unterwegs auf dem Douro (3)


25°C
25°C

in das Herz der Weinregion

29.09.2021


30 km
30 km

Juhu, heute ist ausschlafen angesagt. Gemütlich tuckern wir durch ein paar Schleusen zurück bis Ferradosa. Nach dem Mittagessen werden wir dort anlegen und uns auf einen weiteren Ausflug begeben. Währendessen fährt die MS Magellan weiter nach Pinhão, wo wir sie am Abend hoffentlich wieder antreffen. Will nämlich nicht unbedingt unter der Brücke schlafen.

Auf dem Douro ist ja inzwischen auch wieder mehr los und so kommt uns immer mal ein Schiff entgegen. Selbst unsere MS Magellan hat zwei Schwesternschiffe, die ab und zu des nachts neben uns liegen. Allerdings sind die einiges moderner, als unser Oldie.   

Nach dem Mittagessen bin ich gestärkt für neue Abenteuer. Unser Bus wartet schon oberhalb des Anlegers auf uns. Leider bin ich zu klein, um im Bus aus dem Fenster schauen zu können, aber zum Glück darf ich ja bei Frauchen auf dem Schoß sitzen. Das lohnt sich heute unbedingt.

Langsam fährt der Bus über die Serpentinien und gewinnt stetig an Höhe. Jetzt wird mir erst bewusst, wie hoch die Berge hier sind.

Tief unter uns glitzert der Douro und da taucht auch die MS Magellan auf. 

Oberhalb der Schleuse von Valeira machen wir einen Fotostopp. Eigentlich hatten wir gehofft unsere MS Magellan in der Schleuse zu erwischen. Da wird aber gerade ein anderes Schiff nach oben befördert. Es wird also noch ein Weilchen dauern, bis die MS Magellan dran ist. So viel Zeit haben wir aber nicht und so setzten wir unseren Weg fort. 

Weiter geht es durch die Weinberge bis zu dem kleinen Örtchen São João da Pesqueira.

Eigentlich ist ja noch keine Siesta-Zeit, aber der Ort wirkt doch sehr ausgestorben. Durch schmale Gassen wandern wir zum zentralen Platz mit der kachelgeschmückten Kirche.

Der gefällt mir richtig gut. Irgendwie komme ich mir aber vor wie bei High Noon. Ok, das ist hier keine Westernstadt, aber der Platz liegt so verlassen vor uns. Fehlt nur noch der Windstoß, der ein paar Zweige oder ähnliches vor sich her weht.

Unser Guide meint, wir sollten die Zeit nutzen und uns die Katzengasse anschauen. Katzengasse? Laufen da lauter Katzen rum? Ich habe nur eine entdeckt und die war noch nicht mal echt.

Trotzdem lohnt es sich dort hin zu laufen. Es ist ein enges Gässchen, aber alle Häuser sind mit Blumen geschmückt. Früher lebten hier wohl die Juden. Interessant finde ich den Boden. Das ist kein richtiges Kopfsteinpflaster, wie ich das von den alten deutschen Städten kenne. Hier sind die Steine hochkant in den Boden gerammt. Ergibt ein tolles Muster und erinnert mich ein wenig an die Basaltsteine in Schottland

Ein Ausflug in die Weinberge wäre ja nicht perfekt ohne Weinprobe.

Unser letzter Stopp für heute ist daher an der Quinta do Tedo. Die haben wir vor ein paar Tagen bereits vom Fluss aus gesehen. Für dieses Jahr ist die Weinlese so gut wie beendet. Es hängen kaum noch Trauben an den Weinstöcken. 

Nachdem uns ausführlich erklärt wurde, wie die verschiedenen Portweinsorten entstehen, geht es endlich zur Verköstigung.

Wusstet ihr eigentlich, was das Besondere am Portwein ist? Ihm wird Brandy hinzugefügt, damit er sich besser hält. Und jetzt kommen die Engländer ins Spiel. Die behaupten nämlich, sie hätten den Portwein erfunden, indem sie den Wein aus der Douro-Region mit Brandy vermischten, damit er den Transport nach England überstünde. Das lassen die Portugiesen nicht auf sich sitzen und verweisen darauf, dass schon zu Zeiten der ersten Seefahrer der Wein mit Brandy versetzt wurde, um die Gärung zu stoppen.

Egal, wer jetzt recht hat, der Portwein ist echt lecker. Mir schmeckt ja der süße Tawny am besten. Bin halt ein Süßer. Der hat es aber ordentlich in sich und nach zwei Schluck höre ich lieber freiwillig auf, sonst benehme ich mich den Rest des Tages daneben.

Für uns wird es auch langsam Zeit zum Schiff zurückzukehren. Heute ist großes Galaessen und das will ich nicht verpassen. In der Kabine schmeiße ich mich extra in Schale und krame meine rote Krawatte heraus. Drache will ja angemessen gekleidet sein, obwohl das heutzutage wohl nicht mehr so wichtig zu sein scheint.

Am Platz muss ich gleich die Karte studieren. Wegen Corona und so gibt es ja keine Menükarten am Tisch. Beim Galaessen ist das anders, das war nämlich bisher geheim.

Ich muss schon sagen, das Essen war fantastisch, aber das war es die ganzen Tage. Ich mag es ja viel lieber, wenn drache seinen festen Tisch hat und bedient wird. Nicht wie auf anderen Schiffen, wo es nur Buffet gibt. Da fühle ich mich immer ein wenig in eine Kantine versetzt.

Allerdings frage ich mich auch, wie das hier wohl machen, wenn das Schiff voll belegt ist. Wir fahren ja zur Zeit nur mit halber Belegung. Bestimmt gibt es dann zwei Tischzeiten. 

Klischee hin oder her, zu einem Galadinner gehört eine Eisbombe und die muss mit Tara und Tamtam von den Kellnern hereingetragen werden. Ist hier heute Abend natürlich auch so.

27°C
27°C

Lamego

30.09.2021


5.9 km
5.9 km

Gestern Abend war es ja schon recht spät, als wir mit dem Bus zurückkamen, deshalb konnten wir uns den bekannten Bahnhof von Pinhão nicht mehr anschauen. Den muss ich aber unbedingt gesehen haben. Zum Glück liegt unser Schiff noch bis Mittag hier vor Anker und so mache ich mich nach dem Frühstück auf den Weg. Der führt ein Stück bergan und dann kann ich schon die Gleise sehen. Leider wird vor dem Bahnhof gerade die Straße erneuert, aber von den Bahnsteigen aus kann man die wunderschönen Kacheln betrachten.

Der Bahnhof von Pinhão gilt als der attraktivste Bahnhof in Portugal und da ist was dran. Der Bahnhof von Porto war ja schon beeindruckend, aber hier zeigen 24 große Kachelbilder Szenen aus dem Weinanbau.

Pünktlich zur Abfahrt sind wir wieder an Bord. Da muss drache unbedingt drauf achten. Die MS Magellan ist ein altes Schiff und es gibt noch echte Schlüssel für die Kabinen. Nichts mit Chipkarte und so. Deshalb wird vor Abfahrt auch nicht kontrolliert, ob alle an Bord sind. Wie auch? Ok, man könnte Landgangskarten ausgeben, wie das bei der Konkurrenz der Fall ist. Die müsste man dann aber immer wieder desinfizieren, was auch ziemlich lästig ist. Wahrscheinlich hat man hier noch keinen Passagier verloren und glaubt daran, dass ein erwachsener Mensch sehr wohl in der Lage ist, pünktlich an Bord zu sein. Ist ja nun auch nicht so schwer, oder?

Um 12:00 Uhr erklingt die Auslaufmelodie. Wir verlassen  Pinhão und nehmen Kurs auf Régua. Dort waren wir auf der Hinfahrt auch schon.

