Mainhatten im Lichtermeer

Auch Frankfurt, sieht man mal vom Flughafen ab, gehört nicht zu meinen Topdestinationen in Deutschland. Heute ist aber der letzte Tag der Luminale, also mache ich mich nach Büroschluss auf den Weg, um Maihatten leuchten zu sehen.

Luminale StepMap Luminale
Bahnhofsviertel StepMap Bahnhofsviertel

Mainhatten glüht

18.03.2016

14°C
14°C
3.5km
3.5km

Wer meinem Blog folgt, weiß aber inzwischen, dass pünktlich gehen, wenn ich was vorhabe grundsätzlich nicht klappt. Um fünf Minuten hätte ich meinen Zug verpasst. Hätte, wäre nicht auf die Unpünktlichkeit der Bahn Verlass. Manchmal liebe ich die DB dafür - aber nur manchmal.

 

Da es bei Ankunft in Frankfurt noch hell ist, beschließe ich die Zeit zu nutzen und erst einzuchecken und mich dann auf den Weg zu machen.

Leider liegen die einzelnen Lichtpunkte recht weit auseinander. Es fährt zwar regelmäßig der Luminale-Express und auch auf den Frankfurter Stadtverkehr ist Verlass, aber dennoch schaffe ich nicht alles, was ich mir eigentlich vorgenommen hatte.


Erster Stopp ist an der Messe. Der liegt praktischer Weise auf dem Weg vom Hotel zurück in die Stadt und hat bereits einiges zu bieten, wobei der Messeturm vergleichsweise langweilig daher kommt. Auch der Blick auf die Hochhäuser der Stadt ist eher enttäuschend. Wie ich auf der Tour noch fesstellen werde, leuchtet Mainhatten gar nicht so hell.


Dafür gibt der Osram-Stern alles. Klar, ist ja auch ein Stern und die leuchten nun mal. Darstellen soll er das Universum, in dem ständig neue Sterne entstehen und verglühen.

 

 

 

 

 

Ganz in der Nähe befindet sich das LEO-Gebäude der ING-DiBa und das fasziniert mich mit seinen Fensterreihen in wechselnden Farben.


  Tapfer versucht das Hotel Hessischer Hof da mitzuhalten, was denen aber auch ganz gut gelingt.

 

 

 

 

 

Mit dem Luminale-Express sind es von hier nur ein paar Stationen bis zum Hauptbahnhof. Schön spiegelt er sich in einer Pfütze, aber das war es dann auch schon.

 

In der Bahnhofsvorhalle bahnen sich leuchtende Papierschiffchen ihren Weg. Die funktionieren wie moderne Staubsauger und reagieren auf Hindernisse, die sie gekonnt umschiffen. Leider werden sie ihr Ziel nie erreichen, den ihr Aktionsraum ist durch Grenzen beschränkt. Nicht, dass die sich noch auf den Weg in die Stadt machen. Kaum auszudenken, wenn die den Main erreichen würden.

 

 

Es wird wohl niemanden wirklich verwundern, wenn in der Bankenstadt Deutschlands nicht irgendwo das Euro-Symbol auftauchen würde. Klar, das war auch schon vor der Luminale da und wird auch bleiben.

Im Hintergrund steht die Europäische Zentralbank und die wird musikalisch als Lichtsinfonie bespielt.

Na, und was bietet sich da musikalisch so an? Unser guter, alter Beethoven mit seiner 9. Sinfonie. Warum? Na, weil es die Europäische Hymne ist.

Nicht, dass die Musik jetzt furchtbar schrecklich wäre, aber wirklich begeistern, nenn ich anders.


Also schnell weiter zum Karmeliterkloster. Hier wird heute hochgestapelt. Passt nicht zu einem Kloster? Finde ich schon, wenn es sich dabei um Stühle handelt. Ganze 150 Stück stapeln sich, reihen sich aneinander, tanzen und fliegen wie von Geisterhand durch die Luft. Dieser Stuhlperformance könnte ich stundenlang zuschauen. 

Genausso begeistern mich aber auch die Lichtinstallationen im Klostergarten. Wie Geister oder Lichtgestalten wirken sie. Als ob sie in Gruppen oder als Pärchen zusammen stehen würden.

Das sind dann (leider) auch die Momente, wo ich die Zeit vergesse, weil ich mich nicht losreißen kann. Kein Wunder also, dass das mit dem so schön ausgearbeiteten Zeitplan nicht funktionieren kann. 

