100 Türme & (k)ein Bier

Es gibt eine Stadt, die hat angeblich 100 Türme. In ihren Kellern wird noch heute Bier gebraut (angeblich das beste der Welt, aber das lassen wir mal unkommentiert). Doch in engen Gässchen und dunkeln Gewölben wurde einst noch ganz andere Dinge gemixt. Glaubte man doch, man könne Gold herstellen. Ja, wenn das so einfach wäre. Die nächsten Tage werden wir die goldene Stadt erkunden und sicher das eine oder andere Geheimnis lüften. Ob die Formel zur Goldherstellung dabei sein wird? Lasst euch überraschen.

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Kleinseite


da hängt ein Pferd auf dem Flur..

16.03.2017

12°C
12°C
410 km
410 km

Wie immer bringt mich die gute alte Bahn nach Frankfurt. Nicht wie immer, aber heute mal pünktlich, wenn auch in einem total überfüllten Zug. Zum Glück muss keiner wieder aussteigen und so sind wir pünktlich am Ziel. Viel zu früh versteht sich, denn die möglichen Verspätungsfaktoren waren ja eingeplant. Meinen Light-Tarif hätte ich in die Tonne klopfen können, wäre der Flieger ohne mich abgehoben.

 

So ist aber alles gut und es bleibt genug Zeit für einen Kaffee unter Palmen (äh Laubbäumen). Auch wenn das keine echten Bäume sind, finde ich die neuen Wartezonen am Flughafen echt gelungen. Fehlt eigentlich nur noch ein wenig Vogelgezwitscher.

Vor der Tür wartet der Platzhirsch darauf seine Gäste in die weite Welt zu bringen. Für mich geht es leider nur nach Prag.


Heute ist echt mein Glückstag. Ich fliege LH, es ist kein Streik und der Flieger geht pünktlich raus.

Wer aber ist beim Catering auf die glorreiche Idee gekommen nur Lachssandwich zu laden. Ich meine, ich habe da jetzt nicht unbedingt ein Problem mit, aber es mögen bestimmt weit weniger Menschen Lachs als Wurst oder Käse. Vielleicht mussten die aber auch weg.

Eigentlich lohnt sich so ein Flug nach Prag fast nicht. Kaum ist der Flieger oben, setzt er gute 30 Minuten später schon wieder zur Landung an.

Ich finde es immer wieder toll, wenn man an einem fremden Airport ankommt und mit einem Schild erwartet wird. Da ich heute keine Zeit verlieren wollte und sich die Gebühren im Rahmen halten, habe ich mir diesen Luxus gegönnt.

Ein bisschen spooky war es dann aber bei der Ankunft im Hotel. Der Portier öffnet mir die Wagentür und begrüßt mich mit Namen und in der Hotelhalle steht schon jemand vom Empfang und kennt auch meinen Namen. Nicht, dass ich nicht gebucht wäre, aber woher wissen die so genau, wann ich im Hotel ankomme? Haben die so wenig Gäste, die abgeholt werden oder können die die Wagen verfolgen?

Die ersten zwei Nächte verbringe ich in einem der Executive-Zimmer. Nicht weil ich zu viel Geld habe, sondern weil ich die gewonnen habe. In der Kategorie wird der Check-in nicht am Empfang gemacht, sondern auf dem Zimmer. Ist irgendwie cool, müsste ich aber nicht unbedingt haben

Danach muss ich umziehen ins Standard-Zimmer. Die sind aber auch ok.

Was mich an diesem Hotel stört, ist der Mangel an Steckdosen auf dem Zimmer. Geht gar nicht in Zeiten von Handy & Co.



Jetzt nur noch schnell ein 24Stunden-Ticket für den Nahverkehr beim Concierge ergattern und ich bin bereit.

Der Tag ist noch nicht einmal halb vorbei und vom Hotel sind es nur zwei Stationen mit der U-Bahn ins Zentrum. Die fährt alle 2 Minuten, also überhaupt kein Problem. Die Gelegenheit lasse ich mir nicht entgehen und mache mich auf den Weg, um wenigstens die Gegend um den Wenzelsplatz heute noch zu entdecken.

