vive la Seine (2)

Rouen, die einzige wirklich große Stadt auf dieser Tour, habe ich gestern ausführlich besichtigen können. Jetzt wird es Zeit sich auf den Weg Richtung Küste zu machen.

ein Felsen in der Brandung

18.09.2017

15°C
15°C
176 km
176 km

Mein geplanter Morgenspaziergang fällt im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Das fängt ja gut an. Lässt sich aber leider nicht ändern . Dann verbringe ich den Morgen eben relaxt bei einem Kaffee in der Lounge. Wenn dafür am Nachmittag die Sonne heraus kommt, kann ich damit leben. 

 

Gegen 13:30 Uhr verlassen wir das "Tor zum Meer", wie Rouen auch genannt wird und schicken unsere VIVA alleine auf die Reise. Ich will den Nachmittag wirklich am Meer verbringen. Da das auf eigene Faust schwierig würde, habe ich mir den Ausflug an die Alabasterküste gebucht. Ich bin mir sicher, unser fahrendes Zuhause werden wir am Abend in Caudebec-en-Caux am Anleger wieder treffen. Verfahren kann die sich ja eigentlich nicht und Eisberge gibt es meines Wissens keine auf der Seine. 


Aber was ist denn mit unserem Schiff passiert. Gestern konnten wir doch noch den Ausgang  auf dem Hauptdeck nutzen und jetzt müssen wir übers Sonnendeck. Da ich heute Morgen beim Aufstehen keine nassen Füße bekommen habe, kann sie nicht vollgelaufen sein und doch liegt sie viel tiefer.

Wie ich bereits erwähnt habe, sind wir seit der letzten Schleuse abhängig von Ebbe und Flut und das kommt dabei heraus: (zwischen den zwei Fotos liegen etwa 20 Stunden)

Es hat inzwischen aufgehört zu regnen. Ein kritischer Blick gen Himmel lässt mich hoffen und bangen. Rouen wird auch Pinkelpott der Normandie genannt, da es hier angeblich an

200 Tagen im Jahr regnet. Soll mich das jetzt beruhigen, weil wir die Stadt ja verlassen? Zwischen all den vielen Regenwolken ist doch tatsächlich ein Stückchen blauer Himmel sichtbar geworden. Das muss jetzt einfach klappen mit dem regenfreien Nachmittag. Zurück aufs Schiff ginge auch nicht; das hat sich bereits aus dem Staub gemacht. 

Für uns geht es erst mal ein ganzes Stück über die A13 mehr oder weniger entlang der Seine Richtung Le Havre.

 

Am Ufer tauchen bereits die ersten Kreidefelsen auf

und kurz vor Le Havre spannt sich die Pont de Tancarville von einem Ufer zum anderen. Hat ein bisschen was von San Francisco und Golden Gate, nur die rote Farbe fehlt. 

Unter Le Havre kann ich mir wirklich nichts vorstellen. Ich weiß, dass es Frankreichs zweitgrößter Hafen ist. Bereits 1643 gründete man hier eine Niederlassung der India Compagnie und von da an ging es bergauf mit dem Hafen. Schiffe aus aller Welt liefen hier ein und brachten Hölzer, Kaffee und Tabak, aber auch Walfang wurde von hier betrieben. Nicht nur Waren wurden umgeschlagen, sondern von Le Havre aus stach man auch in See, sei es als Soldat, Auswanderer oder Tourist auf einem Kreuzfahrtschiff. Und dann kam der Krieg. Die Deutschen planten von hier aus England anzugreifen. Daraus wurde nichts, dafür kamen 1944 die Alliierten und legten die Stadt in Schutt und Asche. Auferstanden aus Ruinen, kann ich da nur sagen und seit 2005 UNESCO Weltkulturerbe, aber reicht das, um einen Besichtigungsstopp einzulegen? 

Muss man Le Havre gesehen haben?

Mangels Zeit beschränken wir uns auf eine Stadtrundfahrt.

 

Bereits von weitem zu erkennen, der 109 Meter hohe Turm von St Joseph mit seinen 13 000 Glasbausteinen. Mich würde ja schon interessieren, wie sich das im Inneren auswirkt.

