(t)olle Kisten und alte Gemäuer

Ich kann es nicht oft genug sagen: auch Deutschland ist sehenswert und so ist es mal wieder Zeit für einen Kurztrip am Wochenende.

Warum aber ausgerechnet ins Siegerland? Ich mag alte Flieger und die treffen sich dieses Wochenende dort.

Lahn StepMap Lahn

ein Himmelbett für mich

29.05.2015

18°C
18°C
147 km
147 km

Es ist 16:20 Uhr und eigentlich Feierabendzeit, aber wie so oft kommt es anders und zweitens als man denkt. Es wird dann doch fast 17:30 Uhr bis mein Lupo den Parkplatz verlässt und mein Wochenende beginnen kann. Wenigstens ist die Autobahn bis kurz hinter Frankfurt frei und ich komme zügig voran, ausgebremst nur durch einen zwar kurzen, aber heftigen Schauer. Bei Bad Homburg verlasse ich die Autobahn und von hier ist es auch nicht mehr weit bis zum Tagesziel. Verfahren habe ich mich auch nicht und so bin ich gegen 19:30 Uhr am Hotel zur Lahnschleife angelangt. Noch lieber hätte ich ja im Schlosshotel genächtigt, aber das war leider voll.


Das Wetter hat sich auch gebessert, die Sonne lugt zwischen den Wolken hervor und der Sonnenuntergang ist auch nicht vor 21:00 Uhr zu erwarten. Da bleibt mir noch ein wenig Zeit, die Stadt zu entdecken.

Keine paar Schritte vom Hotel entfernt liegt das Schloss. Die Schlossanlage erstreckt sich fast   400 Meter lang über die östliche Hälfte des Bergrückens in der Lahnschleife.

Die landschaftlichen Gegebenheiten haben dem damaligen Architekten Ludwig Rothweil wohl mehr als eine Challenge des Tages bereitet. Ist ihm aber ganz gut gelungen, wie ich finde. Für eine Besichtigung ist es aber bereits zu spät.

Dafür bietet sich der kleine Schlossgarten für eine Bummel im letzten Tageslicht an.

Der angrenzende Marktplatz mit altem Rathaus und Brunnen liegt wunderschön in der Abendsonne, aber um diese Zeit geht in Weilburg nichts mehr. Die Tagestouristen sind weg, die Bürgersteige hochgeklappt und die Einwohner haben sich zurückgezogen.

Und dann ist auch die Sonne verschwunden:

Mein Hotel Lahnschleife liegt, wie der Name schon sagt, am Ufer der selbigen. Leider ist der Ausblick durch Bäume versperrt.  

Ich lasse mir noch mein Abendessen im Hotel schmecken und ziehe mich dann auch zurück in mein Himmelbett. Schloss, Drachen, Himmelbett - da war doch noch was. Ach ja, warum fehlt eigentlich immer der Märchenprinz auf dem weißen Pferd?




hoch hinauf und tief hinab

30.05.2015

20°C
20°C
99 km
99 km




Eigentlich war ja geplant, heute die Flugshow zu besuchen, aber laut Programm ist da Morgen mehr los, also wird kurzer Hand umdisponiert und ich erforsche heute mal ein paar alte Gemäuer und begebe mich unter die Erdoberfläche.


Schloss Braunfels sieht aus wie im Märchen, ist aber wahr. Hoch über der Stadt thront das Schloss auf einem Felsen und könnte jedem Disney-Film als Kulisse dienen. Seit 800 Jahren ist es jetzt in Familienbesitz und wird auch von derer zu und von bewohnt und unterhalten. Das nenn ich doch mal ein Eigenheim!

Besichtigen kann man es nur während einer Führung. Dazu gibt es Filzpuschen für alle und schon geht es los. Eigentlich  irgendwie gemein. Die langen Gänge verführen regelrecht zu einer Schlitterpartie mit den Pantoffeln, aber natürlich ist das nicht erlaubt.

Für mich das schönste Zimmer im Schloss: der Rittersaal mit seinen Rüstungen. Er war ein Geburtstagsgeschenk Wilhelms an seine Frau. Allerdings durfte sie das Prachtstück nur durch ein Fenster betrachten und nur mit seiner ausdrücklichen Erlaubnis betreten. Schönes Geschenk. Erinnert mich ein wenig an Väter, die ihren zweijährigen Söhnen eine Märklin Eisenbahn zu Weihnachten schenken.

