geheimnisvolles Land am Himalaya (4)

Tempel oder Trekking?

20.03.2015

27°C
27°C
0 km
0 km

Es wird die zusätzliche Schlafrunde. Ein Blick aus dem Fenster um 6:00 Uhr sagt mir, dass die Berge noch keine Lust auf eine Fotosession haben. Mal schauen, was der Tag bergtechnisch noch so bringt.

Vor der Reise hatte ich mir ja bereits Gedanken darüber gemacht, wie man den Tag hier am besten nutzt, um so viel wie möglich zu sehen / erleben. Ich würde ja gerne die Chance nutzten auf eine Wanderung zu gehen, damit wenigstens ein bisschen Trekkinggefühl aufkommt und auch um die herrliche Landschaft zu genießen. Allerdings will ich Tansen auch nicht verlassen, ohne mich im alten Teil umgesehen zu haben. So schnell kann man wieder Lust auf Tempel bekommen. Glücklicherweise haben wir einen der besten Reiseleiter der Welt, der wohl aus Erfahrung weiß, was seine Touristen so wollen. Er nimmt mir die Entscheidung ab


Blick auf Tansenb

Nach einem stärkenden Frühstück geht es erstmal auf Wanderung. Ich nenne es mal extra nicht Trekking, denn erstens geht es nicht hoch hinauf, sondern in gemäßigtem Tempo bergab und zweitens würden die echten Trekker nur über uns lachen. Sollen sie ruhig, jeder nach seiner Façon.

Der erste Teil unserer dreistündigen Tour geht am Ortsrand von Tansen entlang. Es ist gerade 10.00 Uhr, als wir an einer Schule vorbeikommen. Natürlich schallt es "Namaste" aus fünfzig Kinderkehlen. Wir lassen uns von den Kleinen nicht zweimal bitten und treten ein. Manche der Schulräume sind in Lehmhütten untergebracht und bieten gerademal Platz für 5 Schüler. Alles, die Schuluniformen der Kinder und auch die Unterrichtsräume sind blitzsauber. Davon könnten sich so manche Schüler bei uns eine Scheibe abschneiden. Vor Unterrichtsbeginn wird sich ordentlich in Reih und Glied und nach Klassen aufgestellt und erstmal die Nationalhymne gesungen. Das mit dem Reih und Glied klappt bei den ganz Kleinen heute nicht so. Zu interessant sind die komischen Leute, die da mit Fotoapparaten die Schule besuchen. In Nepal gibt es zwar für die ersten 5 Grundschuljahre eine Schulpflicht, aber von den Dörfern müssen die Kinder oft bis zu drei Stunden zur Schule laufen (einfache Strecke). Dass die dazu nach einer Weile keine Lust mehr haben, ist irgendwie verständlich und so besuchen nur ca. 70% überhaupt die Schule und ganze 7% schaffen es bis zur Abschlussprüfung in der 10. Klasse. Wie bereits erwähnt werden bei Geldmangel bevorzugt die Jungs zur Schule geschickt. Daher kommen in der Regel auf zwei Schüler eine Schülerin.


Blütenträume

Wir verabschieden uns von den Kindern und setzten unsere Wanderung fort. Es geht noch ein Stückchen bergab durch Dörfer, doch dann folgen wir dem Weg am Wald entlang. Wären da nicht die Reis-Terrassen und die schneebedeckten Berge, könnte man auch im Pfälzer Wald sein.

Schade nur, dass es heute so dunstig ist. Wir haben einen wunderbaren Blick über die Annapurnakette, aber die Kamera schafft es leider nicht die Berge einzufangen.

Dass es am Anfang meist bergab ging, rächt sich jetzt, denn irgendwie müssen wir ja auch wieder bergauf zum Hotel. Ich glaube, ich sollte zuhause doch mal wieder wandern. Wenigstens habe ich einige Kalorien verbrannt (hoffe ich jedenfalls) und bin auch wieder oben angekommen.


Nach dem sich die Füße etwas erholt haben, brechen wir am Nachmittag zur Besichtigung von Tansen auf. Unser Hotel liegt ja, wie bereits erwähnt ca. 2 km oberhalb der Stadt, also geht es erstmal stramm und ziemlich steil bergab. Ich mag jetzt noch gar nicht darüber nachdenken, dass ich da später auch wieder hoch muss.

