Tempel, Tiger, Teeplantagen (3)

hoch, höher am höchsten

20.11.2015

30°C
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197 km
197 km

Thanjavur war einst (9.-13.Jhdt) Hauptstadt des Chola-Reiches. Die fruchtbare Chauvery-Ebene wird auch als Reisschüssel Südindiens bezeichnet. Kein Wunder, dass man in dieser strategisch und wirtschaftlich günstigen Lage zu Reichtum kommen konnte. Davon zeugen auch die 100 zu Ehren der Götter und zum eigenen Ruhm gebauten Tempelanlagen der Umgebung.



Einer von ihnen ist der Brihadeshvara-Tempel. Man betritt die Anlage durch zwei direkt hintereinander gebaute, reich verzierte Gopurams, von denen der erste bereits stattliche 30 Meter hoch ist.






Begrüßt werden wir von zwei übergroße Figuren.


Aber auch der Rest der Anlage kann sich sehen lassen. Im Mittelpunkt der Hauptturm, der wohl zu Recht zu den beeindruckendsten Vimanas ganz Indiens zählt.

Gewidmet ist der Tempel Shiva, unschwer zu erkennen an dem riesigen, schwarzen Nandi-Bullen im Innenhof. Wenn Shiva ins Spiel kommt, kann man davon ausgehen auch einen Lingam anzutreffen. Mit 3.70 Meter Höhe ist der hiesige der größte in ganz Indien. Es bedarf extra eines höher gelegen Umgangs, damit die Priester dieses Phallussymbol mit Milch und geklärter Butter übergießen und mit Blumen schmücken können. Ausnahmsweise haben hier auch Nichthindus zutritt und können das Prachtstück bewundern. Da wird wohl so mancher Mann vor Neid erblassen. Fotografiere ist allerdings verboten.

Wem das an geballter Männlichkeit noch nicht reicht, kann im Wandelgang weitere 108 Lingams (und Malereien) bewundern.

Ich sag doch, Shiva hat ein Problem mit seiner Männlichkeit.



Hoch oben auf dem Tempelturm thront ein 80 Tonnen schwerer Stein. Wie mag der wohl vor 1000 Jahren ohne Hilfe eines Krans dort hingekommen sein? Natürlich gibt es die Legenden, aber am wahrscheinlichsten sind die Theorien von einer spiralförmigen Rampe um den Turm oder einer geraden Rampe vom sechs Kilometer entfernten Dorf, über die Elefanten den Stein nach oben gezogen haben sollen.

Zugegeben, sehr beeindruckend, aber mir gefallen immer noch am besten die wunderschönen Treppenaufgänge in Tierform.

Bisher ist unsere Tour ja sehr tempellastig. Keine Paläste, wie im märchenhaften Rajasthan und auch keinen Forts. Dass soll sich aber in Tiruchirapalli, welches wie jetzt ansteuern, ändern.

Südlich des Chauvery erhebt sich aus der Ebene ein 83 Meter hoher Felssporn. Man hätte als Herrscher schon ziemlich bekloppt sein müssen, hätte man die strategische Lage nicht erkannt. Ein paar Mauern auf einen bereits vorhandenen wehrhaften Unterbau und voilà, die uneinnehmbare Festung ist fertig. 437 Treppenstufen wären jetzt zu erklimmen, wollten wir hinauf. Wollen würden wir ja schon gerne, aber da hat jetzt der Regengott doch etwas dagegen (oder ein Einsehen?), denn es beginnt zu schütten. Von unten ist der Fels auch ganz nett.

Wir fahren weiter und legen dafür einen Stopp am Amma Mandapan Ghat ein. Ein Ghat sind ja bekanntlich Treppenstufen, die zum Wasser führen. Hier ist es der Chauvery-Fluss, der Gläubige auf ihrem Weg zum Tempel anzieht.

Wer kommt mir denn da im Eingangstor entgegen? Mein erster Tempelelefant.  

Die Gläubigen kommen hierher, um mit Hilfe der Brahmanen-Priester für kranke Angehörige zu beten und um für dies und das zu bitten. Mit aufwendigen Kulthandlungen wird dem Genüge getan.