Die U-Bahn spuckt mich am Nationalmuseum aus und von hier sind es nur ein paar Schritte bis zum Wenzelsplatz. Hier tobt der Bär, egal ob bei Tag oder Nacht, hier trifft man auf Touristen, und Einheimische treffen sich "beim Pferd“ oder "unterm Schweif“. Ein Blick in die Runde und schon ist klar: dabei kann es sich nur um den alten Wenzel handeln. Der Schutzheilige sitzt hier hoch zu Ross und hat den Platz fest im Blick.

 

Doch eigentlich ist es gar kein Platz im klassischen Sinne, sondern eine Promenade mit vielen Jugendstilgebäuden und Passagen. Kaum vorzustellen, dass hier mal Rösser zum Verkauf standen, denn aus genau dem Grund wurde er von Karl IV einst angelegt. Dankbar können wir auch den Bomberpiloten des Zweiten Weltkrieges sein, die diesen Platz verschont haben, obwohl der sicher nicht zu übersehen gewesen ist.

Gut für uns, denn so können wir uns noch heute an den alten Gebäuden und Passagen erfreuen.

 

Einst war das Grand Hotel Europa eine gute Adresse. Doch wie das so ist mit alten Gebäuden; die Erhaltung kostet Geld und wenn man das nicht hat, muss man wohl oder übel verkaufen. So erging es auch dem Besitzer des Hotels. Jetzt wird es aufwendig renoviert und dann als 5*Haus hoffentlich wieder Geld in die Kassen bringen.

Aber es gibt ja noch mehr schöne Jugendstilhäuser auf dem ehemaligen Pferdemarkt.

 

                                                                        Gemälde  >>

 

Musen

 

Und was es da nicht alles zu entdecken gibt:

<<  verzierte Geländer,

 

<<  Hauseingänge

 

gestandene Mannsbilder,


und Heerscharen von pausbäckigen Engeln

 

 

 

 

 

 

 

Manchmal trifft auch alt auf neu. Gar nicht mal so schlecht, aber ich möchte nicht wissen, was die Wohnung da oben kostet.

 

Am Palais Rokoko verlassen wir erst mal die Prachtstraße und lassen uns durch eine der vielen Passagen dieser Stadt treiben.

 

Sie führt uns zum Lucerna Palast. Einen Stahlbetonbau als Palast zu bezeichnen, finde ich jetzt doch etwas übertrieben.

Warum ich ihn überhaupt erwähne? Er wurde 1916 als erster solcher erbaut. Hier findet man noch einen der letzten Paternoster der Stadt. Dass es solche Aufzüge überhaupt noch gibt? Ich finde die aber cool.

 

Auch hier könnte man sich "beim Schweif“ treffen. Doch wo ist denn die Statue? Dazu muss man den Blick schon nach oben richten. Verkehrte Welt, denn dort hängt der Gaul - kopfüber.

 


Aber auch die Koruna Passage mit ihrer markanten Kuppel

 

 

 

 

 

 

und die "Schwarze Rose“ (Černá růže ) sind einen Besuch wert. Die Kreditkarte sollte man dabei aber gut verschlossen halten.


Überhaupt kann frau, wenn shopping begeistert, hier viel Geld lassen, denn kaum verlassen wir die Passagen wieder, stehen wir auf der Na Příkopě ("Am Graben“ auf gut deutsch) Hier verlief nicht nur einst der Stadtgraben, sondern sie war schon vor 150 Jahren bei der deutschsprachigen Bevölkerung eine beliebte Flaniermeile.

 

Hatte man zu viel Geld ausgegeben, konnte man im Deutschen Kasino versuchen für Nachschub zu sorgen. Kann die Situation aber auch verschlechtern. Das Gebäude beherbergt zwar heute wieder ein Kasino, aber vom Glücksspiel lassen wir die Finger und folgen lieber der Straße bis zur Tschechischen Nationalbank. Da könnten wir am Automaten zu mindestens auf ehrliche Weise an Geld kommen.