Tansen wurde im 11. Jhdt. gegründet und war einst Hauptstadt des mächtigen Königreichs Palpa. Daher wird die Stadt auch heut noch oft Palpa genannt. Es gibt hier nicht so viele Sehenswürdigkeiten wie in den Orten im Kathmandu-Tal.

Das Interessante an Tansen ist die Altstadt im Ganzen, die mittelalterliche Atmosphäre, die vielen Newari-Häuser mit ihren kunstvoll geschnitzten Fenstern und die engen, gepflasterten Gassen. Viele davon so schmal, dass Autos nicht hindurch passen. Die meisten der alten Newari-Häuser haben im Erdgeschoss einen Laden und oben drüber wird gewohnt. Was da nicht alles verkauft und angeboten wird. Sehr viel Schmuck, aber auch Messingwaren und allerlei aus Dhaka-Stoff. Dafür ist der Ort bekannt. Man könnte sich aber auch die Haare schneiden lassen oder in einem der Hotels am Busbahnhof übernachten. Wie sagt unser Ram so schön:" da ist alles inklusive, Übernachtung, Essen, Läuse, Flöhe, Wanzen..."

bitte einmal Haare schneiden
Hostel am Busbahnhof

Kommt man vom Hotel, erreicht man zuerst den Marktplatz mit seinem eigenartigen achteckigen Pavillon. Hier, am Sitalpati hatten früher die Gouverneure des Schahs ihren Auftritt vor Publikum und auch heute noch ist er Treffpunkt der Einheimischen. Ich liebe solche Plätze. Kann man doch hier bestens das Leben und Treiben der Einheimischen (und auch der Touristen) beobachten. Wie bereits erwähnt, ist der Ort Zentrum der Messing- und Stoffmanufaktur. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass es am Marktplatz etliche kleine Läden gibt, die obige Erzeugnisse verkaufen. Einen weiteren kleinen Tempel gibt es am Rande des Platzes, der, passender Weise wem wohl gewidmet ist? Wer zu Beginn gut aufgepasst hat, müsste die Antwort darauf wissen. Für alle anderen hier die Lösung: er ist natürlich Bhimsen, dem Schutzgott der Kaufleute gewidmet. Ob er wohl auch, wie die im Tal mit erotischen Schnitzereien ausgeschmückt ist? Die fehlen hier leider.

Tontöpfe

Lässt das darauf schließen, dass es hier keine Unwetter mit Blitzen gibt, vor denen man den Tempel schützen müsste oder


waren die Menschen in diesem Königsreich prüder? Trifft wohl beides nicht zu, wie wir später noch feststellen werden.

 

Am unteren Ende des Marktplatzes gelangt man durch ein Tor auf den Tansen Durbar mit dem Neubau des Palastes. Verwundern mag einen der Baustil, passt er doch nicht zu dem, was wir bereits gesehen haben. Die Gebäude hier gehören zu den wenigen in Nepal, die in unserer abendländischen Architektur ausgeführt sind. Der Palast wurde im 19. Jhdt. erbaut und beherbergte 64 Räume.Was heute hier zu sehen ist, ist allerdings eine originalgetreue Kopie, denn leider wurde das Original 2006 in der Schreckensnacht von Tansen vollkommen zerstört. 4000 maoistische Kämpfer lieferten sich mit den Regierungstruppen eine erbitterte Schlacht. Die ganze Nacht wurde gekämpft und das Ergebnis im Morgengrauen waren ein in Flammen aufgegangener Palast und mehr als 30 Tote.

Verwundern mag einen auch die Höhe des Baggi Dhoka, das Tor durch welches man den Platz betritt. Selbst für einen Reiter wirkt es noch sehr hoch. Nicht jedoch, wenn der Reiter statt eines Pferdes einen Elefanten bevorzugt. Als Fan von Pomp und Gloria pflegte der damalige Gouverneur auf einem Elefanten auszureiten um sein Volk zu grüßen. Ehre wem Ehre gebührt oder man gönnt sich ja sonst nichts.

Baggi Dhoka

Narayan-Tempel

Krönender Abschluss eines Rundgangs durch Tansen ist ein Besuch des Narayan Tempels, gilt er doch als schönster Tempel außerhalb des Kathmadu-Tals.

Tierköpfe

Allerdings muss man dazu erst die steile Asan Tole hinunter (und später leider auch wieder rauf - bin ich eigentlich eine Bergziege oder sowas?)

