Donauwalzer


Ich, Hieronymus wollte eigentlich zur klassischen Donaukreuzfahrt aufbrechen. Ok, klassisch war mal, denn nach dem Wegfall von erst Budapest und jetzt auch noch Wien, würde ich sie nicht mehr als klassisch bezeichnen. Und erzählt mir jetzt bitte nicht, dass ja eine Stadtrundfahrt angeboten wird. Städte, wie Wien und Budapest muss man erlaufen und erschmecken und nicht mit dem Bus durchfahren, wo drache sowieso immer auf der falschen Seite sitzt.

Ein Drache lässt sich aber von solchen Kleinigkeiten nicht aufhalten. Die Donau ist lang und an ihren Ufern gibt es genügend Klöster, Burgen und Schlösser, da sollte keine Langeweile aufkommen. Frei nach dem Motto: „klassisch kann ja jeder“ freue ich mich trotzdem ganz doll auf meine Donaukreuzfahrt à la Corona.



22°C
22°C

Richtung Österreich

24.09.2020


3.9 km
3.9 km

Warum jagt man einen Drachen in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett? Ich will noch schlafen. Doch halt, da fällt mir ein, Frauchen hat gestern was von auf Tour gehen gesagt und schlagartig bin ich überhaupt nicht mehr müde.

Mit Bus und Straßenbahn geht es nach Mannheim und alle sind pünktlich. Das kann man dann vom ICE nach Frankfurt nicht mehr behaupten. Wie schafft es die Bahn nur immer wieder auf einer Strecke von weniger als 100 km 10 Minuten Verspätung einzufahren. Wie gut, dass Frauchen ihre (Bahn)Pappenheimer kennt und lieber einen früheren ICE nach Frankfurt gewählt hat. Sonst wäre es nämlich ziemlich knapp geworden. Doch so reicht es zum gemütlichen Umsteigen, auch wenn der Bahnsteig kein Ende nehmen will. Blöd halt, wenn der gebuchte Platz in Wagen 2 ist.

Bei der Einfahrt des ICE nach Wien habe ich nochmal kurz Panik gemacht, weil der reservierte Wagen nicht da war, wo er laut Wagenstandanzeige hätte sein sollen. Hab mich schon 5 Stunden im Gang stehen sehen, aber Frauchen hat nur gelacht.

Lachen kann ich jetzt auch wieder. Ich sitze mit Schoki und einem Getränk am Fenster und lasse die Landschaft und die Bahnhöfe an mir vorbeirauschen. Kurz vor Passau taucht auch die Donau auf und dann sind wir schon in Österreich. Würde man überhaupt nicht merken, wenn nicht das Bordpersonal plötzlich einen anderen Dialekt drauf hätte.

Vom Bahnhof in Linz sind es nur 15 Minuten zu Fuß zu unserem Hotel. Ok, es wären ein paar mehr, wenn ich laufen müsste, aber ich werde ja zum Glück getragen.

Schnell eingecheckt und dann geht es schon wieder los. Wir wollen den Nachmittag noch nutzen. Hätte ich gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich vielleicht gestreikt.

Meine Güte, gibt es in Linz viele Kirchen und in jede schleppt Frauchen mich rein. Mir ist schon ganz schwindelig vor lauter prunkvollen Altären, Putten und farbenfrohen Fenstern. Muss drache die wirklich alle gesehen haben?

Vom Dom war ich ja ein wenig enttäuscht. Der soll doch tatsächlich größer sein, als der Stephansdom in Wien, aber zu interessieren scheint das keinen Touristen. Schon dumm, wenn man nicht an der Haupttouristenmeile liegt. Schöne Fenster hat er ja, aber ich liebe doch die alten Wasserspeier in Tierform. Hier war kein einziger zu sehen. Nichts, nada. Dann will ich jetzt auch keine Kirchen mehr.

Ich latsche dann mal Richtung Hauptplatz, der zu den größten umbauten Plätzen Europas gehört. Auf dem Brunnen sind wenigstens Drachen abgebildet, aber die  Dreifaltigkeitssäule aus weißem Marmor ist schon wieder voller Engelchen. Nur weg hier.

