die Fraa vun Bensem

Wir sind wieder auf dem Nibelungenweg unterwegs. Heute nehmen wir uns das hübsche Fachwerkstädtchen Bensheim vor.

Was es wohl mit der Frau von Bensheim auf sich hat?

Ob wir dort wohl auch auf einen Drachen stoßen? 

Von den Römern, die sich hier vor mehr als 2000 Jahren niederließen, ist kein Stein mehr zu finden. Vielleicht sollte man mal ein wenig graben; in Trier hat das ja ganz gut funktioniert. Jedenfalls gibt es die Stadt offiziell seit 765 n Chr. und schon knappe 200 Jahre später erhielt sie das Marktrecht. Der damit einhergehende Handel ist für jede Stadt ein florierendes Geschäft und so wuchs der Ort und erhielt im 13.Jhdt die Stadtrechte.

 

Mit dem Handel gehen Zölle einher, die nicht jedem gefallen. (Ist ja heutzutage mit den Steuern nicht anders) Albrecht I gefiel das auch nicht und so beschloss er gegen die Kurfürsten zu Felde zu ziehen. Heidelberg konnte er nicht einnehmen, aber Weinheim.

Bei Bensheim stieß er dann wider Erwarten auf Gegenwehr. Wurde nichts mit der raschen Einnahme im Vorübergehen. Drei Wochen konnte die Stadt sich erfolgreich verteidigen, doch dann waren Armbrust und Steinkugelschleudern der Gegner doch erfolgreich. 

Gelernt haben die Bensheimer daraus und sorgten beim Wiederaufbau für starke Befestigungsanlagen. Einen Teil der Stadtmauer kann man heute noch sehen.

 

Bezahlt machte sich das schon bald in der "Bairischen Fehde" von 1504. Landgraf Wilhelm II. war auch nach 11tägiger Belagerung nicht in der Lage die Stadt einzunehmen.

 

Kennt ihr die Fraa vun Bensem (die Frau von Bensheim – für alle Nichthessen). Die hat im Dreißigjährigen Krieg die Bayern heimlich in die Stadt geschleust, damit diese wiederum die schwedischen und französischen Belagerer vertreiben konnten. Hat auch geklappt und der guten Frau ein Denkmal eingebracht.

 

Doch damit genug Geschichte,

Nicht weit entfernt treffen wir auf den Dalberger Hof mit seinem Turm und den schmiedeeisernen Fenstergittern. Hier wohnt schon lange keine Adelsfamilie mehr. Bereits 1866 ging er in den Besitz der Stadt Bensheim über. Tja, Adel muss man sich halt leisten können. 

 

Mein Lieblingshof ist aber der Walderdorffer Hof im schönsten Fachwerk. Hier lässt sich sogar noch das Wappen derer von und zu Walderdorff bewundern und die roten Rosen vor schwarzem Fachwerk tun ihr übriges meine romantische Seite zu berühren.

Wir wenden uns vom Bahnhof kommend erst mal geradeaus und dann links und schon stehen wir vor einem der vielen noch erhaltenen Adelshöfen der Stadt, dem Hohenecker Hof. Mit seiner knallroten Klinkerfassade, den kleinen Türmchen und dem Balkon wirkt er fast wie ein kleines Schloss.


Wie war das doch gleich mit den Drachen? Da hätte ich zu Beginn der Tour jede Wette gewonnen bezüglich Sichtung eines Drachens. Eine Stadt an der Nibelungenstraße ohne Drachen geht ja mal gar nicht. Den ersten habe ich schon auf dem Weg zum Walderdorffer Hof entdeckt und zwar an einem Brunnen auf der Hauptstraße. Eher klein und unscheinbar kommt er daher am Nibelungenbrunnen (habt ihr ihn entdeckt?). Und auch die Helden Siegfried und Gunther mit ihren Holden geben sich ein Stelldichein.


Vorbei geht es an der Pfarrkirche St. Georg. Von der ursprünglich mittelalterlichen Basilika ist nichts mehr erhalte. Oder doch! An der Fassade befinden sich noch zwei Tierdarstellungen (Löwe und Lamm) aus jener Zeit.

Alle Nachfolgebauten haben die Zeiten nicht überlebt. Die gotische Kirche aus der Kreuzfahrerzeit soll bereits zum Ende des 18.Jhdts baufällig gewesen sein. Kannte man denn damals schon so was wie Pfusch am Bau?

