goldene Pagoden - der Süden (2)

29°C
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der Berg rockt

15.11.2019


146 km
146 km

Für uns geht es heute wieder ein Stück Richtung Yangon. Unser Ziel ist der bekannte goldene Felsen, 1100 m hoch in den Bergen.

Zuerst führt uns die Fahrt aber in unser Hotel am Fuß des Berges. Wäre schon toll gewesen, wenn man oben am Berg hätte übernachten können, aber die beiden Ausländerhotels dort lassen sich die Lage kräftig bezahlen.

Kurz bevor wir unser Hotel erreichen, machen wir noch einen kurzen Abstecher zum sitzenden Gotama Buddha. Der ist der größte sitzende Buddha der Welt und noch gar nicht so alt. Heute kommt er etwas verschnupft daher mit einem riesigen grünen Mundschutz. Deshalb ersparen wir uns auch den Aufstieg und begeben uns zum Mittagessen ins Hotel.

Truckstation am Basislager

Nach einer kurzen Rast kann das Abenteuer goldener Felsen beginnen. Erstmal ganz harmlos mit unserem eigenen Bus in 20 Minuten zum Basislager.

Als echte Pilger würden wir von hier den schweißtreibenden Aufstieg beginnen und wären dann nach 12 km und 1100 Höhenmetern auf dem Gipfel. Fragt sich nur nach wie vielen Stunden.

Als Tourist nehmen wir dann doch lieber einen der 200 Kleinlaster. Die fahren von 6:00 Uhr bis 18:00 Uhr unermüdlich bergauf und bergab.

Doch erst mal müssen wir irgendwie auf die Ladefläche mit den schmalen Sitzbänken kommen. Dazu gibt es Rampen und ich komme mir ein wenig vor, wie beim Elefantenritt in Indien. 2000 MMK kostet eine Fahrt und pro Bank heißt das sechs Pilger. Touristengruppen zahlen meistens 12 000 MMK für eine Bank und besetzten sie dann nur mit vier oder fünf Personen. Viel bequemer wird es aber dadurch auch nicht.

Früher ging die rasante Fahrt über steile Serpentinenstraßen nur bis zur heutigen Mittelstation in Yet Thet. Von dort war es dann noch ein einstündiger Fußmarsch. Seit 2015 ist auch das letzte Stück Straße bis oben fertiggestellt und seit letztem Jahr kann man sogar mit Myanmars einziger Gondel nach oben schweben. Die kostet dann aber nochmal extra 10 000 MMK.

Kofferträger am Golden Rock

Am Parkplatz warten schon die Sänften- und Kofferträger auf Kundschaft. Das letzte Stück schaffen wir aber auch gut auf eigenen Füßen. Der Weg zum Checkpoint für Ausländer ist zugebaut mit Souvenierläden, Restaurants und einfachen Unterkünften für die Pilger. Auch viele Händler verkaufen ihre Snacks.

 


Für uns heißt es Eintritt von 10 000 MMK zahlen, sonst ist unsere Pilgerreise hier zu Ende.

 

Da es sich um ein Heiligtum handelt, müssen natürlich auch die Schuhe wieder aus, aber das sind wir ja schon gewohnt. Übrigens handelt es sich nicht einfach nur um ein Heiligtum, sondern der goldene Felsen gehört neben der Shwedagon Pagode in Yangon und der Mahamuni Statue in Mandalay zu den heiligsten buddhistischen Stätten im Land. Bevor wir aber überhaupt die Chance haben, einen Blick auf das Heiligtum zu werfen, müssen wir an weiteren unzähligen Läden und Hotels vorbei.

Doch dann taucht der Felsen in der Ferne auf. Vor den gewaltigen Bergketten wirkt er richtig klein.

der goldene Felsen
Golden Rock

Sein Name Kyaikhtiyo bedeutet " Pagode, die auf dem Kopf eines Einsiedlers getragen wird“ und leitet sich aus der Sprache der Mon ab. Nun gut, eine Minipagode steht oben auf dem Felsen, aber wie kam es zu dem Namen?

 

 

Die Legende besagt, dass einst ein alter Einsiedler auf der Suche nach einem Felsen in Kopfform war. Darauf wollte er eine Pagode errichten, in der er ein Haar Buddhas unterbringen wollte. Das trug er nämlich in seinem Haarknoten versteckt. Frag mich nur, wie er das dort jemals hätte wiederfinden können. Nun denn, der Einsiedler traf auf König Tissa, der übernatürliche Kräfte hatte, ihm den entsprechenden Stein vom Meeresgrund holte und auf den Berg brachte. Alles ganz easy.

 

goldener Felsen

Doch dann wäre er schon längst nicht mehr am Platz, denn so viele Pilger gehen bis zu seinem Fuß und bekleben ihn mit Goldplättchen. Hätte ich auch gerne getan, aber als Frau darfst du da nicht hin.

