Big Cats in Namibia (2)

So, die nächsten zwei Tage werden wir uns voll und ganz dem Etosha-Park widmen, immer in der Hoffnung auf ein paar interessante Tierchen zu treffen.

Sundowner

09.02.2017

28°C
28°C
150 km
150 km

Vor zwei Jahren war ich ja bereits in der Etosha, allerdings nicht im östlichen Teil. Da wir morgen durch den Nationalpark zur nächsten Lodge fahren werden und unsere heutige Lodge erst am Nachmittag Touren im eigenen Wildreservat anbietet, könnten wir den Morgen nutzen und den Teil östlich der Salzpfanne erkunden. Mit Ivan habe ich ja den perfekten Guide dabei und brauche keine Angst haben, mich zu verfahren.

 


 

 

 

 

Bevor man aber überhaupt in den Park darf, ist Bürokratie angesagt. (das ist bestimmt ein Überbleibsel aus der Kolonialzeit) Muss ja alles seine Ordnung haben und so werden Mensch und Auto registriert (das nur ja keiner in den Tiefen des Nationalparks für immer verschwindet) und wir dürfen das Tor passieren.

Vor uns liegt Fort Namutomi. Einst Polizeistation der deutschen Kolonialverwaltung und heute eines der vier staatlichen Camps im Park. Das fahren wir jetzt an, denn Eintritt kostet der Spaß Etosha natürlich auch. Zur Zeit sind es NAD 10.00/Auto und NAD 80.00/Ausländer. Ivan als namibischer Staatsbürger kommt für schlappe NAD 30.00 rein. Ist aber ok so.

 

Nachdem dann aller Formalitäten erledigt sind, können wir auf die Pirsch gehen (bzw fahren, denn verlassen darf man sein Auto nur an den eingezäunten Rastplätzen und den staatlichen Camps.) Einmal rechts abgebogen und wir fahren Richtung Salzton-Pfanne. Die ist durch einen Kanal mit der größeren Etosha-Pfanne verbunden. Sie ist aber viel kleiner und länger mit Wasser gefüllt. Bekannt ist sie auch unter dem Namen Fischer-Pan, nach dem Kommandanten des Fort Namutoni, der hier als Ranger tätig war.

Eigentlich ist die Gegend ein Paradies für Flamingos und andere Vögel. Erstere sind aber schon wieder abgewandert. Denen ist wohl das Wasser zu tief geworden nach all dem Regen.

Ein paar gefiederte Freunde laufen (bzw fliegen) uns aber doch über den Weg. Wie gut, wenn man einen erfahrenen Guide dabei hat. Ich würde die meisten Vögel gar nicht erkennen. Riesentrappe ist ja noch einfach und Raubvögel erkenne ich auch (aber wenn es darum geht zu erkennen, was genau da auf der Jagd ist, bin ich mit meinem Latein am Ende)

Familie Strauß ist unter den Vögeln, was Impalas unter den Säugetieren: die trifft man garantiert irgendwann auf der Safari-Tour. Und nein, die stecken ihren Kopf nicht in den Sand. Wozu auch?

Strauße haben extrem scharfe Augen. Die könnten sogar noch in 3.5 km Entfernung einen Löwen beim Nasepopeln erkennen. Wenn Löwen das denn täten. Deshalb suchen Zebras und Giraffen gerne die Gesellschaft dieser Vögel, denn guckt der Strauß komisch, ist Gefahr im Verzug.

Dabei hätte der das gar nicht nötig, denn erwachsene Strauße haben keine natürlichen Feinde. Wenn dem einer blöd kommt, setzt es was. Einmal kurz austreten und der Angreifer ist platt.

Damit uns das als Mensch nicht passiert, hilft nur der Trick mit dem Stöckchen, sollte man einem Strauß zu nahe kommen. Über den Kopf gehalten wirkt man größer als Strauß und gilt damit als der Stärkere. Hä, ich denke die können so gut sehen? Nutzt aber nichts, wenn das Gehirn zu klein ausgefallen ist und die Informationen nicht richtig umsetzen kann. Da hat Mutter Natur wohl ein wenig an der falschen Stelle gespart.

