geheimnisvolles Land am Himalaya

Nepal, das Dach der Welt, Land der Berge, Götter und Legenden, Heimat des sagenumwobenen Yeti. Hier liegen insgesamt acht der zehn höchsten Berge der Welt, inklusive dem Mount Everest. Es hat etwas mystisches und geheimnisvolles.

Nepal ist aber auch eines der ärmsten Länder der Welt und wird immer wieder von Streiks gelähmt. (nicht das wir davon in Deutschland verschont wären)

Ich bin also hin und her gerissen, ob ich das Angebot einer zweiwöchigen Reise annehmen soll oder nicht. Selbsternannte Experten um Rat zu fragen macht erfahrungsgemäß wenig Sinn und die Ausführungen des Auswärtigen Amtes würden so manchen von einer Reise zu Yak und Yeti abhalten.

Schließlich siegt die Neugier und ich beschließe mir selber ein Bild zu machen.

Wollte schon immer mal ein Yak sehen.

das Dach der Welt StepMap das Dach der Welt

wer die Wahl hat...

13.03.2015

15°C
15°C
6325 km
6325 km

Damit stehe ich gleich mal vor dem ersten Problem. Obwohl Nepal als Trekking Destination schon sehr bekannt ist, gibt es von Deutschland aus keine Direktflüge.

Die asiatischen Drehkreuze wie Bangkok und Singapur bieten sich als Umsteiger nur bedingt an, da man erst mal übers Ziel hinaus schießt. Indien als Umsteiger wäre ideal, fällt für mich aber auch flach. Wenn schon umsteigen, dann bitte innerhalb derselben Fluglinie und Air India steht bei mir nicht ganz oben auf der Wunschliste. (Star Alliance Mitglied hin oder her)

Bleiben die arabischen Airlines. Die haben zwar den Ruf sehr gut zu sein, aber die Umsteigezeit, die man am Airport verbringt fällt hier in die ganz frühen Morgenstunden. Viel ist in Eco zwar nicht an Schlaf zu denken, aber bei diesen Verbindungen würde mir sogar die Chance genommen.


warten auf den Abflug

Letztendlich nimmt mir der Veranstalter die Entscheidung ab. Ich schließe mich dem Gruppenflug an und der geht mit Turkish Airlines via Istanbul. Dieser verlässt Istanbul gegen Abend, sodass ich wenigstens zeitlich die Chance bekomme ein paar Minütchen zu schlafen. Wenn sich dann noch bewahrheitet, dass sie angeblich zu den besten Airlines Europas gehört… (Aber auch hier scheiden sich die Geister und ich werde meine eigenen Erfahrungen machen müssen) Neun Tage vor dem Abflug befallen mich dann kurzzeitig Zweifel ob der Wahl meiner Fluggesellschaft. Kommt nicht ausgerechnet in Kathmandu eine Maschine der Turkish Airlines bei der Landung von der Bahn ab und blockiert mit eingeknicktem Bugrad die einzige Landebahn. Zum Glück leide ich nicht unter Flugangst und die Wahrscheinlichkeit das derselben Airline das gleiche am selben Flughafen innerhalb von 10 Tagen nochmal passiert ist wohl doch sehr gering. Mit Hilfe des Nachbarstaats Indien ist nach drei Tagen die Startbahn wieder funktionstüchtig. Da freut man sich monatelang auf den Urlaub und dann fällt der beinah ins Wasser. Aber zum Glück kann es ja jetzt endlich losgehen. Rail & Fly ist inkludiert und so bringt mich die Bahn (ausnahmsweise mal pünktlich) zum Flughafen.

So stehe ich dann am frühen Nachmittag am Schalter 662 in Halle B und sage meinem Koffer erst mal auf (hoffentlich)

Wiedersehen. Ich bin ja schon mit einigen Airlines geflogen, aber so ein Wow-Gefühl habe ich am Check-in noch nie gehabt. Manche Airlines wissen halt doch, wer ein Stück weit über die Wahl der Fluglinie mitentscheidet und man kann ja nur guten Gewissens empfehlen, was man selber getestet hat.

