geheimnisvolles Land am Himalaya (5)

Farbtupfer in den Hügeln

24.03.2015

23°C
23°C
130 km
130 km

Ein letzter Morgen ist noch dem Nationalpark gewidmet.

Unser Ranger nimmt uns mit auf einen Spaziergang am Fluss entlang in der Hoffnung auf ein paar frühe Vögel. (Wie war das doch gleich mit dem frühen Vogel und dem Wurm?) Ein einsames Krokodil dümpelt ebenfalls in der Flussmitte. Da aber nur Augen und Nase aus dem Wasser schauen, hätte ich es wahrscheinlich niemals entdeckt.      


Elefantenbulle

Bevor wir uns wieder in den nepalesischen Verkehr stürzen, machen wir noch einen Stopp an der Elefantenzuchtstation.

Bei den indischen Elefanten tragen nur die Männchen Stoßzähne, die ihnen von Zeit zu Zeit gestutzt werden, damit sie sich nicht verletzten. Eingesetzt werden die Dickhäuter vom Militär für Patrouillen durch den Dschungel. Touristen lässt man nur auf die weniger aggressiven Weibchen. 


Trifft man am Abend auf frei laufende Elefanten, sind das selten wilde. Die Tiere werden nach getaner Arbeit zum Grasen in die Wälder geschickt.

Vorsicht ist trotzdem geboten, denn so mancher wilde Elefantenbulle sucht sein Glück bei den domestizierten Damen. Ist der erstmal im Liebesrausch, halten ihn weder Tor noch Mauer auf.

Zentrum von Hetauda

Gerne wäre ich hier noch ein paar Tage geblieben, um auf Safari zu gehen, immer in der Hoffnung doch noch einen Tiger zu sehen. Leider, leider müssen wir aber weiter.

Bevor wir die Tiefebene verlassen, machen wir einen Stopp in Hetauda, einem wichtigen Industriezentrum des Landes. Die Stadt gilt als eine der saubersten und grünsten Städte Nepals, trotzdem gibt es touristisch gesehen eigentlich keinen Grund hier zu halten. Wir tun es auch nur, um uns ein wenig die Füße zu vertreten und uns für ein geplantes Picknick mit Getränken zu versorgen. Mangels Einkehrmöglichkeit an der heutigen Strecke, wurden wir vom Hotel mit Lunchpaketen versorgt.

Die einfachste und schnellste Route nach Kathmandu wäre jetzt ein Stück zurück Richtung Westen und dann über Mugling Richtung Hauptstadt. Aber wann waren die interessantesten Routen jemals einfach? Und überhaupt, eigentlich werden wir ja geradewegs gezwungen den kurvigen Tribhuvan Highway zu nehmen, liegt doch unser Hotel für diese Nacht an gerade jenem. Schwache Magennerven darf man heute nicht haben. In tausenden von Haarnadelkurven windet sich die Straße nach oben. Sie ist übrigens die erste Straße überhaupt, die 1957 in Nepal gebaut wurde und dementsprechend schmal. Dagegen war ja selbst der Siddhartha Highway ein Klacks.

Zwei Busse oder Laster sollten sich besser nicht entgegenkommen. Auch wir müssen einmal zurücksetzten um die anderen passieren zu lassen, aber unser Bal Omar meistert die Situation ganz souverän. Hat er doch inzwischen mehrfach bewiesen, dass er seinen Bus voll unter Kontrolle hat und was die anderen Verkehrsteilnehmer betrifft, vertraue ich nach wie vor meinem Schutzengel. Die beiden sind ein gutes Team. Ich kann mich also entspannt zurücklehnen und die Aussicht genießen.

Kurz vor dem Ziel fallen immer mehr Farbtupfer in den grünen Hügeln ins Auge. Ich habe eine gute Zeit erwischt. Die Nationalblüte Nepals, der Rhododendron steht in voller Blüte und verwandelt die Landschaft in ein einziges gigantisches Farbenmeer in pink, rot und weiß. Wer jetzt jedoch unsere Rhododendronbüsche erwartet, wird sich wundern. In Nepal gibt es ganze Wälder davon mit Bäumen bis zu 30 Meter hoch.

Schon gewusst, dass Rhododendronblüten süßsauer schmecken und Vitamin C enthalten? Aber Achtung, weniger ist mehr. Nascht man zu viel davon, kann es zu bizarren Visionen kommen, da die Blüten eine berauschende Wirkung haben. Nicht, dass uns noch der böse Bhairab oder gar Kali erscheinen.