Da kommt mir die Pöstlingbergbahn gerade recht. Die steht Abfahrt bereit am Hauptplatz. Schnell eine Fahrkarte am Automaten gelöst. Wow, die lassen sich das aber bezahlen. Stolze 6.40 EUR muss drache berappen, damit er nicht laufen muss. Ein Plätzchen ist schnell gefunden und schon geht es hinauf auf den Hausberg der Stadt, vorbei an schicken Villen mit Pool. Ich sitze jetzt in einer der steilsten Adhäsionsbahnen der Welt mit einer Steigung von durchschnittlich 10.5%. Irgendwie ist das aber gar nicht so spektakulär, wie es sich anhört. Ob die gemogelt haben?

Von der Endstation ist es dann nicht mehr weit bis zu einer Aussichtsplattform mit Blick über die Stadt. Und da sind sie wieder, die vielen Kirchtürme.

Und es kommt noch schlimmer, kaum bin ich um die Ecke gebogen, steht da schon wieder eine Kirche, die Wallfahrtskirche zu den Sieben Schmerzen Mariä. Du meine Güte, die arme Frau. Da bekommt Frauchen mich jetzt nur rein, wenn sie mir verspricht, dass ich ein Licht anzünden darf.

So, für heute ist genug mit Heiligkeit. Mein Drachenmagen knurrt und das verträgt sich so überhaupt nicht mit Kirchen-Sightseeing. Zum Glück ist Frauchen da meiner Meinung und so machen wir uns auf den Weg zurück zum Hotel und ich verdrücke ein großes Schnitzel. Lecker!

Danach bin ich nur noch ein müder Drache, der sich in sein Bett kuscheln möchte. Gute Nacht!

Ach übrigens, an der Rezeption haben sie gesagt, alles was in der Minibar ist und keine Umdrehungen hat, ist kostenlos. Auf den Trick bin ich schon mal reingefallen. Da stand dann nur eine Flasche Mineralwasser in der Minibar. Ist hier aber zum Glück anders. Bin aber mal gespannt, ob die morgen wieder aufgefüllt wird.


15°C
15°C

Murals im Hafen

25.09.2020


6.6 km
6.6 km

Frauchens Wecker klingelt um 08:30 Uhr. Richtig hell ist das draußen aber noch nicht. Ein Blick aus dem Fenster erhellt meine Miene auch nicht unbedingt. Es regnet. Na toll! Also an mir liegt das nicht, ich habe mein Schnitzel gestern bis auf den letzten Krümel verputzt.

Apropos Schnitzel, ich hätte da schon wieder Hunger und wäre jetzt für ein lecker Frühstück. Ist aber leider zu Corona-Zeiten nicht so ganz das Wahre. Es gibt zwar alles, aber die Portionen sind schon vorgegeben und in Folie verpackt. Da musst du dich schon für eine Sorte entscheiden oder du produzierst eine Menge Verpackungsmüll.

Gestärkt machen wir uns auf zum Donauufer. Rumlaufen macht bei dem Wetter nicht wirklich Spaß, aber eine Hafenrundfahrt sollte gehen. Die Linzerin liegt schon bereit, aber bisher sind wir die einzigen und für einen Drachen mit Anhang stechen die nicht in See. Zum Glück tauchen noch zwei weitere Interessenten auf und die Abfahrt ist gesichert. Lohnen wird sich das für die Reederei wohl trotzdem nicht.

An Deck finden wir ein trockenes und windstilles Plätzchen und dann geht es auch schon los. Erschreckend, wie viele Flusskreuzer überall vertäut liegen. Besonders im Hafen der ÖSWAG-Werft liegen sie dicht beieinander. Sie ist übrigens die letzte noch in Betrieb befindliche Schiffswerft in Österreich und die haben jetzt bestimmt gut zu tun mit Wartungsarbeiten. Oder vielleicht auch nicht, wenn den Reedereien das Geld ausgeht. Die Kreuzer wären jetzt eigentlich alle auf der Donau unterwegs. Schade für die Reedereien, gut für uns. Dann stapeln sich ab Sonntag wenigstens nicht zig Schiffe in den jeweiligen Häfen und spucken ihre Passagiere aus.