So bleibt mir nur, ihn von allen Seiten zu bestaunen. Inzwischen gibt es auch einen Weg unter dem Felsen entlang.

Angeblich wird der Felsen nur von diesem einen Haar Buddhas im Gleichgewicht gehalten. Glaube ich jetzt zwar nicht, aber es ist schon erstaunlich, dass er bisher jeden Sturm und jedes Erdbeben überlebt hat. So wie es aussieht, könnte man meinen, ein kleiner Stoß würde genügen, um den 620 Tonnen schweren Koloss ins Rollen zu bringen.

Golden Rock

 

 

 

 

 

Viel spannender finde ich aber das Treiben drum herum. Überall werden Kerzen und Räucherstäbchen entzündet, Mönche meditieren oder lassen sich mit den vielen Touristen fotografieren. Ich glaube ja jeder, egal ob Liebespaar, Großfamilie, Schulklasse oder Tourist will ein Selfie mit diesem güldenen Brocken. Wie oft der wohl täglich auf Instagram gepostet wird?    

Hätten wir mehr Zeit oder das Glück hier oben übernachten zu dürfen, hätten wir den Sonnenuntergang abwarten können. Wenn ich mir allerdings die Wolkenformationen so betrachte, glaube ich nicht, dass das heute was werden würde und so bin ich nicht wirklich böse, dass wir uns um 17:00 Uhr treffen. Manche Gruppenmitglieder nehmen es mit der Pünktlichkeit nicht so genau, aber wir sind trotzdem rechtzeitig an der Verladestation um einen der letzten Trucks zu erwischen.

 

Hoch war ja schon grenzwertig, aber die 40minütige Talfahrt hat es in sich. Erstens ist die Straße teilweise so steil, dass man auf der schmalen Bank ständig nach vorne rutscht und zweitens ist sie kein bisschen beleuchtet. Die Fahrer haben echt tiefstes Vertrauen in Buddha (oder wen auch immer), denn trotz Dunkelheit geht es mit einem Affenzahn bergab. Ich hoffe nur, dass mein Schutzengel nicht gerade Pause macht und bin echt froh, als wir endlich unten ankommen. Da wartet dann schon unser Bus, der uns in anständigem Tempo zurück ins Hotel bringt.

28°C
28°C

mehr güldene Pagoden

16.11.2019


205 km
205 km

an der Strasse nach Yangon

Es geht für eine Nacht zurück nach Yangon.

 

Wir sind noch nicht weit gekommen, als ein paar Stände am Wegesrand unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Nun sind Verkaufsstände an der Straße in diesem Land nichts wirklich besonderes, aber Mr Han hat entdeckt, was hier verkauft wird und das müssen wir jetzt doch mal unter die Lupe nehmen. Wie wäre es denn mit einem kleinen Snack für unterwegs? Heute im Angebot: Ratte, Frosch oder Heuschrecke. Ich bleib dann doch lieber bei meinen Erdnüssen.

das Wahrzeichen von Bago

Auf dem weiteren Weg liegt Bago, die alte Hauptstadt der Mon. Glaubt man der Legende, war hier einst nur eine winzige Insel. So winzig, dass ein Wildganspärchen nicht gemeinsam landen konnte. Das Weibchen nahm daher einfach auf dem Rücken seines Partners Platz. Zwei Mon Fürsten fanden das so erstaunlich, dass sie darin ein Zeichen sahen und genau hier im Jahre 573 eine Siedlung gründeten. Lange war sie ein wichtiges Zentrum der Mon, doch damit war 1057 Schluss, als Bagans König Anawrahta die Stadt eroberte. Geblieben sind nur eine Vielzahl von Tempeln.

 

 

 

Die wollen wir aber nicht alle anschauen, sondern beschränken uns auf drei. Touristen müssen für Bago eine Archeological-Zone-Fee von 10 000 MMK zahlen, mit der aber alle drei Heiligtümer abgedeckt sind.

Wir starten mit der Shwemawdaw Pagode. Die ist mit 114 m sogar höher als die Shwedagon Pagode in Yangon, aber nicht so eindrucksvoll. Unser Bus spuckt uns am Osteingang aus, wo man auf einem Markt Devotionalien, aber auch Speisen kaufen kann.

 

 

Im Aufgang sitzen Frauen mit großen Vogelkäfigen. Es soll Glück bringen, wenn man einem Tier die Freiheit schenkt. Sehe ich im Prinzip auch so, aber ich fürchte, dass die kleinen Kerlchen hinter der nächsten Ecke schon wieder eingefangen werden. Ob das mit dem Glück dann wohl auch gilt?