1830 entstand um den alten Turm eine neue Basilika, die aber 115 Jahre später dem Krieg zum Opfer fiel. Was wir heute sehen wurde 1953 neu erbaut.

Die beiden wuchtigen Türme haben was und erinnern mich ein wenig an eine Kathedrale. Nur wo sind meine Freunde die Wasserspeier?

So eine Kirche steht ja bekanntlich wo? Richtig, in der Nähe des Marktplatzes und der hat normalerweise was im Zentrum stehen? Richtig, einen Brunnen und jetzt ratet mal, wem der hier gewidmet ist? Doch nicht etwa Siegfried dem Drachentöter? Fast – Drachentöter war schon richtig, aber es handelt sich um den Stadtpatron, den heiligen Georg.

Macht es für den armen Drachen aber nicht besser.


Verweilen wir doch einfach mal am baumbestandenen Marktplatz. Stellt man sich in die Mitte an besagten Brunnen und lässt den Blick einmal im Kreis schweifen, so entdeckt man ein Fachwerkhaus schöner als das andere und in Kombination mit roten Rosen könnte ich schon wieder in Entzücken ausbrechen.

 


Schnell bleibt der Blick an einem Dreiergespann hängen. Das war sicher auch, was die Bauherren Straub (Tüncher), Schellborn (Bandweber) und Bock (Barbier) im Sinn hatten, als sie ihre drei gleichen Häuser 1682 erbauten. War wohl so eine Art Reihenhaus im Mittelalter. 

Über die Mittelbrücke gelangen wir in die Vorstadt. Einst führte hier eine schmucke Holzbrücke über die Lauter, doch ein Unwetter mit heftigen Regenfällen und Überschwemmungen spülte die Brücke davon. Kritisch muss es damals geworden sein für das Ehepaar Ernsperger, denn man legt ja nur ein Gelübde ab, wenn es einem an der Kragen gehen soll. Aus diesem Grund schmücken heute zwei Heiligenfiguren die steinerne Nachfolgerin.


Wir biegen ab in die Hauptstraße und auch hier steht ein Fachwerkhaus neben dem nächsten.

Auffällig viele Häuser tragen hier mehrere Jahreszahlen und Inschriften. Ob die wohl von anderen Häusern stammen, die nicht mehr existieren? Oder warum sonst gibt es an diesem Haus so viele?

Fast noch schöner finde ich aber die alten Schilder und jenes mit dem Elefanten ist besonders kreativ. Ich frag mich nur, wie der Kohlenhändler ausgerechnet auf Indien kommt.

Langsam sind wir am Ende unseres Rundgangs angekommen. Am Ende der Fußgängerzone treffen wir auf das Marienhaus. 1597 erbaut, hat es auch schon so einiges gesehen. Zweimal war es Gasthaus ("Zum schwarzen Bären“ und "Zur goldenen Rose“) und dazwischen Kellerei. Passt ja aber irgendwie. 1862 erwarb es ein jüdischer Kaufmann. Ob der wohl einen Laden hatte? Und ob er wohl im "Dritten Reich“ untertauchen musste? Jedenfalls wurde es als Marienhaus zu jener Zeit dem Hospital angeschlossen. 

Ganz ehrlich, mir gefällt das Häuschen daneben fast noch besser.


Natürlich gibt es auf dem Platz auch einen Hospitalbrunnen. Ursprünglich stand er an anderer Stelle und auch die rankenden Reben und Trauben erhielt er erst viel später. Verstehe nur nicht, warum der Name Weinbrunnen sich nicht durchsetzten konnte. Vielleicht hätte man nur mal bei einem der vielen Weinfeste den köstlichen Rebensaft hier sprudeln lassen sollen. Ich bin mir sicher, das hätte geholfen.

 

 

 

 

Der Rinnentorturm ist unser letzter Stopp an diesem Tag. Er war Teil einer Wehranlage und durch das Tor passierten nicht etwa Händler, sondern floss die Lauter. Kann nicht sein? War aber so. Die Lauter wurde ein Stückchen nach Norden verlegt und fließt jetzt um den Turm herum.

 

 

 

Nächster Stopp an der Nibelungenstraße ist Lautertal mit der Siegfried-Quelle im Felsenmeer.

  

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