Naja, man kann nicht alles haben. Dafür sind sie bis zu 70 km/h schnell und dürften in Deutschland sogar auf die Autobahn. Abheben ist aber nicht, dafür sind sie dann doch zu schwer. Frag mich nur, wozu die so schnell rennen können müssen, wenn sie doch keine Feinde haben. Vor was laufen die denn davon?

Die haben bestimmt Angst um ihre Federn. Staubtuch für den Hausputz braucht Mama Strauß nicht. Einmal mit dem Po gewackelt und der Staub ist fort, denn sie haben antistatische Federn. Vielleicht sollte ich mal über einen Strauß als Haustier nachdenken.

Da wäre dann auch gleich für die monatliche Eierration gesorgt. So ein Straußenei entspricht in etwa 20 Hühnereiern und macht ne ganze Großfamilie satt.

Schwierig wird es nur mit dem Aufschlagen. Die Schale ist nämlich so dick, dass ein Mensch darauf stehen kann ohne Rührei zu produzieren. Da bedarf es schon eines Bohrers um an den Inhalt zu kommen. Erstaunlich, dass die putzigen Küken das so ganz ohne Hilfsmittel schaffen.

Wegen der Vögel bin ich aber eigentlich nicht hier. Ich will Tiere sehen. Das entpuppt sich in der Regenzeit aber als richtige Challenge. Es gibt einfach zu viele Tümpel im Park, sodass die Tiere nicht auf die Wasserlöcher angewiesen sind. Auch grünt der Busch, was es doppelt schwierig macht, eines der Tiere zu entdecken, sind die meisten doch Meister der Tarnung, auch wenn man es auf den ersten Blick nicht denken sollte.

Auch ist der Etosha-Park kein Zoo und so hat man nie eine Garantie Tiere zu sichten. Nur auf Impalas und Springböcke ist, wie bereits erwähnt, eigentlich immer Verlass. Selbst in der Regenzeit. Ich habe ja manchmal den Verdacht, dass die dafür bezahlt werden, dass sie den Touristen über den Weg laufen.

wir wurden neugierig von einem Kudu beäugt

 

 

und traffen auf eine handvoll Oryx-Antilopen, die es sich am Rand der Salzpfanne gemütlich gemacht hatten.

Rückblickend war die Ausbeute am ersten Tag im Etosha-Park gar nicht so schlecht, auch wenn wir keinen der Big-Five (oder besser Big-Four, denn Büffel gibt es hier nicht) entdeckt haben.

 

Dafür sind uns Gnus über den Weg gelaufen,


Was beim Fressen von Vorteil, erweist sich beim Trinken eher als Nachteil. Um ans köstliche Nass zu gelangen, muss die Giraffe die Beine spreizen oder einknicken. Das macht sie in dem Moment extrem anfällig für Raubtiere. Da ist es sicher nicht verwunderlich, dass die Natur es so eingerichtet hat, dass eine Giraffe noch länger ohne Wasser auskommt als ein Kamel.

Für mich läuft der Vormittag im Park sogar richtig gut, denn heute ist Giraffen-Tag. Die haben sich scheinbar alle in dieser Gegend des Parks verabredet.

Giraffen gehören zu meinen persönlichen Five. Ich mag sie einfach, weil sie so grazil sind und man immer irgendwie das Gefühl hat, sie laufen in Zeitlupe. Neugierig sind sie noch dazu.

Ihr bis zu 2.5 Meter langer Hals, der übrigens nicht mehr Wirbel hat als der unsrige, erlaubt ihnen auch dort noch Futter zu finden, wo andere Tiere längst aufgeben müssen. Es sei denn sie heißen Elefant und haben einen langen Rüssel.

Der lange Hals ist aber auch für das Herz eine Herausforderung. Muss doch das Blut den weiten Weg ins Gehirn gepumpt werden, damit das arme Tier nicht ständig in Ohnmacht fällt. Deshalb hat die Giraffe den höchsten Blutdruck im Tierreich.

Habt ihr schon mal die Zunge einer Giraffe gesehen? Die ist gute 50 cm lang und eignet sich neben der Futteraufnahme auch zur Säuberung der Augen. Durch Dornengestrüpp lässt sich so eine Giraffe auch nicht abschrecken. Die Zunge hält das aus und wird einfach einmal um den Ast gewickelt (lang genug ist sie ja) und die Blätter abgezogen.


Kommen wir noch zur Tarnung. Blöd ist Mutter Natur ja eigentlich nicht, aber warum hat sie der Giraffe so ein auffälliges Muster gegeben? Giraffen sind zwar sehr wohl imstande einen ausgewachsenen Löwen mit einem Tritt zu töten, aber muss man es darauf ankommen lassen? Keine Sorge, von weitem lassen die Flecken die Giraffe eher wie eine Baum oder Teil der Landschaft erscheinen. Mit ein Grund, warum ich lieber mit einem afrikanischen Guide auf Safari gehe. Ich würde wahrscheinlich an den meisten Tieren vorbeifahren ohne sie zu entdecken.

Und hier noch das Quiz des Tages. Woran kann man ganz einfach männliche und weibliche Giraffen unterscheiden? (und ich spreche jetzt nicht von den Geschlechtsteilen – das wäre ja zu einfach) Schaut euch das Foto genau an und ihr kommt auf die Lösung. Die Größe wäre zwar ein Hinweis, denn männliche Giraffen sind größer, aber was, wenn Mutter und Sohn beieinander stehen?

Es ist wie bei den Menschen. Auch Giraffendamen legen mehr Wert auf schmückendes Beiwerk als ihre männlichen Artgenossen. Deshalb haben sie Fellbüschel an den Hörnern.

Natürlich will man nicht nur die vielen Pflanzenfresser sehen. Mal ganz ehrlich, jeder hofft doch auf ein paar Löwen und seien die Paarhufer in noch so vielen Arten vorhanden. Mir geht es da nicht anders und jeder Busch wird nach Raubtieren gescannt. Irgendwann komme ich mir fast vor wie ein Impala oder Springbock, nur dass ich die Raubtiere bewusst suche und nicht versuche ihnen aus dem Weg zu gehen. Ivans Augen sind definitiv besser oder wahrscheinlich einfach nur geschulter. Er ist es, der das braune Fellbüschel unter einem Baum entdeckt. Wird doch wohl kein Löwe sein? Leider ist uns das Glück nicht ganz so hold, aber eine Tüpfelhyäne ist auch nicht schlecht. Drumherum viele Knochen. Die haben wir wohl gerade beim Lunch unterbrochen. Na dann wollen wir mal nicht länger stören. Für uns wird es jetzt sowieso Zeit in unsere Lodge zurückzukehren.

Rechtzeitig zur Sunset-Tour sind wir dann wieder bereit. Ich bin ein Riesenfan von afrikanischen Sonnenuntergängen. Die Farben sind oft so unglaublich kitschig, dass es schon wieder schön ist. Leider ziehen zur Regenzeit am Abend immer wieder Wolken auf. Mal schauen, ob sich die afrikanische Sonne durchsetzten kann.

 

Da man den Etosha-Park bis Sonnenuntergang verlassen haben muss, geht unsere Tour kreuz und quer durchs Onguma-Reservat. Dieses grenzt östlich an den Etosha-Park und gilt als eines der best gehüteten Geheimnisse Namibias. Da es nicht staatlich ist, können die nachts natürlich machen, was sie wollen. Mal schauen, was es damit auf sich hat. Zu mindestens sind wir hier unter uns, denn nur wer im Reservat übernachtet, darf auch auf Pirschfahrt gehen.

Weshalb man dazu am besten einen Jeep nutzt? Na, weil manchmal der Weg versperrt ist oder auch sehr schmal werden kann.

34 000 ha ist Onguma groß und landschaftlich anders, als der benachbarte Etosha-Park.

Beheimatet  sind hier 30 Tierarten, darunter auch Löwen, Leoparden und Geparden. Schaun wir mal, ob wir auf eines der Kätzchen treffen.

Erstmal finden wir uns aber inmitten einer Bande Zebramangusten wieder. Die wuseln überall um uns herum und buddeln was das Zeug hält auf der Suche nach Insekten. Ab und an spielt eines der Tierchen Erdmännchen, stellt sich auf die Hinterbeine und überprüft, ob die Luft rein ist.

 

 

 

Ist vielleicht nicht ganz verkehrt, denn nicht weit entfernt treffen wir auf Familie Schakal. Bin mir zwar nicht sicher, ob Mangusten noch in deren Beuteschema fallen, aber in der Wildnis kann man ja nie vorsichtig genug sein.

Hatte ich schon erwähnt, dass heute Giraffentag ist? Die laufen uns auch hier ständig, im wahrsten Sinne des Wortes, über den Weg.

Ist ja fast so schlimm, wie mit den Springböcken. Dort sind, wie auch bei vielen anderen Tieren, bereits die ersten Jungtiere geboren. Da werden dann selbst Springbockherden interessant. Es ist einfach nur schön, zu beobachten, wie die Jungtiere sich des Lebens freuen und wie wild zwischen der Erwachsenen herum springen. Besonders putzig wirkt es, wenn sie mit ihren vier Beinchen gleichzeitig in die Luft springen und wie kleine Gummibälle durch die Gegend hopsen.

Und wer hat die Augen eines erfahrenen Safari-Guides und entdeckt das fremde Tier?

Beim Sonnenuntergang ist dann kein Verlass mehr auf die heimische Tierwelt. Weit und breit kein Huf  zu sehen. Keine Giraffe, die sich afrikatypisch als Silhouette vor der Sonne positionieren könnte. Man kann eben nicht alles haben, aber die Farben machen es wieder wett. Da schmeckt der Gintonic gleich doppelt so gut.


todays sightings


Ohren im Gebüsch

10.02.2017

27°C
27°C
250 km
250 km

Leider müssen wir von unserem Paradies schon wieder Abschied nehmen. Den heutigen Tag werden wir im Etosha-Park verbringen. Wie bereits erwähnt, nicht die beste Jahreszeit für Tiersichtungen, da genügend Wasser überall im Park vorhanden ist, aber vielleicht kreuzt doch eine Elefantenherde unseren Weg oder ein Nashornbulle hat das selbe Ziel wie wir.

22 000 km² hat der Etosha Nationalpark. Das ist an einem Tag sicher nicht zu schaffen, aber einen großen Teil des Geländes kann man ja auch überhaupt nicht befahren. Den nimmt nämlich eine ausgedehnte Salzpfanne ein. Ja, zu Saurierzeiten gab es hier noch einen riesigen See, gespeist vom Kunene Fluss. Dumm nur, dass der irgendwann seinen Verlauf änderte und die Pfanne kein Wasser mehr abbekam. Nun ist sie fast immer trocken.


Kurz nach Sonnenaufgang stehen wir wieder am von-Lindequist-Tor. Da wir gestern bereits für zwei Tage bezahlt haben, wird nur unser Auto registriert und schon ist der Weg frei.

Von hier werden wir mehr oder weniger (mit Abstechern) an der Salzpfanne entlang erst mal Richtung Hallali fahren. Bei einer Population von 20000 Impalas wird uns wohl einer vor die Kamera hüpfen und auch die 12000 Zebras können sich doch nicht alle als Zebrastreifen tarnen. Giraffen gibt es nur etwa 3000, aber die sind ja doch recht groß und vielleicht von weitem zu entdecken. Wenn auch nicht unbedingt von mir. Ich würde die wahrscheinlich nicht mal sehen, wenn sie neben mir stünde, aber in der Hinsicht vertraue ich voll und ganz auf Ivans Erfahrung. Dann wären da noch die 2500 Elefanten. Was die Größe betrifft ebenfalls kaum zu übersehen, aber es gibt genug Wasser überall im Park, da würde ich als Elefant mein Bad auch nicht an der Hauptverkehrsstraße nehmen. Die 250 Löwen und 300 Nashörner will ich erst gar nicht erwähnen. Bei meinem Glück treiben die sich garantiert heute an anderer Stelle herum.