Zum Glück geht der Flieger auch pünktlich in Frankfurt raus, sodass der Umstieg in Istanbul kein Problem sein sollte. Das war nämlich meine größte Sorge, gibt es doch nur einen täglichen Flug nach Kathmandu und bei dem straffen Programm das uns erwartet, möchte ich keinen Tag verspätet ankommen. Mein Gangplatz im vorderen Bereich wird mir einen zusätzlichen Zeitvorsprung gewährleisten. Ich kann mich also entspannt zurücklehnen und das gute Essen genießen. Das Lammkebab mit Auberginen ist richtig lecker, aber am besten finde ich den frisch gepressten Orangensaft - yummy.

Pünktlich landet die Maschine in Istanbul. Schade, dass es bereits dunkel ist, so kann man außer einem riesigen Lichtermeer nicht viel erkennen. Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass ich Außenposition hasse? So viel zum Zeitvorteil bei einem Platz in der vorderen Reihe - oder vielleicht doch? In Istanbul hat die Business einen extra Bus, der früher los fährt. Das Anschlussgate ist direkt um die Ecke, aber das wäre ja zu einfach gewesen. Dort kann man mir nämlich nicht mit dem Upgrade helfen. Das geht nur in der Lounge und die ist, wie könnte es auch anders sein, Meilen entfernt.

Jetzt ist rasche Entscheidung angesagt: auf Business verzichten und boarden oder die Beine in die Hand nehmen und die Lounge finden. Da bisher alles prima geklappt hat, wage ich es: Dauerlauf zur Lounge - Bordkarte getauscht (zum Glück war alles im Computer gespeichert - ein Dankeschön nochmal an TK) - im Dauerlauf retour und als einer der letzten in den Transferbus. Puh, den Platz 1K hab ich mir jetzt aber echt hart erarbeitet.

einmal Business-Class genehmigt
ein frühes Abendessen
und viel Platz zum Schlafen

über den Wolken...

14.03.2015

17°C
17°C
14 km
14 km

Ich habe ja vor dem Flug bereits meine Hausaufgaben gemacht und weiß daher, dass man links sitzen muss, wenn man einen Blick auf den Himalaya erhaschen möchte. 1K ist aber bekannter Weise auf der

rechten Seite. Nein, ich möchte jetzt nicht undankbar erscheinen. Für einen Schlafplatz in Business hätte ich auch den undankbaren Mittelplatz genommen, wenn es ihn gäbe. Schlecht für TK, aber gut für mich: die Maschine ist nicht fully booked in Business, sodass ich nach dem Start auf die linke Seite wechseln kann. Jetzt nochmal so einen leckeren Orangensaft und ich bin erst mal wunschlos glücklich. Der Anflug auf Kathmandu ist atemberaubend (im positiven, wie im negativen Sinne). Leute mit Flugangst sollten definitiv keinen Platz in Fensternähe wählen. Schließlich müssen sie am Ende des Urlaubs ja wieder von hier starten. Eine Alternative nach Hause zu kommen gibt es nicht. Ich finde die Bergwelt einfach nur faszinierend und vertraue darauf, dass die Jungs da vorne im Cockpit vor dem Flug die Funktionstüchtigkeit des Höhenmessers überprüft und diesen Anflug im Simulator schon des Öfteren geübt haben.


Bergwelt kurz vor Kathmandu
gleich am Ziel
im Anflug auf Kathmandu

Pünktlich auf die Minute landen wir dann (und heute bleibt auch das Bugrad heil) in त्रिभुवन अन्तर्राष्ट्रिय विमानस्थल. Das ist nepalesisch und bedeutet einfach nur Tribhuvan International Airport. Dieser ist der einzige internationale Flughafen des Landes. International aber nur, weil von hier Flieger ins Ausland starten, nicht weil er besonders groß, modern oder schön wäre. Übrigens war das erste Düsenflugzeug das hier im Jahr 1967 landete eine Boeing 707 der Lufthansa. Schade, dass die Kathmandu nicht mehr anfliegt. (Die LH, nicht die Boeing). 