 

 

 

 

 

Doch dazu ist keine Zeit und so geht es weiter, vorbei am Ehrenmal und dem Vulkan. Keine Sorge, Le Havre liegt nicht wirklich auf einem Vulkan. Die Einwohner nennen nur so den Espace Oscar-Niemeyer. Für mich sieht er eher aus wie ein großer Schiffsschornstein, was ja perfekt zu einer Hafenstadt passen würde.

Womit aber bitte hat die Stadt denn jetzt die UNESCO-Auszeichnung erhalten? Genau, es sind diese, in meinen Augen hässlichen, Betonbauten. Wie bereits erwähnt, wurde die Stadt in den letzten Tagen des Krieges noch in Schutt und Asche gelegt und zwar gründlich. 

Da musste ein Wiederaufbau schnell gehen, durfte nichts kosten und sollte trotzdem Lebensqualität bieten.

Auguste Perret gewann die Ausschreibung und errichtete die Stadt in Stahlbeton.  Eingemischt 

Wenn schon nicht schön, dann wenigstens ein paar Superlative. Neben dem zweitgrößten Hafen hat die Stadt noch einen der größten Rathausplätze in Europa. Groß - ja, schön – geht so. 

Vielleicht ist es ja am Meer schöner? Le Havre hat nämlich sogar einen Strand und dorthin führt die Avenue Foch. Am Ende das Porte Oceane oder Ozeantor. Hört sich sehr hochtrabend an, sind aber nur zwei ziemlich hässliche Hochhäuser. 


wurde alles, was da so rumlag und so scheint zum Beispiel der Kirchturm von St Joseph je nach Sonnenstand die Farbe zu wechseln. Liegt an den Glasscherben, die hier in den Beton gemischt wurden.

 

Am langen Sandstrand entlang geht es zu einer Aussichtsplattform. Der Blick von hier oben macht die Stadt aber auch nicht unbedingt schöner.

Wieder im Bus entscheide ich für mich: Le Havre muss man wirklich nicht unbedingt gesehen haben und jetzt bin ich mal gespannt, ob der zweite Teil des Ausfluges die Kosten rechtfertigt.  

 

Etretat selber ist ein typisch Touristenort, wie man ihn überall an Europas Küsten findet. Ein Souvenirgeschäft neben dem nächsten und dazwischen kleine Restaurants, die um Gäste buhlen (mit Speisekarten in vier Sprachen).

Packt man noch eine Markthalle,

ein Rathaus und


ein paar (zugegeben hübsche) Fachwerkhäuser hinzu und fertig ist die idyllische Sommerfrische.

Programm füllend ist das Örtchen aber nicht und bevor ich noch dreimal die Hauptstraße lang schlendere, nutze ich lieber die Zeit und steuere den Strand an. Und nein, das ist jetzt nicht irgendein x-beliebiger Strand an der Atlantikküste. Trotzdem hat er es in der Gunst der Pariser nie ganz weit nach vorne gebracht. Dabei wollten die Einwohner doch auch so gerne an dem Run auf die Strände der Normandie verdienen. Dumm nur, dass sie keinen weichen Sand bieten konnten, sondern nur grobe Kiesstrände. Übrigens darf man die 

Kieselsteine nicht als Souvenir mitnehmen, denn sie schützen ein Stück weit die Küste vor der Kraft der Wellen.

 

Und damit kommen wir zu dem, warum es hier trotzdem von Touristen wimmelt.

 

Rügen hat sie, Dover auch und selbst hier am Atlantik sind zu finden. Ja, ich spreche von den Kreidefelsen. Denen hat die Alabasterküste wohl auch ihren Namen zu verdanken. 120 Kilometer ist sie lang und erstreckt sich von Le Havre bis Tréport. So weit müssen wir aber gar nicht fahren, denn einige der spektakulären Felsformationen sind genau hier in Etretat zu finden.

