die Rose von Dilsberg

Unser heutiges Ziel ist der Odenwald und zwar genauer gesagt der Neckar. Hinter Heidelberg reiht sich ein nettes Städtchen an das nächste und auf den Höhen am Ufer findet sich so manche Burg.

 

Eine davon ist heute unser Ziel. 

Doch zuerst geht es mit der Bahn bis Neckargemünd.

 

Weiter geht es der Hauptstraße folgend Richtung Marktplatz. Dabei kommen wir an dieser hübschen Giraffe vorbei. Was hat wohl ein Dorf am Neckar mit Afrika zu tun? Gar nichts. Die Giraffe ist einfach nur Kunst und steht vor dem Art Hotel. Ist aber echt ein gelungener Blickfang.

 

Vom Bahnhof sind es nur wenige Schritte und wir stehen vor dem Stadttor.

Das wurde nicht etwa zum Schutz der Stadt errichtet. Wozu auch, wer braucht schon Schutz. Nein, laut einer Inschrift wurde es einzig zum Ruhm des Kurfürsten Karl-Theodor von der Pfalz erbaut. Ist dann wohl eher so was wie ein Triumphbogen.


und hübschen Fachwerkhäusern.

 

Darunter das Haus Illenberger mit seinen zahlreichen Schmuckelementen. Ob sich da auch jemand ein Denkmal setzen wollte (wie der Herr Kurfürst) oder war das eher die mittelalterliche Reklame für einen Zimmermann?

Der Marktplatz ist dann wieder typisch für ein Odenwälder Dorf.

 

mit Kirche (hier St. Johannes Nepomuk im neuromanischen Stil),

 

Brunnen


Auf dem Weg zum Neckarufer kommen wir am Ölkrugbrunnen vorbei. Einst stand an der Elsenz eine Ölmühle, an die dieser Brunnen erinnern soll. Nur schade, dass kein Öl (äh, Wasser) fließt.

  

 

Durch die Neckarstraße mit ihren historischen Gebäuden, wie dem ehemaligen Gasthaus "Zum Lamm“ und dem Hotel "Zum Ritter“ geht es Richtung Ufer. Übrigens findet sich hier auch die griechische Weinstube "Zur Stadt Athen“. Nichts besonderes? Doch, sie ist die erste griechische Weinstube des Landes und außerdem eines der ältesten Studentenlokale in und um Heidelberg. Was es damit auf sich hat? (nachzulesen unter Kneipen, Karzer und Geschichte(n) )

Heute wollen wir nicht mit einem der Ausflugsdampfer weiter. Unser Ziel liegt hoch oben über dem Neckar und da kommt kein Schiff hin. Deshalb verweilen wir auch nicht lange am Ufer, sondern folgen den engen Gässchen zum Hanfmarkt. 

Dabei kommen wir an zwei weiteren erwähnenswerten Häusern vorbei. 

Das kleine, hübsche Schilderhäuschen hat jetzt nichts mit irgendwelchen Schildern zu tun, sondern bekam nur, wie so oft im Mittelalter, den Namen seiner früheren Besitzerin. Hier kann man schön erkennen, mit welchen Trick man damals Wohnraum gewann. Klar hätte man das Haus auch gleich mit größerer Grundfläche bauen können, aber das hätte eben auch höhere Steuerabgaben bedeutet. 

Nebenan steht das wunderschöne Haus Kessler.


So, damit wäre das Städtchen Neckargemünd mehr oder weniger abgehakt. Wir wollen aber noch weiter, hoch auf den Berg und da bringt uns vom Hanfmarkt aus der Bus hin. 

Das Städtchen Dilsberg wurde 1347 gegründet. Da gab es die Burg bereits. Doch irgendwie wollte keiner dort oben auf dem Berg wohnen. So eine leere Stadt in Nachbarschaft einer stolzen Burg macht sich jetzt nicht wirklich gut und so wurden die Bewohner von Rainbach und Reidenberg quasi gezwungen sich dort anzusiedeln. Auch nicht die feine englische Art. Immerhin wurden sie von Leibeigenschaft und Steuern befreit. So richtig funktioniert hat das mit der Stadtgründung aber trotzdem nicht. Hätten die Kurfürsten mit ein wenig Nachdenken wohl auch selber drauf kommen können, dass ein Standort so hoch oben über dem Neckar nicht unbedingt förderlich ist für Verkehr und Handel. So war Dilsberg irgendwann nur noch ein Burgflecken. 

