Frau am Steuer

So, Mädels, wer war denn jetzt der erste Autofahrer?

Nein, meine Drachen sind es nicht, obwohl sie alt genug wären. Ich werde das Geheimnis jetzt noch nicht lüften, obwohl man es vielleicht schon ahnen kann. Lust auf einen Trip nach Ladenburg um mehr zu erfahren? (Männer dürfen natürlich auch mit)

02.08.2015

 

Dieses Wochenende steht nämlich eine historische Fahrt an, die alle zwei Jahre im Gedenken an eben diesen Autofahrer stattfindet. Start der Veteranen ist am Samstag früh auf den Mannheimer Planken. Hier (vielleicht nicht exakt hier, aber in Mannheim) begann auch im August 1888 jene denkwürdige Fahrt nach Pforzheim.

106 Kilometer lang war die erste erfolgreiche Fernfahrt in einem Automobil, genauer gesagt in einem dreirädrigen Benz Patent-Motorwagen Nummer 3. Wie kann man ein Auto nur so langweilig benennen. Kein Wunder, dass das ein Ladenhüter war. Jedenfalls kam der mit einer Tankfüllung keine 106 Kilometer weit und so musste unterwegs aufgetankt werden. Tankstellen im heutigen Sinne gab es natürlich noch nicht und den benötigten Treibstoff Ligroin gab es nur in Apotheken. Die Stadt-Apotheke in Wiesloch lag an der Strecke, sorgte für Nachschub und gilt seitdem als erste Tankstelle der Welt.

 

 

Paulchen steht schon ganz ungeduldig am Start und wartet darauf, dass es endlich losgeht.

Aber natürlich müssen sich die 62 Oldies (bis Baujahr 1930) erst einmal in Position stellen, damit sie vom Publikum bewundert werden können.

Einfahrt der Veteranen und damit meine ich natürlich die Autos:

Und klar haben wir auch ein Exemplar des damaligen Benz Patent-Motorwagen Nr 3

Welches Schnauferl hättens denn gern?

(Paulchen findet den mit der Schlange cool)

Und wer ist jetzt der schönste im ganzen Land?

Der Startschuss ist gefallen.

Die Oldies setzten sich in Bewegung.

Die Menge winkt und fotografiert.

Hier gilt es dann auch für die Stars des Tages (trotz Polizeieskorte) die nächste grüne Welle abzuwarten.

Durch die Planken (Fußgängerzone) geht es bis zur Ampel.










Vorbei am Wasserturm






geht es auf die erste Etappe der Fahrt Richtung Ladenburg.

und Maritim


Ob der Bus am Schluss wohl als Lumpensammler fungiert, sollte eines der Autos unterwegs schlapp machen? 

03.08.2015

 

Wo kommt jetzt aber Ladenburg ins Spiel?

Hier lebte der Autobauer Dr Benz bis zu seinem Tod und hier steht auch die historische Fabrik, in der zum Anfang des 20. Jahrhunderts Automobile gebaut wurden. Heute ist dort ein Museum untergebracht, doch das hebe ich mir für den Schluss auf.

Da es wohl noch eine ganze Weile dauert bis die Schnauferl alle wieder im Ziel eingetroffen sind, schau ich mich ein wenig in der Stadt um.

Die Geschichte Ladenburgs reicht bis zu den alten Römern. Von denen ist aber nicht mehr viel erhalten, nur ein paar Mauerreste und zwei Säulen.

 

 

 

Vom spätmittelalterlichen Stadtkern ist dagegen noch einiges erhalten, wie der Marktplatz mit Marienbrunnen und wunderschönen alten Fachwerkhäusern. 

Paulchen dagegen bekommt hier den Schreck des Tages, wäre er doch beinahe entführt worden. 

Wo einst die Stadtmauer lang lief kann man zu mindestens noch erahnen: ein breiter Grüngürtel umgibt die Stadt und der eine oder andere Turm ist noch erhalten. 