 

Bis an die Kante traue ich mich aber nicht, denn hier geht es bis zu 130 Meter steil nach unten. Schön sind sie anzuschauen, die Bögen und Türme. Kein Wunder, dass sich auch hier ein Maler (Guy de Maupassant.) berufen fühlte sie zu zeichnen. Selbst das Wetter hat da ein Einsehen und der blaue Himmel hat sich mehr oder weniger durchgesetzt, so dass die Sonne die Felsen zum Strahlen bringt. Tja, wenn Engel reisen. 

Ein schmaler, steiler Fußweg führt hinauf zur Kirche Notre Dame.


Von hier geht es zurück zur VIVA, die tatsächlich brav und unbeschadet am Kai in

Cuadebec-en-Caux auf uns wartet. 

Was mich dabei aber stört, ist die Tatsache, dass man nicht wirklich exklusiv dort sitzt, sondern dass auch Gäste, die vom Buffet essen dort Platz nehmen können. Ich finde für die zwei Abende könnte man das wirklich ausschließen. Die gratinierten Austern und der Lachs waren wirklich lecker, die Ente mit Bohnen etwas gewöhnungsbedürftig. 

30 Minuten bleiben mir jetzt, denn ich habe mich für heute zum Arosa Dining Mon Ami angemeldet. Das bedeutet kein Buffet, sondern ein vier Gänge Menü am Tisch serviert. Dazu sind Tische in der abgeschlossenen Weinwirtschaft reserviert. 




die drei C der Normandie

19.09.2017

17°C
17°C
155 km
155 km

Der geplante und gebuchte Ausflug für heute startet erst am Nachmittag. Da bleibt mir selbst nach einem genüsslichen Frühstück noch genügend Zeit ein wenig durch Cuadebec-en-Caux zu schlendern. Schon die alten Kelten siedelten an dieser Stelle und versuchten standhaft sich der Eroberung durch Cäsar zu widersetzten. Hätten sie mal besser auch einen Zaubertrank, wie die Gallier gehabt.

 

Die Römer waren aber nicht die einzigen, die das Städtchen eroberten. Später kamen die Wikinger, die Engländer und der zweite Weltkrieg. Wie schön hätten alle diese Normandiestädtchen sein können, hätten die Bomben sie nicht in Schutt und Asche gelegt. 


Auch Cuadecbec-en-Caux blieb davon nicht verschont und so finden sich nur wenige Bauwerke aus alten Zeiten, wie die Häuserzeile in der Grand Rue. Wobei hier von "Grand" zu sprechen wohl ein wenig übertrieben ist, bei gerade mal zwei Häusern. Hat aber auch den Vorteil, dass man sich einfach treiben lassen kann, weil man keine große Liste mit Must-See-Zielen hat.

 

Doch dieses hübsche Häuschen gefiel einem Amerikaner so gut, dass er es kaufen, nach Amerika verschiffen und dort wieder aufbauen wollte. Zum Glück konnte das verhindert werden.

 

Wer nicht nach Stadtplan laufen und ein paar Informationen zu den Sehenswürdigkeiten des Örtchens haben möchte, kann dem ausgeschilderten Rundgang folgen. Der führt in zehn Stationen durch den Ort. Karte wäre aber von Vorteil (gibt es ja an Bord), denn ein paar mal bin ich vom Pfad abgekommen, weil ich den nächsten Wegweiser nicht gefunden habe. Ist aber nicht weiter schlimm, denn in

Cuadebec-en-Caux kann man sich eigentlich nicht verlaufen.

 

Gleich zu Anfang trifft man auf das Maison des Templiers, welches als ältestes Gebäude der Stadt gilt. Ob die Tempelritter hier je gelebt haben, ist unbekannt. 

 

 

Von hier folge ich dem Bächlein, dass durch die Straße fließt und uns zu den Überresten der alten Stadtmauer und dem Gefängnis führt. Das ist übrigens eines der letzten seiner Art in Frankreich. Soll mal einer sagen der Ort hätte keine Highlights. 

 

 


 

Schon verwunderlich, dass Kirchen bei Bombenangriffen oft verschont bleiben. Die sind doch eigentlich leicht zu identifizieren und zu treffen, sollte man denken.