Namaste
meine Eintrittskarte für Nepal

Ich bin kein großer Fan von langen Schlangen an Einreiseschaltern, aber wer ist das schon. Um die Prozedur wenigstens etwas zu verkürzen, habe ich mir mein Visum bereits in Deutschland besorgt. Ich hätte es zum gleichen Preis auch hier bei Ankunft bekommen können, aber das hätte ein Anstellen in einer weiteren Schlange bedeutet. Hoffentlich haben die anderen Teilnehmer der Tour ähnlich gedacht. Es ist immer ärgerlich, wenn die ganze Truppe auf ein paar Nachzügler warten muss. Mit Visum im Pass ist die Einreise schnell erledigt. Liegt wohl auch daran, dass unser Flug um diese Zeit der einzige ist. Mein Koffer dreht auch schon vergnügt seine Runden auf dem Kofferband. Fehlt nur noch der Mann mit dem richtigen Schild und ich bin erst mal happy. Ach ja, Geld sollte ich vielleicht auch noch tauschen.

Bereits 45 Minuten nach der Landung hat Ram, unser Guide die Truppe zusammen.

Na, dann kann das Abenteuer Nepal ja beginnen.

 

Vor dem Empfangsgebäude herrscht Chaos. Wie gut, dass auf uns ein Bus wartet und wir uns nicht mit den, um Kundschaft kämpfenden Taxifahrern auseinandersetzten müssen.

Der zweite Eindruck ist dann weniger chaotisch als erwartet. Auch der Verkehr ist ok. Ob das wohl daran liegt, dass heute Samstag und damit der freie Tag in Nepal ist? Wir werden es morgen sehen.

Positiv aufgefallen ist mir die Sauberkeit. Es gibt zwar hier und da Müllberge an der Straße, aber die Umgebung ist sauber gefegt. Wie wir erfahren, wird der Müll nachts zusammengekehrt. 900 Tonnen Müll fallen jeden Tag in Kathmandu an. Probleme bereitet aber scheinbar noch der Abtransport in Müllautos. Dank Entwicklungshilfe sind die Autos da, werden aber nicht so intensiv genutzt, wie erforderlich. Ob das jetzt aber an mangelnder Instruktion oder einfach an der Beschaffenheit der Straßen liegt, wer weiß das schon. 

Vom Flughafen aus, geht es erst mal zum Hotel Himalaya. Es ist zwar noch zu früh um die Zimmer zu beziehen, aber eine kleine Pause wird uns gegönnt bevor es richtig losgeht.

Das Hotel macht einen anständigen Eindruck. Im Garten gibt es einen kleinen Pool und sogar einen Tempel. Die Zimmer sind sehr groß und sauber. Fürs erste bin ich positiv

überrascht.

Extra Plus: es gibt baked beans zum Frühstück und damit kann bei mir jedes Hotel punkten.

 



Kathmandu ist die Hauptstadt und einzige Metropole des Landes. Mit ihren goldenen Dächern, vielen Tempeln und heiligen Schreinen hat sie etwas Geheimnisvolles. Rund 1000 Jahre ist sie jetzt alt und inzwischen leben hier 1,2 Mio Menschen. Da bleibt es nicht aus, dass in den neuen Stadtteilen hässliche Betonbauten und Bürohäuser aus dem Boden gestampft werden.  Der zunehmende Verkehr tut sein Übriges, dass man vor lauter Smog den in der Ferne liegende Himalaya nur noch selten zu Gesicht bekommt. Das mag ein Grund sein, warum die Stadt Touristen nicht mehr so lange in ihrem Bann hält wie früher. 

Dabei ist sie absolut sehenswert und wenigstens ein Besuch der Altstadt muss heute noch sein. Am letzten Tag werden wir dafür keine Gelegenheit mehr haben.  

Bevor wir uns aber ins Altstadtgetümmel begeben, ist erst mal eine Lehrstunde in nepalesischer Religion angesagt.

In den nächsten Tagen werden wir mehr Tempel sehen als in Oberägypten und noch dazu in geballter Form. Man sagt ja, Nepal habe drei Religionen: Hinduismus, Buddhismus und Tourismus.