Der Saft aus der Rinde soll Diabetes und Lebererkrankungen heilen und eine Paste aus den Blütenblättern Kopfschmerzen vertreiben. 

Übrigens wachsen auch wunderschöne Orchideen an den Felsvorsprüngen.

Fragt man jemanden, was ihm zu Nepal einfällt, fällt garantiert Yak, Yeti und Himalaya. Acht von den zehn höchsten Bergen der Erde liegen entlang Nepals nördlicher Grenze. Wäre es nicht cool, wenn es einen Ort (und ich meine jetzt kein Flugzeug) gäbe, von dem man sie

alle sehen könnte. Unmöglich? Zu mindestens kann man es nicht von einem der acht Gipfel. Man könnte es aber von genau dem Hotel, in dem wir heute übernachten.

Kurz nachdem wir den 2488m hohen Pass und damit auch den höchsten Punkt der Reise überquert haben, sind wir auch schon am Tagesziel und aller Illusionen beraubt.

Leider, leider verstecken sich die Berge hinter den Wolken und für morgen ist Regen angesagt. Da wird es wohl leider nichts mit dem tollen Ausblick auf die Berge (wahrscheinlich haben wir mit dem Nashorn gestern unseren Glücksvorrat aufgebraucht), aber vielleicht ist uns der Wettergott morgen ja doch noch wohl gesonnen und wir bekommen eine Chance all die 8000er zu sehen. Haben wir doch genau aus diesem Grund einen weiteren Tag auf kurviger Straße auf uns genommen.

Wir übernachten im ersten Haus am Platz, dem Everest Panorama Resort. Zugegeben, es gibt nur zwei und dieses hat auch schon bessere Zeiten erlebt. Geplant war es als Mountainresort und muss mal recht hübsch gewesen sein mit Spa, Tennisplatz etc.

Bedingt durch Unruhen blieben die Gäste aus. Zehn Jahre stand es dann leer und verfiel zusehends. Leider ist nach der Wiedereröffnung nicht viel Geld in die Sanierung gesteckt worden und so sehen die Cottages von weitem ja ganz nett aus, aber es blättert schon überall die Farbe ab.

Zu mindestens sind die Zimmer sauber und für eine Nacht brauch ich auch nicht mehr.

Die eigentliche Challenge erwartet uns aber noch. Mit dem Bus kann man es nicht direkt anfahren und so müssen wir erstmal ein paar Meter treppauf und treppab bis wir am Ziel sind. Da bin ich heute aber doppelt froh, dass es Kofferträger gibt. Die armen Kerle legen den Weg mit je zwei Koffern zurück und haben sich dafür (finde ich) ein ordentliches Trinkgeld verdient.

Empfindlich abgekühlt ist es heute auch mit jedem Höhenmeter. Wie gut, dass in den Betten Heizdecken liegen.



ein letzter Tag auf dem Land

25.03.2015

26°C
26°C
160 km
160 km

Die Uhr zeigt 05:30 Uhr in der Früh und kein Weckruf. Schade, denn das bedeutet keine Chance auf Sonnenaufgang vor Bergkulisse.

Entweder haben wir gestern die falschen Götter um Beistand gebeten oder es lag an den fehlenden Opfergaben. Leider, leider zeigen sich auch nach dem Frühstück keine Berge am Horizont uns so machen wir und enttäuscht auf den Weg Richtung Kathmandu. Da sieht man mal wieder, mit den Bergen ist es wie mit den Wildtieren: das Timing ist entscheidend. Da bin ich inzwischen doppelt froh, dass ich den Himalaya wenigstens in Pokhara sehen konnte. Es soll Leute gegeben haben, die auf einer 14tägigen Rundreise kein einziges Mal die schneebedeckten Gipfel gesehen haben. Das wäre echt Pech gewesen, ist doch der Himalaya einer der Gründe warum es einen hierher zieht.


Lastenträger

Langsam geht es wieder bergab Richtung Kathmandu Tal und die Landschaft ändert sich. Die Berghänge sind übersät mit Terassenfeldern. Allerdings wird hier kein Reis angebaut, sondern Gemüse. Schaut man genau hin, sieht man überall die Trampelpfade, die hinunter ins Tal führen.