Ein letzter Ausflug steht noch auf dem Programm, den wir natürlich mitmachen. Der Douro ist landschaftlich wunderschön, aber die Orte, in denen wir anlegen locken nun wirklich keinen Drachen hinter dem Ofen hervor. Das war in den kleinen Örtchen entlang der Rhone schöner. Aber egal, wir werden uns jetzt noch Lamego anschauen. 

Die MS Magellan legt direkt auf Höhe unseres Busses an, sodass es sofort los gehen kann.

Auch in Lamego thront hoch über der Stadt eine Wallfahrtskapelle mit dem eindrucksvollen Namen Santuário de Nossa Senhora dos Remédios. 

Frauchen sagt, ich müsse jetzt ganz still sein, wenn wir ins Innere der Kapelle gehen. Da findet nämlich gerade die Beichte statt. Ui, da mach ich mich mal lieber ganz klein und bin mäuschenstill. So ganz rein ist meine Drachenseele dann doch nicht. Die Kapelle ist mit blauen Kacheln geschmückt. Das ist doch mal was anderes.

Natürlich will Frauchen die barocke Treppe wieder zu Fuß hinab gehen. Hier schauen jetzt nicht so viele Heilige auf mich herab. Dafür gibt es auf vielen Stufen wunderschöne Kachelbilder. Alle 526 Stufen können wir sowieso nicht hinab schreiten. Wegen Bauarbeiten ist der untere Abschnitt gesperrt. Unser Bus findet aber trotzdem einen Platz, um uns wieder aufzunehmen.

Lange dauert die Fahrt nicht. Lamego ist auch bekannt für seinen Schaumwein. Den dürfen wir jetzt probieren. Ui, der ist lecker, aber ob das mitten am Tag so eine gute Idee ist. Zum Glück gibt es auch ein Tellerchen von diesem leckeren Schinken.

Auch Lamego hat eine Kathedrale. Wundert mich jetzt nicht wirklich. Wir sind ja im katholischen Portugal.

Was mich aber erstaunt, dass es am Portal dieser Kathedrale auch nackte Figuren gibt. Ähnlich wie an manchen Tempeln in Indien. Da geht es allerdings mehr zu Sache. Hier wurden viele Figuren zerstört. Sind halt doch eher prüde, die Portugiesen.

Im Inneren gibt es schöne Altäre. Mich zieht es aber in den Kreuzgang. Die mag ich ja besonders. Hier gibt es eine Kapelle vom heiligen Nikolaus, die mit blauen Kacheln ausgekleidet ist. Der hat aber in Portugal nicht die Bedeutung, wie bei uns in Deutschland. Den kennt hier kein Kind, denn er ist in Portugal am

06. Dezember nicht unterwegs. Wie auch. Der hat bei uns in Deutschland bestimmt genug zu tun.

Nach der Besichtigung der Kathedrale bleibt noch ein wenig Zeit, um zu bummeln. Danach geht es mit dem Bus zurück zum Anleger. Kaum an Bord erklingt schon die Auslaufmelodie und wir fahren weiter nach Caldas de Aregos, wo wir über Nacht liegen.

Frauchen geht später zum Fado-Abend, aber diese traurigen Lieder mag ich mir am Ende der Reise nicht anhören, deshalb mache ich es mir auf der Kabine gemütlich. Gibt ja eine Fernbedienung und immerhin zwei deutsche Sender. Außerdem leistet mir der Handtuchschwan ein wenig Gesellschaft, auch wenn er nicht sehr gesprächig ist.

19°C
19°C

mit dem Rabelo unterwegs

01.10.2021


5.7 km
5.7 km

Der letzte Tag unserer Reise hat leider begonnen. Schade, dass die Zeit immer so schnell vergeht.