Der dreistufige Holztempel im Pagodenstil wurde 1807 im Auftrag des ersten Gouverneurs der Stadt erbaut und ist Vishnu geweiht. Bei Vishnu muss man immer mit Erotik rechnen und tatsächlich finden sich an den Sparren erotische Schnitzereien. (so viel zu meiner Theorie bezüglich des Bhimsen Tempels), aber auch die Darstellungen von Tierköpfen über der Tür sind bemerkenswert. Hat man die Möglichkeit, sollte man am Abend hier her kommen wenn Gläubige Vishnu mit Butterlampen huldigen.

Und dann kommt die angenehme Überraschung. Ganz in der Nähe des Tempels befindet sich der Busbahnhof und da steht unser Bus. Ram hat ihn für uns angefordert, damit wir den steilen Weg zum Hotel nicht wieder hoch kraxeln müssen. Ach, was liebe ich diesen Mann.

was den Christen Bethlehem....

21.03.2015

26°C
26°C
85 km
85 km

Heute vertraue ich dann wieder voll und ganz den Fahrkünsten unseres Fahrers. Bal Omar hat uns bisher sicher über alle nepalesischen Highways gefahren, da wird ihn der zweite Teil des Siddhartha Highways hoffentlich auch nicht aus der Ruhe bringen. 85 km sind es nur bis zu unserem heutigen Ziel und davon nur noch 45 auf der kurvenreichen Strecke. Schliesslich müssen wir ja vom 1500m hohen Tansen in die Tiefebene. Ein Stückchen begleitet uns der Tinau tief unten in der Schlucht und oben an der Straße sind es nur wenige Zentimeter bis zum Abgrund. Kommen sich dann zwei Busse entgegen, kann es schon mal verdammt eng werden. Da hilft nur noch beten und besser nicht in den Abgrund schauen.

bitte kein Gegenverkehr

Sidhha-Baba-Tempel

Wie gut, dass kurz vor Butwal der Sidhha Baba Tempel in Sicht kommt. (Für alle, die mit dem Gedanken spielen, ein Gebet könne bei diesen Straßen nicht schaden). Er liegt am Ufer des Tinau und ist einer der bekanntesten Tempel in dieser Gegend. Ok, vielleicht dann doch nicht so bekannt, dass er es in die gängigen Reiseführer schafft, nicht mal im „LonelyPlanet“ findet er Erwähnung. Das liegt aber sicher daran, dass sich in diese Gegend kaum noch Touristen verirren. Der Samstag ist in Nepal, was in Deutschland der Sonntag und was macht der gute Christ bzw. der gläubige Hindu an diesem Tag? Na klar, er geht zum Tempel. Ich glaube so mancher deutsche Pfarrer würde sich solche Schlangen von Menschen vor seiner Kirche wünschen.

Sidhha bedeutet auf nepalesisch Erfüllung und Baba ist ein Heiliger. Da liegt es doch Nahe, dass dieser Mann Wünsche erfüllen kann. Gläubige, deren Wunsch erfüllt wurde, opfern dem Tempel Tauben. Betrachtet man die große Anzahl an Vögeln, die hier herumschwirren, würde ich sagen, der Mann ist recht erfolgreich. Leider habe ich gerade keine Taube zur Hand, um um die Erfüllung eines Wunsches zu bitten. Bleibt also alles beim Alten und nach kurzer Zeit sind wir dann auch schon am Tagesziel Lumbini angelangt.

Bevor wir aber im Hotel einchecken, statten wir der Friedensstupa noch einen kurzen Besuch ab. Gebaut wurde sie von einem japanischen Buddhisten und hat sage und schreibe 1 Million Dollar gekostet. Sie sieht aber wunderschön aus, wie sich strahlend weiß im Seerosenteich spiegelt.

Friedensstupa
Spiegelung im Seerosenteich

Unser Hotel Lumbini Garden für diese Nacht hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Die Zimmer sind aber recht groß und auch sauber. Im Speisesaal darf man aber nicht ganz so genau hinschauen und die Tischdecke wird wohl auch nur alle paar Tage ausgewechselt. Im Vergleich zu Tansen ist auch das Essen eher einfallslos. Was soll's, ich will hier ja nur eine Nacht schlafen und morgen geht es endlich zu Tiger und Co.

 




Baby-Buddha

Wieso aber gibt es jetzt hier in Lumbini so viele buddhistische Tempel und Klöster? Und wieso der Vergleich mit Bethlehem?