Ich dachte immer die alten Griechen hätten viele Götter, aber der hinduistische Götterpantheon scheint ebenso riesig und unübersichtlich. Schaut man aber genauer hin, gibt es eigentlich nur eine Hand voll Götter, die aber in unterschiedlichen Inkarnationen auftreten, was leicht für Verwirrung sorgt. Jeder Gott hat neben Frau und Kind auch sein bevorzugtes Reittier. Wie schon im Wilden Westen werden diese Tiere vor dem Haus (bzw. Tempel geparkt). Erblickt man eine der Garuda Statuen, kann der Vishnu-Tempel folglich nicht weit sein.

Hier nun die drei Hauptdarsteller in alphabetischer Reihenfolge:


BRAHMA mit Gattin Sarasvati kommt auf einer Gans daher. Er ist eigentlich der höchste Gott, taucht aber viel seltener auf, als die beiden anderen.

SHIVA mit Gattin Parvati reitet einen Stier. Mit ihm sollte man es sich nicht verderben, denn als Zerstörer und Erschaffer ist er der wichtigste Gott in Nepal. Der nette Shiva erscheint als Pashupati, dem Hüter allen Lebens. Als Bheirab ist er unterwegs, wenn das Böse in ihm durchkommt. Seine Beziehung zu Parvati ist eine rein sexuelle, wobei in diese Beziehung die Frau die Hosen an hat. Auch sie hat ihre guten Inkarnationen (Devi, Uma oder Gauri) sowie die furchtvollen (Kali und Taleju)

VISHNU reitet einen Garuda. Er ist der Schützer und Bewahrer und in seiner Form als Narayan der Erschaffer des Universums. Er kommt auch als Rama, Krishna und Buddha daher. Seine Begleiterin ist Lakshmi, die Göttin des Reichtums und Wohlstands.


Blieben noch GANESHA (der elefantenköpfige Sohn von Shiva und Parvati) auf seiner Ratte, HANUMAN (der Affengott) sowie INDRA und MACCHENDRANATH als lokaler Götter.

Noch Fragen????????????????????

Nein, dann kann es ja losgehen mit der Erforschung von Kathmandus Altstadt.

Rami Pokhari

Wir beginnen unsere Tour am Rami Pokhari, dem Teich der Königin. König Pratap Malla ließ ihn anlegen, um seine Frau über den Tod ihres Sohnes hinwegzutrösten.

Leider ist das Gelände mit dem Shiva Tempel nicht mehr zugänglich seit es für Selbstmörder eine magische Anziehungskraft zu haben scheint.

Von hier aus wagen wir uns mit Ram ins Getümmel der Altstadt. Damit wir ihn nicht verlieren, hält er hoch erhoben die nepalesische Flagge.

 

Flagge Nepals

Übrigens ist sie neben den Flaggen des Vatikans und der Schweiz die einzige Nationalflagge der Welt, die nicht die Form eines Rechtecks hat und die einzige mit mehr als vier Ecken. Die ungewöhnliche Form entstand vor 100 Jahren, als zwei Wimpel zu einer Flagge zusammengefasst wurden. Das Karminrot ist die nepalesische Nationalfarbe und Blau steht für Frieden. Die zwei Zipfel stehen für die Bergspitzen des Himalaya, Halbmond und Stern symbolisieren das Königshaus, die Sonne dagegen die adlige Rana-Dynastie. Sie symbolisieren aber auch die Hoffnung, die Nation möge so lange Bestand haben wie die Himmelskörper.

Erstaunlich ist, dass zur Konstruktion der Flagge lediglich ein Zirkel und ein Lineal von Nöten sind.

Wie es geht steht in der Verfassung von 1990.

Doch zurück zu Kathmandus Altstadt.

Man sollte dieses Labyrinth aus engen Gassen und Plätzen unbedingt erforschen. Wie Bienenwaben kleben die, durch Innenhöfe verbundenen Tempel und Wohnhäuser aneinander. Hier taucht man ein in das traditionelle Nepal und so mancher Museumsdirektor würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen ob der 1000-jährigen Statuen, die hier einfach als Wäscheleine oder Spielgerät der Kinder

genutzt werden.