 

Das Portal erhielt sie aber erst im 16. Jhdt und an dem wurde sogar 100 Jahre gearbeitet. Wenn ich es mir mit seinen 333 Figuren so betrachte, verwundert mich das auch nicht wirklich. Da können wir ja nur froh sein, dass der Berliner Flughafen kein Portal bekommt. Das würde seine Eröffnung dann wohl noch um Jahrzehnte hinaus zögern.

Ähnlich ist es ja auch bei der Kirche Notre Dame (oder hat man sich da eher nicht getraut)

 

Erbaut wurde sie 1426, dh damals fing man mit dem Bau an. Von da an vergingen aber noch

60 Jahre bis die Kirche eingeweiht wurde.


Übrigens war für König Heinrich IV diese Kirche die schönste in seinem Reich. Ich kenne ja nun die anderen Kirchen nicht alle, aber die vielen, vielen kleinen Figuren sind schon sehenswert. Schade nur, dass viele nicht mehr komplett sind. Und was man da so alles entdecken kann. Da trifft man nicht nur auf Heilige, sondern auch auf das eine oder andere tierische Wesen (inklusive meiner geliebten Wasserspeier). Und erst das Engelsorchester - selbst einen Dudelsackspieler habe ich entdecken können. Würde der aber nicht eher an eine schottische Kirche passen?

 

 

Auf dem Weg zurück zum Fluss, stoße ich noch auf das zweite Bächlein, das diese Stadt durchfließt. Der Name Caudebec-en-Caux geht auf die Wikinger zurück, die ihren Ort Caldebeck nannten, was kalter Strom bedeutet. 1125 bekam der Ort Marktrechte. Wasser war auch genug da und so siedelten sich hier Gerber an und dutzend Mühlen entstanden an den Flüsschen. Es dauerte nicht lange und der Handel mit Filzhüten und Ziegenlederhandschuhen begann zu floriere. Besonders zweitere waren im feinen Paris sehr begehrt, da sie so fein und anschmiegsam waren, dass sie angeblich in eine Walnussschale passten. Doch die Hugenotten, die das Handwerk perfekt beherrschten, kehrten irgendwann nach England zurück und aus war es mit den Geschäften.

 

 

 

Am Ufer angekommen, stoßen wir noch auf die alte Fähre. Die ist jetzt nicht unbedingt ein Schmuckstück, könnte aber sicher viel erzählen. Einst war sie die längste Fähre an der Seine und der Stolz der Stadt. 24 Autos konnte sie auf die andere Seite transportieren, doch dann wurde die Pont de Brotonne gebaut und aus war es mit dem Ruhm. Hier wurde sie nicht mehr gebraucht. Ein paar Jährchen fuhr sie noch in Duclair, bis sie vor 17 Jahren in Rente ging.

 

Nach diesem kurzen Bummel durch Caudebec-en-Caux verspüre ich ein leichtes Hüngerchen. Wie gut, dass unsere VIVA direkt nebenan liegt und der Proviantmeister bereits das Mittagsbuffet hat aufbauen lassen.

 

 

 

Doch erst mal geht hier nichts an Bord. Die obligatorische Rettungsübung der Crew steht an, inklusive Versammlung vor dem Schiff. Ich dachte ja immer der Kapitän verlässt als letzter das Schiff. Scheint für Rettungsübungen aber nicht zu gelten und wieso muss der eigentlich keine Schwimmweste tragen? Glaubt der etwa auch an die Unsinkbarkeit seines Schiffes? Diesem Irrtum ist schon mal ein Kapitän erlegen.


Von Caudebec-en-Caux in die weite Welt? Ginge theoretisch sogar, denn bis Rouen ist die Seine ja auch mit großen Schiffen befahrbar. 

 

 

 

Ganz so weit wollen wir heute aber nicht. Frisch gestärkt geht es von Bord und am Kai warten auch schon die Busse, die uns an die Blumenküste bringen. Heute ist nämlich der westlich der Seine gelegene Teil der Küste dran. Dazu müssen wir auf die andere Flussseite. Wir wir ja heute gelernt haben, wäre dafür früher die alte Fähre zuständig gewesen, doch heute gelangen wir über die elegante Pont de Brotonne in wenigen Minuten auf die andere Seite.