Ich halte dann jetzt mal Ausschau nach den Murals, von denen es im Hafen so viele geben soll. Frauchen sagt, das Bild mit dem Sprayer und dem Polizisten sei frei nach dem "Bruderkuss" an der East Side Gallery in Berlin.

Ich glaube ja, der Polizist hat den Sprayer erwischt und damit er seiner Strafe entgeht, hat er selbigen mal eben abgeknutscht. Ob das aber funktioniert hat?

Um 13:00 Uhr sind wir wieder zurück. Was machen wir jetzt nur bei dem Wetter? Ich habe da so eine Idee. Wenn drache in Linz ist, muss er unbedingt auch ein Stück Linzer Torte probieren. Dazu bietet sich das Café Traxlmayr an, das gar nicht weit entfernt ist. Leider habe ich nicht gut genug verhandelt. Ich habe meinem Frauchen angeboten, wir teilen: sie den Einspänner, ich die Torte. Fand sie irgendwie nicht so gut und so musste ich mich mit einem halben Stück zufrieden geben. Menno, sie hätte ja auch zwei Stücke bestellen können.

Anschließend ging es noch ein wenig kreuz und quer durch die Altstadt von Linz mit ihren schönen Brunnen und Innenhöfen, alten Häusern und Bildstöcken.

Besonders schön ist der Innenhof vom Landhaus, einem ehemaligen Minoritenkloster. Ich frag mich jetzt nur, ob die zwei nackten Jünglinge am Renaissance-Portal auch zu Klosterzeiten schon da waren. Kicher!

Es regnet immer noch und ist ungemütlich. So habe ich nach einer Weile beschlossen, mich einfach in Frauchens Jacke zu kuscheln und ab und zu mal einen Blick zu riskieren.

Dort bin ich geblieben, bis wir am späten Nachmittag wieder im Hafengebiet waren. Auf einer Harbour-Mural-Tour wollen wir noch ein paar weitere Graffitis und Wandbilder anschauen. Natürlich fing es prompt wieder an zu regnen und windig war es auch. Trotzdem habe ich mich zu zwei Bildern überreden lassen. Ich finde ja, es besteht eine gewisse Ähnlichkeit zwischen mir und dem roten Etwas.

Die restliche Tour habe ich dann in der Jacke verbracht und immer mal wieder einen Blick riskiert. Neugierig bin ich ja schon und die künstlerischen Arbeiten sind wirklich toll. Leider haben wir nur einen winzigen Teil gesehen. Immerhin gibt es hier im Hafen über 300 Kunstwerke und manche sind bis zu 300 m² groß. Also bei der Größe, würde das bei mir mit dem Malen nicht mehr funktionieren.

Für den Heimweg zum Hotel habe ich Frauchen dann überredet doch besser die Straßenbahn zu nehmen. Wir waren beide schon nass genug und ich habe mich auf ein heißes Süppchen im Hotelrestaurant gefreut.

Habe ich dann auch bekommen und hinterher den besten Kaiserschmarrn, den ich je gefuttert habe.


10°C
10°C

ein bus wird kommen

26.09.2020


55 km
55 km

Das Wetter ist ja wirklich zum Trübsal blasen. Wie gut, dass für heute nichts geplant ist. Morgen geht es los mit der Kreuzfahrt, aber wir werden schon heute mit dem Bus nach Engelhartszell fahren und dort übernachten. Als weitgereister Drache habe ich lieber einen Tag Puffer. Man weiß ja nie, was unterwegs so alles passiert und ich will der Donna nicht hinterher schwimmen müssen.

Im Sommer hätten wir mit einem Donauschiff bis Engelhartszell fahren können, doch das fährt in diesem Jahr nicht. Da wundert es mich doch sehr, dass überhaupt ein Bus fährt. Zum Glück, denn Engelhartszell hat keinen Bahnhof. Bis zur Abfahrt bin ich doch etwas unruhig. Wenn der jetzt nicht kommt, hab ich echt ein Drachenproblem. Meine Sorge ist aber unbegründet, denn 5 Minuten vor Abfahrt ist er da.

Ganz allein sitze ich mit meinem Frauchen bis zum Ziel im Bus. Lohnen tut sich das bestimmt nicht.