 Man sieht aber auch Männer, die sich den Kopf rasieren lassen oder Pilger, die im Fluss ein Bad nehmen. 

So ein Platz zieht natürlich auch Bettler an, die auf das schlechte Gewissen der Gläubigen hoffen. In Reih und Glied sitzen sie am Eingang und hoffen auf ein paar Münzen. 

 

 

 

 

 

Auch wir wollen uns jetzt auf den Weg zum Sri-Ranganatha-Swami-Tempel machen. Auf einer 27 Kilometer langen Insel liegt das mit 960x825 Meter größte Vishnu-Heiligtum im Süden des Landes. Eigentlich handelt es sich hier um eine riesige Tempelstadt, die im Laufe der Jahre und Herrscher immer wieder erweitert wurde. Das erklärt auch die sieben Mauerringe und 21 Tortürme. Jeder prächtiger und höher als der andere. Ich sage nur: männlicher Geltungswahn. Wollte doch jeder Herrscher seinen Vorgänger mit einem noch höheren und prächtigeren Torturm übertrumpfen. Ganze 73 Meter hoch ist dann auch der Gopuram am Haupteingang.

Von hier führt eine Hauptstraße durch zwei weitere Türme zum eigentlichen Tempel. Der Weg ist das Ziel trifft hier zu. Entlang der Straße verkaufen Devotionalien-Händler alles, was man benötigt um die Götter milde zu stimmen. Wen der kleine Hunger plagt, wird bei den vielen Essensständen sicher etwas finden. Zwischendrin Pilger und Bettler, Sadhus und heilige Kühe.

Hat man sich dann endlich einen Weg zum vierten Hof gebahnt, betritt man dieses so typische Labyrinth aus Höfen, Wandelhallen und dunklen Gängen. Wie gut, dass wir unseren Guide dabei haben. Der wird hoffentlich später im Bus einmal durchzählen, ob noch alle da sind. Richtig gut erkennt man das Gewirr wenn man sich auf eines der Tempeldächer traut. Der deutsche TÜV würde da sicher keinen hoch lassen, aber in Indien sieh man das weniger eng. Von hier oben erkennt man auch noch mal ganz deutlich, wie die Tempeltürme mit zunehmender Entfernung an Höhe gewinnen.

Im vierten Hof steht auch mal wieder eine "Tausend-Pfeiler-Halle". Hier wurde nicht gemogelt, denn es sind tatsächlich 950 Granitmonolithen in Form sich aufbäumender Pferde.

Vishnu ist der Beschützer und Bewahrer des Universums. In verschiedenen Yugas (die hinduistische Bezeichnung für Erdzeitalter) erschien Lord Vishnu in verschiedenen Gestalten immer in Situationen, in denen das Dharam – Recht und Sitte, Ethik und Moral – wegen böser Elemente in der Welt in Gefahr war. Die zehn Inkarnationen von Lord Vishnu befinden sich ebenfalls in der Säulenhalle: Fisch, Schildkröte, Eber, Löwenmensch, kleinwüchsiger Priester, Brahmane, Rama, Krishna, Buddha und Kalki auf seinem weißen Pferd.

Genug Tempel für heute. Südindien ist schon echt tempellastig. Irgendwie fehlen mir zur Abwechslung mal ein paar Paläste oder wenigstens eine interessante Stadt. Aber selbst die sehen in Südindien irgendwie alle gleich aus.

Zur Abwechslung fahren wir heute mal entlang von Palmenhainen und erreichen nach 150 Kilometern unser heutiges Ziel Madurai.

Das Zimmer nicht ganz so riesig, wie gewohnt, dafür aber mit einem nett gefalteten Handtuch.

Das Buffet zum Abendessen ist auch wieder besser als gestern, dass lässt fürs Frühstück hoffen. (Manchmal hofft man auch vergebens)

Der Pool auf dem Dach ist aber ganz nett und in weiter Ferne erkennt man sogar den Tempel.



die Perle Südindiens

21.11.2015

29°C
29°C

Endlich mal eine Stadt, die mehr zu bieten hat, als nur einen Tempel. Madurai gilt als die heimliche Hauptstadt des Südens und wird auch als Perle oder Seele Südindiens bezeichnet. Ob das wohl auch daran liegt, dass hier Shiva seine Parvati zur Frau genommen hat?