 

 

 

 

Ein kurze Spaziergang bringt mich zum Eisernen Steg und auf die andere Seite nach Sachsenhausen.

 

Von hier hat man einen Blick auf die Hochhäuser der Stadt, aber wie bereits erwähnt, hatte ich mir von deren Illumination mehr erwartet.

 

 

 

 

Dass Licht und Musik sich vereinen lassen, haben wir heute ja bereits erfahren. Dazu benötigt es aber nicht zwingendermaßen die 9. Sinfonie.

In der Dreikönigskirche kann jeder die zwölf LED-Rohre zum Glühen bringen (im wahrsten Sinne des Wortes). Ein Digital-Piano erzeugt die Lichtchoreographie.

Wer also schon immer mal wissen wollte, wie "alle meine Entchen" die Installation zum Strahlen bringen, nur Mut.

Da ich es inzwischen aufgegeben habe, mein Programm durchzuziehen, mache ich einen kleinen Abstecher in die Schulstaße. Hier arbeitet seit 2008 der Künstler Fabian Thiele mit alter Leuchtreklame. was dabei rauskommt:

Nach vier Stunden und etlichen Kilometern schmerzen nicht nur meine Füße, sondern es wird auch langsam empfindlich kalt. Zeit sich auf den Weg ins Hotel zu machen, wo hoffentlich eine heiße Dusche wartet.

Ich wechsle zurück auf die andere Mainseite und das war es dann erst mal mit direkt ins Hotel.

Im Nizzapark, am Mainufer entdecke ich nämlich einige weitere Illuminationen, die ich mir doch ein weniger genauer ansehen möchte.

Fängt schon mit der Flora Luma an. Sind das jetzt riesige Kürbisse oder diese großen, runden Kakteen?

Ist ja eigentlich auch egal. Das faszinierende daran ist, dass die Farbwechsel von den umliegenden Pflanzen gesteuert werden. Blödsinn? Keineswegs! Pflanzen senden nämlich bioelektrische Signale aus, hervorgerufen durch Reize und Umwelteinflüsse. Diese Signale muss man nur durch Sensoren erfassen und schon bestimmen die Pflanzen den Rhythmus des Farbwechsels. irgendwie cool, oder?

Dagegen erscheinen die anderen Objekte im Park eher langweilig. Ist aber nicht so. Sie zeigen, was Licht in der Dunkelheit für die Menschheit war und ist:

 

 

                                                              gedämpftes Kerzenlicht,

 

 

 

 

glimmende Glut

 

 

 

 

 

 

oder kultiviertes Licht in Lampions.

In welche Kategorie ich diese Stangen allerdings setzen soll, weiß ich nicht. Sehen ein wenig aus wie Neonröhren und wären dann die eher moderne Variante von Licht.

 

 

 

 

 

Die leuchtenden Ostereier hingegen finde ich recht praktisch. Hätten mir als Kind sicher die Suche nach denselben erleichtert. Ob es dann aber noch so spannend gewesen wäre?

Im Zeitalter von Handy und Apps wundert es mich eigentlich überhaupt nicht, dass auch diese zum Einsatz kommen. Gibt ja schließlich für alles eine App. Warum also nicht ein Bankhaus per App-Steuerung aus der Ferne in ein Lichtkunstwerk verwandeln.  

Nach so vielen Lichtinszenierungen brauche ich jetzt auch eine App. Aber nicht, um irgendwelche Röhren zum Leuchten zu bringen oder Lichtgestalten schweben zu lassen, sondern um die schnellste Verbindung in mein warmes Bett zu finden. (Beamen wäre noch besser)

Eigentlich mag ich ja Radisson Hotels, aber an diesem finde ich eigentlich nur das Gebäude interessant.

Die Rezeption mit hintereinander angeordneten Schaltern finde ich ein wenig gewöhnungsbedürftig und die Zimmermädchen könnten etwas gründlicher sein.

Die Anzahl der Kissen im Bett versöhnt mich dann wieder ein wenig, aber € 28.00 für das Frühstück finde ich doch etwas happig.

 


Radisson Blue


kulinarisch durchs Bahnhofsviertel

19.03.2016

8°C
8°C
2.5km
2.5km

Frankfurt und Berlin haben einiges gemeinsam.

Beide begeistern mich nur bedingt und stehen auf meiner Favoritenliste nicht unbedingt weit oben. Scheint aber auf Gegenseitigkeit zu beruhen, denn kaum besuche ich eine der beiden Städte, ändert sich das Wetter schlagartig und der Himmel wird grau. Wie bereits letzte Woche in Berlin, habe ich mir für Frankfurt ebenfalls einen Stadtteil zum Erkunden gewählt, der seinen Charme erst auf den zweiten Blick offenbart: das Bahnhofsviertel.