Die ganze Zeit hat es geregnet und es hört auch jetzt nicht auf. Trotzdem drehen wir noch eine Runde durch den Ort und kuscheln uns dann in unser warmes Bett.


15°C
15°C

grenzgänger

27.09.2020


7.8 km
7.8 km

Guten Morgen aus Engelhartszell. Ich habe tief und fest geschlafen und herrlich gefrühstückt. Der morgendliche Blick aus dem Fenster hat mich beruhigt: da hat ein Schiff am Steg festgemacht.

Kaum bin ich aber am Anleger, bekomme ich einen riesigen Schreck. Das ist ja gar nicht die Donna, sondern ihre Schwester, die Riva. Ich glaube ich bin einfach noch nicht richtig wach. Die Donna liegt gut versteckt in zweiter Reihe. Ob die wohl nachher beide auf Tour gehen werden?

Mir bleibt jetzt noch viel Zeit bis zur Einschiffung um 15:00 Uhr. Engelhartszell ist zwar nicht unbedingt der Touristenhotspot Österreichs, aber es gibt ein Kloster und eine Donauerlebniswelt. Damit sollte sich der Vormittag füllen lassen.

Kloster hätten wir von mir aus streichen können. Wir waren doch in Linz schon in so vielen Kirchen. Ich muss aber zugeben, dieses hat wunderschöne Deckenfresken und in den Seitennischen ganz viele Skelette in gläsernen Särgen. Ob das jetzt echte Skelette waren, habe ich nicht erkennen können. Hab mich nicht so nah ran getraut.

Da die Sonne so schön scheint und wir immer noch ganz viel Zeit haben, beschließt Frauchen zur Schleuse Jochenstein zu laufen. Soll mir recht sein, ich werde ja getragen. Mitten durch die Donau verläuft hier die Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Hätten die da aber nicht so einen blauen Strich auf die Erde gemalt, würde es überhaupt nicht auffallen. Da ich jetzt nicht nach Bayern möchte, machen wir kehrt marsch und spazieren zurück nach Österreich und weiter nach Engelhartszell.

Es ist jetzt schon 12:30 Uhr und ich frage mal den netten Gästebetreuer am Anleger, ob ich denn mein Köfferchen schon bei ihm abstellen dürfe. Ich darf und so holen wir es schnell vom Hotel. Der nette Mensch sagt uns auch, dass Einschiffung schon ab 14:00 Uhr ist. Der mag übrigens Drachen, wie sich noch herausstellen wird.

Prima, da reicht die Zeit gerade noch, um eine Runde durch die Minidonauwelt zu drehen.

Da kann drache ganz tolle Sachen machen. Frauchen setzt mich ins Labyrinth und glaubt, ich fände da nicht wieder raus. Für wie blöd hält die mich denn? Danach reite ich noch auf einem riesigen Fisch. Komme mir gerade vor wie Jonas oder war das Pinocchio?

Frauchen sagt, die lebten in der Donau und die gäbe es hier auch in echt. Das muss ich unbedingt sehen. Wow, das ist aber mal ein großer Fisch, der da seine Runden dreht. Da würden aber einige Drachen von satt, wenn wir den in die Pfanne hauen würden.

Inzwischen ist es auch kurz vor 14:00 Uhr und wir machen uns auf den Weg zurück zum Schiff. Mein Köfferchen steht auch noch da. Jetzt muss drache nur noch einen Gesundheitsbogen ausfüllen und unterschreiben, dass er kein Corona hat. Wenn die wüssten, dass wir Drachen das gar nicht bekommen können.

Fieber wird zum Glück nur bei Frauchen gemessen, sonst hätten die mich nämlich nicht an Bord gelassen. Wir Drachen haben von Natur aus eine viel höhere Körpertemperatur. Wo soll denn sonst das ganze Feuer herkommen. Ich bin ja sowieso mächtig gespannt, wie eine Flusskreuzfahrt in Corona-Zeiten abläuft. Auch wenn ihr euch das nicht vorstellen könnt, aber ich kenne mich mit dem Internet aus und verfolge seit meiner Buchung die Diskussionen darüber. Viele Menschen, viele Meinungen und nicht nur positive.