 

 

 

Myanmar liegt bekanntlich in einem Erdbebengebiet und so verwundert es auch nicht, dass bereits drei Erdbeben diese Pagode zerstört haben. Hat ihr aber nicht geschadet. Im Gegenteil. Jedes Mal wurde sie noch prachtvoller wiederaufgebaut. Schön ist sie schon, aber bereits nach einer Woche lässt meine Begeisterung für güldene Pagoden merklich nach. Leider ähneln sie sich doch sehr. Frei nach dem Motto: kennst du eine, kennst du alle.

Shwemawdaw Pagode in Bago

Und auch die Bilder von Glocken und Wochentagsschreinen unterscheiden sich kaum von denen der anderen Pagoden. Würden man sie ausdrucken und mischen, ich könnte sie nicht den einzelnen Pagoden zuordnen.

Mönche in der Shwemawdaw Pagode in Bago
Buddha in der Shwemawdaw Pagode

 

 

Ähnlich ergeht es mir inzwischen auch mit den Buddhastatuen. Selbst die sind austauschbar.

 

 

 

 


Weiter geht es zur Shwethalyaung Pagode und einer weiteren Legende. Vor langer, langer Zeit beauftragte König Migadeikpa seinen Sohn im Wald etwas zu jagen. Dort traf der Jüngling auf eine hübsche Mon Dame und wie das in Legenden so ist, verliebte er sich in sie. Nun war sie aber eine Anhängerin Buddhas, was den Hofbeamten wohl so gar nicht gefiel. Sie sorgten dafür, dass der König sie den heidnischen Göttern opfern wollte. Hat aber nicht funktioniert, denn der Prinzessin gelang es nur durch ein Gebet die Statue eines grausamen Gottes zu zerstören. Ui, da hatte der König aber plötzlich Angst und wurde ganz schnell selbst ein Anhänger Buddhas. Überall ließ er Statuen aufstellen und die Pagode mit dem liegenden Buddha errichten.

liegender Buddha in der Shwethalyaung Pagode

Irgendwann im Laufe der Jahrhunderte geriet dieser Buddha in Vergessenheit und wurde erst 1881 beim Bau der Eisenbahn wiederentdeckt. Heute gilt er mit seinen stolzen 50 m Länge und 16 m Höhe als der schönste im ganzen Land.    

Zugegeben, schöne Füße hat er.


Am Eingang zum liegenden Buddha haben sich ein paar Marktfrauen niedergelassen. Was die da verkaufen erregt jetzt doch mein Interesse. Sieht aus wie getrocknete Fische und zwar in allen möglichen Formen. Das finde ich weit spannender. Da kann der Buddha noch so tolle Fußsohlen haben.

Als hätten wir nicht schon genug Buddhas gesehen, setzten wir heute noch einen (äh vier) drauf. Auf dem Weg aus der Stadt sieht man sie Rücken an Rücken sitzen. Gautama, der historische Buddha, blickt nach Norden, seine Nachfolger Konagamana, Kakusandha und Kassapa in die anderen Himmelsrichtungen. Schön zurecht gemacht sind sie, mit roten Lippen und glitzernden Fingernägeln. Auf wen sie wohl warten?

vier Buddhas von Bago

Drumherum die üblichen Schreine und Glocken. Doch was ist das. Einen pinken Löwen habe ich bisher in diesem doch sehr goldlastigen Land noch nie gesehen. Ist da dem Baumeister die Farbe ausgegangen oder hat es einen anderen Grund?

Fähre nach Dala

Da die Mehrheit sich heute für eine frühe Abfahrt ausgesprochen hat, sind wir schon um 14:00 Uhr in Yangon. Da ich das wusste, habe ich gestern Maximilian noch mal per Facebook kontaktiert und ihn gefragt, ob er zufällig den Nachmittag frei hat. Er hat und so starten wir um 15:00 Uhr und fahren mit dem Taxi zum Hafen.

 

Hier wartet schon die Fähre, die uns auf die andere Seite des Flusses bringen soll. Ganz schön voll wird es um diese Zeit. Der Kontrolleur pfeift sich die Seele aus dem Leib zum Zeichen, dass das Boot ablegen will und noch immer strömen Menschen. Ich habe das Gefühl, je lauter er pfeift, umso mehr Menschen tauchen auf. Schließlich legt das Boot aber doch ab. Kommt ja bald das nächste. 46 mal pendelt es von morgens 6:00 Uhr bis abends 21:00 Uhr hin und her.

Auf dem Strom ist ordentlich was los.

Blick auf Yangon

Große Containerschiffe und kleinere Lastenkähne ziehen vorbei und zwischendrin werfen Fischer seelenruhig ihre Netze aus. Wenn ich mir das Wasser so betrachte, möchte ich die Fische lieber nicht essen. Es hat die Farbe von indischem Chai Tee oder Milchkaffee.