Kaum haben wir uns auf den Weg gemacht, treffen wir auch schon auf unseren ersten Schrein. Von diesen Mini-Heiligtümern gibt es tausende in der Stadt. Manche sind recht groß und als Schrein

erkennbar, manche aber auch nur ein Stein im Pflaster oder sogar eine Vertiefung an der Straße. Also besser Augen auf beim Altstadtbummel.

Vor diesem Heiligtum sitzt eine kleine bronzene Ratte. Na, wer hat aufgepasst und kann mir sagen, wer hier verehrt wird? Es ist, unschwer zu erkennen, Ganesh, der elefantenköpfige Sohn von Shiva und Parvati.

Was ist jetzt aber bloß bei der Entstehung Ganeshs schief gelaufen? Wie kam das arme Kind zu seinem Elefantenkopf? Wie so oft steckt unbegründete Eifersucht dahinter. Einst ging Shiva zum Meditieren in die Wälder und lies seine Frau Parvati unbewacht zurück. Das nutzte ein fremder Mann, der eines Tages an ihrem Badeplatz auftauchte.


Bevor Parvati nun das nächste Mal baden ging, formte sie aus Staub und Salbe einen hübschen Sohn und bat ihn, keinen fremden Mann an den Teich zu lassen. Es kam, wie es kommen musste. Shiva kam zurück und sein Sohn stellte sich dem, ihm unbekannten Mann in den Weg. Dieser hielt ihn für einen Rivalen und schlug ihm kurzerhand den Kopf ab. Parvati fand das verständlicherweise gar nicht toll und war untröstlich. Daraufhin sandte Shiva seine Männer aus, nach einem Ersatzkopf zu suchen. Sie trafen recht bald auf einen weißen Elefanten und oh Wunder, der Kopf passte und wuchs an. Ende gut – alles gut! Ganesh gilt seither als Gott des Anfangs, des Glücks, der Weisheit und der Überwindung von Hindernissen.

Weiter geht es zum Assan Tole. Hier tobt im wahrsten Sinne des Wortes das Leben. Es ist nicht nur der verkehrsreichste Platz der Stadt, sondern auch Handelsplatz für alles von Yakschwänzen bis Kokosnüssen.

Nicht umsonst war er früher der Beginn der Hauptkarawanenroute nach Tibet. Wer jetzt aber einen riesigen Platz erwartet wird enttäuscht sein. Aber ganz ehrlich, das würde auch nicht zu diese Altstadt passen. Stundenlang könnte ich mich hier verweilen, die Leute beobachten und die Waren checken, aber es gibt doch noch so viel mehr zu entdecken.

Den Annapurna-Tempel, zum Beispiel, am Rande des Platzes.

Straßenhändler

Wir folgen nun der gleichnamigen Straße, immer auf der Hut nicht von Motorrädern über den Haufen gefahren zu werden und stehen plötzlich vor einem unscheinbaren Tor. Eintreten erlaubt und erwünscht.

Dahinter liegt der Seto Machhendranath Tempel, auch Jan Bahal genannt. Er ist Anziehungspunkt für Hindus und Buddhisten. Der Innenhof ist voller Schreine, Statuen und Stupas. Von Kerzen umgeben findet sich hier sogar eine europäisch aussehende Statue. Wie die wohl hierher gekommen sein mag? Sie scheint aber in

die hindu-buddhistischen Götterwelt aufgenommen worden zu sein. Bei den vielen Göttern kommt es auf einen mehr oder weniger wohl auch nicht an.

 

 

 


Akash Bhairab Tempel
bewacht von Löwen

Wenige Schritte weiter erreichen wir dann Indra Chowk mit dem Akash Bhairab Tempel. Den Herrn werden wir später noch näher kennen lernen. Sein hiesiger Tempel wird bewacht von vier Löwen auf dem Dach und zwei weiteren vor dem Eingang. Der Platz selber ist Handelsort für Decken und Kleidung.