Ganzer Stolz der Schlossbesitzer ist eine komplette Rüstung für Pferd und Reiter. Das arme Pferd. Seine eigene Rüstung wiegt schon 45 kg, dazu kommen noch das Gewicht des Ritters (75kg), dessen Rüstung (25kg), der Sattel (10kg) und die lange Lanze. Kein Wunder, dass die armen Pferde nach einem Kampf platt waren. Fiel ein Ritter vom Pferd, war er der Lanze des Gegners schutzlos ausgeliefert. War sein Knappe zu feige, ihm zu Hilfe zu kommen, ließ er ihn im wahrsten Sinne des Wortes im Stich.

Annika, unsere Burgführerin hat uns im Laufe des Rundgangs noch einige Redensarten erklärt. So auch die mit dem Satz heißer Ohren. Die Kaminöfen im Schloss wurden von hinten befeuert. Dafür gab es extra Gänge, die hinter den Räumen der Herrschaften lang führten. Grund war, dass die Räume sauber blieben und die Dienerschaft nicht alles mitbekam, was gesprochen wurde. Diese waren aber nicht blöd und fanden rasch heraus, dass man nur das Ohr an den Kamin legen musste, um lauschen zu können. Durch die Hitze bekamen sie ein rotes Ohr; ein eindeutiges Indiz. Wurden sie damit erwischt, gab es gleich noch eines aufs andere Ohr. Sie hatten also einen Satz heißer Ohren bekommen.

Vom Schloss sind es nur ein paar Schritte zum Marktplatz und der ist so schön kitschig, wie nur Deutschland sein kann und wofür uns wahrscheinlich tausende von Japanern, Chinesen und Amerikanern lieben. Aber wir können ja auch anders und da darf ein bisschen Kitsch ruhig sein.

 

 

Dillenburg ist nicht weit entfernt und die Stadt dürfte jedem Niederländer ein Begriff sein. Hier wurde 1533 Wilhelm I. von Oranien, der Stammvater des niederländischen Königshauses geboren. Er war es auch, der 35 Jahre später den Aufstand der Niederländer gegen den König von Spanien begann. Der Krieg dauerte achtzig Jahre und das Ende wird er wohl kaum erlebt haben.

Sein Geburtsort, die Dillenburg war eine der größten mittelalterlichen Burgen in Europa. Ausgestattet mit Bollwerken, Kasematten und Wehrgängen war sie fast uneinnehmbar. Aber nur fast, denn sonst würde sie heute noch stehen. Im Jahre 1760 schossen französische Truppen das Schloss in Brand. Heute erinnert nur noch der 1875 fertig gestellteWilhelmsturm an die ehemalige Festung.

Tatsächlich hat doch ein Gebäude der alten Festungsanlage den Angriff der Franzosen überlebt. Das sogenannte Stockhaus war über Jahrhunderte ein Gefängnis. Seinen Namen hat es von einem ausgehöhlten Holzklotz, dem Stock, in dem die Füße der Delinquenten eingeschlossen wurden. Hier war wahrscheinlich auch Jan Rubens, der Vater des berühmten Malers, inhaftiert. Er hatte mit Anna von Sachsen, der zweiten Gemahlin des Prinzen von Oranien, ein Kind gezeugt. Sowas aber auch! Und was war mit ihr? Gehören da nicht immer zwei dazu?

Und was verbirgt sich jetzt hinter diesem unscheinbaren Eingang? Kaum zu glauben, aber hier geht es zu den Kasematten, die in Kriegszeiten mehr als 2000 Soldaten aufnehmen konnten.

Sie sind in dieser Größe ein in Deutschland einzigartiges unterirdisches Verteidigungssystem bestehend aus Bollwerken und Wehrgängen. Mal schauen, wie es wohl in der Unterwelt Dillenburgs so aussieht. Also ich hätte hier nicht Dienst tun wollen. Es ist eng, ein wenig unheimlich und so riesig, dass ich Angst hätte mich zu verlaufen.

Nicht falsch verstehen, ich liebe unsere deutschen romantischen Städte, aber eine am Tag ist genug und außerdem kann der Himmel sich gerade nicht entscheiden, ob er Regen schicken soll oder doch nicht. Ich mache mich auf die Rückfahrt nach Weilburg und werde dort, wenn das Wetter es zulässt noch einen Bummel entlang der Lahn machen.