Auf der anderen Seite warten schon zwei Rikschafahrer auf uns. Die hat Maximilian bereits per Anruf bestellt. Es ist echt klasse, wie der Junge mit seinen gerade mal 28 Jahren alles organisiert.

 

Einmal aufsteigen bitte. Klingt leichter gesagt, als getan, aber nachdem Thein, mein Fahrer mir den Trick verraten hat, bin ich ratzfatz oben und wieder unten. Üben kann ich genug, denn auf unserer Tour durch die Dörfer heißt es öfter mal absteigen.

Pagode in Dala

 

 

Erster Stopp, wer hätte es gedacht, eine Pagode. Natürlich nicht so prunkvoll wie in Yangon, aber auch hier liegt in einem gläsernen Sarg ein Mönch.

 

 

 


Weiter geht es durch das Viertel der Fischer zu einem weiteren Tempel. Hier sitzen Hanuman, der Affengott und Shiva. Endlich mal kein Buddha.

Schade, dass wir so wenig Zeit haben, denn es ist interessant das Dorfleben zu betrachten. Obwohl dieser Teil auch zu Yangon gehört, sind es zwei total unterschiedliche Welten.

Wir kommen auf unserer Runde auch an einigen Seen vorbei und Thein erklärt mir, dass nur die mit Seerosen Trinkwasser enthalten. Das Wasser der anderen Seen wird nur zum Waschen genutzt. Es ist gerade kurz vor 17:00 Uhr, als wir an einem der Trinkwasserseen anhalten. Hier herrscht reges Treiben und mit einem Affenzahn wird Wasser geschöpft und fortgetragen. Warum die wohl so rennen? Maximilian weiß die Antwort: nur für eine Stunde ist es den Einwohnern erlaubt hier Wasser zu holen. Um 17:00 Uhr wird das Tor wieder verschlossen. Da würde ich aber auch Gas geben, um so viele Eimer wie möglich zu füllen.

Leider fängt es an zu regnen. Zum Glück nicht sehr stark, sodass ein großer Regenschirm ausreicht. Trotzdem warten wir den Regen in einem kleinen Lokal bei Tee ab.

 

Danach folgt noch ein kurzer Bummel über den Markt und dann wird es Zeit für die Rückfahrt.

Bis wir auf dem Schiff sind, ist es dunkel. Noch immer herrscht auf dem Wasser viel Verkehr. Die Fischer kehren heim und auch kleine Boote bringen Menschen von einem Ufer zum anderen. Die meisten fahren ohne Licht oder nur mit einer Funzel und sind kaum zu erkennen. Mich wundert, dass da nicht mehr passiert.

Shwedagon Pagode bei Nacht

Maximilian ist inzwischen dabei ein Taxi zu organisieren. Zum Abschluss möchte ich nochmal in die Shwedagon Pagode bei Nacht.

 

Ich bin ein wenig irritiert, als der Taxifahrer auf einen großen Parkplatz fährt. Ob Maximilian mich falsch verstanden hat? Hat er nicht. Wir sind nur zu einem der anderen Eingänge gefahren. Hier kann man bequem mit dem Fahrstuhl nach oben und es gibt eine Flasche Wasser. Clever Kerlchen, mein Guide.

 

Die Shwedagon Pagode ist bei Tag schon faszinierend, aber bei Nacht gefällt mir die Stimmung fast noch besser. Gibt es eigentlich goldener als golden? Wenn ja, dann ist sie das jetzt. Angestrahlt, wirkt der goldene Stupa nämlich wirklich irgendwie goldener.

 

Auch um diese Tageszeit herrscht hier noch reges Leben. Überall brennen Kerzen und Nonnen sitzen in Gruppen vor Schreinen und sprechen ihr Gebet. Eine Stunde dauert das und die können das auswendig. Ich bin schon froh, wenn ich unser "Vater unser“ zusammen bekomme.

Wunscherfüllungshalle in der Shwedagon

Maximilian führt mich zur Wunscherfüllungsstelle. Jeden Montag käme er hier her, erklärt er mir und bete für viele Touristen.

 

Zweimal umrunden wir den Stupa und dann wollen wir uns auf den Rückweg machen. Doch plötzlich stehen wir vor einer riesigen Schlange Menschen. Auf wenn oder was die wohl warten? Maximilian bekommt es schnell heraus. Ein sehr bekannter Mönch wird hier gleich vorbeikommen und seinen Segen verteilen. Mein Guide wird ganz hibbelig und muss sich unbedingt in die Schlange stellen. Die Freude gönne ich ihm doch gerne. Und dann gehört er auch noch zu den Auserwählten, die einen 1000 MMK-Schein erhalten. Ich glaube, so wie der sich freut, ist sein Tag gerettet.