Tagesvorrat

Früh morgens kommen die Frauen herauf um Blätter und Brennholz zu sammeln, die sie dann in riesigen Körben auf dem Rücken ins Tal transportieren.


grösster Vishnu der Welt

Kurz bevor wir Kathmandu erreichen, biegen wir ab auf den Arniko Highway, der Verbindung zwischen Indien und China. Unser Ziel ist noch ca. 30 km entfernt und heißt Dhulikel. Es liegt an der alten Handelsstraße nach Tibet und früher wurde hier mit Salz und Schafen gehandelt. Als Handelsstraße taugt der heutige Highway aber nicht besonders. Erstens kommt es während der Monsunzeit immer wieder zu Erdrutschen und zweitens ist es billiger Waren über Kalkutta zu verschiffen, als sie auf dem Landweg durch Tibet zu transportieren.

Daher ist Dhulikel heute eher Anziehungspunkt für Touristen. Erstens ist es nicht allzuweit von der Hauptstadt entfernt und zweitens ist es bekannt für seinen Blick auf hunderte schneebedeckter Gipfel des Himalaya. Allerdings wage ich ein wenig zu bezweifeln, dass wir auf dieser Reise noch mal Glück mit den Bergen haben.

Da kann uns auch der Anblick der weltgrößten Vishnu-Statue nicht drüber hinweg trösten.  Zumal uns der Junge sowieso nicht wohl gesonnen zu sein scheint und seinen Wohnsitz hinter Wolken versteckt.

Vishnu-Tempel

 

 

 

 

Eines hat der Ort Dhulikel Daman aber voraus. Es ist ein wunderschönes kleines Newar-Städtchen mit einer interessanten Altstadt. Der Hauptplatz ist gesäumt von Tempeln – wir hatten ja schon eine Weile keine mehr. Auf dem zentralen Platz befindet sich einVishnutempel, unschwer zu erkennen an den Garudastatuen.

Bhagwati-Shiva-Tempel

Nur ein paar Ecken weiter, treffen wir im Bhagwati Shiva Tempel auf ein altes Mütterchen, dass die Glocke läutet und ganz genau weiß, wie sie sich fotogen präsentieren kann. Germanys Topmodels sind nichts dagegen und die alte Dame, ganz geschäftstüchtig, macht das auch nur in der Hoffnung auf ein paar Rupien.

Topmodel

Noch interessanter ist es, durch die vielen schmalen Gassen zu wandern und die alten Häuser zu bewundern. Ungestört von Autos (die passen hier nämlich nicht durch) kann man in aller Ruhe die Schnitzkunst der Newari bewundern und die hatten wirklich was drauf. Manche der Häuser sehen ziemlich Einsturz gefährdet aus oder haben schiefe Balkone. Da wird einem erst bewusst, dass man sich hier in einem Erdbebengebiet befindet.

Immerhin steht Nepal auf Rang 11 der Erdbeben gefährdendsten Länder und Kathmandu ist nach den alten Sagen schon mehrmals vollständig von Erdbeben zerstört worden. Etwa alle 70-100 Jahre kommt es hier zu einem schweren Erdbeben. Das letzte, mit einer Schwere von 8,3 auf der Richterskala zerstörte 1934 80000 Häuser, darunter auch viele alte Gebäude. Ich mag mir lieber nicht vorstellen, dass nach der Zeitrechnung das nächste große Beben sozusagen vor der Tür steht. 

Manchmal glaube ich, wir sind für die Nepalesen ebenso einen Attraktion, wie sie für uns. Kinder rufen einem freundlich "Namaste" zu, posieren für Fotos oder folgen uns einfach durchs Dorf, ohne dabei aber lästig zu werden oder zu betteln. Ganz toll finden sie es, wenn man sie das Foto anschauen lässt. Dann strahlen sie übers ganze Gesicht. Sogar die Erwachsenen beobachten uns von ihren Fensterplätzen.

Und zum Abschluss treffen wir noch auf unsere Gegner bei der über-über-nächste  Fußballweltmeisterschaft.  

Zieht euch warm an, Jungs!!!!!!! (und ich meine jetzt nicht die Kleinen hier)

Fußballprofies von Morgen

Obwohl wir fast überall nur in 2* und 3* Hotels untergebracht waren, gab es an der Sauberkeit der Zimmer nirgendwo etwas auszusetzten. So auch heute im Himalayan Horizon. Dieses Mal ist das Zimmer wirklich riesig mit einem kleinen Balkon, von dem man theoretisch die Berge sehen könnte. Betonung liegt auf könnte, denn auch hier klappt es leider nicht mehr mit der Fernsicht. Was haben wir nur falsch gemacht, dass uns Vishnu, Shiva und Co so bestrafen.