Wir sind inzwischen am Platz der Republik angekommen und was ist da zu finden? Ein Prachtbau ohne gleichen und bei vielen Pragern das Bauwerk des 20.Jhdt schlecht hin. Multifunktional soll ja heute alles sein, angefangen bei Stadien bis zu Konzerthäusern. Da war Prag wohl ungewollt Vorreiter, denn die Stadt beauftragte bereits 1911 Architekten für die Umsetzung dieser Idee. Man wollte einen Ort für Ausstellungen, aber auch Konzerte und ein Kaffeehaus durfte auch nicht fehlen.

 

Repräsentativ musste es natürlich auch sein, denn man wollte ja endlich die habsburgische Vergangenheit hinter sich lassen und tschechisches Nationalbewusstsein zeigen. Ist den Architekten aber ganz gut gelungen, oder nicht? Mal schauen, ob wir uns im Jugendstilcafé bei einer Tasse Kaffee ein wenig in alte Zeiten zurückversetzen lassen können.

Man könnte natürlich auch eine Fahrt in einem der alten Oldtimer machen, die hier in einer Seitengasse herumstehen. Da hätten wir Modell "Cruella de Ville“ oder die ganz alten Schnauferl. Leider ist es wie so immer. Wenn ich es alleine bezahlen soll/muss, ist es einfach zu teuer. Also darf Paulchen nur mal Probesitzen.

Neben all den Prachtbauten am Platz wirkt der Pulverturm ein wenig düster. Liegt wohl am Namen. Dabei war er mal Teil eines Palastes. Doch irgendwann wollten die Könige nicht mehr in der Stadt wohnen und siedelten um in die Burg. Der Turm wurde zum Lager für Schießpulver, daher auch der Name. Vielleicht keine so gute Idee, denn während der preußischen Belagerung flog das ganze Pulver mitsamt Turm in die Luft. Zum Glück wurde er irgendwann wieder aufgebaut und so können sich die Touristen heute noch an ihm erfreuen. Ob wir ihn mal erklimmen sollten? Der Blick von oben ist sicher nicht schlecht und Schießpulver wird hier ja nicht mehr gelagert. Nicht, dass sich die Geschichte wiederholt, wenn meine Drachen vor lauter Aufregung anfangen zu zündeln.

Ganze 184 Stufen sind es bis oben, da kommt selbst mein Drache ins Schnaufen. Lohnt sich aber, denn der Blick von oben ist genial, besonders bei dem Wetter. Wir könnten ja mal anfangen Türme zu zählen.

Der Kaffee eben war ja ganz lecker, aber jetzt verspüre ich doch ein kleines Hüngerchen.

 

Hatte ich schon erwähnt, dass Prag bekannt ist für seine Kaffeehäuser? Davon gibt es zahlreiche in der Stadt. Die werde ich sicher nicht alle durchtesten können, aber ein paar will ich mir doch genauer anschauen. In den meisten gibt es natürlich nicht nur Kaffee, sondern auch Kleinigkeiten, wenn der kleine Hunger kommt.

Ich gebe zu, ich stehe voll auf Art Deco, Schnörkel und Säulen.

 

Warum also nicht das Café Imperial aufsuchen und genau in diesem Ambiente zu Abend essen.

 

Damit es auch wirklich ins Klischee passt, gibt es Ente mit Knödel und Rotkohl, also echt böhmische Küche.

Ob der Apfelstrudel zum Nachtisch da noch reinpasst? Ach was, Nachtisch geht immer!



Pferdetreppe in der Burg

17.03.2017

10°C
10°C
6 km
6 km

 Heute nehmen wir uns die Prager Kleinseite vor.  Die wird geprägt vom Burgkomplex und der mächtigen Kathedrale. Doch auch vom goldenen Gässchen hat wohl jeder schon gehört.

 

So, und warum heißt jetzt die Gegend um den Hradschin und die Prager Burg Kleinseite? Vielleicht, weil sie kleiner ist, als die Alt- und Neustadt auf der anderen Seite? Das wäre zu einfach, glaubt ihr? Es stimmt aber. Wenn ich das Gebiet bis heute Abend abgelaufen habe, kann ich beurteilen, ob das so stimmt. Wobei klein, ja relativ ist.