Die Normandie ist ja nicht nur das Land der höchsten Klippen, prachtvollen Schlösser und Gärten, sondern auch das Land der drei großen C. Welche da wären? Na, Cidre, Camenbert und Calvados. Womit wir zum kulinarischen Teil des Ausflugs kommen.

Da habe ich wohl heute eindeutig den falschen Bus erwischt. Nicht, dass ich etwas gegen eine Calvadaos-Kostprobe hätte, aber diese Reihenfolge finde ich gelinde gesagt ziemlich bescheuert. Jetzt, wo das Licht perfekt zum Fotografieren wäre, halten wir uns im Inneren der Brennerei auf, um dann später bei schwindendem Licht und langen Schatten im schönen Honfleur durch die Gassen zu hetzen. Fürchte, da muss ich jetzt wohl leider mit leben.

 

Wie gut, dass ich wenigstens zu Mittag gegessen habe. Calvados auf nüchternen Magen käme vielleicht nicht so gut. 

Wer macht denn nun den besten Calvados der Region? Es gibt schon einige Spitzenbetriebe, aber wir schauen uns heute bei Christian Drouin um. Der hat 1990, weil er Platz brauchte, den väterlichen Betrieb in den ehemaligen Hof eines Apfelbauern verlegt.

Passt ja perfekt. Da waren auch gleich ein paar Bäume zum Ernten da. Angebaut werden vier verschiedene Sorten von süß bis herb, um daraus die richtige Mischung für den Calvados zu bekommen. Essen kann man die Äpfel aber nicht und ganz ehrlich, sie sehen auch nicht besonders lecker aus.

 

Letztendlich wird er auf Trinkstärke verdünnt und darf sich Calvados nennen, aber nur wenn er im Département Calvados gebrannt wurde. Das ist wie mit dem Champagner.

 

Übrigens, je älter, desto besser und das wollen wir jetzt doch gleich mal testen. 

 

Vergoren wird der Apfelmost dann zu Cidre. Den finde ich ja richtig lecker. Ich könnte ja mal schauen, ob es den heute Abend in der Bar gibt. Der Cidre wird erst mal ein bis zwei Jahre in ein Fass verbannt, bevor er zweimalig destilliert wird.

Dann ist er aber noch lange kein Calvados, sondern verschwindet für weitere bis zu sechs Jahre im Fass. (Eiche oder Kastanie – man gönnt sich ja sonst nichts) 


Und woher kommt jetzt der Name? Da kommt keiner drauf. Namensgeber ist eine spanische Fregatte namens Calvador, Die sollte eigentlich zur Seeschlacht nach Schottland, kam aber vom Weg ab und zerschellte an den Klippen der Normandie. Ob da wohl auch Alkohol (in Form von Rum) im Spiel war oder nur einer die Seekarten nicht lesen konnte?

 

Zum Glück ist die Seine ja nicht breit und unser Schiff ist mit der neusten Technik bestückt. Da werden wir wohl nicht vom Weg abkommen. Und wenn doch, die Crew hat ja heute geübt.

 

Gestern habe wir die Alabasterküste mit ihren spektakulären Felsen erkundet, heute geht es ein Stück entlang der Blumenküste, wo die mondänen Seebäder liegen. 

Eines davon ist Deauville. Hier trifft sich, wer Rang und Namen hat zum Pferderennen, Golfspiel, Filmfestspielen oder einfach nur Kasinobesuchen.

Die Pariser waren es, die es an die See zog. Gebadet hat man damals noch nicht, war ja auch viel zu kalt, der Atlantik. Aber sehen und gesehen werden war das Motto. Flanieren am Strand war angesagt. So ein oller Kiesstrand, wie in Etretat sollte es aber nicht sein, sondern bitte schön feiner, weißer Sand. Den fand man beim heutigen Deauville. Doch damals gab es dort nur ein kleines Dorf inmitten von Dünen und Sümpfen. 1859 verkaufte der Bürgermeister eben jene Sümpfe an einen Halbbruder von Napoleon III. Der erschuf dann den reichen Parisern in nur vier Jahren ihr Luxusseebad inklusive Eisenbahnanbindung an Paris. Dass auch Napoleon III sich des Öfteren hier blicken lies, war sicher nicht zum Nachteil des neuen Seebades. 