Es begab sich zur Zeit 563 vor Christus (aber so genau weiß man das eigentlich gar nicht), dass hier in Lumbini in einer Vollmondnacht Siddhartha Gautama, der spätere Buddha geboren wurde. Der Seher Asita verkündete, dass aus ihm einst ein großer König oder Heiliger werden würde. Sein Vater (die Mutter verstarb kurz nach seiner Geburt) wollte daraufhin aus dem Sohn einen König machen und so wuchs der Knabe wohlbehütet, fern von Leid und Schmerz und im Luxus auf. Erst mit 29 Jahren, bereits verheiratet und Vater eines Sohnes, verließ er erstmalig den Palast und ging mit seinem treuen Diener viermal auf Tour. Was ihm dabei begegnete, nämlich ein Alter, ein Kranker, ein Leichenzug und ein Mönch, veränderte sein Leben und ließ ihn erkennen dass Jugend vergeht, Reichtum nicht vor Krankheit schützt und der Tod jeden trifft. Die Begegnung mit dem Mönch brachte ihn dazu, sein Leben zu ändern und als Bettler durch Nordindien zu ziehen. Nach sechs Jahren auf Tour kam ihm unter einer Pappel-Feige die Erleuchtung. Daraufhin zog er nach Benares und verkündetet dort erstmal seine Erkenntnisse. Mit 80 starb er an einer Lebensmittelvergiftung und seine Asche und Knochen wurden in Lumbini unter acht Erdhügeln beigesetzt, so die Legende. Wie es aber sein kann, dass von zahlreiche buddhistische Heiligtümer behauptet wird, sie enthielten Überreste Buddhas, davon später.

Wir ziehen das Ganze von hinten auf und widmen uns erstmal der zehn Quadratkilometer großen Parkanlage mit buddhistischen Klöstern aus aller Welt. Um sie alle zu besichtigen, reicht die Zeit nicht, schließlich heißt es ja jedes Mal Schuhe aus, Schuhe an. Frau denkt ja bekanntlich mit, bzw. liest Reiseprogramm und trägt heute Sandalen. Die lassen sich weit schneller aus und anziehen als Turnschuhe und auch ein extra Paar Socken im Rucksack erweist sich als sehr praktisch (und nicht nur, weil der Boden recht heiß ist.)

Wir beschränken uns auf einige wenige Tempel auf der westlichen Seite. Den Anfang macht Singapur und auch Nepal (mit den Augen Buddhas) darf natürlich nicht fehlen.


der deutsche Beitrag

Ich weiß, Eigenlob stinkt, aber der deutschen Tempel ist in diesem Bereich eindeutig der schönste. Sagt sogar Ram, aber das muss er ja wohl auch. Im Gartenbereich sind überall Figurengruppen um Buddha und die Außenwände sind mit wunderschönen Malereien verziert.

OK, ich gebe zu er hat ein bisschen was von Disneyland, aber trotzdem gefällt er mir am besten. 

Disney lässt grüssen

Den Abschluss machen der chinesische Tempel (der mich ein wenig an die verbotene Stadt in Peking erinnert) und ein goldener Tempel, wie man ihn wohl in Thailand oder Myanmar finden könnte.

der berühmte Baum

Herzstück ist aber der

Maya Devi Tempel, der genau an der Stelle steht, wo Buddha unter einem Baum geboren wurde.

Fragt sich nur, ob sich die Besichtigung lohnt? Mich hat er jedenfalls nicht von den Socken gehauen.

Im Jahre 1992 fand man hier über 2200 Jahre alte Ruinen. Hölzerne Stege führen durch das überdachte Ausgrabungsgelände, aber das Interesse der Pilger gilt einem besonderen Relief. Auf ihm ist die Geburt Buddhas dargestellt, bewacht von Brahma und Indra. Man muss allerdings schon recht genau hinschauen, um überhaupt etwas zu erkennen, da der Sandstein unter den vielen Berührungen zu Ehren der Mutter Buddhas etwas gelitten hat. Hätte man ja vielleicht im 14. Jhdt. bei der Wahl des Gesteins berücksichtigen können. Inzwischen heißt es deshalb: berühren verboten.

