Rheinmetropolen (2)

Nachdem ich die erste Nacht traumlos, aber gut in meiner Kabine geschlafen habe, bin ich bereit für Rheinmetropole Nummer zwei.

Street-Art in Antwerpen

04.11.2018

16°C
16°C
8.5 km
8.5 km

Unser Kapitän gibt ordentlich Gas und so erreichen wir bereits um 11:00 Uhr den Hafen von Antwerpen. Der ist mit seiner Fläche von 130.57 km² dann doch weitaus größer als Duisburg.

 

Da ist es dann auch kein Wunder, dass wir eine gute Stunden bis zu unserem Ankerplatz benötigen. Von Niedrigwasser ist hier nicht viel zu bemerken. Reger Verkehr herrscht im Hafen und viele Hafenbecken sind belegt. 


Da sollen wir durch? Und dann noch rückwärts? Da wird es am Ende noch mal richtig eng. Unser Kapitän parkt aber souverän rückwärts ein. Der macht das sicher auch nicht zum ersten mal.

 

Kurz nach 12:00 Uhr liegt die BRAVA dann fest vertäut im Stadtteil Eilandje. Perfekt, so bleibt mir mehr Zeit die Stadt zu erkunden.

Schon von weitem erkennt man das Hafenhaus an seinem modernen Überbau, der an einen Diamanten erinnern soll. Wir sind ja schließlich auch in der Stadt der Diamanten. Hier hat die Hafengesellschaft ihren Sitz und hier ist die Einfahrt zu unserem Liegeplatz. 

 


Da ich schon in Antwerpen war, will ich heute mal eine ganz andere Tour machen. Belgien ist ja das Land der Comics. In Brüssel war ich schon mal auf der Suche nach den Comics in der Stadt. Doch auch in Antwerpen gibt es Street Art in dieser Richtung. Dem Internet sei dank, weiß ich auch, wo die zu finden sind. Allerdings ist die Karte wohl nicht mehr ganz aktuell, denn ich habe noch viel mehr Kunst in den Seitenstraßen gefunden. 

Für alle, die wie ich mehr die bekannten belgischen Comic-Helden, wie die Schlümpfe, Lucky Luke oder Tim und Struppi kennen, hier ein Auszug der Antwerpener Comic-Szene (mit Straßenangabe, falls sie jemand suchen möchte:

 

"Cordelia" von Ilah in Der Keizerstraat

"Kiekeboe“ von Merho in der Paradijsstraat

"Jommeke“ von Jef Nys in Frans Halsplein

"Suske und Wiske“ von Willy Vandersteen in Korte Riddersstraat

Kleurrijke stoet” von Brecht Evens in De Oever

Passage” von Jan Van Der Veken in Eiermarkt

Conscience” von Jan Bosschaert in der Wolstraat

In der Eiken Straat finde ich diese beiden Vogelmenschen

und die, in schwarz-weiß gehaltenen Herren finden sich in der Gramage Straat und 

Korte Nieuwstraat

Nach vier Stunden tun mir dann aber die Füße weh. Leider sind die Kunstwerke doch recht weit über die Stadt verstreut. Außerdem wird es um 17:00 Uhr bereits dunkel und dann ist Ende mit Fotos. Also mache ich mich auf den Weg zurück zum Hafenbecken.

 

Dort steht das Maas-Museum. Ein großer roter Bau, der gestapelte Container darstellen soll. Auf neun Stockwerken kann man Ausstellungen über Machtausübung und Welthäfen, Menschen und Götter und einiges mehr erforschen. Interessiert mich jetzt nicht so und außerdem schließt das Museum in einer halben Stunde. Länger geöffnet ist die Aussichtsplattform im 10. Stock und dort hinauf bringen mich 10 Rolltreppen. Der Blick über die Stadt ist fantastisch, doch wie immer bei mir, geht die Sonne auf der falschen Seite unter. Und auch unsere BRAVA versteckt sich hinter ein paar Hochhäusern.