Aber das ist ja auch das Schöne an einer Fahrt durch den Nationalpark. Wir sind nun mal nicht im Zoo und man weiß nie, was am nächsten Wasserloch auf einen wartet (oder auch nicht.) Frei nach dem Motto: zur rechten Zeit am rechten Ort.

Und doch hofft man natürlich hinter jeder Biegung endlich auf einen der Big Five zu treffen. Die Vorfreude steigt jedes mal, wenn sich an einer Stelle mehrere Autos getroffen haben und alle wie gebannt ins Gestrüpp starren. Na, was verbirgt sich da diesmal. Etwa wieder nur ein Kudu oder Gnu oder vielleicht doch...?

Also für ein Kudu ist der graue Schatten dort im Gebüsch definitiv zu fett. Bleibt eigentlich nur Nashorn oder Elefant. Das Tier bewegt sich langsam voran und nimmt sich alle Zeit der Welt an den Ästen zu knabbern. Die Spannung steigt, gleich wird es eine kleine Lichtung erreichen. Und dann steht das Nashorn endlich in voller Pracht vor uns.

Schon gewusst, dass Nashörner getarnte Einhörner sind? Kaum zu glauben, wenn man sie sieht, aber sie gehören zur gleichen Familie wie die Pferde und tragen ein Horn.

In Afrika leben zwei Sorten, die sich nur durch ihr Maul unterscheiden und keineswegs durch die Farbe. Warum aber werden sie dann auch als weißes und schwarzes Nashorn bezeichnet? Ist ganz einfach. Im holländischen bedeutet weit oder breit wijde. Irgendjemand (und ganz bestimmt kein Holländer) hat das dann mit white übersetzt, woraus im deutschen weiß wurde. Das andere war dann der einfachheithalber das schwarze Nashorn. Na, prima!

Nashörner wirken sehr schwerfällig, doch sollte man sie nicht unterschätzen, denn sie erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h. Allerdings sehen sie unglaublich schlecht. Man hat also eine Chance im Zick-Zack zu entkommen. Oder man ist mutig genug und bleibt einfach stehen. Im Vollgas geht es zwar oft auf den vermutlichen Konkurrenten zu, aber kurz vor dem Zusammenstoß bleiben beide stehen, um erst mal zu checken, wer der andere denn überhaupt ist. Man will ja schließlich nicht den besten Kumpel umrennen.

Apropos Kumpel. Nashörner sind kleine Angsthasen. Sie bleiben in ihrem Revier, komme was da wolle. Umgezogen wird nicht. Auch nicht, wenn die Lebensbedingungen sich verschlechtern. Junge Breitmaulnashörner erkunden neues Gelände daher auch nur mit dem besten Kumpel. Dabei ist die Furcht vollkommen unbegründet, denn außer dem Menschen haben sie keine Feinde. Nur Hyänen trauen sich ein altersschwaches Nashorn anzugreifen.

Oft sieht man Vögel wie Madenhacker oder Kuhreiher auf Nashörnern herum hüpfen. Sie genießen da oben aber nicht nur die herrliche Aussicht, sondern sind auf der Suche nach einem Snack. Kleine Wunden können für Nashörner schnell sehr unangenehm werden, weil sich Parasiten einnisten. Die Vögel picken diese genüsslich weg. Und das Nashorn ist glücklich.

Aber nicht nur das Nashorn ist glücklich, ich bin es auch. Da hat sich der Vormittag doch schon gelohnt.

Auf dem Weg zur Mittagsrast, treffen wir noch auf eine Herde Zebras, die beschlossen hat,

dass das Gras neben der Straße besonders lecker ist. Kann ich jetzt zwar nicht wirklich nachvollziehen, aber ich bin ja auch kein Zebra. Vielleicht bringt der Staub die richtige Würze oder so.