Wenn man bedenkt, dass hier einst eine Sumpflandschaft war, würde ich sagen, das Experiment ist gelungen. Heute erstreckt sich der Ort über zwei Kilometer entlang eines breiten Sandstrandes und der ist auch Ziel unseres leider viel zu kurzen Stop-overs.

 

Am Hotel Normandy, dem ersten Haus am Platz wirft unser Busfahrer uns raus. 1912 erbaut, nahm es rasch einen Platz ein unter den besten Luxushotels in ganz Frankreich. Ganz im normannischen Stil beherrscht es die Uferpromenade und gleich nebenan steht das Kasino.

Sollen wir denn zum Abschluss noch schauen, welche Promis (oder solche, die es werden möchten) sich hier schon rumgetrieben haben? Kein Problem. Da nehmen wir einfach den Weg zum Strand und wandern einmal entlang der Badekabinen. Sie tragen die Namen all derer, die das Küstenstädtchen bereits besucht haben. Ob die jetzt aber auch alle so eine Kabine benutzt haben, sei mal dahin gestellt. 

 

Ich habe meinen Lieblingsschauspieler schnell gefunden. James Bond lässt grüßen.


Leider drängt die Zeit und wir wollen ja noch etwas Zeit in Honfleur verbringen.

 

Günstig gelegen an der Seinemündung, war es einst ein aufstrebender Seehafen. Und was hier nicht alles gehandelt wurde. Schiffe kamen aus Afrika und den Azoren und Entdecker, wie Samuel de Champlain fuhren von hier in die weite Welt. Ja, es gab hier sogar mal einen der größten Sklavenmärkte der Welt. Die Folgen der Französischen Revolution und die stetige Verschlammung des Hafens brachten das Aus. Inzwischen hatte sich auch das gegenüber liegende Le Havre zum moderneren Seehafen entwickelt. Dumm gelaufen, aber nur auf den ersten Blick. Denn wo hagelt es wohl Bomben im Krieg. Doch wohl eher dort, wo es was zu zerstören gilt; einen Seehafen vielleicht? Und so bekam Le Havre die Bomben ab und Honfleur wurde mehr oder weniger verschont. Gut für uns, denn so können wir uns endlich mal an einem richtig schönen alten Hafen mit schiefen Häusern und alten Becken erfreuen.

Ich liebe ja solche Plätze und könnte mich stundenlang hier verweilen. Zuschauen, wie die Händler ihre Fische verkaufen, schauen was sonst noch so in den Netzen war und mich über die Möwen amüsieren, die sich hier und da ein Stückchen Fisch mopsen. 

In Honfleur lässt man sich am besten treiben.

Doch es kommt, wie ich es zu Beginn bereits befürchtet habe. Für das wunderschöne Städtchen bleibt kaum Zeit. Die Sonne steht bereits sehr tief und wirft lange Schatten. Gemütlich treiben lassen 

ist da nicht drin und selbst mit Guide reicht die Zeit nur, um das Wichtigste in Eile abzulaufen.

Schade eigentlich, denn in den engen Gässchen der Altstadt sind noch viele schmucke Fachwerkhäuser erhalten geblieben.

Irgendwann wurde sie dann gar nicht mehr für Gottesdienste genutzt und war Theater, Zolldepot und sogar Heringsgroßhandel. Geweihte Fische, ob die sich besser verkaufen ließen?

 

Hier stößt man auch auf die ehemalige Kirche St Etienne. Mitten im Altstadtkern gelegen, war sie Ziel der Kapitäne, die sich hier für eine heile Heimkehr bedankten und auch der Gouverneur war des Öfteren anzutreffen. Feste und größere Feiern fanden aber nicht statt. Dafür war sie zu klein und man wich nach St Catherine aus. 