Ein letztes mal passieren wir die Schleusen von Carrapatelo und Crestuma. Ich habe mal nachgerechnet. Insgesamt sind wir auf unserer Fahrt durch 5 Schleusen gefahren und sind dabei 131 m rauf, bzw runtergeschleust worden. Inzwischen haben wir die letzte Schleuse vor der Douromündung erreicht. Die Crestuma-Schleuse hat es am schwersten. Sie muss nicht nur die Schiffe hoch und runter schleusen, sondern auch noch gegen Ebbe und Flut kämpfen. Macht sie aber recht gut, wie ich finde.

Nach dem Mittagessen sind wir wieder in Porto angekommen und liegen an unserem Ausschiffungspier in Quebrantões.

Ich bin ganz aufgeregt, denn um 15:00 Uhr soll ein Rabelo kommen und uns rüber nach Ribeira bringen. Ein letztes mal können wir dann noch ein paar Stunden in Porto verbringen. 

Wir haben auf dieser Tour so viel gesehen, dass wir uns für heute kein großes Sightseeing-Programm mehr vorgenommen haben. 

Wir bummeln einfach nur ein wenig am Ufer entlang und bewundern ein letztes mal die tollen Häuser, die hier stehen.

Die Sonne meint es gut mit uns am letzten Tag und brennt ordentlich vom Himmel. Voll ist es auch geworden und die Touristen drängen sich in den Restaurants.

Ein Blick auf die Uhr und wir entscheiden, dass wir noch mal rüber nach Gaia können. Beim ersten Besuch haben wir vergeblich den Schrotthasen gesucht. Vielleicht haben wir ja heute mehr Glück.

Da wir uns unten am Douro-Ufer befinden, nehmen wir heute die untere Fahrbahn über die Brücke. Auch von hier ist der Blick auf Ribeira noch toll.

Ich hoffe nur, dass Frauchen mich gut festhält. Fehlt ja noch, dass ich am letzten Tag in den Douro stürze.

Auf der anderen Seite suchen wir verzweifelt nach diesem Hasen. Der ist eigentlich riesig und dürfte kaum zu übersehen sein.

Allerdings versteckt er sich in einer der Seitenstraßen. Aber nicht gut genug für den Spürsinn eines Drachen.

Der Hase ist aus Müll und Metall gemacht, welches man in der ganzen Stadt zusammengesucht hat. Ganz schön beeindruckend finde ich.

Da uns die Suche etwas Zeit gekostet hat, müssen wir jetzt schnell zurück auf die andere Seite, wo unser Rabelo für die Rückfahrt sicher schon wartet.

18°C
18°C

Heimreise

02.10.2021


1666 km
1666 km

Am nächsten Morgen weckt mich der Regen. Das ist mir aber egal, denn es geht heute leider schon wieder nach Hause.

Der Bus bringt uns pünktlich zum Flughafen, aber unser Flieger kommt verspätete rein.

Zum Glück werden wir zu einer Zeit landen, wo es alle halbe Stunde einen Zug nach Hause gibt. 

Dachten wir zumindest. Gelandet sind wir pünktlich, aber die Situation mit dem Gepäck hat sich noch nicht gebessert.

So lange hat Frauchen noch nie auf ihren Koffer warten müssen. Nach 90 Minuten wollen wir ihn schon als verloren melden, da kommt er endlich.

Den Zeitraum mit den halbstündlichen Zügen haben wir dadurch natürlich verpasst. Zum Glück hat die DB mal wieder 10 Minuten Verspätung, sonst hätten wir eine Stunde auf den nächsten Zug warten müssen. Ich glaube, dann wäre Frauchen ausgeflippt.  


Die zehn Tage auf dem Douro waren wunderschön. Da unsere MS Magellan tagsüber fuhr, haben wir viel von der Landschaft und den Schleusen mitbekommen. Es war unser erstes Mal mit Phoenix-Reisen, aber wir werden wieder mit ihnen fahren, da sie uns komplett überzeugt haben und das, obwohl die MS Magellan nicht unbedingt das neuste und modernste Schiff der Flotte ist. Die freundliche Mannschaft und das leckere Essen haben das aber wieder wett gemacht.


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