Dafür sind die Zimmer aber in zwei schönen Gebäuden im Newari-Stil untergebracht.



die Nasenlosen

26.03.2015

23°C
23°C
70 km
70 km

Abfahrt, wie immer geplant für 8:00 Uhr, denn es steht ja noch einiges auf dem Programm. Denkste! Wir wollen gerade (pünktlich, wie wir Deutschen nun mal sind) den Bus entern, als Ram uns zurückpfeift. Unserem Bus ist der Diesel ausgegangen und die Agentur vor Ort hat versäumt Geld zum Tanken zu schicken (wird aber unsere einzige winzige Panne auf dieser Tour bleiben). Das Problem ist schnell auf nepalesische Weise gelöst. Von der Agentur kommt jemand mit einem Fass Diesel, welches dann mit Hilfe eines Eimers, einer Flasche und eines Trichters in den Bus umgefüllt wird. Bereits 15 Minuten später sind wir wieder mobil.



Wie unsere Reise begonnen hat, so wird sie auch enden, nämlich mit einem Tag voller Tempel. Aber keine Angst, es wird nicht ganz so heftig wie am ersten Tag.

Der Weg führt uns zuerst nach Kirtipur, der Stadt der Nasenlosen. Einst war sie ein unabhängiges Königreich, strategisch günstig auf einem Bergrücken gelegen. Wie das in der Geschichte so ist, gibt es immer irgendwen, der so ein Königreich erobern möchte. Männer spielen nun mal gerne Krieg. So kam es im Jahre 1767, wie es kommen musste. Lange konnte die Stadt sich erfolgreich gegen eine Belagerung der Gurkha-Truppen widersetzten. Da aber keinerlei Hilfe vom nahen Patan zu erwarten war, kapitulierte man in der Hoffnung auf Begnadigung. Weit gefehlt. Um ein Zeichen zu setzten und verbliebene Gegner zu demoralisieren, ließen die Sieger allen Männern der Stadt Nasen und Lippen abschneiden. Daher der Name.

Was früher vonVorteil, nämlich die Lage auf dem Bergrücken, ist heute eher ein Nachteil. Der Handel findet am Fuß des Berges statt.

theoretischer Blick ins Tal

Wir wenden uns aber der Altstadt zu, denn erstens ist sie viel interessanter und zweitens hat man vom Uma Mahesvara Tempel, dem höchsten Punkt der Stadt, einen genialen Blick ins Kathmandu-Tal (theoretisch). An klaren Tagen kann man die Stupas von  Bodnath und Swayambhunath sehen. Heute muss man allerdings schon genau schauen, um sie im Dunst zu erkennen. Kein Wunder, dass die Gurkhas an dieser Stadt interessiert waren.

Der Tempel, mit ursprünglich vier Dächern (das oberste wurde beim Erdbeben 1934 zerstört) ist dem göttlichen Paar Shiva und Parvati geweiht. Auf der Rückseite des Tempels befindet sich eine Skulptur, die mit roter Farbe beschmiert ist. Sie stellt die Göttin Kali da, die wie wir ja bereits wissen, eine Inkarnation von Parvati ist. Möchte man den Schutz dieser Göttin genießen, nimmt man etwas Farbe auf den Finger, drückt sich einen roten Punkt auf die Stirn und berührt die Figur mit der Stirn. Da Kali zu den furchtvollen Göttern gehört, kann es ja nicht schaden, sich mit ihr gut zu stellen.

Wie man auf den Fotos sieht, musste auch dieser Tempel in Kirtipur vor Blitzen geschützt werden. Wie das effektiv funktioniert, haben wir ja gelernt.


Streift man durch die engen Gassen der Altstadt, trifft man überall auf kleine Tempel und Schreine. Das ist typisch für Nepal und selbst in der Hauptstadt zu finden. Manche dieser Schreine sind nur Vertiefungen oder Einritzungen im Boden auf die die Opfergaben gelegt werden. Es erfordert einiges an Geschicklichkeit und Konzentration nicht versehentlich auf so ein kleines Heiligtum zu treten. Schließlich ist man ja mit seinen Augen überall. Ich hoffe sehr, dass es mir gelungen ist, die meisten zu umschiffen.   

bewacht von goldenen Löwen

Ein weiterer schöner Tempel ist der Bagh Bhairab Tempel. Hier sieht man die Schwerter und Schilder der tapferen Soldaten, die einst diese Stadt verteidigt hatten. Verwundern mögen einen die Rinderschädel, die an einer Seite des Tempels angebracht sind. Es sind die Überreste von Tieropfern. Das lange Band, welches von der Tempelspitze bis fast zur Erde reicht, findet man in vielen nepalesischen Tempeln. Es symbolisiert die Verbindung von Himmel und Erde.