 


Die gute alte U-Bahn bringt uns heute auf die andere Seite der Moldau. Und dann stehen wir am Ausgang, bereit für den Tag, blicken zur Burg und denken uns: "Warum mussten die nur ihre Burgen immer auf den höchsten Punkt der Stadt setzen?“ Schon klar, weil man von da den Feind rechtzeitig erkennen konnte, aber hätten die nicht auch mal an die armen Touristen denken können, die in der Zukunft auch dort hinauf müssen. Hilft ja nichts, packen wir es also an. Eigentlich darf ich gar nicht jammern, denn ich habe mir diesen Weg bewusst ausgesucht.

 

Die Prager Burg ist in militärischer Hand und deshalb kommt nur rein, wer durchsucht wurde. Das geht auf dieser Seite aber schnell, denn außer mir gibt es nicht so viele Bekloppte, die sich den Berg hoch arbeiten.

Der Blick entschädigt aber für die Kraxelei.

Nach der Kontrolle ist es nicht weit zum berühmten Goldenen Gässchen. Entstanden ist es eher aus einer Not heraus. Die nördliche Wehrmauer der Burg musste irgendwann verstärkt werden und dabei wurden auch gleich Notbehausungen in großen Arkaden angelegt.

Später entstanden daraus kleine Häuschen, in denen Handwerker und arme Geschäftsbesitzer ein neues Heim fanden.

 

Und wenn es mit der Goldmacherei nicht so klappen wollte, konnte man den Abend in der Kneipe verbringen.

 

Doch Vorsicht sei geraten, besonders wenn man des nachts hier durch kommt. Der noble Ritter Dalibor soll hier sein Unwesen treiben. Den hatte man nämlich im Gefängnisturm eingesperrt, weil er angeblich für einen Bauernaufstand verantwortlich war. Im Knast war ihm langweilig und so begann er das Geigenspiel zu erlernen.

Aber auch Alchimisten ließen sich hier nieder und versuchten (wohl eher vergeblich) aus Blei Gold zu machen. Trotzdem wurde dieser Straßenzug als Goldmachergässchen bekannt.


Obwohl der Mann bereits vor vielen, vielen Jahren hingerichtet wurde, kann man in nebeligen Nächten noch immer sein Geigenspiel hören. Wundert mich nicht, ich finde es auch bei Tag gruselig im Gefängnisturm.

Bevor wir uns der Burg widmen, kommen wir noch an der St-Georgs-Basilika vorbei. Sie ist die ältere der beiden Kirchen auf der Burg, aber im Inneren längst nicht so eindrucksvoll, wie der Veitsdom.

Sieht man mal von der etwas seltsamen Skulptur auf dem Altar ab. Was hat der arme Kerl denn verbrochen, dass ihm Schlangen und Eidechsen durch den Bauch kriechen?

 

Vielleicht hat der eine oder andere schon bemerkt, dass wir uns von hinten der Prager Burg nähern, also nicht durch den Haupteingang am Hradschin. Deshalb treffen wir jetzt auch zuerst auf den Alten Königspalast. Betreten kann man ihn aber nur von vorne durch den Westflügel.

 

Hier residierten die böhmischen Könige vom 12. - 16. Jhdt.

 

Hauptattraktion ist der Vladislavsaal mit seinem wunderschönen Sterngewölbe. Na, was macht man mit einem so riesigen Saal. Klar, hier wurden ab dem Jahre 1502 die Könige gekrönt. Auch für Bankette eignet er sich. Da konnte man die ganze, große bucklige Verwandtschaft mit Anhang einladen.

Das geschah ein Stockwerk tiefer in der Böhmischen Kanzlei. Natürlich waren das keine Pferde, die da aus dem Fenster flogen, aber jeder hat doch sicher schon von den Prager Fensterstürzen gehört.

 

Eigentlich wollte die Gesandtschaft protestantischer Abgeordneter unter Führung von Priester Vaclav Budova und Graf von Thurn den katholischen Statthalter und den Grafen von Martinitz nur zur Rede stellen, weil sie sich wegen ihres Glaubens diskriminiert fühlten. Viel geredet wurde aber scheinbar nicht, denn Statthalter und Graf von Martinitz wurden kurzer Hand aus dem Fenster befördert. Zum Glück befand sich darunter ein Misthaufen (so die Legende), der für eine sanfte Landung sorgte.