Ich fürchte, dass liegt hauptsächlich daran, denn die Stadt ähnelt allen bisherigen Städten. Vom Hoteldach aus ist sie noch ganz nett anzuschauen und von weitem grüßen die Gopurams des Sri-Meenakshi-Tempels.


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Schaut man dann genauer hin, hat man wieder die südindische Einheitsstadt mit Verkehrschaos, Gehupe und Händlern an den Straßenecken. Lustig wird es immer dann, wenn man die Straße auch noch überqueren muss. Ist als Einzelperson schon eine Challenge für sich, aber eine ganze Gruppe über die Straße zu bugsieren, ist eine Meisterleistung. Bin immer noch am überlegen, welche Taktik am geschicktesten ist:

Augen zu und durch in der Hoffnung, dass ausländische Touristen genau so tabu sind, wie Kühe oder hoffen, dass die Lücken groß genug sind und man wie ein Hase im zickzack auf die andere Seite kommt.

Abwarten, dass einer hält oder auf Ampeln bauen sind definitiv die falschen Taktiken, denn dann steht man drei Tage später noch an der selben Stelle.

Erschwerend kommt hinzu, dass es in Indien tausende von Mopedfahrern gibt, die dann plötzlich aus der Lücke herausschießen, die man eigentlich für sich auserkoren hatte.

Ach, und ich vergaß den Linksverkehr, aber an den gewöhnt man sich so rasch, dass er letztendlich keine Rolle mehr spielt. 

Wie bereits erwähnt, ist eine Tour durch Südindien sehr tempellastig. Da tut es doch gut, wenn zur Abwechslung mal ein Palast auf dem Programm seht. Schade nur, dass von dem Tirumalai-Nayak-Palast nur noch ein Viertel erhalten geblieben ist. Nicht ganz unschuldig an der Tatsache ist der Enkel des Erbauers, der sich beim Bau seines eigenen Palastes beim Opa kräftig bedient hat.

Leider wird das, was noch erhalten ist nicht sonderlich gepflegt und verkommt langsam. Das wäre in Rajasthan sicher ganz anders, aber da zieht es auch mehr Touristen hin, während der Süden eher die Zweitbesucher anlockt.

Ein guter Guide ist Gold wert, besonders wenn er über die Gegebenheiten vor Ort informier ist. Ärgerlich, wenn nicht, denn so haben wir alle brav unsere Fotoapparate im Bus gelassen. Handys wären aber erlaubt gewesen und dafür werden extra Fototickets verkauft. Ohne Schuhe mag aber keiner den Weg zum Bus zurücklaufen und so gibt es leider keine Fotos vom Tempelinneren und Punkteabzug für den Reiseleiter.

 

 

 

Hauptanziehungspunkt von Madurai ist der große Sri-Meenakshi Tempel, in dem Shiva seine Parvati geheiratet hat. Dieses Ereignis wird jedes Jahr im Frühjahr mit einem Tempelfest gefeiert, zu dem tausende von Menschen in die Stadt kommen.

Seine zwölf riesigen Tempeltürme sind schon von weitem zu sehen. Ich finde diese Tortürme immer wieder faszinierend. Tausende von bunten Götterfiguren, Dämonen, Fabelwesen und Tieren gibt es zu entdecken. Natürlich sind auch Shiva und Meenakshi dabei.

Nicht, dass ihr jetzt denkt, der gute Shiva würde etwa fremd gehen. Keine Sorge, Mennakshi ist nur eine der vielen Formen in denen Parvati daher kommt.

Dieser Tempel zählt leider nicht zu den kunsthistorischen und so kann die Tempelverwaltung machen, was sie möchte. Eigentlich ist es schade, dass die alten Skulpturen mit grellen Farben übermalt werden und alte Granitsäulen durch moderne,  goldene Ungetüme ersetzt werde. Was aber gar nicht geht, ist die Tatsache, dass uralte Tempelgemälde einfach übertüncht wurden. Das kam der Tempelverwaltung wohl auch in den Sinn (nur leider zu spät) und jetzt fängt man an, die alten Gemälde neu zu erstellen. Das hätte man ja mit ein bisschen Nachdenken einfacher haben können. 