Bis Weilburg ist sogar die Sonne wieder hinter den Wolken hervor gekommen und dem Bummel steht nichts im Wege. Das Auto ist schnell am Hotel geparkt und dann kann der Lahnbummel auch schon losgehen. Warum ich jetzt ausgerechnet am Ufer der Lahn entlang will, wo es in Deutschland sicher interessanter Flüsse gibt? Naja, erstens legt sie hier in Weilheim eine hübsche Schleife um den Ort und zweitens, wo ein Fluss, da auch Übergänge und davon hat Weilheim ein paar besondere.

 

 

 

 

Einer davon ist der Ernst Dienstbach Steg für Fußgänger, im Volksmund als Kettenbrücke bekannt. Ursprünglich stand hier die „Rote Brücke“, die der Wasserversorgung des Schlosses diente. Mit Rohrverlegungen durch die Lahn hatte man keine guten Erfahrungen gemacht, sie waren einfach zu reparaturanfällig. 1784 wurde die Brücke durch Hochwasser und Eisgang zerstört. Ein Ersatz musste her und so entstand die erste Kettenbrücke in Kontinentaleuropa. Acht, fast zwei Meter lange Ketten verbanden die Brückenpfeiler. 1888 fand man dann einen anderen Weg die Wasserversorgung zu sichern und die Brücke diente nur noch als Fußgängersteg.


Ich folge der Lahn noch ein Stückchen und komme zu einer weiteren Möglichkeit den Fluss zu queren: die seit mehr als 300 Jahren existierende Fährverbindung mit dem Rollschiff. Rollschiff deshalb, weil das Schiff (oder besser der Kahn) vom Fährmann per Hand an einem Drahtseil, dass über Rollen geführt wird, über die Lahn gezogen wird. Kein leichter Job und deshalb wurden auch nur Personen und Tiere transportiert. Fuhrwerke mussten durch die Furt. Das erste Rollschiff wurde hier 1691 in Dienst gestellt. Die Kosten für Schiff und Seil betrugen damals 18 Gulden. Viele Reparaturen und neue Schiffe folgten, denn immer wieder wurden die Nachen durch Fluten zerstört, abgetrieben, vom Eis eingeschlossen oder einfach von bösen Buben losgemacht.

Weilburg hat aber noch ein maritimes Highlight zu bieten: einen Tunnel für Schiffe. Er wurde 1847 fertig gestellt und ist der älteste und längste durch Schiffe befahrbare Tunnel in Deutschland. Nötig wurde er, weil man die Lahn für den Schiffsverkehr ausbauen wollte. Der Eisenerzbergbau hatte sich stürmisch entwickelt und dementsprechend auch der Schiffsbetrieb. Zur Überwindung der beiden Wehre in Weilburg entschied man sich einfach den Bergrücken zu durchstoßen. Nachdem die Kosten kalkuliert und die bergbautechnischen Untersuchungen abgeschlossen waren, fand im Juli 1843 der Spatenstich statt. Die Fertigstellung war für Ende 1845 geplant, aber wie das so in Deutschland ist, verzögerten schwierige Felsarbeiten die Fertigstellung. Einweihung war dann letztendlich im September 1847. Immer noch besser als bei unserem Berliner Flughafen.

Oldies but Goldies

31.05.2015

18°C
18°C
270 km
270 km

Ich liebe alte Flieger und deshalb ist der Flughafen Siegerland heute mein Ziel. Zuerst ist aber mal ein ausgiebiges Frühstück angesagt, denn mein Ziel ist nur 45 Minuten entfernt und vor 11:00 tut sich da noch nicht viel.

Am Flughafen Siegerland ist heute großes Oldie-Treffen. Alte Flieger und Oldtimer geben sich ein Stelldichein. Oldtimer hatte ich ja erst letztes Jahr im Schlosspark Schwetzingen, deshalb liegt mein Fokus heute mehr auf den (t)ollen Kisten der Luft.

Einen Blick auf die Oldtimer kann man aber ruhig werfen:


Aber jetzt sind dann mal die heißen Kisten dran. Noch stehen sie brav am Boden, aber das wird sich schon bald ändern. 

Jetzt zeigt aber mal, was ihr so könnt. Zuerst ist YAK52 mit Kunstflug dran.

Mein absoluter Liebling ist aber die Sterntakt Oldtimergruppe mit ihrer Kunstflugformation

Soviel Akrobatik schauen macht hungrig. Nach einer mehr oder weniger leckeren Currywurst, mache ich mich auf den Heimweg. Obwohl es schon 15:00 Uhr ist, strömen immer noch Massen zum Flugplatz und die Autos stauen sich einige Kilometer. Ich frage mich, ob die letzten überhaupt noch rechtzeitig ankommen.