Wieder unten am Hafenbecken, bekomme ich dann aber doch noch meinen Sonnenuntergang für den heutigen Tag.

Zurück an Bord stärke ich mich am Buffet und verziehe mich dann nach einem leckeren Cocktail auf meine Kabine. Die "Hits aus den 70igern“ reißen mich jetzt nicht so vom Hocker. Da ist mein Buch spannender. 



Pralinen und Paläste

05.11.2018

15°C
15°C
6 km
6 km

Den Vormittag liegt das Schiff noch im Hafen.

Heute ist dann die Stadt dran. Ich mache mich wieder zu Fuß auf den Weg, obwohl das schon ein Eck ist (ca 1.5 km bis Groote Markt). Alternativ könnte ich auch die Tram Nummer 7 nehmen. Die hält hier Nähe Anleger und fährt bis ins Zentrum. Ich möchte aber an der Schelde entlang.

  

 

Zuerst geht es vorbei an den Hafenbecken von Eilandje. Da liegt so manche nette Jacht, aber auch alte Segler. 


Daneben gibt es noch die eine oder andere nette Figur zu entdecken.

Folgt man dann der Hauptstraße entlang der Schelde, entdeckt man alte Handelshäuser,

die ehemalige Fleischhalle, wo Metzger ihre Messer wetzten, das prachtvolle Lotsengebäude mit dem schlanken Türmchen

und Lagerhallen mit kunstvoll geschmiedeten Gittern.

Hier ist und war aber auch das Rotlichtviertel und noch heute gibt es drei Gassen, wo die Damen in den Schaufenstern sitzen. Dieser Anblick mag so manchen Mann entzücken, mir gefällt die Aussicht von einer der Aussichtsplattformen dann doch besser und so genieße ich gemeinsam mit der Göttin Minerva den Blick über die Schelde. Die war nicht nur Schutzgöttin der Dichter und Lehrer, sondern auch Göttin der Weisheit, der Kunst, der taktischen Kriegsführung und des Schiffsbaus. Ganz schönes Multitalent.

Wo wir schon bei Göttern sind: als nächstes geht es tief in die Unterwelt der Stadt. Naja, Unterwelt ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber wie in Hamburg, gibt es auch hier einen alten Tunnel unter der Schelde.

 

Bereits 1874 war der Stadt klar, dass man eine Verbindung zum anderen Ufer brauchte. Brücke hätte sich angeboten, doch wir erinnern uns: Antwerpen ist ein bedeutender Seehafen. Da hätte so eine Brücke den Schiffsverkehr doch sehr behindert. Als Alternative kam dann nur ein Tunnel in Frage uns so wurde 1933 der Sint-Annatunnel eröffnet.

 

 

Eine wunderschöne alte Holzrolltreppe führt hinab. Das war es dann aber auch schon mit schön. Der Tunnel selber ist sehr nüchtern, da gefällt mir der alte Elbtunnel tausendmal besser. Hamburg halt. 

Wieder an der Oberfläche geht es zu Fuß auf die andere Seite der Stadt zum Hauptbahnhof. Der ist weit über die Grenzen der Stadt bekannt und wirklich wunderschön. 

1835 hielt der erste Zug in Antwerpen. Damals noch außerhalb der Stadtmauer. 19 Jahre später entstand neben dem Zooeingang der neue Ostbahnhof. Damals noch ganz aus Holz. Leopold II. hat Antwerpen seinen jetzigen prachtvollen Bahnhof zu verdanken. Der meinte nämlich, die Stadt hätte was besseres verdient und so stehe ich heute in einer monumentalen Bahnhofshalle, an die sich die Bahnsteighalle mit Glasdach anschließt. Kein Wunder, dass er von den Einwohnern auch Eisenbahnkathedrale genannt wird. Übrigens wurde er 2009 zum viert schönsten der Welt gekürt. Da kann man schon stolz drauf sein. 

Laufen und staunen macht hungrig und so zieht mich der Geruch von frisch gebackenen Waffeln magisch an.

