Am Brunnen vor dem Tore

Am Brunnen vor dem Tore hat wohl schon so mancher junge Mann auf seine Liebste gewartet.

Hier in Esthal hätte er den Ort (bzw Brunnen) für das Stelldichein schon genauer beschreiben müssen, sonst wäre da nichts draus geworden. Gibt es doch rings um das Örtchen ganze acht Brunnen, verbunden durch den 15 Kilometer langen Brunnenweg.

Mangels Zeit werden wir uns heute aber nur eine Hälfte des acht-förmigen Rundweges vornehmen.

Am Busbahnhof in der Ortsmitte treffen wir doch glatt auf die ersten zwei Brunnen. Hier könnte man sich mit der Geliebten treffen. Der Weg wäre nicht so weit, aber romantisch wäre das Rendezvous sicher nicht.

 

 

 

 

Im Dorf selbst gab es insgesamt vier Tiefbrunnen mit jeweils einem Pumpenstock. Die Tiefe der Brunnen lag zwischen 25 und 102 m.

 

Selbst als Anfang 1900 die Häuser über ein Leitungsnetz mit Wasser versorgt wurden, blieb der Brunnen ein wichtiger Trinkwasserspender. Besonders, wenn im Winter die Wasserleitungen mal wieder geplatzt waren. 


Manche Kommentare in Wanderportalen besagen, der Weg sei schlecht ausgezeichnet. Und das bei meinem Orientierungssinn. Mal schauen, wie oft wir uns heute verlaufen.

 

Zuerst geht es die Bergstraße hinab und nach den letzten Häusern soll rechts ein Wiesenweg zum Nebelsbrunnen führen. Zugegeben, hier steht schon mal ein Zeichen, aber ob ich ohne den Hinweis den Trampelpfad als solchen erkannt hätte..?

Am Ende treffen wir aber tatsächlich auf besagten Brunnen.

 

 

Wenn ich mir den genau betrachte, muss ich an ein Kinderlied denken: "zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh und sehet den fleißigen Waschfrauen zu…“ Und genau so war es hier. 

Dieser ist eher klein mit nur einem Trog und einem Klopfstein.

Ja, vor vielen Jahren konnte man die Wäsche nicht einfach in die Waschmaschine stecken. Die gibt es bei uns nämlich erst seit 1951 und glaubt nicht, dass sich jeder von Anfang an so ein gutes Stück leisten konnte.

 

Nein, die Frauen fuhren mit der Schubkarre die Wäsche zum Waschbrunnen und legten sie schön ordentlich übereinander in die Tröge. Einmal Abfluss mit einem Tuch verstopfen und schon fühlte sich der Trog mit Wasser. Auf den Quadersteinen wurde die Wäsche dann mit der Schlage bearbeitet, damit das Wasser den Schmutz mitnehmen konnte. Zu guter Letzt wurden die Tröge wieder geöffnet und Wasser, Seife und Schmutz flossen von dannen. (An Umweltschutz hat man dabei eher nicht gedacht)

Direkt am Brunnen der nächste Wegweiser. Der zeigt hinab ins Nebelstal. Dem sollen wir bis zum Waldrand folgen und dann rechts abbiegen. Der Hinweis ist goldwert, denn sonst hätten wir uns vielleicht schon verlaufen. Die Beschilderung ist da, keine Frage, aber ob ich sie entdeckt hätte oder vielleicht doch auf dem breiten Weg ins Tal geblieben wäre?

 

Von hier geht es 1.9 Kilometer bis zum Römerbrunnen. Das erste Stück ist schmal und steil, doch dann geht es auf einem breiten Waldweg mit leichter Steigung weiter. Schon bald haben wir den mit 378 Meter höchsten Punkt der Tour erreicht. Heißt aber leider nicht, dass es von nun an nur noch bergab geht.


 

 

Der Römerbrunnen sieht jetzt definitiv nicht wie ein Waschbrunnen aus. Ich wage auch zu bezweifeln, dass man die Wäsche bis hier hinauf geschleppt hätte, gab es doch weiter unten im Tal noch mehr Brunnen.

Wahrscheinlich diente er nur als Viehtränke. Nicht, dass ich meine Drachen jetzt als Vieh bezeichnen würde, trotzdem genehmigen die zwei sich einen ordentlichen Schluck.

 

Von hier sollen wir dem Wasser folgen. Leichter gesagt als getan. Wo fließt es denn hin?

 

Ok, Tiefe ist ein bisschen übertrieben und stürzen tut es auch nicht wirklich, aber es weist uns den richtigen Weg

 

 

 

Gegenüber vom Brunnen hat sich ein Miniteich gebildet, aus dem das Wasser in die Tiefe stürzt.

und siehe da, auch die Hinweisschilder sind wieder da.

  

Immer am Bach geht es entlang (folge dem Wasser) und Hindernisse werden einfach aus dem Weg geräumt. Irgendwann fragst du dich aber, wo ist denn jetzt der nächste Brunnen. Nach mal eben 1.5 Kilometern sind wir am Ziel. Kam mir irgendwie länger vor.