Wir beenden unseren Rundgang am zentralen Dorfplatz mit seinem großen Wasserbecken. Es ist eines der Wasserreservoirs der Stadt. Wenn ich mir Farbe und Stand des Wassers so betrachte, weiß ich erst zu schätzen, dass man bei uns zuhause nur den Hahn aufdrehen muss und sauberes Wasser fließt aus der Leitung. Direkt gegenüber liegt das Rathaus der Stadt mit wunderschönen Holzschnitzereien.

Chobar-Schlucht

Es ist schon fast Mittagszeit, aber bevor wir uns laben, steht ein Besuch des Ortes Chobar an.

Hier fließt der Bagmati durch die Chobar-Schlucht und mit ihm sämtliche ungeklärten Abwässer von Kathmandu und Patan. Jedenfalls riecht es dementsprechend. Eigentlich schade, denn die Schlucht ist schon imposant. Wer diesen Bericht aufmerksam gelesen hat, erinnert sich vielleicht, wie der Legende nach das Kathmandu-Tal entstanden ist. Hier muss es demnach gewesen sein, wo Krishna den Berg spaltete, um das Wasser ablaufen zu lassen.


Gleich neben der Schlucht liegt der Jal Vinayak Tempel mit einer großen Ratte vor der Haustür. Na, wem ist der wohl gewidmet? Richtig, es ist Ganesh, hier aber verehrt in einer eher ungewöhnlichen Form. Im Inneren des Tempels befindet sich ein Stein mit Abdruck, der einem Elefantenkopf ähnelt.

Noch auf der Suche nach dem Richtigen und keine Lust Geld in ein Partnerschaftsinstitut zu stecken? Dann ist man hier als Frau richtig. Ganesh wird nachgesagt, er habe ein Händchen den Bräutigam für ein unverheiratetes Mädchen zu finden. Ob die erotischen Schnitzereien hier wohl deshalb farbig sind, damit in der Hochzeitsnacht auch ja nichts schief geht?

 

 

 

 

 

Vielleicht sind es aber auch die ständigen Rückenschmerzen, die einen plagen? Auch dann ist man hier richtig. Auf dem Gelände gibt es einen Stein, der, wenn man sich darauflegt, diese vertreibt. Wenn's denn hilft (und man dran glaubt).


Jetzt wird es aber Zeit für unser Mittagessen. Kaum haben wir es uns draußen auf einer Terrasse, geschützt durch ein Blechdach, gemütlich gemacht, fängt es an wie aus Kübeln zu gießen. Irgendwie scheint Nepal uns die Laune vermiesen zu wollen. Oder ist es einfach nur seine Art uns den Abschied einfacher zu machen? Eigentlich steht ja noch der Höhepunkt des Tages auf dem Programm. Soll der jetzt im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fallen? Aber nicht mit uns. Von so einem Wolkenbruch lassen wir uns doch nicht aufhalten. Da muss Kali, deren Tempel wir noch besichtigen wollen, sich aber was Besseres einfallen lassen. Das scheint sie wohl begriffen zu haben, denn kaum sind wir wieder im Bus, ist der Spuk vorbei. (oder zu mindestens fast)


Die Straße, der wir jetzt folgen windet sich durch die Schlucht, vorbei an Pharping. Sie ist gesäumt von buddhistischen und hinduistischen Heiligtümern.

Einem davon, dem Shesh Narayan Tempel statten wir einen Besuch ab. Umgeben von Teichen duckt er sich unter einen großen Felsvorhang. Geweiht ist er Vishnu und er stammt aus dem 17. Jhdt. Man nimmt aber an, dass die kleine Grotte zur Rechten schon viel länger Ziel von Gläubigen war. Wenn man bereit ist 300 Rupien für eine Butterlampe zu zahlen, darf man die Höhle betreten und auf Erleuchtung hoffen (und sei es auch nur durch das Licht der Lampe)

Ganz am Ende der schmalen Straße liegt dann unser Höhepunkt für heute, der im wahrsten Sinne des Wortes blutgetränkte Tempel Dakshinkali. Wie aus dem Namen unschwer zu erkennen, ist er wem gewidmet? Der Dame sind wir heute bereits begegnet und sie scheint eine Art Vampir unter den Göttern Nepals zu sein. Ja, wir sprechen von Kali, der blutdurstigen Inkarnation von Parvati. Natürlich ist sie nicht wirklich ein Vampir. Der Glaube besteht darin, dass nur durch Zerstörung etwas Neues entstehen kann. Kali bedeutet die göttliche Kraft der Zerstörung und zugleich die Gewährung von Gnade und Vertreibung von Angst.