Maya-Devi-Tempel

Bevor ich mich jetzt auf den Rückweg zum Hotel mache, bin ich noch die Antwort schuldig auf die Frage, wie denn die Überreste Buddhas in die zahlreichen Heiligtümer gelangt sind. Das hat ein Stück weit zu tun mit der Säule, die vor dem Tempel steht. Nach Buddhas Geburt wurde Lumbini zum Wallfahrtsort für seine Anhänger, darunter auch der indische Kaiser Ashoka. Dieser lies im Jahre 249 v Chr zu Ehren Buddhas eine seiner Säulen errichten. Die Legende besagt auch, dass er verfügt habe, dass sieben der Grabhügel geöffnet und die Überreste auf 84.000 Stupas in seinem Reich verteilt werden sollten. Betrachtet man das mal mathematisch, sind das ja nur ein paar Milligramm pro Stupa.

Von hier ist es dann nicht mehr weit zu unserem Hotel. Zum Glück, denn mir tun jetzt doch die Füße weh vom vielen Tempel gucken. Der schöne Sonnenuntergang kompensiert das aber dann doch ein wenig.

Sonnenuntergang am Tempel

ins Reich der Big Five von Nepal

22.03.2015

30°C
30°C
200 km
200 km

Wir verlassen Lumbini und machen uns auf den Weg zu einem weiteren Höhepunkt der Tour. Denkt man an Nepal, kommen einem als erstes hohe Berge in den Sinn. Doch es gibt im Süden, an der Grenze zu Indien auch das Tiefland, das Terai. Dieses fruchtbare Gebiet ist ein Eldorado für Tierfreunde, liegt hier doch unter anderem der Chitwan Nationalpark, Heimat von Elefanten, Nashörnern und Tigern. Die nächsten zwei Tage sind uns deshalb Heiligtümer jeglicher Art vollkommen egal und wir konzentrieren uns ganz auf die Natur. Allerdings liegen noch einige Kilometer auf dem Mahendra Highway zwischen uns und der Tierwelt. Verglichen mit den bisherigen Strecken, ist dieser aber ein Klacks. Wie ja bereits erwähnt, befinden wir uns im Tiefland und das heißt keine senkrechten Abhänge ab Straßenrand und kaum Haarnadelkurven. Nach einer eher langweiligen Fahrt erreichen wir nach nur sechs Stunden (für 200km) gegen Nachmittag Sauraha.


hoch beladener Ochsenkarren

Unterwegs aber ein kurzer Stopp in einem Dorf. Hier sind die Häuser ärmlicher, als noch in Tansen. Auch wird viel mehr Fahrrad gefahren. Motorräder können die Menschen sich hier wohl nicht leisten, aber zum Glück ist die Gegend ja flach. Auch Ochsenkarren sieht man vermehrt. Die werden wir später am Tag noch näher kennenlernen.

Es spricht sich unter den Dorfkindern rasch herum, dass die Touristen da sind. Eigentlich müssten die um 10:00 Uhr alle in der Schule sein, aber in diesem Dorf nimmt man das wohl nicht so genau. Am Schluss komme ich mir vor, wie der Rattenfänger von Hameln. 


Das Hotel Parkland überrascht uns alle, sind wir doch von einer einfachen Unterkunft ohne Strom bei Nacht ausgegangen. Um einen zentralen Garten mit Hängematten und Sitzgruppen sind zweistöckige Gebäude angeordnet. Mein Zimmer im oberen Stock ist groß und sauber mit einem Ventilator unter der Decke. Da kommt doch gleich das richtige Dschungelfeeling auf.

Die Steckdosen darf man sich allerdings nicht so genau ansehen. Da würde  jeder deutsche Elektriker einen Anfall bekommen.

 




ob das gut geht?

Nach einer kurzen Verschnaufpause treffen wir uns bei einem Tee am Restaurant bevor wir uns mit Ochsenkarren auf den Weg machen. Zu viert fahren wir in einem, von zwei Ochsen gezogenen Wagen. Ob Ochsen auch durchgehen können?

im Ochsenwagen auf Tour

Das will ich mir lieber nicht vorstellen und hoffe dass unser Kutscher seine zwei Tiere unter Kontrolle hat. Obwohl ich mich manchmal frage, wer da jetzt das Sagen hat.