 

Die Halle ist so riesig, da könnte man sogar Reitturniere abhalten.

Blödsinn, denkt ihr. Von wegen, das haben die tatsächlich gemacht und an der Nordseite gab es extra eine Reitertreppe, damit die Ritter im vollen Galopp angeprescht kommen konnten. Schon beeindruckend, oder?

 

Die Wendeltreppe im Osten war für die Pferde dann tabu. Was hätten die auch auf der Terrasse gewollt? Die schöne Aussicht genießen? Oder sich gar vom Geländer stürzen?


In Wahrheit waren es wohl eher die schweren Wintermäntel und die Tatsache, dass die Wand unterhalb des Fensters abgeschrägt war, dass die Sache erst mal glimpflich ausging. Letztendlich führte sie aber zum Aufstand der Protestanten und in Folge dessen zum Dreißigjährigen Krieg.

 

Hier oben auf dem Hauptplatz der Burg ist es schon ein weniger voller. Was sage ich, richtig voll ist es hier. Gefühlte 3 Millionen Japaner (oder Chinesen oder sonstige Asiaten) rennen hier rum. Das Handy im Selfiestick immer auf Anschlag und den Guide fest im Blick hetzten sie durch das Burggelände. Zwischendrin noch ne handvoll Europäer, aber die fallen eigentlich gar nicht auf.

 

Na, dann wollen wir uns mal mit der Meute in den Veitsdom stürzen.

 

Lange, lange hat man an ihm gearbeitet. Ganze 600 Jahre hat es gedauert bis das Prachtstück endlich fertig war. Begonnen hat man 1344, nachdem aus dem Prager Bistum ein Erzbistum wurde. Da braucht es dann natürlich auch einen stattlichen Dom. Offiziell wurde er dann 1929 zum 1000jährigen Todestag des heiligen Wenzel eingeweiht. Fertig war er da aber noch lange nicht. Noch mal 20 Jahre hat es gedauert, bis alle Arbeiten erledigt waren. Bevor wir das Prachtstück aber betreten, wenden wir uns erst zur Südseite mit der prachtvollen Goldenen Pforte (wie man sieht, trägt die Stadt ihren Beinahmen "gold“ zu recht. Wer weiß, vielleicht konnten die damals doch Gold aus Blei zaubern.) Jedenfalls war das hier einst der Haupteingang.

 

Interessanter finde ich aber die Darstellungen aus dem täglichen Leben, die man an den Gittertoren finden kann. Erinnert mich ein wenig an das Rathaus in Braunschweig.

 Ach und meine Freunde die Wasserspeier gibt es hier natürlich auch.

Durch die Goldpforte geht es schon lange nicht mehr. Die wäre für die Massen wohl auch viel zu klein. Heute geht es an der Westfassade durch drei Bronzetüren ins Innere. (ganz schöner Abstieg von Gold auf Bronze)

 

Dafür wurde im Inneren wieder geklotzt, was das Zeug hält. Schmuckstück und wertvollster Ort im Dom ist die St. Wenzels Kapelle (und das sicher nicht nur, weil hier ein Heiliger begraben liegt) Allein die Wände wurden mit über 1300 Edelsteinen belegt.

Mit viel Glück schaffen wir es jetzt noch rechtzeitig in den ersten Burghof, wo um 12:00 Uhr der Wachwechsel stattfindet. Muss man aber nicht unbedingt gesehen haben.

Bevor wir der Prager Burg den Rücken kehren, noch ein paar Tipps für den Besuch. Wer sich, wie wir von unten hocharbeitet, umgeht die langen Schlangen bei der Eingangskontrolle, da


die meisten den Zugang über den Hradschin wählen. Die Kombi-Eintrittskarte bekommt man auch beim goldenen Gässchen (ohne Schlange stehen). Übrigens gibt es auch oben im Burghof mehrere Ticketschalter, also nicht einfach anstellen, nur weil da schon ne Schlange ist. Die Kombikarten kosten zwischen 260 CZK und 350 CZK, je nachdem wie viele Museen man sehen will. Gesagt sei noch, dass man sich den alten Palast eigentlich schenken kann (aber die Karte ist in beiden Paketen drin) und in den Veitsdom kommt man auch umsonst rein, wenn einem ein Überblick reicht.