Um die Göttin gnädig zu stimmen, werden zweimal die Woche ganze Menagerien von männlichen (unkastrierten) Tieren den Pfad zum Tempel hinabgetrieben. Bevorzugt sind das Hühner, Enten, Ziegen und Schafe, aber manchmal ist auch ein Rind dabei. Frei nach dem Motto: viel hilft viel! Hindus glauben nämlich, dass ihnen dadurch ihre Sünden vergeben und Wünsche erfüllt werden. Früher wurden Kali sogar Menschenopfer dargebracht, das ist heute aber verboten. (zum Glück)

Viele Treppenstufen führen uns zum tief im Tal gelegenen Heiligtum hinab, und der Weg ist gesäumt von Bettlern, Verkäufern, Sadhus, Heiligen und Scheinheiligen.

Huhn vergessen? Kein Problem! Wer sein Opfertier vergessen hat, kann sich hier noch eindecken, ebenso mit anderen Opfergaben, wie Kokosnüssen, Blumengirlanden oder Früchten

Huhn vrgessen?

Durch den erst kürzlich nieder gegangenen Wolkenbruch bekommt das Ganze eine fast unheimliche Atmosphäre. Wieviel Blut mag hier wohl an den Hauptopfertagen Samstag und Dienstag fließen? 


Den Tempel selber dürfen, wie gehabt, nur Hindus betreten, aber von den umliegenden Terrassen kann man sich einen Überblick verschaffen. Heute geht es hier recht ruhig zu, aber dennoch stehen große Töpfe bereit.

Hexenküche

Denn einen praktischen Aspekt hat die Sache dann auch. Nachdem das Tier geopfert, heißt geköpft    und zerteilt wurde, kommt das Fleisch in den Topf. Die Pilger haben alles dabei, was man so zu einem Barbecue benötigt und den Rest des Tages verbringt man feiernd im Wald.

ein Lichtlein brennt

Ram hat erzählt, das an den Hauptopfertagen die Menschen kilometerlang anstehen, um der Göttin zu huldigen. Da muss man dann wohl früh aufstehen, soll aus dem Picknick im Wald was werden.


Für uns wird es jetzt Zeit in die Hauptstadt zurückzukehren. Morgen früh geht es zurück nach Deutschland und zu sechst wollen wir die Tour mit einem nepalesischen Essen in Kathmandu beenden.

Bhojan Griha

Der Name des Restaurants bedeutet übersetzt: Haus des Essens. Lassen wir uns doch mal überraschen, was die nepalesische Küche so zu bieten hat. Das eine oder andere konnten wir auf der Tour ja bereits kosten. Überall unterwegs zu finden ist Dhal Bhat, bestehend aus Reis und Linsenbrei. Heute gibt es die etwas noblere Variante, bei der Curry und Fisch die Beilage ergänzen. 

Zwischen den Gängen gibt es nepalesische Folklore. Glaubt man Ram, so geht es in den meisten Tänzen um Liebe. 

Mir hat der Abend sehr gut gefallen. Klar ist es eine Touristenadresse, aber nicht so furchtbar wie anderswo auf der Welt. Es war ein wirklich gelungener Abschluss einer tollen Reise.

Nachdem wir im Hotel eingecheckt und uns umgezogen haben, geht es zum Restaurant Bhojan Griha. Dieses befindet sich in einem restaurierten Ranapalast im Zentrum von Kathmandu. Die Fahrt dorthin entwickelt sich dann noch zu einer kleinen Challenge des Tages, aber diesmal ist nicht der Verkehr schuld. Eine Baustelle versperrt uns den Weg und wir müssen das letzte Stück zu Fuß durch ein paar ziemlich einsame und dunkle Gassen. Das wird doch jetzt nicht Kathmandus Antwort auf die Frage "wie werde ich zu viele Touristen los" sein? Zum Glück ist Ram ja dabei, der wird schon auf uns aufpassen. (Schließlich hat er ja noch kein Trinkgeld bekommen) 