Unser Ziel ist das 30 Minuten entfernte Dorf Harnari. Hier leben die Tharu, die Ureinwohner dieser Region. Wie auch die Newari, die wir ja bereits kennengelernt haben, gehören sie zu den vielen ethnischen Gruppen in Nepal. Allerdings sind ihre Häuser nicht so schön verziert, wie die der Newari. Traditionell bewohnen sie Stroh gedeckte Lehmhütten oder Langhäuser. Ursprünglich verehrten sie Waldgeister und ihre Ahnen, aber der Hinduismus hat auch hier Einzug gehalten. Sieht ganz so aus, als ob nicht nur die Christen missionieren.

Beim Bummel durch das Dorf stelle ich schnell fest, dass Kinder auf der ganzen Welt doch irgendwie das gleiche spielen, sei es mit Sand, Nachziehspielzeug (hier eben selbst gebaut und nicht im Laden gekauft) oder Abklatschspiele.

Zum Sonnenuntergang erreichen wir dann alle wieder wohlbehalten unser Hotel. Alle Ochsen (die vierbeinigen natürlich) haben sich heute anständig benommen.

zu Besuch bei Nashorn, Tiger und Co

23.03.2015

27°C
27°C
0 km
0 km

Chitwan war früher ein Geheimtipp unter Großwildjägern. Das und die Besiedelung des Terai führte zu einem drastischen Rückgang von Wald und damit auch Tieren. Zum Glück konnten einige Nischen erhalten bleiben. Aber wie so oft: was des einen Freud, ist des anderen Leid. Den Dorfbewohnern war nun der Zugang zu den Früchten des Waldes, dem Brennholz und dem Gras, mit dem sie ihre Dächer decken verwehrt. Dafür durften Fremde in den Park und das geschützte Wild macht sich über die Felder her. Um die Fronten nicht zu verhärten, ist den Dorfbewohnern einmal im Jahr das Schneiden von Gras erlaubt.

Der Park erstreckt sich über 932 Quadratkilometer und ist seit 1984 UNESCO Welterbe. Die Landschaft ist sehr vielseitig mit Wäldern, Flüssen, Sümpfen und Grünland. Dadurch ergeben sich auch zahlreiche Möglichkeiten das Gebiet und seine Tiere zu erforschen. Uns steht ja nur ein Tag zur Verfügung und man möchte doch so viele Gelegenheiten wie nur irgendmöglich nutzen, um Tiere zu sehen. Jedenfalls will ich das. Schlafen und relaxen kann ich auch zuhause.


die Kanus warten schon

Beginnen wir den Tag doch gleich mal mit der Suche nach Krokodilen. Die vom Aussterben bedrohten Gharial-Krokodile kann man hier im Park noch finden. Sie ernähren sich hauptsächlich von Fisch, deshalb auch ihre lange schmale Schnauze. Diese Tiere leben ja bekanntlich im und am Fluss, also bietet sich eine Fahrt im Einbaum an. Und wenn ich sage Einbaum, dann meine ich das wörtlich. Die Kanus, die hier benutzt werden, sind wirklich aus einem großen Baum gefertigt und fassen bis zu 15 Personen. Da sie recht breit und flach sind, ist das Besteigen einfacher als ich dachte.


Viel hin und her rutschen darf man dann aber nicht, will man nicht riskieren, dass die gesamte Reisegruppe den Krokodilen zum Frühstück serviert wird. Es ist so schön ruhig und friedlich, wie wir so dahingleiten. Kein Lärm stört die Ruhe, nur die Vögel sind schon wach und zwitschern. Wir haben Glück und sehen einige der wunderschön bunten Eisvögel.

Und wo sind jetzt die Krokodile? Jeder treibende Baumstamm wird verdächtigt und stellt sich doch als Niete heraus. Wir glauben schon gar nicht mehr daran, da ist der Baumstamm plötzlich doch ein Krokodil. Leider ist es uns nicht vergönnt einen Gharial zu sehen, aber wir sind ja auch nicht im Zoo.

Nach 30minütiger Fahrt über teilweise sehr flache Stellen (man kann das Boot über die Kiesel am Grund schleifen hören) erreichen wir eine Anlegestelle im Dschungel.

Von hier geht es dann zu Fuß weiter. Unser Ranger mit Stock vorneweg. Ob der wohl ausreicht, um uns gegen Angriffe zu schützen?Das Wahrzeichen des Parks ist das Indische Nashorn. Die etwa 500 Exemplare leben im Grasland in Reichweite der Wasserläufe. Sie wirken zwar recht schwerfällig, aber ich habe einen Heiden Respekt vor diesen, bis zu dreieinhalb Tonnen schweren Kolossen. Da ich mir nicht so sicher bin, wer von uns beiden im Fall der Fälle schneller ist, bin ich nicht wirklich ein Freund von Bushwalks. Auf der anderen Seite sind ja noch 14 andere Personen da, die das Nashorn jagen kann, sollten wir überhaupt eines treffen.