Davon lasse ich mich aber schon lange nicht mehr beeinflussen. Ich gehe jetzt an Bord und lasse das einfach auf mich zukommen. Ändern kann ich es sowieso nicht und wie heißt es doch so schön, jeder bekommt was er verdient.

Ächz, endlich habe ich meine Kabine gefunden. Immer diese Sucherei. Scherz beiseite, ist auf einem Flusskreuzer ja ziemlich einfach. Da kann drache sich fast nicht verlaufen.

Frauchen und ich lieben es, wenn bei nächtlicher Fahrt das Wasser gegen die Bullaugen schwappt. Das fühlt sich für uns dann so richtig nach Seefahrt an. Leider bin ich etwas enttäuscht, weil die Donna nicht so schöne runde Bullaugen hat, wie einige ihrer Schwesternschiffe. Egal, das Wasser werden wir trotzdem hören.

Das gedruckte Bordprogramm gibt es zur Zeit leider nicht auf die Kabine. Schade, aber verständlich. Es hat auf früheren Reisen irgendwie zum Ritual gehört. Du kommst abends zurück in deine Kabine und kannst dich mit dem Programm des nächsten Tages vertraut machen. Klar, geht jetzt auch, wenn ich den Fernseher anmache. Ist aber trotzdem irgendwie nicht dasselbe. Vielleicht wird es irgendwann immer so sein. Spart ja schließlich auch Papier.

Wenigstens ist die rote Rose geblieben, die jeder zur Begrüßung an Bord bekommt (äh, fast jeder – Drachen sind ausgenommen) und jetzt auf unserem Schreibtisch steht.

So, ich muss jetzt nur noch mit meinem Frauchen ausdiskutieren, welche Bettseite mir gehört. Bin ja für die an der Tür, da bin ich schneller draußen, wenn wir einen Eisberg rammen. Soll ja kälter werden.

Am ersten Tag findet vor dem Abendessen immer die Sicherheitseinweisung statt. Eigentlich schade, dass man auf einem Flusskreuzer nicht mit Schwimmweste an Deck erscheinen muss/darf.

Hätte ich viel spannender gefunden, als so einen ollen Vortrag. Frauchen sagt aber, dass sei wichtig und ich soll gefälligst zuhören. Wenn sie das in einem bestimmten Ton sagt, dann hörst du als Drache besser zu. Immerhin hat sie mir einen Cocktail spendiert. Pst unter uns Plushies, laut Karte gibt es noch sieben weitere.

Im Anschluss gibt es dann noch Informationen über die neue Route. Ungarn ist ja seit 01.09. dicht und Wien inzwischen Risikogebiet. Beide Stops entfallen folglich für einen individuellen Besuch. Ich freue mich über mehr Zeit in Bratislava und na ja Dürnstein, Hainburg und Korneuburg sind jetzt nicht gerade die Brüller und ganz bestimmt kein Ersatz für Wien oder Budapest, aber ich werde das beste daraus machen und habe auch gleich mal die Ausflüge angekreuzt, die ich mit Frauchen machen möchte. Ich hoffe, sie nickt sie ab. Wien und Budapest wird es auch in zwei Jahren noch geben, wohingegen eine Donaukreuzfahrt mit unserem Routing so wohl in Zukunft nicht mehr stattfindet. Außerdem bekommen wir 50% Ermäßigung auf die nächste Kreuzfahrt. Ist doch ein Wort, oder? Hoffe, ich darf dann wieder mit.


14°C
14°C

rathausturm statt stephansdom

28.09.2020


4 km
4 km

Was ein trüber Regentag. Gestern war es doch noch so schön und ich hatte mich auf einen relaxten Vormittag auf dem Sonnendeck gefreut. Stattdessen sitze ich jetzt in der Lounge und schaue in den Regen. Ob Frauchen mir wohl um diese Zeit schon so einen leckeren Cocktail spendiert? Komm schon, mit deiner Zauberkarte kostet der doch nichts.