Da mir € 28.00 für mein Hotelfrühstück definitiv zu viel sind, starten wir den Tag mit einem leckeren Baggel im Bahnhof.


Nimmt man es genau, hat das Bahnhofsviertel überhaupt keinen Bahnhof. Der liegt nämlich im benachbarten Gallus und galt zu seiner Eröffnung im Jahre 1888 als modernster Bahnhof Deutschlands. Trotzdem ist die Bezeichnung Bahnhofsviertel korrekt, denn der neue Bahnhof löste die drei Westbahnhöfe Frankfurts ab und die lagen sehr wohl auf dem Gelände des heutigen Viertels.

Genau dort startet meine heutige "eat-the-world“ Genusstour durch das Viertel. Im Vergleich zur Berliner Kreuzberg-Tour liegt der Fokus heute aber mehr auf Essen als Kultur, frei nach dem Motto "ein voller Bauch studiert nicht gern“. Ob das jetzt am Guide lag kann ich nicht beurteilen, bin mir aber sicher, dass dieses Viertel mehr Geschichten zu erzählen weiß.

Nach dem Abriss der alten Bahnhöfe, entstand hier ein von modernem Flair geprägtes Quartier. Auch wenn das Bahnhofsviertel heute durch die Drogenszene und Bordelle in Verruf geraten ist, veranschaulichen doch die vielen Gründerzeitgebäude, dass die Kaiserstraße einst Frankfurts Prachtstraße war.

 Besonders schön finde ich die vielen schmiedeeisernen Balkongitter

 und so manch einer hat auch einen steinernen Mitbewohner. Wenn ich mir die vielen Gestalten so betrachte, muss ich an Disneys "Glöckner von Notre Dame“ denken, wo die Wasserspeier ja auch zum Leben erwachen. Wäre doch cool, wenn man so einen steinernen Freund hätte.

In einer Seitenstraße der Kaiserstraße geht es dann kulinarisch auch gleich los. Das Star Sweet House ist kein Restaurant im herkömmlichen Sinne, sondern eher ein Minimarkt voller indischer Spezialitäten und zur Mittagszeit gibt es indisches Fastfood. Für uns in Form von leckeren Samoas.


Wie wir gelernt haben, ist das Bahnhofsviertel jetzt nicht wirklich riesig. Da muss man schon ein paar Umwege gehen, damit man nicht von einem Restaurant ins nächste stolpert.

Unser bringt uns an den Rand des Viertels.

Hier trifft Altbau auf modernen Wolkenkratzer und Business auf Kleinunternehmer, denn das Bahnhofsviertel ist umgeben von den vielen Hochhäusern der Banken und anderer Institutionen.

Immerhin stehen hier die zehn höchsten Häuser in unserem Land. Kein Wunder also, dass die Stadt den Beinahmen Mainhatten trägt (auch wenn das früher einen negativen Touch hatte)

 

 

Wo Banken, da auch Geld und wo Geld, da auch Euro. Unübersehbar steht das €-Zeichen ja vor der EZB und eine Gedenktafel am Fürstenhof erinnert daran, dass 2001 das Ende der DM gekommen war.

 

1902 wurde der "Fürstenhof" als pompösester Neubau im Bahnhofsviertel eröffnet. Eine breite Marmortreppe führte bis in den fünften Stock und alle Zimmer waren mit Telefonen ausgestattet. Trotzdem konnte das Hotel sich nicht halten und stellte bereits 1910 den Betrieb wieder ein. Offiziell machte man die Lage dafür verantwortlich; bereits zu weit vom neuen Bahnhof entfernt und nicht zentral genug für die Innenstadt, wo noch dazu die große Konkurrenz, der "Frankfurter Hof“ lag. Inoffiziell ist aber wohl der Schah von Persien schuld. Der weilte zur Kur im benachbarten Bad Homburg, hatte aber keinen Bock sich "Ritters Parkhotel“ mit dem Prinzen von Wales zu teilen. Hätte ja eigentlich gut sein müssen für den "Fürstenhof“. Dumm nur, dass der Schah bei seinem Empfängen Hammel am Spieß am offenen Feuer braten ließ. Der Geruch hat die restlichen Gäste vertrieben und das Hotel musste Konkurs anmelden. Vielleicht wären die ja geblieben, hätte der Schah sie zum Essen eingeladen.