Rechts und links der Kirche geht es dann weiter durch enge, malerische Gassen.

Dort stoßen wir auf das alte Gefängnis

und ein wunderschönes Haus aus dem 16. Jhdt. Hätte ich jetzt nur mehr Zeit, würde ich es mir genauer anschauen. Es beherbergt nämlich ein Museum über das Leben der damaligen Zeit

Ein Stückchen weiter sollte man auf einen Torbogen in der Häuserwand achten. Dieser führt nämlich zu einem Hof und dem Haus der Herren von Honfleur. Die leben hier schon seit dem Hundertjährigen Krieg nicht mehr. In diesem Krieg wurde die Stadt sehr wohl zerstört, doch Louis XI lies sie wieder aufbauen, mit anständigen Wehrmauern, damit das nicht noch mal passierte. Auch einen Gouverneur schickte der König hierher. Dem gefiel wohl das Haus so gut, dass er gleich einzog.

Das im Hafen noch heute Fische gehandelt werden, haben wir ja bereits erfahren. Weit hinaus bis nach Neufundland fuhren einst die Fischer um Kabeljau zu fangen. Kühlung gab es damals noch nicht und so hatten sie Salz an Bord, um den Fang haltbar zu machen. Irgendwo musste das Salz aber gelagert werden und so findet man in Honfleur noch die ehemaligen riesigen Salzspeicher. Da kann ich nur staunen. Mit den 10 000 Tonnen, die man hier unterbringen konnte, hätte man aber so einiges an Fisch pökeln können.

Ein paar Gässchen weiter und wir sind wieder am Hafen.

Mit der Zeit siedelten sich viele Reeder, aber auch Schiffer in dem Stadtviertel an und so brauchte die Kirche bald ein zweites Schiff.

Warum aber steht der Kirchturm ein ganzes Stück von der Kirche entfernt?

Um sie vor Feuer zu schützen. Sollte bei einem Gewitter der Blitz in den Turm einschlagen und diesen in Brand setzten, wäre das Kirchenschiff nicht gefährdet.. 

Gegenüber des alten Hafenbeckens liegt die Kirche St Catherine, von der ja schon die Rede war. Muss man sich jetzt noch eine Kirche anschauen? Die schon. Das Los einer Hafenstadt ist es leider auch, dass man immer wieder in Konflikte verwickelt wird. So auch Honfleur. Hier waren es im 15. Jhdt die Engländer, die sich breit machten und mal eben zwei Kirchen niederbrannten. Eine davon war St Catherine. Als die Engländer endlich fort waren, wollte man die Kirche zurück. Wie bekannt, hat jede Kirche ein Schiff und in einer Hafenstadt gibt es genügend Schiffsbauer. Fehlte nur noch das Material und das fand man im nahegelegenen Wald. So entstand eine Kirche ganz aus Holz.

Später kam dann noch ein Renaissanceportal als Abschluss davor.


Eigentlich ist es jammerschade, dass unsere VIVA zu lang ist und deshalb nicht im Hafen von Honfleur anlegen kann. Also Augen auf, bei der Schiffswahl. Für dieses hübsche Städtchen hätte ich gerne mehr Zeit gehabt, aber der Fahrplan lässt das nicht zu. Unsere Viva muss heute noch los Richtung Les Andelys und so müssen wir uns leider auf den Rückweg machen.

Dabei überqueren wir eine weitere der vielen Seine-Brücken, die Pont de Normandie.

200 Meter sind ihre Pylone hoch und die

184 Stahlseile halten das immense Gewicht der Fahrbahn.  Mit ihren 856 Metern darf sie sich stolz "Brücke mit der größten Spannweite Europas" nennen.

 

Übrigens, das dritte C (Camembert) lasse ich mir zum Abendbrot servieren. Bzw hole ihn mir selber; ist ja Buffet. Mir würde dazu sogar noch ein leckeres viertes C (Croissant) einfallen, aber die sind nicht im Angebot.

Damit haben wir den Küstenbereich abgehakt, drehen um und nehmen wieder Kurs auf Paris.

vive la Seine (3)