkte und dieser ist ganz besonders schön.

 

 

Gestärkt und voller Eindrücke treten wir am Nachmittag den Heimweg an.

In zwei Jahren werden wir bestimmt wiederkommen.