Die sind einfach ein Muss, wenn man in Belgien ist. Das einzige (Luxus)problem vor dem ich jetzt stehe: was soll auf die Waffel? Weiße Schokolade oder doch lieber Karamell? Am Schluss machen Erdbeeren mit Sahne das Rennen.

Gestärkt geht es entlang von De Keyserlei und Meir. Hier steht ein Prachtbau neben dem anderen. 

Geld müssen die hier ja ohne Ende gehabt haben.

Alle aufwendig verziert mit Giebeln und Türmchen

und Figuren in Erkern und auf den Dächern. Da könnte Mary Poppins doch mal mit den Kindern entlang spazieren. Wäre bestimmt lustig, wenn die alle lebendig würden.

 

Hinter einem der Eingänge versteckt sich der alte Stadtsaal. Heute ein Einkaufszentrum, aber man kann noch immer die Pracht früherer Zeiten bestaunen. Auch wenn es nicht mehr original ist, bewundere ich die Glaskuppel und das Treppenhaus. Eine alte Dame spricht mich an und erzählt mir, dass zu ihrer Schulzeit hier die Abschlussbälle und Zeugnisübergaben stattfanden. Wow, da kann die gute alte Aula meiner Schule nicht mithalten. Ein Feuer hat 2000 die einstige Pracht leider zerstört, aber auch in der Rekonstruktion kann ich mir gut die rauschenden Feste vorstellen. Nur die Reklame stört ein wenig.

 

Ich muss gar nicht weit laufen, da stehe ich schon vor dem nächsten Palast, dem Paleis op de Meir. Ein wohlhabender Kaufmann gab in einst in Auftrag, doch er wechselte des Öfteren den Besitzer. Napoleon lebte hier, aber auch Wilhelm I der Niederlande und das belgische Königshaus. Hätte ich jetzt mehr Zeit, würde ich eine Tour durch die Prachträume machen. So werfe ich nur einen Blick in die Schokoladenmanufaktur. Den Frosch haben mir aber schon zu viele Damen geküsst (und Drachen angeknabbert), da verzichte ich doch dankend.

Am Ende der Einkaufsmeile komme ich auf den Groenplaats.

Von hier hat man einen schönen Blick auf

die Kathedrale mit ihrem filigranen Kirchturm.

Die will ich mir jetzt ein wenig genauer anschauen. Mit 123 Metern Höhe war sie bei ihrer

Fertigstellung 1521 das größte gotische Bauwerk der Niederlande.

169 Jahre hat man an ihr gebaut. Ganz schön lang. Ob denen wohl zwischendrin mal das Geld ausging? 

6 Euro Eintritt sind mir dann aber zu viel für eine Kirche und so zünde ich nur eine Kerze an und gehe wieder.


Vor der Kirche ein bekanntes Denkmal von Nello, dem Waisenjungen und Patrasche, dem Straßenhund. Nello lebt bei seinem Großvater. Sie sind sehr arm und leben vom Milchverkauf. Die beiden zieht es immer wieder in die Stadt und zur Kathedrale, wo Nello sich nicht satt sehen kann an den Gemälden von Rubens. Als sein Großvater stirbt, weiß er nicht wohin. Er möchte in die Kathedrale, aber die ist nur geöffnet für zahlende Gäste. In der Weihnachtsnacht sind die beiden wieder einmal dort und diesmal ist die Tür offen. Doch am nächsten Morgen findet man sie erfroren vor dem Altar. Besonders in Japan und Korea ist diese Weihnachtsgeschichte ein Kinderbuchklassiker. 1985 kam dann auch das Belgische Touristenbüro auf den Trichter, dass sich die Geschichte vermarkten lässt und so findet sich heute, sehr zum Entzücken der Asiaten, diese Statue vor der Kathedrale. Und ich habe wieder etwas gelernt.

 

Rund um den Kirchenbau liegt die historische Altstadt mir ihren vielen Lokalen und engen Gässchen. 

Manche Gassen sind so versteckt, dass man schon wissen muss, wo sie sind.