In allen Disneyfans müsste der Hexenturm doch Assoziationen hervorrufen. "Rapunzel, lass dein Haar herunter" möchte man bei seinem Anblick sofort rufen. Paulchen hat das Märchen wohl falsch verstanden und versucht den Turm zu erklettern. (Dabei haben Drachen doch Flügel) 

 

 

 

 

In einer der Gassen findet sich übrigens auch das Gasthaus "Zum Ochsen", das Stammlokal vom Carl, wo er wohl das eine oder andere Bier zischte. Ob ihm dabei die Ideen für seine Fahrzeuge gekommen sind?


Und die Kirche im Dorf darf natürlich auch nicht fehlen!

Nach einem Kaffee zur Stärkung schlender ich Richtung Benz Park. Da ist zu Ehren des Tages Fest und schon mächtig viel los.

Tja, hätte er nicht so eine mutige Frau gehabt, die sich in Begleitung ihrer Söhne, aber ohne sein Wissen mit dem Ladenhüter Benz Patent-Motorwagen Nummer 3 auf eine Spritztour begab, wer weiß, ob es heute Wagen der Firma Mercedes geben würde. Jedenfalls konnten durch die Fahrt letzte Zweifel der zahlenden Kundschaft ausgeräumt werden und das Geschäft begann zu blühen.

Am Rande der Festwiese steht die alte Benz-Villa, das Wohnhaus der Familie. Im parkähnlichen Garten, unter hohen Bäumen entstand eine Garage für den Benz des guten Carl. Das Teil hat aber mehr Ähnlichkeit mit einem wehrhaften Turm der Stadtmauer als mit einer Garage. Hatte der Angst, man würde ihm sein Auto klauen?

 




Damit hätten wir auch des Rätsels Lösung: der erste Autofahrer war eine Frau. Klar, das kratzt natürlich ganz gewaltig am männlichen Ego und so wurde in seinen Memoiren behauptet, seine Söhne hätten am Steuer gesessen.


Kurz vor 14:00 Uhr treffen dann auch die ersten Teilnehmer der Tour wieder ein und hier bewahrheitet sich dann mal wieder der Spruch: "die letzten werden die ersten sein". Liegt aber daran, dass die älteren Modelle zuerst gestartet und die jüngeren einfach schneller sind.

Paulchen hat sich übrigens von seinem Schreck erholt und ist schon wieder frech wie Oskar. So schnell kann ich gar nicht schauen, wie der am Steuer eines Oldies sitzt. Also doch Drache am Steuer?

Es ging bei dieser Fahrt zwar weder um Schönheit noch um Schnelligkeit, aber trotzdem noch mal die Frage:

"wer ist denn jetzt der schönste im ganzen Land?"

Natürlich muss es in einer „Benz-Stadt“ auch ein Automuseum geben. Erwähnt habe ich die alten Fabrikhallen ja bereits. Etwa 300 Autos wurden hier gebaut, von denen zwei, nämlich der Privat- und der Firmenwagen, noch heute hier zu besichtigen sind. Übrigens ist dieses Museum das einzige Automuseum der Welt, das sich in einer originalen ehemaligen Fabrik befindet.

 

 

 

Hier, in diesen heiligen Hallen wurde gelötet und geschraubt  (und Paulchen würde so gerne Pfote anlegen)und das alles noch ohne Fließband. Die Ära begann erst 1914 mit der Tin Lizzie von Ford, die als erstes Auto vom Band lief.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und auch die Rennfahrzeuge dürfen nicht fehlen. In der Boxengasse kann man sie bewundern und das eine oder andere gute Stück fährt noch heute bei historischen Rennen mit.

 

 

 

 

Natürlich gibt es in einem solchen Museum mehr als zwei Autos. Eine ganze Allee von Mercedes-Benz-Fahrzeugen bis in die 50iger Jahre ist hier zu bestaunen. Der Maybach hat schon was. Mit dem würde ich gerne mal eine Spritztour machen.

 

 

 

 

 

Sollte jemand an der Geschichte des Zweirads interessiert sein, wird er hier ebenfalls fündig. Ausgestellt ist so einiges vom Laufrad bis zu den bunten Motorrollern der 50iger.

Na, was glaubt ihr, was meinen Drachen magisch anzieht?


Zum Abschluss eines erlebnisreichen Tages, mein Lieblingsschnauferl: