Siegfrieds-Quelle im Felsenmeer

Unser Drachentöter Siegfried stirbt ja letztendlich durch die eigene Klinge. Beim abendlichen Trinkgelage während eines Jagdausflugs geht der Wein aus, doch Siegfried dürstet. Eine naheliegende Quelle soll Abhilfe schaffen, doch hier wird er hinterrücks von Hagen erstochen.

 

Ich habe nicht gezählt, wie viele Quellen im Odenwald sich rühmen, jene verhängnisvolle zu sein. Kann ja auch keiner überprüfen. Wir machen uns heute auf den Weg ins Lautertal und prüfen mal, ob es die dortige Siegfried Quelle hätte sein können. 

Wie immer bringt uns der Nahverkehr ans Ziel. Von der Haltestelle in Reichenbach sind es nur wenige Meter zu Fuß und wir stehen vor dem Felsenmeer und besagter Quelle.  

 

Also freie Fläche zum Lagern wäre schon in der Nähe gewesen, aber wenn der arme Siegfried sich so tief zum kühlen Nass hat beugen müssen, wäre es für Hagen ja ein Leichtes gewesen, ihn zu erstechen. Ne echte Chance sich zu verteidigen hätte Siegfried nicht wirklich gehabt.

Angeblich soll die wahre Quelle sich auch hoch oben im Felsenmeer befinden. 

 

Wir stehen jetzt vor der Qual der Wahl. Von hier starten viele Wege durchs Felsenmeer. 

Manche, besonders Familien mit Kindern, nehmen den direkten Weg über die Felsen. Das lassen meine alten Knochen aber nicht zu und bei 31°C ohne Schatten halte ich das auch für keine gute Idee.

Wir folgen erst mal dem längsten der drei Rundwege, der Nummer 3. Wir sind noch keine zehn Minuten gelaufen und haben den Wald für uns.

Auch hier gibt es Felsen. Vielleicht nicht so viele auf einem Haufen, aber mir gefallen die moosbedeckten Exemplare sowieso besser.

Überall treffen wir auf Baumstümpfe. Eigentlich nichts Besonderes in einem Wald, aber mich fasziniert immer wieder die Wurzelbildung. Und mit ein wenig Fantasie kann man auch Figuren darin entdecken.

Sanft ansteigend geht es vorbei am Turm 

und weiteren Felsbrocken.

 

 

 

Auch die ersten Brombeeren werden schon schwarz, aber nur, wo sie in der prallen Sonne stehen.


Ziel ist dann der Kiosk an der Riesensäule. Hier ist wieder mehr Trubel, denn er liegt am oberen Rand eines der Felsenmeere. Dort treffen sich auch einige Wanderwege und man kommt sich ein bisschen vor, wie auf dem Wander-Highway.

Noch immer geht es bergauf. An der nächsten Weggabelung lockt ein breiter Pfad bergab, aber wir wollten ja der 3 folgen und die führt weiter bergauf.

 

 

Wie aber kommt diese Säule mitten in den Wald? Dass das kein natürlicher Stein ist, sieht man auf den ersten Blick. Da waren die Römer am Werk. Ist ja auch praktisch. Wenn da schon so viel Material im Wald rumliegt, kann man das ja auch zum Bauen verwenden. Und wenn was schief geht bei der Verarbeitung, lässt man es einfach liegen und fängt von vorne an. Wie gesagt, Material liegt ja genug herum.


Wir könnten jetzt der 3 zurück zum Informationszentrum folgen, aber es gibt da noch so ein paar Steinchen, die wir uns anschauen wollen, also verlassen wir die Gegend und folgen erst mal der 6. 

Hier treffen wir direkt auf den Altarstein. Der sollte aber nie ein Altar werden, sieht nur so aus. 

Hier wurden Platten zur weiteren Verarbeitung abgekeilt. Irgendwann war dann wohl kein Platz mehr, um die Werkzeugen anzusetzen, weil die umliegenden Felsen im Weg waren. Dumm gelaufen, so einen Felsen schiebt man mal nicht eben so zur Seite.

Durch die Felsen und vorbei an Felsen (wir sind ja schließlich im Felsenmeer) folgen wir noch kurze Zeit der 6. Jetzt sind wir auch wieder alleine im Wald. 

Nicht lange und wir stoßen auf die Abzweigung zur 7. Der Weg ist erst mal ziemlich unspektakulär

bis er auf die 5 trifft.