 

So, damit wäre der Vormittag schon wieder rum und wir befinden uns jetzt auf dem Hradschin-Platz. Einst lebten hier Handwerker und Fleischer, doch wie in so manch anderer Stadt, zerstörte ein verheerendes Feuer 1541 viele der Häuser.

Wie praktisch für die Adeligen, die gerne in der Nähe der Burg residieren wollten und nun ihre Paläste hier bauen konnten. So kommt es, dass man rund um den Platz auf einige Paläste trifft, wie das mächtige, reich verzierte Palais Schwarzenberg,                                                            >>

 

 

 

und das Toskana Palais                                               >>

das Palais Sternberg,

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Doch genug von Palais. Bevor wir uns aber durch die Gassen der Kleinseite Richtung Moldau durchschlagen, gibt es noch einen Punkt hier oben, der einen Besuch lohnt und das ist das Kloster Strahov.

Auf dem Weg dorthin kommen wir dann doch noch an einem Palais vorbei, dem Palais Czernin. Immerhin ist es mit 150 Metern der längste Palast der Stadt und den hat sich das Außenministerium unter den Nagel gerissen. Wäre jetzt nicht unbedingt erwähnenswert, aber hier hat sich der letzte nicht-kommunistische Minister 1948 aus dem Fenster gestürzt. Ob er es aus Verzweiflung tat, weil er ahnte, was da auf den Osten zukam?

Die gegenüberliegende Wallfahrtsstätte Loreto mit ihren vielen Engeln vor der Tür lassen wir jetzt mal aus. Ich habe keine Lust für jede Kirchenbesichtigung meinen Obolus zu leisten. Wenn man allerdings bedenkt, dass überhaupt nur 10% der Tschechen "gläubige“ Katholiken sind, wundert es mich nicht, dass die auf diese Weise Geld in die Kassen schwemmen. Wie gesagt, Touristen rennen hier selbst jetzt zur Nebensaison genug rum, da dürfte übers Jahr ein hübsches Sümmchen zusammen kommen.

 

 

Doch fürs Kloster Strahov bin ich dann doch bereit den Geldbeutel noch mal zu zücken.

 

Wozu noch ein Kloster anschauen? Wir waren doch schon im Veitsdom mit seinen Reichtümern. Von außen sieht das Kloster auch nicht sehr spektakulär aus. Vladislav II ließ es 1140 erbauen und zwar strategisch geschickt an der Straße zur Prager Burg. So konnte es auch als Verteidigungsanlage dienen. Schön und gut, rechtfertigt aber noch immer keinen Umweg.

 

Es ist auch nicht die Lage (obwohl der Blick auf Prag schon einen Umweg wert wäre)

oder die Kirche, die hier von Interesse wären, sondern die zwei bedeutenden Bibliotheken, die sich im Inneren befinden.

 

Der Philosophische Saal mit seinen mächtigen Bücherregalen aus Walnussholz ist der größere von beiden und wurde extra gebaut, um die Sammlung der Klosterbibliothek Louka aus Mähren aufzunehmen. Das Kloster wurde nämlich geschlossen und wohin dann mit all den schönen und kostbaren Büchern.

 

 

Kleiner und älter ist der Theologische Saal mit seinen Globen und Pulten. Der größte Schatz des Klosters (und jetzt kommen wir doch wieder zu den Reichtümern) ist die edelsteingeschmückte Strahov-Bibel mit Text in Goldbuchstaben.

 


Jetzt wird es aber Zeit den Burgberg endgültig zu verlassen und sich auf den Weg Richtung Moldau zu begeben. Verlaufen kann man sich in Prag übrigens kaum, denn überall trifft man auf Wegweiser zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Die goldene Stadt hat eben ein Herz für Touristen. Sind ja auch genug da.

 

Ein Blick auf die Karte zeigt uns, dass die Nerudagasse schnurstracks Richtung Moldau führt. Also werden wir ihr einfach folgen.


Entlang der Straße reihen sich Barockpaläste und Herrenhäuser.