der Tisch ist gedeckt

Bedingt durch seine Lage sind nepalesische Gerichte oft tibetisch oder indisch beeinflusst. Dazu fallen mir die leckeren Momos ein. Diese stammen aus Tibet und gelangten durch Einwanderer nach Nepal. Es sind mit Gemüse oder Fleisch gefüllte Teigtaschen, die entweder in heißem Öl ausgebacken oder im Topf gedünstet werden. Entstanden sind sie angeblich, weil Buddhisten keine Tiere töten. Um das Fleisch trotzdem essen zu können, verstecken sie es in Teigtaschen, um es nicht sehen zu müssen. Ganz schön clever!

Zum Essen wird Reisschnaps gereicht (kostenlos) und auch reichlich nachgeschenkt. Naja, ich muss den Flieger ja morgen nicht steuern.

der Reisschnaps fliesst in Strömen


36 Stunden bis Deutschland

27.03.2015

23°C
23°C
8 km
8 km

Um 4.30 Uhr ist die Nacht zu Ende, denn um 8:30 Uhr geht der Flieger. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Am Airport angekommen hat sich bereits eine lange Schlange gebildet. Zum Glück liegt es nur daran, dass das Gebäude noch nicht geöffnet ist. Diese Schlange löst sich rasch auf und bildet sich am Check-in erneut. Dort erwartet uns die Überraschung des Tages (aber nicht unbedingt positiv).

Bei dem Nebel draußen, hatte ich sowas ja schon befürchtet: der Flug hat 4 Stunden Verspätung. Einigen aus der Gruppe beschert das eine zusätzliche Nacht in Istanbul. Ich sehe das Ganze noch sehr relaxed, weiß ich doch, dass es nach Frankfurt noch einen späteren Flug am Tag gibt (das hatte ich daheim in weiser Voraussicht schon überprüft). Wenigstens habe ich bis Istanbul schon mal mein Upgrade in der Tasche und das ohne nachfragen. Die Upgrade-Geschichte funktioniert echt super und überrascht mich immer wieder. Jetzt heißt es nur noch vier Stunden zu überbrücken. Lounge geht bei kostenlosem Upgrade leider nicht, aber ich will mich gar nicht beschweren. Wie heißt es so schön, einem geschenkten Gaul...


delayed

Nach der Ausreise bekommen wir im Restaurant erstmal ein Frühstück sponsert by TK. Damit können wir schon mal etwa   90 Minuten totschlagen. Wenn wir wüssten! Die geänderte Abflugzeit rückt immer näher, aber keine Maschine in Sicht. Wie sich dann herausstellt, kreiste der Flieger wegen der nach wie vor schlechten Wetterlage über Kathmandu bis er notgedrungen nach Delhi ausweichen musste. Da sitzen wir jetzt, wollen heim und der Flieger ist in Indien. Einziger Trost: es ist nicht auf dem Hinflug passiert. Dann hätten wir die Besichtigung von Kathmandu abschreiben können.

Inzwischen habe ich zeitlich auch meinen Point-of-no-return überschritten, heißt die Abflugzeit, mit der es mit dem Anschluss nach Frankfurt noch gereicht hätte. Um 15:00 Uhr (inzwischen bin ich bereits seit 9 Stunden auf einem nicht so attraktiven Airport) folgt dann Lunch (ebenfalls sponsert bei TK). Den schenk ich mir aber, denn es bedeutet zurück in die Halle und später wieder durch Security, an der sich inzwischen lange Schlangen gebildet haben. Ein bezahltes Mittagessen bedeutet aber wohl auch, dass sich die Maschine so schnell nicht blicken lässt.

Mit der Zeit wird es immer frustrierender, dass andere Airlines einigermaßen pünktlich rausgehen. Jedes Mal, wenn ein Flieger landet, der hoffnungsvolle Blick aufs Leitwerk, nur um enttäuscht festzustellen, dass das Design wieder nicht stimmt. Besonders schlimm ist es, wenn die Maschine, erkennbar an der Airline aus Indien kommt. Verdammt, wo bleibt denn nur TK. Inzwischen würde ich sogar mit Air India via Delhi fliegen, nur um endlich hier raus zu kommen. Informationen gibt es kaum noch und die Anzeigetafeln haben scheinbar gegen 16:00 Uhr ihren Geist aufgegeben. Glaubt man der Buschtrommel (und die funktioniert erstaunlich gut) soll der Flug um 18:15 Uhr rausgehen.