Schließlich kommen wir zum Mittelpunkt und der Hauptsehenswürdigkeit Kathmandus, dem Durbar Square, wo sich einst die Handelswege kreuzten und der, genau genommen, aus drei verlinkten Plätzen besteht. Jede wichtige Hindugottheit scheint hier einen Tempel zu haben und viele gläubige Hindus bringen ihre Opfer dar.

Doch nicht nur deshalb tobt zwischen den über 50 Heiligtümern, Schreinen und Gebäuden das Leben. 

Da sind die selbsternannten Guides, die Touristen die Geheimnisse Kathmandus näher bringen wollen. Überall trifft man auch auf Straßenhändler, die von Obst bis Taubenfutter alles zu bieten haben, was das Herz begehrt (oder auch nicht begehrt). Erstaunlich viele größere und kleinere Touristengruppen kann man entdecken. Gibt scheinbar noch andere, die nicht nur zum Trekking herkommen. Der eine oder andere Sadhu verirrt sich auch hier her, sind doch Touristen einen gute Einnahmequelle. Von diesen heiligen Männern aber später mehr. Was fehlt noch in einem solchen Land? Natürlich die heiligen Kühe und auch diese begeben sich auf der Suchen nach Fressbaren ins Getümmel. 

Ich glaube, hier kann man Tage verbringen und entdeckt doch immer wieder neues. Da ist es doppelt gut, wenn man einen Guide hat, der einem die wichtigsten Gebäude zeigen und erklären kann.

Taleju Tempel

Das auffälligste Gebäude und gleichzeitig der höchste Tempel im ganzen Kathmandu-Tal, der Taleju Tempel, entstand zur Zeit der Malla-Herrscher um 1330. Er ist so heilig, dass ihn nur der König und wenige Priester betreten dürfen. Für Ausländer ist er leider tabu und selbst Nepalesen dürfen ihn nur während des Dhasain-Festes betreten.  

Maju-Deval Tempel

Um sich einen Überblick über den Platz mit seinen vielen Gebäuden und verwinkelten Gassen zu machen, ersteigt man am besten die Treppen zum Maju Deval. Hier würde sich eine Rast anbieten, um das Geschehen in aller Ruhe auf sich wirken zu lassen. Hätte ich doch nur mehr Zeit, aber es gibt doch noch so viel mehr zu entdecken. 

mit Garuda

Dächer am Durbar Square
Shiva + Parvati

Mein Zeitproblem haben die beiden, aus einem Fenster ihres Tempels blickenden Figuren Shiva und Parvati wohl eher nicht. Von weitem sehen sie fast wie ein altes Ehepaar aus, dass sich den Tag vertreibt. Ob denen bei dem Chaos hier wohl jemals langweilig wird? Aber, wer weis, vielleicht ist Shiva mit seinem Gedanken auch ganz woanders. Man beachte nur mal, wo der Mann seine Hand hat.

 

Königspalast

Durbar bedeutet so viel wie Königshof, also muss es hier ja auch einen Palast geben. Direkt an der Hanuman-Statue, die als solche fast nicht zu erkennen ist, befindet sich der Eingang zum alten Palast, der bis 1908 Residenz der Könige war. Hanuman, der Affengott soll den Palast und seine Bewohner beschützen. Gleich dahinter befindet sich das Goldene Tor, flankiert von zwei steinernen Löwen. Auf ihnen reiten Shiva und Parvati, die wir eben noch am Fenster ihres Tempels gesehen haben. Können die sich beamen? Von den ehemals 35 Innenhöfen blieben nach dem Erdbeben von 1934 nur zehn übrig.

Einen guten Überblick könnte man sich vom oberen Stockwerk des Basantapur Turmes machen. Mir ist aber ehrlich gesagt die Treppe zu steil und zu viel Gegenverkehr von oben. Also lasse ich das besser sein. Am Turm entdecke ich auch zum ersten Mal die erotischen, oft sehr Detail reichen Schnitzereien, die so manchen nepalesischen Tempel zieren und von denen ich bereits im Reiseführer gelesen habe. Dazu aber später mehr.