Auch frage ich mich immer wieder, wer den wohl freiwillig bis in die Spitzen dieser riesigen Gopurams klettert, um die Farbe auf all die kleinen Figürchen aufzubringen. Das ist doch eine Lebensaufgabe.

Tempel in Südindien sind aber nicht nur sakrale Gebäude sonder auch sozialer Mittelpunkt. Hier trifft man sich, hier verweilt man. Wie schön, wenn es dazu einen Teich wie hier gibt. Schade nur dass man auf Rundreisen nie genügend Zeit hat zu verweilen. Auf den zum Wasser führenden Treppenstufen wäre der ideale Ort dafür. Was da nicht alles zu beobachten wäre: Kinder, die im Wasser planschen, Gläubige bei ihren rituellen Waschungen und Hochzeitspaare, die auf das perfekte Photo des schönsten Tages im Leben hoffen.

Natürlich gibt es auch Säulengänge und Schreine, einen riesigen Ganesha und einen Nandi-Bullen. Letzterer darf ja schließlich in keinem Shiva-Tempel fehlen.

Wundert es eigentlich noch irgend jemanden, wenn ich erwähne, dass es auch eine "Tausend-Säulen-Halle" gibt? Hier kommen die 995 Granitpfeiler mit springenden Pferden, berittenen Löwen und Fabelwesen daher. Zum Glück wurde sie als Museum deklariert, so kann ihr wenigstens nicht das gleiche Schicksal ereilen, wie den alten Gemälden. Wäre doch schade um die ganzen Fabelwesen.

Unser tanzendes Pärchen Shiva und Kali (die böse Variante von Parvati) sind auch verewigt. Warum aber wirken die so glänzend? Früher machen sich Pilger einen Spaß daraus, die beiden mit Butterkugel zu bewerfen, ähnlich der Sahnetorte auf der Kirmes. Ich weiß aber nicht, ob es eine gute Idee ist, Kali zu verärgern. Das sahen die Brahmanen ähnlich und verboten das Schauspiel. Frage mich eh, wer auf so eine bescheuerte Idee kommt. Ob das die Priester waren, die am Verkauf der Buttergeschosse sicher richtig gut verdient haben? 

Die Gegend um den Tempel ist gesäumt mit Läden. Alle Händler versuchen einen in den Laden zu locken mit dem Versprechen, von ihrer Dachterrasse den besten Blick auf den Tempel zu bieten. Bei dem Versprechen bleibt es dann auch, denn der Blick ist ein Witz. Man sieht zwar von verschiedenen Standpunkten aus drei der vier Tortürme, aber das war es dann auch. Nix Überblick und so und dafür soll man dann im Laden Geld ausgeben. 

Am Abend sind wir wieder zurück im Tempel, denn dann ist die Zeit, wenn der gute Shiva mit viel Tamtam zu seiner Braut Parvati gebracht wird, um mit ihr die Nacht verbringen zu können. Jeden Morgen wird er dort wieder abgeholt.

Diesem Schauspiel dürfen wir beiwohnen. Mit uns sind tausende von Hindus im Tempel und wir erregen Aufsehen (im positiven Sinne). Viele Inder sprechen uns an und wollen wissen, woher wir kommen und wie uns Indien gefällt. Keiner stört sich daran, dass wir einem heiligen Ritual beiwohnen. Zuerst wird Shiva in einer Sänfte, getragen von vier Priestern von seinem Schrein zu Pavartis Schrein gebracht. Bevor er aber zu seiner Frau darf, muss er einige Rituale über sich ergehen lassen. Schließlich wird die Sänfte dann in Parvatis Schrein getragen. Dorthin dürfen wir als Nichthindus den Priestern nicht folgen.

Was Tempel betrifft reicht es mir fürs erste. Wie gut, dass wir morgen Tamil Nadu verlassen und uns nach Kerala begeben. Dort steht Natur an erster Stelle.

Tempel, Tiger, Teeplantagen (4)         (Kerala)