Einige davon beherbergen heute Botschaften, wie die italienische mit zwei Ungetümen               >>

oder die rumänische mit zwei feschen Jungs mit Sixpack.


Wie kommt es aber, dass in dieser Straße soviel Prunk zu finden ist. Nun ja, einst verband sie die Burg mit der Stadt und da wollte man zeigen, was man hat. Man weiß ja nie, wer da so vorbei kommt und das Wappen an der Hauswand zeigt auch jedem, wer der Herr im Hause ist.

Aprospos Botschaft. Wer hat sie den erkannt und womit hat sie im Sommer 1989 Geschichte geschrieben – große Geschichte? Ja, wir sprechen von der deutsche Botschaft im Palais Lobkowitz. Tausende DDR-Bürger flüchteten damals in den Botschaftsgarten und hofften auf eine Ausreisegenehmigung in die Bundesrepublik.

 

Hat ja letztendlich auch funktioniert und kurz darauf fiel die Berliner Mauer. Dass die ihre Trabis in den Seitenstraßen der Gegend zurücklassen mussten, werden die wohl liebend gern in Kauf genommen haben. Einer davon steht noch heute als Symbol im Botschaftsgarten.

Will man Pomp und Gloria, muss man in Prag nirgendwo weit laufen. Wir sind ja schon an so vielen Palais und Prachtbauten vorbei gekommen und irgendwann mag man auch nicht mehr.

 

Aber dem St Nikolausdom statten wir jetzt doch noch einen Besuch ab und nicht, weil der eine bayrisch Familienangelegenheit war. Papa Dientzenhofer schuf Fassade und Hauptschiff, der Sohnemann Dach, Chor und Kuppel. Um den Glockenturm kümmerte sich dann 18 Jahre später der Schwiegersohn. Zählt das dann noch als Familie? Das Innere im Stil des Hochbarock erschlägt einem mit seinen Farben, Gemälden und Skulpturenschmuck. Ich meine, kann ja jeder machen was er will und seine Kirchen ausschmücken wie er will, aber sollte eine Kirche nicht eigentlich schlicht und einfach sein?

 

Wo wir schon bei Kirchen sind, könnte man der St. Maria de Victoria noch einen Besuch abstatten.

 

Die ist jetzt eher schlicht und hat es trotzdem zu einem Besuchermagnet geschafft.

Kitschliebhaber und fromme Pilger zieht es hier her. Warum? Es ist das Jesuskind von Prag, eine Wachspuppe. (Hat sie schon jemand auf dem Bild entdecken können?) Eigentlich erst mal nichts besonderes. Es gehörte zur Mitgift einer spanischen Braut und man sagt ihm Wunderkräfte nach. Deshalb, wahrscheinlich aus Dank, wurden der Puppe Kleider aus Samt und Seide von überall aus der Welt zugeschickt. Wüsste jetzt gerne mal, wer den größeren Kleiderschrank hat, Manneken Pis aus Brüssel oder das Jesuskind von Prag. Jedenfalls sind die Klamotten vom Manneken alltagstauglicher.


 

Jetzt ist aber gut für heute mit Palästen, Kirchen und Botschaften. Jetzt zieht es uns endgültig an die Moldau und vielleicht reicht die Zeit ja noch für eine Bootsfahrt auf dem Teufelsbach durchs Venedig von Prag. Das ist jetzt allerdings sehr, sehr weit hergeholt. Erstens ist der Bach nicht wirklich lang und Venedig tausendmal romantischer. Da es aber angefangen hat zu regnen, sitze ich auf dem kleinen Dampfer wenigstens trocken.

 

Die Fahrt lohnt sich aber nicht wirklich. Man pendelt eigentlich nur zwei-, dreimal an der Karlsbrücke entlang und fährt einmal die paar Meter in den Teufelsbach hinein. Die gleichen Ausblicke hätte man kostenlos von der Karlsbrücke aus.

Die Karlsbrücke spar ich mir für heute. Es wird bereits dunkel und der Regen hat auch nicht aufgehört. Morgen ist auch noch ein Tag und da nehmen wir uns die Altstadt vor.

100 Türme & (k)ein Bier (2)