Gegen Mittag erreichen wir dann unser heutiges Ziel Korneuburg. Weil wir hinter den anderen beiden A`Rosa Schiffen her getuckert sind, müssen wir uns mit einem Ankerplatz im Werfthafen zufrieden geben. Ist aber eigentlich egal, denn der Weg in die Stadt ist etwa gleich.

Nach dem Mittagessen machen wir uns bei Nieselregen auf den Weg. Wie gut, dass ich meinen trockenen Platz in Frauchens Regenjacke habe. Von da kann ich alles sehen und werde doch nicht nass. Wobei, so viel zu sehen gibt es hier nicht. Hier steppt echt nicht der Bär und der Drache schon gar nicht.

Das Rathaus mit dem Stadtturm ist aber schon recht imposant. Der Turm steht schon seit 1440 und diente einst als Ausguck, um die Stadt vor Feuer und Feinden zu schützen. Erst 1894 kam das Rathaus dazu.

Ich habe gelesen, dass auch der Stiegenaufgang im Foyer sehr schön sein soll. Da muss ich doch direkt mal schauen gehen. Schade, dass man zur Zeit nur mit Anmeldung zu den Amtsstuben kommt. Hätte gerne auch noch einen Blick in den ersten Stock geworfen.

Vor dem Rathaus steht der Rattenfängerbrunnen. Wenn man genau hinschaut, kann man sogar die Ratten erkennen, die der Flötenmelodie folgen. Wie blöd kann man denn sein?

Daneben die Dreifaltigkeitssäule. Sie wurde nach dem Ende der Pest gebaut. Ich gehe mal davon aus, aus Dankbarkeit. Ob es wohl in ein paar Jahren auch Corona-Säulen gibt?

Frauchen fotografiert noch ein paar der schönen Fenster, aber das war es dann auch schon.

Ein wenig wehmütig wird mir bei dem Wegweiser. Wien ist so nah und doch so fern. Weil es inzwischen als Risikogebiet eingestuft wurde, dürfen wir da nicht hin. Menno, ich hätte mir so gerne das Schloss von der Sisi angeschaut und wäre mit dem Riesenrad im Prater gefahren. Sogar ein Schokoladenmuseum hatte Frauchen auf der Liste. Extra für mich. Vielleicht klappt es ja ein anderes Mal.

Zurück auf dem Schiff haben wir noch ganz viel Zeit bis um Abendessen. Sonnendeck ist immer noch nicht, also ist Lounge angesagt und jetzt bekomme ich auch endlich einen Cocktail, sogar den Cocktail des Tages namens Mozarts Synphonie. Ui, der ist lecker und hat sogar Umdrehungen.

Das Abendessen steht dann auch unter dem Motto Wien. Es wird zum Heurigen Dinner gebeten mit Backhendl und Kaiserschmarrn. Aber pst, nicht weitersagen, der Kaiserschmarrn in Linz war um Klassen besser.


12°C
12°C

ein verlorener Brautschleier

29.09.2020


42 km
42 km

Guten Morgen von Bord der Donna. Ich gönne mir jetzt erst mal ein herzhaftes Frühstück und dann kann der Tag beginnen. Buffet gibt es ja zur Zeit nicht, aber auf unserem Stammplatz stehen schon Brötchen, Wurst und Käse bereit. Die Eier und ein leckerer Orangensaft werden gleich folgen. Joghurt, Fruchtsalat oder Croissants gibt es auch und immer wieder kommt der nette Kellner vorbei und fragt, ob ich noch was möchte. Dabei bin ich doch schon papp satt. Also, ich vermisse das Buffet überhaupt nicht. Drache musst nicht Schlange stehen, alles ist immer vorrätig und meinen festen Stammplatz mit Donaublick habe ich auch. Da gibt es doch echt nichts zu meckern.

Wien fällt ja leider aus. Wenn schon weder Stephansdom noch Sachertorte, dann wenigstens ein Stift mit einem bedeutenden Altar. Und für die Romantiker unter uns Drachen (gibt es die überhaupt?): Leopold III ließ das Kloster an der Stelle errichten, an der er den Hochzeitsschleier seiner Frau nach 9 Jahren während einer Jagd wiederfand. Na hoffentlich hat er da nur Hirsche gejagt und keine Schönheiten. Nach 9 Jahren Ehe, wer weiß? Den Schleier hatte ein Windstoß während der Hochzeit weggetragen und der Leopold schwor ein Kloster zu gründen, sollte er den Schleier wieder finden. Frage mich, warum der so ein Geschiss um einen Hochzeitsschleier gemacht hat.