Zu den weiteren Besonderheiten der Gegend gehört die Weißfrauenkirche, die erst 1950 errichtet wurde, an der aber barocke Grabplatten zu finden sind. Wie die da hin gekommen sind? Ganz einfach! Die eigentliche Kirche stand in der Innenstadt und wurde im Krieg zerstört. Bedingt durch einen neue Verkehrsführung konnte sie nicht am alten Platz neu errichtet werden und zog ins Bahnhofsviertel um.

Und wer jetzt schon immer mal mit dem Gedanken gespielt hat, eine Nacht ins Kloster zu gehen um zur Ruhe zu kommen, kann dies hier in abgewandelter Form auch tun, indem er sich in der Holzkiste im Turm einquartiert. Ob man an einer befahrenen Straße mitten im Bahnhofsviertel jedoch zur Ruhe kommt, sei mal dahin gestellt. Vielleicht zählt ja auch einfach der Versuch.

 

Wer jetzt aber nach dem Namensschild der Pizzeria Montana sucht, wird nicht fündig werden. Erinnern will der Besitzer damit an die Prohibitionszeit in den USA, in der dies ebenfalls üblich war. Ist aber auch nicht nötig, den inzwischen sind die leckeren Pizzen in Frankfurt wohlbekannt. Was anderes wie Pizza gibt es hier auch nicht, die aber in allen möglichen Variationen und in 60 Sekunden gebacken. Möglich macht das der knallgelbe Ferrari unter den Pizzaöfen. Der wurde vom besten Pizzaofenbauer Stefano Ferrara höchstpersönlich handgefertigt und ich sage euch, die Pizza ist göttlich.

 

Nach so viel geistiger Nahrung ist jetzt mal wieder futtern angesagt. Wie schon erwähnt, ist das Viertel ja nicht sehr riesig und so liegt unser nächstes Restaurant genau gegenüber vom Inder.


Aber nicht nur Indien und Italien sind im Bahnhofsviertel zu finden, nein auch ein Hauch orientalischer Flair ist dabei.

 

 

Zu finden unter anderem versteckt im Hof der Merkez Moschee in einer kleinen türkischen Bäckerei. Hier gibt es nicht nur meine geliebten Sesamkringel, sondern auch sämtliche papp süßen türkischen Leckereien, wie Baklava oder Tatli laden zum Naschen ein.

 


 

 

 

Und auch in der aus den 70er Jahren stammenden Kaiserpassage bieten vor allem internationale Geschäfte ihre Waren feil. Ein afghanischer Lebensmittelmarkt verwöhnt uns hier mit Früchten und Nüssen.

 


Am anderen Ende der Passage betreten wir das Rotlichtviertel. Ja, auch das gibt es hier. Straßenstrich ist verboten, deshalb hilft man sich mit Laufhäusern. Das ist nichts anderes, als ein Bordell, in dem die Damen Zimmer angemietet haben. Steht die Tür offen und die Dame gefällt, kann verhandelt werden. Das Rote Haus und das Crazy Sexy sind nur zwei davon und wenn man genau hinschaut, wird man entdecken, dass Spiderman eben auch nur ein Mann ist. Oder warum seilt der sich sonst vom Roten Haus ab?

Darauf brauch ich jetzt was herzhaftes und damit kommen wir zu zwei ähnlichen Erfolgsgeschichten im Viertel.

Da wäre zuerst "Currywurst Taunus 25“. Der Besitzer hat jahrelang als Security-Mann in angesagten Clubs der Stadt gearbeitet. Als absoluter Currywurstfan hat er sich geärgert, dass er nach Dienstschluss nirgendwo mehr eine richtig leckere bekommen konnte. Selbst ist der Mann und so hat er sich schließlich seinen Traum erfüllt und eine eigen Currywurstbude eröffnet. Die hat natürlich bis in die frühen Morgenstunden geöffnet und die Soße ist selbst kreiert.

 

Einen ähnlichen Hintergrund hat unser letzter Stopp das "What the food“. Hier waren es zwei Damen aus der Frankfurter Geschäftswelt, die sich geärgert haben, dass in der Mittagspause nur ungesundes Fast Food zu bekommen war. Das wollten sie mit ihrem Konzept "gesundes, leckeres Essen auf die schnelle Art“ ändern und es ist ihnen gelungen.

 


Gesättigt und um einige Erfahrungen reicher trete ich dann die Heimreise an.