Der Goldbrunnen ist eigentlich eher eine Quelle. Woher der wohl seinen Namen hat? Gold haben wir jedenfalls keines gefunden. Vielleicht kommt es vom Sand, der den Boden bedeckt.

Und überhaupt, wo ist denn hier der Zufluss? Hier muss irgendwo reichlich Wasser aus dem Boden fließen, denn der Abfluss weist eine ordentliche Strömung auf.

 

Einmal genau hingeschaut und wir haben des Rätsels Lösung gefunden. Ist ein bisschen wie bei den Schlammquellen in Island, nur das es hier nicht nach Schwefel stinkt. Das Wasser drückt sich von unten durch den Sand und wenn man genau hinschaut, sieht man auch wo.

Hatte ich schon erwähnt, dass der Goldbrunnen im Tal liegt und wir jetzt wieder bergauf müssen. Das Hinweisschild ist schnell gefunden und auf schmalem Waldpfad geht es bergauf zum Erntsiegelbrunnen.

 

 

Den hätten wir doch glatt übersehen, wäre da nicht das riesige Hinweisschild gewesen. Soviel zum Thema "schlecht ausgeschildert“.

 

Wäre auch schade gewesen, denn das Wasser aus diesem Brunnen ist eiskalt und lecker. Finden auch meine Drachen, die mit ihren Eimern einen ordentlichen Schluck gegen den Durst schöpfen.

Apropos Durst. Zu einer anständigen Wanderung gehört doch auch eine Brotzeit. Wie gut, dass die Wolfsschluchthütte nur einen guten Kilometer entfernt ist. Wie gut, dass sie heute auch geöffnet ist und so lassen wir uns die Bratwurst mit Sauerkraut schmecken.

Und dann passiert es doch, dass wir kurzzeitig den falschen Weg einschlagen. Dass wir aber plötzlich auf keine Zeichen mehr stoßen, kommt uns dann schon seltsam vor und wir kehren besser um. Vor der Hütte hatten wir die letzten Zeichen gesehen, also muss es von dort auf anderem Wege weiter gehen. Tut es auch. Wahrscheinlich haben wir vor lauter Gedanken an eine Rast, den einen Wegweiser übersehen, der uns auf die andere Seite der Hütte geführt hätte. Und dort ist auch schon der nächste und wir sind wieder auf dem rechten Weg. 

 

Kurz darauf komme ich dann noch mal ins Grübeln. Sind wir etwa schon wieder falsch? Das Zeichen ist am Baum, aber der Weg führt zum Goldbrunnen und da kommen wir doch her. Egal, wir bleiben jetzt auf dem Weg und siehe da, kurze Zeit später treffen wir auf eine Weggabelung und meine "Wanderwelt“ ist wieder in Ordnung. Zum Goldbrunnen geht es nach links und unser Brunnenzeichen zeigt nach rechts. Leider ist das der Weg, der steil bergauf führt. Hilft ja nichts.

 

 

Kurz darauf plätschert es wieder, folglich kann der nächste und auch letzte Brunnen auf unserer Tour nicht mehr weit sein.

 

Der Schelmenteichbrunnen ist mit seinen fünf Trögen einiges größer als die anderen auf unserer Tour. Hierher kamen bevorzugt die Frauen aus der Oberstadt. Ob es daran lag, dass es für sie näher war? Oder hatte das auch was mit dem Stand zu tun. Man wusch ja nicht nur Wäsche sondern traf sich auch zu Klatsch und Tratsch.

Seinen Namen hat er übrigens von einem Teich, den es in früherer Zeit hier gab. Diebe (oder auch Schelme) wurden hier hergebracht und mit Hilfe eines Hebels ein wenig getunkt. Immer wieder und wieder, bis sie schließlich ihre Schuld bekannten.

Ob ich meine zwei Drachen auch mal ein wenig tunken soll (oder ordentlich durchwalken?)

Vom Schelmenteichbrunnen geht es dann zurück zum Dorfplatz. Das erste Stück bis zum Dorfrand ist richtig steil und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie mühsam es war, die saubere Wäsche wieder nach Hause zu transportieren. Mir reicht es schon, wenn ich mich ohne Ballast da hoch schleppen muss. 

 

Hätten wir jetzt noch mehr Zeit, könnten wir den zweiten Teil des Quellenweges dran hängen. Der führt zu drei weiteren Waschbrunnen, die weit größer sind, als die, die wir auf unserer Tour gesehen haben. Vielleicht holen wir das ein anderes Mal nach. Ich fand unseren Weg sehr abwechslungsreich. Nicht nur was die Landschaft betraf, sondern auch wegen den verschiedenartigen Brunnen und Quellen am Wegesrand. Und ich gebe den Kritikern im Netz nur bedingt recht. Wenn man die Augen offen hält, besonders an Weggabelungen und Abzweigungen, wird man feststellen, dass der Weg eigentlich sehr gut ausgeschildert ist. Vielleicht wurde aber auch nachgebessert.