 

 

Mir soll es nur Recht sein, denn für Fotos stehen die Viecher ideal und das Zebrakind hätte ich am liebsten adoptiert.

Gegen 14:00 Uhr erreichen wir Halali. Zeit, um sich die Beine zu vertreten und einen Happen zu essen.

Halali geht irgendwie nicht an mich. Mir ist es zu wuselig, besonders zur Mittagszeit, wenn sich hier alles trifft. Es liegt halt einfach ideal in der Mitte des Parks und bietet sich daher als Mittagsstopp an, egal aus welcher Richtung man kommt oder wo man hin will. Mich wundert eigentlich nur, wie der kleine Perlkauz bei dem Rummel so entspannt im Baum schlafen kann.

Nur ein Auge riskiert er ab und an, wenn sich mal wieder mehrere Touristen unter seinem Baum versammelt haben und er zum Shootingstar wird.

Gestärkt geht es weiter und wir befahren ein paar der Loops in der Hoffnung an den Wasserlöchern auf weitere Tiere zu stoßen. Oder um ehrlich zu sein, auf Elefanten zu stoßen. Außer ein paar Nilgänsen und Impalas ist aber heute an den Tümpeln nichts anzutreffen.

Dafür sind einige landschaftlich aber wunderschön. Es bietet sich mir ein komplett anders Bild als zur Trockenzeit, wenn alles grau und staubig ist. Jetzt herrscht ein sattes grün vor, gesprenkelt mit gelben Morgensternen.

Das gefällt sicher auch den Springböcken, die sich hier eingefunden haben. Auf manche Tiere ist halt

Verlass (aber wer will schon ständig Impalas und Springböcke sehen)

Weiter geht es durch weite Ebenen,

in denen man ab und an auf vereinzelte Gnus und die stolzen und wunderschönen Oryx-Antilopen trifft.

 

Übrigens muss man die mit Salut grüßen, wenn man sie trifft. Warum? Na, weil sie das Wappentier des Landes sind.

 


Eine Herde Kuhantilopen haben wir ebenfalls gefunden. Auch hier hat sich bereits der Nachwuchs eingestellt. Einen Vorteil muss eine Reise zur Regenzeit ja schließlich haben: man sieht viel mehr Jungtiere.


Mehr ist heute aber nicht. Keine Giraffen und keine Elefanten. Oder doch? Da streift ein Schakal auf der Suchen nach Insekten und Mäusen durch die Ebene. Man wird ja irgendwann bescheiden und erfreut sich an dem, was man so sichtet und doch ist man irgendwie enttäuscht, wenn es nur wieder eine Herde Impalas am Wegesrand ist.

Apropos sichten, am Wasserloch Gemsbokflakte sind am Morgen Löwen gesichtet worden. Wie standorttreu sind die denn? Wäre ja schon cool, wenn wir die zu Gesicht bekommen würden, aber bei meinem Glück sind die längst von dannen gezogen. Und so ist es natürlich auch. Kein Löwe weit und breit. Sonst würden die Impalas hier sicher auch nicht so ruhig weiden.

Auch die Wasserstelle Olifantsbad enttäuscht. In der Trockenzeit sind hier fast immer Elefanten anzutreffen (sagt ja schon der Name), aber heute ist mir das Glück einfach nicht holt. Kein einziger Rüssel lässt sich blicken. Na, da werde ich mich wohl mit dem Nashorn als einzigem der Big Five zufrieden geben müssen.

Für uns wird es nämlich langsam Zeit das nächste Gate anzusteuern, denn bis Sonnenuntergang müssen wir den Park verlassen haben, sonst gibt es richtig Ärger.

Mit uns sind noch ein paar der Jeeps aus den umliegenden Lodges unterwegs und plötzlich hält weit vor uns ein Wagen an. Was gibt es da wohl zu sehen? Lohnt es sich oder steckt da nur ein Zebra im Busch?