So auch der geheime Vlaeykensgang. Hat man den Zugang in der Oude Koornmarkt 16 erst mal entdeckt, findet man sich in längst vergangene Zeiten versetzt. Früher lebten hier die Ärmsten der Stadt, heute gehen die Reichen im exklusiven Restaurant essen. Welch ein Wandel.

 

 

 

 

 

Man beachte übrigens das Schlüsselloch mit der genialen Schlüsselführung. Da kannst du noch so besoffen nach Hause kommen, du findest das Schlüsselloch. 

Doch es gibt nicht nur versteckte Gänge. Auf meinem Bummel durch die Stadt habe ich auf einem versteckten Platz eine wunderschöne Kirche gefunden.

Was darf in einer belgischen Stadt nicht fehlen? Der Grote Markt natürlich. 1220 bekam ihn die Stadt von Herzog Heinrich I geschenkt. Er lag außerhalb des Wohnkerns und die Menschen sollten hier zusammenkommen. Jahrmärkte fanden hier statt und englische Kaufleute machten Geschäfte mit Händlern aus ganz Europa.

Schade dass das Rathaus zur Zeit renoviert wird, aber auch die vielen Häuser mit ihren goldenen Statuen auf den Dächern, sind einen Besuch wert. Und wer oder was da nicht alles auf den Dächern steht.

Es ist erstaunlich wenig los an einem Montag Mittag. Scheinbar ist die Reisesaison der Asiaten für Europa bereits vorbei.

Gut so, so habe ich wenigstens mal die Chance den Brabobrunnen ohne asiatische Selfikünstler zu fotografieren.

Wem aber ist dieser Brunnen gewidmet? Wer ist Brabo? Ein Held? Logisch, sonst würde er ja kein Denkmal erhalten. Er war es, der dem Riesen Druon Antigon die Hand abhackt und in die Schelde wirft. Genau das hatte der Riese auch getan mit Schiffern, die den Wegzoll nicht zahlen konnten. Die Stadt Antwerpen soll daher übrigens ihren Namen haben (Hand werfen)

 

 

  

 

 

Für mich wird es jetzt auch Zeit, den Rückweg Richtung Schiff anzutreten. Schließlich soll die BRAVA nicht ohne mich davon fahren.

Pünktlich um 14:00 Uhr sind alle Mann an Bord und wir nehmen Kurs auf Amsterdam. Die Sonne scheint und für Anfang November ist es erstaunlich warm. Das muss man doch nutzen und so genieße ich die letzten Sonnenstrahlen des Tages auf dem Panoramadeck. 

Shuffleboard wäre auch noch eine Alternative, aber das überlasse ich meinen Drachen.



Zum Sonnenuntergang gibt es heute (passend zum nächsten Ziel) eine Windmühle.

Zugegeben, keine klassische, sondern nur ein modernes Windrad, aber man muss nehmen, was sich so anbietet. 

Das Schiff ist nicht komplett ausgebucht. Es gibt also genügend vernünftige Plätze im Restaurant und doch gibt es immer wieder Leute, die schon um 18:50 Uhr los stürmen, als gäbe es ab 19:15 Uhr nichts mehr zu essen. Was für mich aber gar nicht geht, ist das Vorabreservieren von Sitzplätzen mit Wasserflaschen. Aber nicht mit mir.

 

Das Abendbuffet steht zwar jeden Abend unter einem bestimmten Motto. Das ist aber ohne die Ankündigung im Bord-Journal nicht unbedingt zu erkennen. Was aber nicht heißen soll, das Buffet wäre langweilig oder schlecht. Leider kommt es aber bei weitem nicht an dasjenige meiner Rhone-Fahrt vor zwei Jahren ran. Dafür gibt es bei A-ROSA jetzt auch geschnitzte Melonen. "Artania“ lässt grüßen.



Ich bin satt und unsere BRAVA ist unterwegs zu Rheinmetropole Nummer drei

Rheinmetropolen (3) - Amsterdam