 

 

 

 

 

Zwischen zwei Bäume hindurch windet sich ein schmaler Pfad hinab zum Sarg. Hier sollte wohl ein Steinquader entstehen – vielleicht ja wirklich für einen Sarg. Wer weiß das schon. Jedenfalls ging auch hier etwas schief.

 

Ich finde, die Ecke hat generell etwas von Friedhof. Auch andere Überreste erinnern mich ein wenig an Grabsteine auf einem verlassenen Friedhof.

 

Irgendwie hatten die ihre Arbeitsplätze gut versteckt. Sollte keiner wissen, was die hier treiben? Jedenfalls geht es schon wieder auf steilem, schmalen Weg bergab zum Schiff.

(Im Nachhinein weiß ich auch, warum oben am Weg eine Bank steht)

 

 

 

Über 12 Meter ist das Schiff lang, wobei ich hier schon viel Fantasie brauche, um ein Schiff zu erkennen. Da ist bei der Keilspaltung wohl mehr Material abgebrochen, als erwünscht und ein Schiffsbug entstanden. Für die Römer war das Stück damit wertlos, für uns wurde es zum Hingucker. Wenn das die alten Römer gewusst hätten?

 

 

 

Paulchen ist das vollkommen egal. Der hat sein eigenes Schiff gefunden und spielt "Titanic“

 

Wir folgen brav der 5 und kommen an einen Wegweiser. Was bitte hat ein Schiff im Wald verloren? Ich vermute jetzt mal stark, da ging wieder was schief. Kein Wunder, dass wir immer wieder auf solche Exemplare treffen. Ganze 15 Werkplätze hatten die Römer hier oben und es soll 300 solcher Fehlversuche geben.


Ein ganzes Stück folgen wir noch der 5. Hier sind jetzt kaum noch Felsen, aber auch die Natur ist einen Blick wert.

Und manchmal frag ich mich, wer hält hier wen? Der Baum den Stein oder umgekehrt?

 

 

 

 

Über die 4 geht es dann an der Seegerhütte vorbei zurück zum Felsenmeer. 


Von der Brücke hat man einen guten Überblick über die Steinmassen.

 

 

 

  

 

 

Doch wo kommen die eigentlich alle her?

 

Glaubt man der Sage, waren es zwei Riesen (wie so oft), die in Zorn gerieten (worüber auch immer) und sich deshalb mit Felsen bewarfen, bis einer unter den Steinen begraben war.

Soweit die Sage, doch entstanden ist das Felsenmeer durch Verwitterung.

Hier die Kurzfassung für Nichtgeologen. (Und die Geologen mögen mir verzeihen, wenn es nicht ganz korrekt sein sollte)

 

Im Karbon falten sich die Mittelgebirge auf, Magma durchströmt sie und bildet kompakte Gesteinsmassen. Dann wird es kälter auf der Erde und Wind und Wasser tun ihr übriges um die Oberfläche der Berge zu bearbeiten. Irgendwann liegen die Gesteinsmassen aus dem Karbon bloß. Kristalle sorgen für Risse im Gestein, was ihn verwundbar macht, denn hier können Wasser und Frost den Felsberg-Granit sprengen. So entstehen mit der Zeit die runden Felsen, die in größere Rinnen, entstanden durch Verwitterung, liegen bleiben.

 

Wind und Wasser tragen weiterhin den Fels ab, größere Zwischenräume entstehen und das Wasser kann nun auch von unten am Stein arbeiten. Dadurch rutschen die Blöcke tiefer in die Rinne und voilà, wir haben ein Felsenmeer. Oder besser, gleich mehrere.

Damit ist unsere ganz große Runde ums Felsenmeer beendet und wir folgen dem Steinfluss ins Tal. 

Hier treffen die Wege 1 – 3 wieder aufeinander und der Abstieg hat es schon ein wenig in sich. Jetzt bin ich froh, dass ich die Tour im Uhrzeigersinn gemacht habe und mir das Felsenmeer für den Schluss aufgehoben habe. Auf meiner Tour ging es zu Beginn zwar auch bergauf (logisch), aber eher sanft. 

Der Abstieg hingegen ist schon recht steil und besteht hauptsächlich aus natürlichen Treppenstufen. 

Unterwegs machen wir noch einen kleinen Abstecher zum Krokodil. Für mich sieht es aber eher aus, wie ein freundlicher Delphin.