Danach sieht es aber nicht aus. Über Trampelpfade und kleinere Stege, die man möglichst hintereinander und einzeln betritt, geht es bis zu einem recht großen See. Hier wurden schon des Öfteren Nashörner gesichtet. Außer Vögeln und Damwild ist heute aber leider nichts zu sehen und unsere Zeit irgendwann um.

Wir wollen uns gerade auf den Weg zu den wartenden Jeeps machen, als es sich herumspricht, dass in der Nähe ein Nashorn gesichtet wurde. Unser Ranger fragt uns, ob wir noch in der Lage wären einen 25minütigen Umweg zu machen. Was für eine Frage?

Für ein Nashorn wäre ich auch noch eine Stunde gelaufen.

am See

Jetzt heißt es aber Tempo zulegen, denn von meinen Afrikareisen weiß ich, dass bei Tiersichtungen das Timing eine ganz entscheidende Rolle spielt. 20 Minuten hetzten wir durch den Busch. Wenn das jetzt alles umsonst war.

Schließlich erreichen wir einen kleinen schlammigen Tümpel und da liegt unser Panzernashorn bilderbuchmäßig im Uferschlamm und suhlt sich. Zwischen uns ist der Tümpel, sodass wir in aller Ruhe beobachten können, ohne Gefahr zu laufen gejagt zu werden. Irgendwann hat das Tier aber keine Lust mehr und verlässt seine Schlammkuhle um am Ufer noch etwas zu fressen. Die Gruppe, die nur zehn Minuten nach uns ankommt, sieht nur noch sein Hinterteil im Dickicht verschwinden.

Wie war das doch gleich noch mit dem Timing? Ein Lob auch an unseren Ranger, denn ohne seine Engagement wären wir ohne Rhino-Foto nach Hause gefahren. Rundum zufrieden machen wir uns auf den Rückweg zum Hotel.

wie führ uns drappiert

Aber noch ist der Tag ja nicht zu Ende und nach einer verlängerten Mittagsrast geht es wieder los. Ein weiteres Highlight erwartet uns, nämlich der Ritt auf dem Elefanten. Es gibt zwar im Park auch noch eine Herde wilder Elefanten, aber dieTiere, die man rund um den Ort sieht, sind alle domestiziert und ausgebildet.

Ich habe so einen Elefantenritt bereits in Indien gemacht und finde das hat ein bisschen was von Maharadscha. Normalerweise teilen sich vier Personen einen Elefanten, aber dank Ram bekommen wir die Luxusversion mit nur drei Personen pro Dickhäuter.

Banane für den Elefant

Da die Wildtiere Elefanten gewöhnt sind, könnte man sogar Glück haben, einen der wenigen Tiger des Parks zu entdecken. Wäre schon toll, aber wenn es um Raubtiere geht bin ich weder in Afrika noch in Asien wirklich erfolgreich. Es bleibt dann auch bei der Sichtung von Spuren und auch die Nashörner lassen sich nicht mehr blicken.

Tigerspuren

Trotzdem ist es schön die zwei Stunden auf dem Elefanten durch den tiefen Busch und durch Wasserläufe zu reiten. Es ist schon erstaunlich, dass die Tiere nach der Ausbildung 50 Fuss- und 20 Wortbefehle beherrschen. Das nutzt aber alles nichts, wenn der Elefant entscheidet, dass der Weg, den er einschlagen soll zu gefährlich ist. Dann ist er stur wie ein Esel. Faszinierend finde ich, wie sie steile Uferböschungen hinauf kommen. Die krabbeln tatsächlich auf den Knien da hoch und nehmen den Rüssel zum Abstützen. Nach so viel Einsatz hat sich unser Elefant ein Bündel Bananen verdient. Er scheint der gleichen Ansicht zu sein und verputzt sie im Handumdrehen.

Leider müssen wir nach zwei Tagen weiter. Über kurvenreiche Straßen geht es wieder zurück Richtung Hauptstadt. 

geheimnisvolles Land am Himalaya (5)