Kein Verkehr, kein Handel, kein Reichtum und so verarmte die Bevölkerung mehr und mehr. Was die Truppen Tillys und die französischen Revolutionsheere nicht vermochten, schafften die Einwohner von Dilsberg: sie zerstörten die Burg, weil sie Material zum Häuserbau benötigten. Aus diesem Grund stehen wir heute nur noch vor Ruinen.

 

Dafür ist der Blick auf den Neckar aber genial. 

Die Busfahrt endet vor den Toren von Dilsberg. Ok, weiter wäre er auch gar nicht gekommen.

 

Wir schon und so spazieren wir durch das ehemalige Stadttor Richtung Burgruine. 

 

 

 

Dafür, dass hier einst keiner wohnen wollte, finde ich das Örtchen aber recht hübsch gelungen. Da hat man sich dann wohl mit dem Schicksal abgefunden und das beste daraus gemacht.

Es ist nicht weit, ein Stück bergauf und dann stehen wir vor den Überresten der Feste Dilsberg.

 

Ein wenig kann man ja schon noch erahnen, dass hier mal eine stolze Burg stand.

Als die Grafen von Lauffen hier im 12. Jhdt ihre Burg bauten, war das nur ein Wohnturm, umgeben von einer Ringmauer und einem Wall. Als später der Bergfried modern wurde, ersetzte man den Wohnturm durch diesen. Der diente aber nur als Beobachtungsstand und so musste auch ein Palas zu Wohnen gebaut werden. 

 

 

 

 

Aber schon 1310, als der Pfalzgraf hier einzog, war die Burg zu klein und nicht mehr up-to-date. Das schrie nach Modernisierung, bzw Neubau und so entstand die heutige Burg mit mächtiger Schildmauer, Wohnbauten und Wirtschaftsgebäuden. Schaut man sich die Schildmauer genauer an, so entdeckt man Quadersteine von unterschiedlichem Alter und Typ. 

Wie das bei Burgen so ist, ranken sich auch um dieses Gemäuer Sagen und Geschichten. 

Wie kann es bei einer Burg auch anders sein, als das sich zwei Ritter um ein Burgfräulein streiten. Da wären Ritter Ulrich aus Neckarsteinach und Ritter Wolf aus Hirschhorn. Beide wollten Rosamunde unbedingt heiraten. Warum Wolf letztendlich der Auserwählte war, wissen wir nicht.

Warum aber können Männer mit Niederlagen nicht umgehen? Ritter Ulrich war da keine Ausnahme und erschlug kurzer Hand den Bräutigam auf seinem Weg zur Hochzeit. Genutzt hat es ihm nichts, denn seine Geliebte stürzte sich aus Kummer von der Burgmauer.

 

Ein letzter Blick auf Dilsberg und dann sind wir schon auf schattigen Waldwegen unterwegs. Teilweise geht es ganz schön steil bergab.

Um zurück an den Neckar und den öffentlichen Nahverkehr zu kommen, nehmen wir jetzt nicht den Bus, sondern beschließen bergab durch den Wald zu laufen. 


Links und rechts des Weges stehen viele alte Bäume. Ihre moosbewachsenen Wurzeln sind bestimmt Heimat von Elfen und anderen Zauberwesen. Ok, Einhörner und Drachen passen da jetzt nicht rein, aber manche Wurzel sehen doch fast wie Drachenkrallen aus, oder nicht?

Fast haben wir es geschafft, da kommen wir an einer Stelle vorbei, an der man denken könnte, hier wären die Baumfäller am Werk gewesen. Dazu liegen diese Stämme aber offensichtlich schon zu lange hier. Ein Blick nach oben zeigt uns, dass sie mitsamt Wurzeln gefällt wurden. Da möchte ich beim nächsten Sturm echt nicht im Wald unterwegs sein.

Kurz darauf haben wir wieder Flussniveau erreicht, aber der Bahnhof liegt auf der anderen Neckarseite. Wie kommen wir jetzt rüber? Wir könnten ja mit den vielen gefällten Bäumen ein Floß bauen oder mit einem einzigen Stamm rüber rudern.

 

 

Nicht nötig. Wir nutzen einfach die Schleuse, die zum Glück für Fußgänger einen Übergang hat und schon sind wir in der Vier-Burgen-Stadt Neckarsteinach, wo heute unsere Tour endet. 

 

Wer noch Lust auf die vier Burgen hat, findet den Bericht unter "vier Burgen" (wo auch sonst)

 

 

 

 

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