Egal! Jedenfalls ist das Kloster nicht weit vom Schiff entfernt. Die heutigen Orte Korneuburg und Klosterneuburg waren nämlich mal eins, verbunden durch eine Furt. Mit der Zeit wurde die Donau breiter und man baute weiter vom Ufer entfernt. So wurde aus eins zwei, nur dummerweise liegt da  immer noch die Donau dazwischen und auf die kleine Seilfähre passt unser Bus nicht drauf. Folglich müssen wir einen Umweg fahren, um kurz vor Wien die Donau über eine Brücke passieren zu können.

So scharf bin ich auf ein weiteres Kloster nicht, aber allein an Bord ist auch langweilig. Außerdem hat Frauchen da was von Weinprobe gemurmelt. Am Kloster angekommen, geht es gleich in die Vinothek. Ui, ob das so eine gute Idee ist? Da bin ich ja schon blau, bevor die Führung beginnt. Ach egal, bin ja sowieso blau und Frauchen lässt mich wahrscheinlich nicht kosten. Da hat sie aber nicht mit der Cleverness eines Drachen gerechnet. Kaum schaut sie mal weg, sind meine Pfoten schon im Glas. So merkt sie gar nicht, dass ich auch verkoste. Nach der dritten Probe wird mir dann aber doch ein wenig schwummrig und ich bin froh, dass ich während der Tour getragen werde. Hicks!

Der Guide ist voll nett und jetzt stellt euch mal vor, es gibt doch tatsächlich drei steinerne Drachen in diesem Kloster und ganz ohne den ollen bösen Siegfried.

Deshalb kommen die Menschen aber nicht hierher, sondern wegen dem berühmten Verduner Altar. Entstanden ist das Kunstwerk aber keineswegs in Verdun, sondern in zehnjähriger Arbeit hier im Kloster. Zugegeben, Klosterneuburger Altar hört sich auch nicht sehr spannend an.

Nun ja, kann man mögen oder auch nicht, aber das Innere der Klosterkirche finde ich schon sehr imposant. Die Kaisers hatten sogar einen eigenen Balkon, wenn sie zur Messe erscheinen wollten. Man mischt sich ja schließlich nicht unters gemeine Volk. Von da oben hatten sie bestimmt einen tollen Überblick.

Zum Mittagessen sind wir dann wieder an Bord. Danach schnappe ich mir Handtuch und Schwan und gehe mal den Pool inspizieren.

Der Pool ist geheizt, haben sie gesagt. Spring rein, haben sie gesagt. Dann bekommst du den Tagescocktail Loreley Legend, haben sie gesagt. Was sie nicht gesagt haben, dass das wohl nicht für kleine blaue Drachen gilt. Warum falle ich auch immer wieder auf die Menschen herein. Jetzt sitze ich hier auf dem Sonnendeck ohne Cocktail und friere. Sonne ist auch keine da.

Ich glaube, ich verziehe mich jetzt einfach auf die Kabine und kuschel mich bis zum Abendessen ins warme Bett.

Und dann werde ich auch noch zum Entertainment Manager beordert. Oje, da hab ich aber erst mal einen Schreck bekommen. Hab ich womöglich doch was falsch gemacht oder was Verbotenes getan und der Kapitän lässt mich jetzt kielholen. Aber nein, die scheinen hier echt ein Herz für kleine blaue Drachen zu haben und ich bekomme doch den versprochenen Cocktail. Ich muss nur beteuern, dass ich älter als 18 bin wegen Alkohol und so. Kein Problem, bin schon älter als 180 Jahre. Was das in Menschenjahren ist, wollte ja schließlich keiner wissen. Ich muss jetzt nur noch meinem Frauchen klar machen, dass das MEIN Cocktail ist. Schließlich war ICH im Pool und habe gefroren. Er war übrigens sehr lecker und ich habe jetzt die nötige Bettschwere. Gähn!


Donauwalzer 2