Eine Besonderheit am Palast bedarf aber noch der Erwähnung. An der Außenseite befindet sich eine steinerne Inschrift über die Göttin Kalika. Eigentlich nichts Besonderes, aber diese ist in 15 Sprachen verfasst (inklusive einem Wort in Französisch und natürlich einem in Deutsch) und die Legende besagt, dass Milch aus dem Wasserspeier fließt, sollte jemand in der Lage sein, alle 15 Sprachen zu erkennen.

der schwarze Bhairab

Anziehungspunkt des Platzes ist eindeutig das bunte Wandbild des Schwarzen Bhairab. Das ist der Herr, dessen Tempel wir auf dem Weg hierher bereits besucht haben. Es heißt, wer in seiner Gegenwart lüge, würde durch ihn getötet. Deshalb mussten Zeugen in Prozessen hier ihre Aussage machen. Furchteinflößend sieht er schon aus mit seinem grimmigen Blick und dem erhobenen Schwert. Da würde ich mir als einfacher Mensch auch so meine Gedanken bezüglich meiner Aussage machen.

von Menschen verehrt

Eindeutig besser gefällt mir da schon der Weiße Bhairab, der versteckt hinter einem Gitter zu finden ist. Nur einmal im Jahr zum Indra-Jatra-Fest darf er sein Gefängnis verlassen. Dann fließt aus seinem Mund, sehr zur Freude der Feiernden, literweise Reisbier.

Heißt es nicht, Kinder und Betrunkene sagen immer die Wahrheit. Wozu braucht es dann den bösen schwarzen Bhairab? Und im weitesten Sinne handelt es sich ja irgendwie auch um ein und dieselbe Person. Sind doch beide nur eine der vielen Formen von Shiva.

Kumari Bahal

Natürlich darf eine Besichtigung des wichtigsten Gebäudes der Stadt nicht fehlen. Es handelt sich dabei um den Kumari Bahal, das Zuhause der lebenden Göttin.

mit schönem Innenhof

Der Innenhof des Palastes mit seinen besonders schönen Fenstern ist für jeden zugänglich und mit ganz viel Glück zeigt sich die Göttin sogar an einem der Fenster.

 

Wie kam es aber zu diesem Kumari-Kult? Kumari ist eine Inkarnation von Taleju. Deren Tempel haben wir ja bereits gesehen. Diese war die wichtigste Göttin der nepalesischen Könige und ist auch die Schutzgöttin des Kathmandu-Tals. Die Legende besagt, dass König Prakash Malla einst in seinem Palast ein Mädchen beim Karten spielen beobachtet haben soll. Weiter nichts ungewöhnliches, aber das Mädchen gewann immer. Neugierig geworden, lud er es in seine Gemächer ein und, typisch Mann, versuchte es zu verführen. Das bekam ihm aber nicht besonders, denn das Mädchen tobte und drohte seinen Palast zu zerstören bevor es plötzlich verschwand. Da schwante dem König arges. Hatte er etwa versucht Kali, die zerstörerische Inkarnation von Taleju zu verführen? Die Sache ging dann doch noch gut für ihn aus. Die Göttin erschien ihm im Traum und forderte ihn auf eine Jungfrau auszuwählen und ihr einen Tempel zu bauen. Sobald diese ihre erste Menstruation bekäme, solle er ihre Inkarnation finden.

Gesagt, getan! Der König war so erleichtert, dass er sofort den Kumari Bahal bauen ließ.

Wie aber findet man jetzt alle paar Jahre die Inkarnation der Kumari? Fünf Newar-Prister wählen ein etwa vierjähriges Mädchen aus der Kaste der Gold- und Silberschmiede aus. Das ist nicht ganz so einfach, wie es klingt, denn die zukünftige Kumari darf noch nie einen Tropfen Blut verloren haben (frage mich, wie man das überprüfen will), muss 32 körperlichen Anforderungen gerecht werden (wie z.B. die Form ihrer Füße) und darf keineswegs schreckhaft sein. Muss sie doch unter anderem in einem abgedunkelten Raum Männern mit Dämonenmasken beim Tanzen zuschauen.