Um 18:05 Uhr bricht tosender Applaus aus - das wird doch wohl nicht etwa...

Ansage auch jetzt noch Fehlanzeige, aber das neue Abfluggate spricht sich schnell rum. Dort wird unsere Geduld aber nochmals auf eine harte Probe gestellt. Erst eine Stunde später ist TK 727 ready for boarding. Unter lauten Pfiffen und Jubelgeschrei wird die Maschine gestürmt. Das habe ich so in den vielen Jahren auf Reisen auch noch nicht erlebt.

Bis wir dann aber endgültig abheben, wird es 20:15 Uhr. Mit fast 12 Stunden Verspätung verlassen wir Nepal. Da lohnt sich die Hotelübernachtung in Istanbul eigentlich überhaupt nicht mehr. Egal, darüber zerbreche ich mir später den Kopf. Jetzt bin ich einfach nur froh, als der Flieger endlich abhebt.

Eine Überraschung erwartet mich dann doch noch an Bord. Wir fliegen mit einem A330-200 und der hat bereits die neue Business-Class an Bord. Hier sind die Sitze schräg zur Flugrichtung angeordnet und jeder hat sein eigenes kleines, fast abgeschlossenes Abteil.

keiner stört

Das ist echt angenehm, denn keiner stört keinen. Start und Landung sind in Schräglage aber etwas gewöhnungsbedürftig. Irgendwie habe ich es heute mit dem Wetter, denn auch auf dem Flug werde ich ganz schön durchgeschüttelt.

 

Ankunft Istanbul dann um 01:15 Uhr. Wie schön, dass die Business ihren eigenen Bus hat, so lande ich ziemlich vorne in der Schlange am Transfer-Counter. Erstmal gibt es nur eine Eco-Bordkarte und eine Hotelübernachtung. Wäre es das Hotel am Airport gewesen, hätte ich das Angebot angenommen, aber bis ich mit dem Transfer im Hotel bin und mein Zimmer habe, kann ich ja schon fast wieder los. Da versuche ich es doch lieber nochmal mit dem Upgrade und nach einigen Telefonaten klappt es dann doch. Da zeigt sich wieder, dass man mit ein wenig Freundlichkeit weiter kommt, als wenn man am Schalter den Macker raushängen lässt und auf seine angeblichen Rechte pocht. Und dabei hat in diesem Fall die Airline die Verspätung nicht mal verschuldet. Mir tat der Angestellte am Nebenplatz echt leid, da er genau so einen Typen abbekommen hat. Hat sich aber tapfer geschlagen, der Junge und nicht nachgegeben. Respekt! Ich sehe in der Verspätung einfach mal das Positive, denn so habe ich genügend Zeit mir die Lounge anzuschauen. Ist schon erstaunlich, was um diese Zeit am Airport noch (oder schon wieder) los ist.

Eintritt in eine andere Welt

Nachdem die erste Müdigkeit verflogen ist, erwacht in mir die berufliche Neugier und ich muss jetzt erstmal diese Lounge erforschen. Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber ich komme mir  ein wenig vor wie Alice im Wunderland. Da die meisten Airlines mit Upgrades eher geizen oder sie ganz verweigern, kenne ich zugegebenermaßen nicht zu viele Lounges, aber die von TK in Istanbul ist einfach geil (Entschuldigung für den Ausdruck). Sie ist zwar riesig, aber durch die vielen ineinander übergehenden Räume, wirkt sie gemütlich. Und was es da alles zu entdecken gibt: Computerterminals, eine Carrerarennbahn, einen Billardtisch und vieles mehr für den Zeitvertreib. An allen Ecken und Enden trifft man auch auf Essbares. Da gibt es Kuchenbuffets (homemade incl. Apfelstrudel), Obststände, ja sogar eine Olivenbar, eine Popcornmaschine, Stände mit Wein und anderen Spirituosen und natürlich die üblichen warm/kalten Büffets. Der Stand mit den Sesamkringeln weckt nostalgische Erinnerungen.

Olivenbar

Aber auch in der schönsten Lounge kommt man irgendwann an den Punkt, wo man vom Warten einfach nur noch die Schnauze voll hat und Heim möchte. Zum Glück ist der Flug nach Frankfurt pünktlich und alles verläuft nach Plan.

36 Stunden nachdem ich das Hotel in Kathmandu verlassen habe bin ich dann endlich zuhause.