Oh nein, in dem dichten Busch sollen sich Löwen versteckt haben. Ist ja toll. Da haben wir die den ganzen Tag gesucht und dann verstecken die sich im Dickicht. Nur zwei plüschige Ohren sind zu sehen. Ivan weiß aber Rat, denn er kennt den Lockruf der Löwen und wird damit zu meinem Held des Tages. Das funktioniert tatsächlich. Kaum hat die Löwin den Ruf vernommen, hebt sie den Kopf und unser Auto steht auch noch perfekt für das Foto.

Aber was ist das? Der Lockruf hat scheinbar auch den Boss vom Rudel geweckt oder neugierig gemacht, denn plötzlich taucht ein zweiter Kopf im Gebüsch auf.

Schon gewusst, dass bei Familie Löwe die Herrscher der Savanne nichts weiter als Paschas sind?

Sie liegen die meiste Zeit des Tages auf der faulen Haut und pennen bis zu 20 Stunden. Natürlich hat der Herr im Rudel durchaus auch verantwortungsvolle Aufgaben, wie Revier markieren und den Nachwuchs beschützen. Bleibt ihm ja auch nichts anderes übrig, wenn er die Frauen auf die Jagd schickt.

Mal ganz ehrlich, welche Frau will denn schon so nen Typen als Mann? Da geht es denn Löwinnen nicht anders. Die kommen ganz gut ohne klar und so sind die Männchen nur Gast im Frauenclan und nur aus einem einzigen Grund geduldet. Sie sollen für Nachwuchs sorgen.

Na, das passt ja perfekt ins Weltbild eines Pascha: ein bisschen Spaß und für die Verpflegung ist auch gesorgt, denn einen Gast lässt man ja nicht hungern.

So kommt es, dass man meist nur Löwinnen bei der Jagd sieht.

Schnell sind die nicht unbedingt, etwa 55km/h. Darüber kann jede Antilope nur lachen. Die hüpft über lange Strecken mit 90 km/h durch den Busch. Da muss Löwe schon zur List greifen, um das Abendmahl zu sichern. Doch in der Gemeinschaft ist man stark und das Beutetier wird von mehreren Katzen umzingelt. Da hilft dann auch Geschwindigkeit nichts mehr, denn egal in welche Richtung die Flucht ergriffen wird, eine Löwin steht immer bereit.

Unsere Löwen haben irgendwann keinen Bock mehr auf Zuschauer und beschließen ihren Busch zu verlassen und sich zu trollen. Dabei kommen sie ziemlich nah an unserem Auto vorbei. Ob ich vielleicht doch lieber das Fenster schließen sollte? Nicht das Frau Löwe uns als Abendmahl auserkoren hat.

 

Frau vorneweg und die zwei Herren im Gleichschritt (man beachte die Pfoten) hinterher

Meine Sorge ist aber unbegründet. Ohne uns auch nur eines Blickes zu würdigen, überqueren sie die Straße und verschwinden auf der anderen Seite wieder im Busch.


Das nenne ich jetzt aber mal zur rechten Zeit am rechten Platz gewesen. Wow, der Tag im Etosha-Park war trotz der nicht gefundenen Elefanten erfolgreich.

Zufrieden können wir uns jetzt auf den Weg zum Anderson-Gate machen, wo wir den Park wieder verlassen werden. Unsere Lodge für die heutige Nacht ist nicht weit davon entfernt und nach wenigen Minuten sind wir bereits da. Eine erfrischende Dusche und danach ein leckeres Essen wären jetzt genau nach meinem Plan.

 

Eine wunderschöne, aber sehr weitläufige Anlage. Zum Glück kann man aber mit dem Auto bis vor die Hütte fahren.

 


Die Zimmer sind riesig und haben alles, was man braucht.

Am Abend findet sich dann, was wir am Tag gesehen haben auf dem Teller wieder (Oryx, Springbock, Impala und Eland)




todays sightings


Eine der Großkatzen haben wir ja bereits gesehen. Ich will aber auch noch die anderen beiden auf SD-Karte brennen. Die Gelegenheit dazu werde ich hoffentlich die nächsten zwei Tage haben. Schaun wir mal.

Big Cats in Namibia (3)