Man bedenke, es handelt sich hierbei um vierjährige. Die meisten würden sich wahrscheinlich sogar vor weniger schrecklichen Dingen fürchten.

Ist ein Mädchen gefunden, zieht es in den Palast ein, den sie nur an wenigen Tagen im Jahr verlassen darf. Hier wohnt und lebt sie und erhält heutzutage sogar Unterricht. Sobald sie jedoch den ersten Tropfen Blut verliert, und sei es nur eine Schnittwunde, ist ihr Leben als Kumari vorbei und das neue weltliche Leben nicht immer einfach. Oft findet sie nie einen Ehemann. Männer schwärmen zwar für Göttinnen, aber so ein verwöhntes Wesen auch heiraten? Außerdem hält sich hartnäckig das Gerücht, dass wer eine ehemalige Kumari heiratet, früh stirbt.

Haus Kasthamandap

Den Abschluss macht dann das Haus Kasthamandap, das ältesten Gebäuden, am südlichen Eingang des Platzes. Dieses soll der Legende nach aus dem Holz eines einzigen Baumes gebaut worden sein und Kathmandu wahrscheinlich seinen Namen gegeben haben.

Früher traf man sich hier zu Versammlungen und Feiern, heute beherbergt es einen Tempel zu Ehren des Gottes Gorakhnath.

Der Baum muss wohl riesig gewesen sein, denn nebenan steht der Singh Sattal. Ursprünglich hieß er Silengu (übriggebliebenes Holz) Sattal (Hostel), aber seit vier goldene, geflügelte Löwen (Singh) ihn bewachen, trägt er den neuen Namen.

Nach so vielen Geschichten, Gottheiten und Tempeln schwirrt mir jetzt der Kopf und das bereits am ersten Tag. Wie soll das dann erst die nächsten Tage werden?

Schleckermäulchen

Aber Ram hat noch kein Erbarmen mit uns. Eine Sehenswürdigkeit muss heute noch sein und das ist der nicht weit entfernte Swayambhunath Stupa, auch Affentempel genannt. Zum Glück lässt er uns nicht den steilen Treppenaufstieg nehmen, sondern bietet uns den kürzeren vom Busparkplatz. Von hier sind es nur wenige Stufen hinauf zur Stupa. Gesäumt ist der Weg von einer ganzen Affenhorde - daher auch der Name. Diese sind zwar nicht ganz so aggressiv, wie die Baboons am Cape Point, aber auf eine Auseinandersetzung möchte ich es dann doch nicht ankommen lassen.

Auf dem Weg nach oben sieht man schon überall die bunten Gebetsfahnen im Wind flattern. Sie sind mit Mantras bedruckt und es heißt, die Gebete würden durch den Wind in den Himmel geschickt.

Oben angekommen, fühlt man sich gleich irgendwie beobachtet und tatsächlich sind an allen vier Seiten der Stupa die Augen Buddhas aufgemalt. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Gesicht, doch was wir als Nase halten ist das nepalesische Zeichen für die Ziffer eins und bedeutet Einigkeit.

Da heute für die Nepalesen der freie Tag ist, geht es hier rund. Viele Pilger sind gekommen, umkreisen den Stupa und drehen die Gebetsmühlen.

Wenn es nicht so diesig wäre, hätten wir von hier oben einen wunderbaren Blick auf die riesige Stadt Kathmandu und die umliegenden Berge.

Nichts geht jetzt mehr. Wir sind für den heutigen Tag nicht mehr aufnahmefähig - zu viele Eindrücke sind in nur sechs Stunden auf uns eingeprasselt und das muss erst mal verdaut werden.

Darum geht es nun ins Hotel und aufs Zimmer. Da bleibe ich dann auch und lasse das Abendessen ausfallen. Ich bin erst mal fertig und der fehlende Schlaf der letzten Nacht (trotz Business-Class) macht sich auch bemerkbar.

Das war jetzt mal ein Tag vollgepackt mit Tempeln und Stupas und morgen geht es gleich so weiter.

geheimnisvolles Land am Himalaya (2)